Links zur Presse (Stigma) #7

Falschdarstellungen und Vorurteile
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Patrik
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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon Patrik » Di 25. Sep 2018, 07:01

In der Schweiz haben Fußballfans auf Protest gegen E-Sport (bzw. dessen kommerziellen Fokus) Gamepads auf das Spielfeld geworfen: https://www.gamestar.de/artikel/protest ... 35068.html

Um ehrlich zu sein, bin ich da ambivalent. E-Sport hat definitiv seine Probleme - genau wie der kommerzielle Profifußball. Vielleicht ist das ein Thema für einen längeren Kommentar.

@ ShaneFenton: Wow. Great work.
„What we became convinced of, is that Linux really is the future of gaming“ – Gabe Newell (Valve)

amegas
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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon amegas » Di 25. Sep 2018, 21:18

https://mobil.stern.de/panorama/stern-c ... 75208.html

„Prozessauftakt in Berlin:
"Das ist ein außergewöhnlicher Fall" - Erstach der 15-Jährige seine Mitschülerin aus "Mordlust"?“

„Zu Spekulationen, die 14-Jährige habe sich töten lassen wollen, gebe es keine Anhaltspunkte, sagte Weber. Es sei ihm auch nichts von Killerspielen bekannt. Alle seien aus "ganz normalen, geordneten Verhältnissen" gekommen.“

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Pyri
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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon Pyri » Di 25. Sep 2018, 23:55

Patrik hat geschrieben:In der Schweiz haben Fußballfans auf Protest gegen E-Sport (bzw. dessen kommerziellen Fokus) Gamepads auf das Spielfeld geworfen: https://www.gamestar.de/artikel/protest ... 35068.html

Um ehrlich zu sein, bin ich da ambivalent. E-Sport hat definitiv seine Probleme - genau wie der kommerzielle Profifußball. ...


Man müsste sich halt genau ansehen wie diese "Fans" zum obszönen Transfermarkt stehen - von den Unsummen welche mittlerweile ebenfalls für Übertragungsrechte ausgegeben werden ganz zu schweigen.
Sich dann fragen wie bigott diese "Kritik" etwa ist, wenn es sich zum Beispiel um lauter Heuchler handeln sollte die jede Woche brav ihre Eintrittskarten in den Millionärszirkus entwerten lassen. Ansonsten würde ich mir von einem Verband der allgemein angeblich für "Video- und Computerspieler" eintritt schon erwarten, dass er sich auch gegenüber der E-Sport-Wirtschaft solidarisch zeigt - zumal es hier kaum um Schweiz-spezifische Vorwürfe gehen wird.

