Neuer JMStV / 2 Korrekturen

Falschdarstellungen und Vorurteile
Rey Alp
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Re: Neuer JMStV

Beitragvon Rey Alp » So 2. Okt 2016, 11:07

Ich habe die Regelung falsch verstanden - Anfrage ging noch nicht raus.

Mehr hier in Kürze^^.

Sry.

Rey Alp
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Re: Neuer JMStV / 2 Korrekturen

Beitragvon Rey Alp » So 2. Okt 2016, 11:28

Also:

Korrektur

Mein erster Irrtum war zu glauben, dass eine Regelung erst mit der Neufassung hinzugekommen war.

Mein zweiter war, dass ich die Regelung falsch verstanden hatte.

§ 5 Abs 2 JMStV lautet:

Bei Angeboten wird die Eignung zur Beeinträchtigung der Entwicklung im Sinne von Absatz 1 vermutet, wenn sie nach dem Jugendschutzgesetz für Kinder oder Jugendliche der jeweiligen Altersstufe nicht freigegeben sind.


Ich hatte dies so verstanden, dass eine ein Angebot als "Entwicklungsbeeinträchtigend" gilt, soweit eine Kennzeichnung nicht vorliegt: "wenn sie [...] für Kinder oder Jugendliche der jeweiligen Altersstufe nicht freigegeben sind". Ich finde auch nach wie vor, dass man den Satz grammatikalisch so verstehen kann. So soll er aber nicht verstanden werden.

Hier die Erläuterung (Habe mir die pdf gleich mal gespeichert):

Die Vermutung der Eignung zur Entwick­lungsbeeinträchtigung nach Absatz 2 bedeutet, dass bei Programmen mit der Kennzeichnung „Keine Jugendfreigabe“ oder „Nicht freigegeben unter 18 Jahren“ sowie bei solchen Programmen ohne Kennzeichnung für alle Altersgruppen von Kindern und Jugendlichen beeinträchti­gend sind. Das Gleiche gilt für Anbieter von Telemedien in Bezug auf Spielprogramme, die es auf Bildträger oder für Bildschirm­spielgeräte gibt. Wenn es besondere Grün­de gibt, im Einzelfall davon auszugehen, dass dies nicht der Fall ist, kann von der Vermutung auch abgewichen werden. Für das Fernsehen sind entsprechende Aus­nahmeregeln in § 9 JMStV ausdrücklich vorgesehen.

Wenn die Vermutung des Absatzes 2 nicht greift, weil es sich um andere, nicht gekenn­zeichnete oder nicht zu kennzeichnende Programme handelt, muss der Anbieter selbst bzw. der bestellte Jugendschutzbe­auftragte oder die Selbstkontrolleinrich­tung nach § 19 JMStV eine Einschätzung vornehmen, für welche Altersgruppe das Angebot beeinträchtigend sein könnte.


Es ist mit der Regelung also gemeint, dass wenn ein Videospiel Offline als "ab 16" Freigegeben ist, für den Onlinebereich vermutet wird, dass es auch hier "ab 16" ist. Es soll immer Voraussetzung sein, dass im Offlinebereich eine Einstufung existiert. Die Konstellation, dass ein Spiel Offline keine Kennzeichnung hat, soll gerade nicht die Vermutung begründen können. Das hatte ich mir aus dem Wortlaut aber nicht erschließen können. Es geht also lediglich um die Herstellung einer Konvergenz zwischen Online- und Offlinebewertungen.

edit:

Also was an Änderungen bleibt:

    - Die "USK-Kennzeichnung" kann zukünftig auch für Telemedien vergeben werden.

    - Die USK darf zukünftig Jugendschutzprogramme anerkennen.

    - Durch Anerkannte Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle (k. A., ob es schon welche gibt) können ebenfalls zukünftig Altersfreigaben erteilt werden, die durch die kjm bestätigt werden können. (Ich glaube langsam, dass nur die internen Bewertungen bei der Beratung der Mitglieder gemeint sind).

    - Die Altersgruppen werden - entsprechend dem JuSchG - auf "ab 6", "ab 12", "ab 16" und "ab 18" festgelegt. Wie hierzu der Umstand passt, dass es Regelungen für Kinder unter 14 gibt, weiß ich nicht.

    - Das "Labeln" ist nicht mehr Unterpunkt von anerkannten Systemen, sondern nun neben den sendezeiten eine von 3 Varianten.

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Re: Neuer JMStV / 2 Korrekturen

Beitragvon Pyri » So 2. Okt 2016, 15:19

Mir ist immer noch unklar weshalb die USK bislang keine Telemedien geprüft haben soll. Ist der Begriff Telemedium irgendwo definiert? Ein MMO wie "World of Warcraft" ist doch in jedem Fall ein Telemedium und USK-geprüft.
So wie ich das sehe läuft das schon darauf hinaus, dass - analog zu den hermetisch abgeriegelten Konsolen wie ich im anderen Thread vorhin schrieb viewtopic.php?f=79&p=17219#p17219 - etwa Valve in Hinkunft sich gezwungen sehen dürfte nur mehr USK-geprüfte Spiele in Deutschland anzubieten.
Microsoft, Nintendo und Sony sind ja alles BIU-Mitglieder und profitieren tendenziell auch von USK-Prüfungen. Und es stellt sich für mich da schon die Frage weshalb etwa bei Valve indizierte Spiele rausgeworfen wurden, aber auf die Sendezeiten-Regelung trotzdem verzichtet wird - was da auf deutsche Gamer noch alles zukommen könnte.
Auf den Konsolen ist es momentan etwa so, dass bei Sony in Deutschland die Rechtsmeinung besteht, dass selbst USK-16-Demos/F2P nicht zur Verfügung gestellt werden könnten solange keine Zahlung geleistet wurde. Erst eine Zahlung würde den Jugendschutz gewährleisten - weshalb viele Inhalte über die Jahre hinter PlayStation Plus versteckt wurden (das von Vornherein das USK-18-Label trägt). Microsoft sieht das hingegen nicht so eng.
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Re: Neuer JMStV / 2 Korrekturen