Videospiele haben nun mal das Problem, dass sie sich als Medien an einer Schnittstelle zwischen Sport, Kunst und Bildung befinden. Sowie als Unterhaltung für gewöhnlich weder für das eine, noch das andere gehalten werden.
Ich halte das jedenfalls für ein weiteres Textbook-Example, dahingehend dass sich die Außenwahrnehmung keineswegs so sehr geändert hat wie es innerhalb der Branche, dem angegliederten Games-Journalismus und den assoziierten Medienwissenschaften (vor allem über die Fachhochschulen) einem glaubhaft versichert werden möchte. So wie zuletzt bei der (wiederholten) Debatte um Bundeswehr-Werbung auf der Gamescom: Videospiele gelten in der Außenwahrnehmung einerseits noch immer (und wegen dem Druck von Seiten des E-Sports, gerade in Hinblick auf die Olympischen Spiele etc., vielleicht sogar mehr denn je) als Ausdruck von Geschäftemacherei mit dem sich erst noch zu arrangieren wäre, der aber - siehe Bundeswehr - erstmal nicht zu ignorieren ist. Andererseits gelten Videospiele weiterhin als exorbitante Sinnlosigkeit und Zeitverschwendung (abgesehen von ihrem traditionellen Status als gesellschaftlicher "Gefahr" in die eine - Sucht -, oder andere Richtung - Gewalt): dafür, um das überhaupt erkennen zu können, müsste jedoch zunächst die soziale Bereitschaft bestehen sich mit der Bedeutung und Sinnhaftigkeit dieser Medien und ihrer Inhalte auseinander zu setzen. Es ist einfach nicht hilfreich, wenn diesbezüglich wenigstens in der deutschsprachigen Medientheorie die Position so dominant ist sich darauf auszuruhen im Sinne eines Adorno die Hochkultur doch emanzipatorisch überwinden zu wollen, wenn gleichzeitig immer mehr Ressentiments gegen populäre Kulturen und deren RezipientInnen als Nazis und Sexisten aufgebaut werden (diese ansonsten vor allem als politisches Mittel zum Zweck missbraucht werden möchten). Regelrecht fatal aber schließlich die sublime Behauptung, dass jede Diskussion über Sinn und Unsinn des Mediums nur in den Relativismus führen würde, sich stattdessen lieber mit aus meiner Sicht absolut sinnloser, empirischer Sammel-Akrobatik zu beschäftigen und sich über das Medium und seine Belange selbst in bemerkenswerter Weise eigentlich gar nicht zu äußern, keine Stellung zu beziehen.
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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon Patrik » Mi 3. Okt 2018, 20:03

Pyri hat geschrieben:Ansonsten würde ich mir von einem Verband der allgemein angeblich für "Video- und Computerspieler" eintritt schon erwarten, dass er sich auch gegenüber der E-Sport-Wirtschaft solidarisch zeigt - zumal es hier kaum um Schweiz-spezifische Vorwürfe gehen wird.


So einfach ist die Lage nicht einmal im Fußball: Im DFB zum Beispiel gibt es einen lange anhalten Konflikt der kleinen Vereine gegen die großen. So wollen Amateurvereine keine Sonntagsspiele mehr in den hohen Ligen, um einen Tag die Woche verlässlich ihre Amateurspieler auf den Platz bekommen zu können. Ich bin klar für E-Sport als (anerkannte) Sportart, allerdings bin ich der Meinung, dass Hochschulsportgruppen den E-Sport weit mehr gefördert hat als zum Beispiel Epic Games. Daher frage ich mich, ob es die Vereine den Sport fördern oder nur eine Werbefläche für ein bestimmtes Spiel bieten wollen.

PS: Die Sinn-Diskussion ist sinnlos. Ich werde mich daran nicht beteiligen.
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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon Pyri » Do 4. Okt 2018, 17:01

Patrik hat geschrieben:So einfach ist die Lage nicht einmal im Fußball: Im DFB zum Beispiel gibt es einen lange anhalten Konflikt der kleinen Vereine gegen die großen. So wollen Amateurvereine keine Sonntagsspiele mehr in den hohen Ligen, um einen Tag die Woche verlässlich ihre Amateurspieler auf den Platz bekommen zu können. Ich bin klar für E-Sport als (anerkannte) Sportart, allerdings bin ich der Meinung, dass Hochschulsportgruppen den E-Sport weit mehr gefördert hat als zum Beispiel Epic Games. Daher frage ich mich, ob es die Vereine den Sport fördern oder nur eine Werbefläche für ein bestimmtes Spiel bieten wollen.

PS: Die Sinn-Diskussion ist sinnlos. Ich werde mich daran nicht beteiligen.


"Hochschulsportgruppen" können auch nicht über die öffentliche Wahrnehmung bestimmen, sondern vertreten ebenfalls vor allem private Interessen (mit anderen Worten, soziologisch eine Subkultur). Also wird hier Öffentlichkeit schonmal mit Privatheit (wieder mal) eindeutig verwechselt (!) - damit es sich zu einfach gemacht.
Genauso interessiert dort der DFB, oder sonst wer, natürlich nicht als Dachverband (oder sonst was in die Richtung), der sich mit kleinen Sportvereinen zankt, sondern als politischer Repräsentant - von zum Beispiel Fußball. Der Unterschied: Fußball ist bereits etabliert.

Und bei Repräsentation geht es in erster Linie um Außenwahrnehmung, wobei der (unliebsame) Kommerz - die Kommerzialisierung von irgendwas, egal was - diese mitunter halt verstärkt, sogar das eigentliche Sprungbrett zur Massenkultur erst darstellt. Der Rest "ist" simple "Trollerei", ein Widerspruch in sich (Sinn als sinnlos) und disqualifiziert sich von selbst.
Vor allem wenn offenkundige Sozialromantik (Hochschulsportgruppen, Blick auf das Medium von innen allein) womöglich noch als objektiv oder gar "vernünftig" gelten soll.
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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon amegas » Fr 5. Okt 2018, 13:45

https://www.androidpit.de/videospiele-m ... ng-problem

„Das Thema hat jetzt erneut eine Studie aufgegriffen und wiederum 24 Studien zwischen 2010 und 2017 mit über 17.000 Teilnehmern analysiert, um zu prüfen, wie Videospiele das Verhalten von Kindern beeinflussen. Das Ergebnis in Kurzform: Vor allem Spiele mit Gewalt haben einen negativen Einfluss auf das Verhalten von Kindern in der realen Welt und führen auch hier zu einem erhöhten Gewaltpotenzial“

Es wird hier nicht ersichtlich welche Studie das ist?
Oder habe ich was zwischen all der Werbung übersehen?

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon amegas » Fr 5. Okt 2018, 13:53

https://www.zeit.de/digital/games/2018- ... -rezension

„Wo der Spaß aufhört
Der neueste Teil der Game-Reihe "Assassin’s Creed" spielt im alten Griechenland. "Odyssey" ist ein gutes Videospiel. Doch es verherrlicht Gewalt auf unerträgliche Weise.“

„ Ein öffentlicher Aufschrei deswegen ist bislang nicht zu vernehmen. Das liegt wohl daran, dass die Videospieleindustrie sich eine gewisse Narrenfreiheit erkämpft hat, was Gewaltdarstellungen angeht.“

„Die Stilisierung des massenhaften Tötens und Sterbens in diesem Spiel ist irgendwann so absurd wie abstoßend. Das Spiel unterschätzt darin auch sich selbst: Es vertraut nicht auf seine komplexe Story. Das ausgebreitete Leiden hat kein Ziel, außer in seiner Übersteigerung, härter zu unterhalten als üblich. Die Gewalt funktioniert in Odyssey nicht nur als Selbstzweck, sie muss sogar auch ausgekostet werden. Das ist dann aber keine Kunst mehr. Sondern nur noch Eskalation.“

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon Pyri » Fr 5. Okt 2018, 15:51

amegas hat geschrieben:https://www.zeit.de/digital/games/2018-10/assassins-creed-odyssey-gewalt-gaming-rezension

"(...) Das liegt wohl daran, dass die Videospieleindustrie sich eine gewisse Narrenfreiheit erkämpft hat, was Gewaltdarstellungen angeht.“

„Die Stilisierung des massenhaften Tötens und Sterbens in diesem Spiel ist irgendwann so absurd wie abstoßend. Das Spiel unterschätzt darin auch sich selbst: Es vertraut nicht auf seine komplexe Story. Das ausgebreitete Leiden hat kein Ziel, außer in seiner Übersteigerung, härter zu unterhalten als üblich. Die Gewalt funktioniert in Odyssey nicht nur als Selbstzweck, sie muss sogar auch ausgekostet werden. Das ist dann aber keine Kunst mehr. Sondern nur noch Eskalation.“


Ich hatte es heute, am Erscheinungstag, hier in Österreich in einem Laden erworben. Gleich neben dem gestern offiziell erschienen Film "Caligula", der letzten FSK-Fassung welche das halbe Dutzend Ausgaben in meiner Sammlung voll machen wird.
Hierzulande ist das Spiel ab 18. So wie "Caligula".