Beitragvon Rey Alp » So 2. Okt 2016, 15:30

Die USK (bzw. der Ständige Vertreter der OLJB im Verfahren zur USK-Kennzeichnung) durfte bisher nur auf Datenträgern vertriebene Spiele prüfen. Vor dem Hintergrund, dass bei Onlinespielen nur noch ein Client auf den CDs zu finden ist, kannst du mit Recht bezweifeln, wieweit man hier nach davon sprechen kann, dass es kein Telemedium sei. Faktisch wurden "auch" Telemedien geprüft. Treffender wäre es wohl zu sagen, die USK hat bisher alleine auf Datenträgern veröffentlichte Spiele sowie Clients für Onlinespiele/Telemedien geprüft. Weiter wirkte sich auch schon bisher die Kennzeichnung von Datenträgern bei Telemedien aus, da diese auch dort beachtet werden mussten.

"Neu" ist jetzt, dass auch ein Spiel bewertet werden kann, dessen Client nicht auf Datenträgern, sondern nur per Download vertrieben wird.

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Re: Neuer JMStV / 2 Korrekturen

Beitragvon Pyri » So 2. Okt 2016, 16:03

"Dürfen" mag zwar stimmen, aber die Realität sieht doch ganz anders aus: auf deutschen Konsolenmarktplätzen finden sich unzählige USK-geprüfte Titel, die weltweit nur als Download erhältlich sind.
Um nur ein einziges (aktuell) verifizierbares Beispiel zu nennen: "Fable II - Pub Games" (2008). http://ogdb.eu/index.php?section=title&titleid=12341 http://www.usk.de
Hinzu kommt, dass die USK vor der Gamescom jedes Jahr sogar Messetrailer prüft. In der USK-Datenbank einfach mal nach "trailer" suchen. Dort finden sich darüber hinaus ganze Plattformen wie den DSi, für den es überhaupt keine auf Datenträgern vertriebenen Spiele gab.
Wie das alles rechtlich möglich ist, oder überhaupt stimmen kann, war mir zwar immer schon ein Rätsel - aber so sieht es nunmal aus.
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Re: Neuer JMStV / 2 Korrekturen

Beitragvon Rey Alp » So 2. Okt 2016, 23:17

Bei der Frage, wie die usk zur Prüfung von Trailern kommt, steige ich auch nicht durch. Wie die usk nach der bisherigen Rechtslage ausschließlich online vertriebene Inhalte einstufen kann, könnte ich mir auf der Grundlage der bisherigen gesetzeslage auch nicht erklären. Hierbei bestünde aber ggf. die Möglichkeit, dass eine Speielezeitschrift den heruntergeladenen Client auf die Heft-CD gebrannt hat und diese hat prüfen lassen. Bei der usk-Datenbank gibt es da extra die Rubrik "Coverdisk". Alternativ kann eine prüfung durch DT-Control erfolgen. Hier wird aber eigentlich nach den verschiedenen dateien auf der CD differenziert, sondern nur eine "Gesamtfreigabe" ausgespuckt, die sich wohl nach dem gefährlichsten Inhalt richtet. explizite Einträge für reine Onlinespiele kann ich mir damit aber - wie gesagt - auch nicht erklären.

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Re: Neuer JMStV / 2 Korrekturen

Beitragvon Rigolax » Fr 7. Okt 2016, 02:09

Offenbar kann sie das über USK.online, ein "eigenständiger Geschäftsbereich unter der
Verwaltungs-und Rechtsträgerschaft der FSU GmbH".

http://usk.de/fileadmin/documents/Publi ... t-2011.pdf

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Re: Neuer JMStV / 2 Korrekturen

Beitragvon Rey Alp » Fr 7. Okt 2016, 08:20

Danke für den link. Ich bin mir jedoch noch nicht sicher, ob dort tatsächlich eine staatliche Kennzeichnung geregelt ist. Ich glaube auch bei dem neuen jmstv eine Formulierung zunächst falsch verstanden zu haben. Es muss glaube ich zwischen bloßen unverbindlichen altersbewertungen (quasi Selbsteinschätzung des Anbieters, damit er die passenden Massnahmen ergreifen kann) und der staatlichen Kennzeichnung nach jmstv (neu) bzw. Juschg unterschieden werden. Die USK online kann glaube ich nach dem Dokument nur die unverbindliche altersbewertung als Selbsteinschätzung für die Anbieter vornehmen, die Mitglieder von USK online sind. Also quasi die Arbeit von deren jugendschutzbeauftragten über nehmen. Dass bei den Beschwerdverfahren hiergegen jedoch auch die echten jugendschutzbeauftragten tätig werden sollen, irritiert mich etwas. Das erscheint doch als arg urbertrieben, weshalb ihr hier Zweifel habe, ob dass nicht doch verbindliche Bewertungen sind.


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