"Caligula" durfte durch die FSK, obwohl er den neuen (alten) Pornografie-Begriff in Deutschland erfüllt. Wie die BPjM im Frühjahr mitteilte https://pornoanwalt.de/wp-content/uploa ... ichung.pdf
Nur ist es quantitativ weniger. Weniger "Pornografie" also. Wenn das, in Hinblick auf die ständigen Jugendfreigaben für AC & Co., nicht zu denken gibt, weiß ich auch nicht.
Medien wie die ZEIT sollten sich (zur Abwechslung) halt vielleicht mal fragen was sich mit den Freiwilligen Selbstkontrollen da so herangezüchtet würde. Die USK-Datenbank http://www.usk.de/ listet gleich auf elf Seiten dieselbe Jugendfreigabe auf, nur zwei Trailer und das Spiel für den Nintendo DS wurden sogar schon für Kinder freigegeben, wobei es an einer "Liberalisierung" jedenfalls nicht liegen kann wenn schon der erste Titel 2007 zum Höhepunkt der "Killerspiele" genau so eingeschätzt wurde (weil ja bereits dieser zur Zeit der Kreuzzüge nicht wirklichkeitsnah gewesen wäre).
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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon Vicarocha » Do 25. Okt 2018, 20:12

amegas hat geschrieben:https://www.androidpit.de/videospiele-machen-aggressiv-killerspiele-umgang-problem

„Das Thema hat jetzt erneut eine Studie aufgegriffen und wiederum 24 Studien zwischen 2010 und 2017 mit über 17.000 Teilnehmern analysiert, um zu prüfen, wie Videospiele das Verhalten von Kindern beeinflussen. Das Ergebnis in Kurzform: Vor allem Spiele mit Gewalt haben einen negativen Einfluss auf das Verhalten von Kindern in der realen Welt und führen auch hier zu einem erhöhten Gewaltpotenzial“

Es wird hier nicht ersichtlich welche Studie das ist?
Oder habe ich was zwischen all der Werbung übersehen?


Dabei handelt es sich um diese Studie:
http://www.pnas.org/content/early/2018/09/25/1611617114

Der Kommentar von Christopher Ferguson (und Patrick Markey) fasst die Problematik der Studie eigtl. auch recht erschöpfend zusammen, deshalb möchte ich nicht all zu viele Worte darüber verlieren: https://www.psychologytoday.com/intl/blog/checkpoints/201810/the-overhyped-data-video-games-and-aggression?fbclid=IwAR0bIqu31rFOYkK8ulsYEeML4tMtfUzqN9MoQlSLBqpnFD76sEZi3NOqskI.

Im von dir verlinkten Artiekl findet sich folgender Satz:
Das Ergebnis in Kurzform: Vor allem Spiele mit Gewalt haben einen negativen Einfluss auf das Verhalten von Kindern in der realen Welt und führen auch hier zu einem erhöhten Gewaltpotenzial.
- ein Paradebespiel dafür, dass Journalisten wissenschaftliche Studien nicht korrekt interpretieren können. Aber der Fairness halber sei gesagt, dass dies auch die Autoren der entsprechenden Studie selbst nicht können... diebehaupten tatsächlich das, was auch in dem Artikel kolportiert wurde und es gab sogar entsprechende Pressemeldungen dazu. Tatsächlich ist die Studie aber ganz im Gegenteil eher ein (weiterer) Beleg für das Fehlen(!) negativer Wirkungen; Ferguson schreibt dazu:

Even with the overselling of the outcome as physical aggression, the results of the study itself suggest that violent games are associated with less than 1% change in youth self-reports of aggression. Put another way, if the only thing you knew about a group of kids was their gaming habits, your ability to predict which kid would say they are aggressive would be essentially no better than a coin toss. Effects this low are usually the result of artifacts of social science research itself. If you ask people if they play violent games, then ask them if they have broken things, their answers will tend to drift toward one another a little bit. In other words, one set of questions biases the responses to the second set of questions, and this can result in small correlations that don’t reflect reality. That’s one reason the small effects like those seen in the Dartmouth study are typically considered “trivial.”


Selbst wenn wir die (üblichen, grravierenden) methodischen Defizite der Studie (insb. die ignoranz ggü. der Problematik "gute" Ergebnisse aus der Bündelung "schlechter" Studien gewinnen zu wollen) ignorieren, bestätigen die Autoren der entsprechenden Studie die relativierbar kleinen Effektsärken sogar in ihrem Abstract:
GV was related to aggression using both fixed [β = 0.113, 95% CI = (0.098, 0.128)] and random effects models [β = 0.106 (0.078, 0.134)]. When all available covariates were included, the size of the effect remained significant for both models [β = 0.080 (0.065, 0.094) and β = 0.078 (0.053, 0.102), respectively].
(Die Hervorhebungen sind die Effektstärken)

Selbst wenn es sich bei diesen Effektsärken nicht nur um Artefakte handelt (was ziemlich sicher ist), dann würde lediglich ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Spielen Gewalt darstellender Computerspiele und aggressivem Verhalten (... wenn das denn tatsächlich valide operationalisiert worden wäre) von weeeiiit unter einem Prozent indizieren. Auch das ist den Autoren klar:

[...] focused on the size of these effects, our metaanalysis yielded a modest effect size of ≈0.11 when additional covariates were not included. Ferguson and his colleagues have noted that a regression coefficient of 0.10 is associated with only 1% of the variance in the outcome and concluded that this is so small as to be meaningless. However, others countered that squared regression coefficients provide a less-appropriate metric for judging the practical significance of effects compared with estimates of relative risk [...]. In fact, Rosenthal [...] argued that reliance on r2 values to interpret effect sizes is particularly problematic in the context of studying antisocial behaviors, such as aggression, stating “our ability to predict and control antisocial behavior is not at all trivial in practical terms, despite the apparently small r2s obtained in most studies” [...]. Regardless of one’s subjective definition of a meaningful effect size, it is clear that a statistically significant, reliable effect exists in the literature.

Ungeachtet dessen, dass ich glaube, dass sie Rosenthals Einwand nicht wirklich verstanden haben,stimmt auch die Behauptung in ihrem letzten Satz nicht. Wichtiger ist aber der Umstand, dass sie ihre Studie dennoch wie folgt resümieren:
On the basis of this metaanalysis, we conclude that playing violent video games is associated with greater levels of overt physical aggression over time, after accounting for prior aggression. These findings support the general claim that violent video game play is associated with increases in physical aggression over time.


Das läßt für mich nur den Schluss zu, dass die Autoren entweder (gewollt) unbedacht ihre Ergebnisse kommunizieren, wohl wissend, dass ihr letzter Satz in der Öffentlichkeit eben nicht so gelesen wird, dass diese Zusammenhänge allenfalls relativierbar klein resp. trivial - um nicht zu sagen nichtig - sind, sondern dass Presse, der "Mann von der Straße" und auch viele Kollegen hier vor ihrem inneren Auge nicht weniger als 1 % der Varianz haben, sondern die restlichen 99 %... oder dass die Autoren ihre eigenen Ergebnisse nicht korrekt interpretieren können. Letzteres wäre auch kein Ausnahmefall, ich würde einem Gros der Psychologenkcommunity (so es soetwas denn gibt) eine eklatante Unfähigkeit zur Bemessung der substanziellen Relevanz ihrer Studienergebnisse attestieren. Tatsächlich ist der Mangel an statistischen Grundkenntnissen, Wissenschaftstheorie u.ä. oft erschreckend, da kann gerade mal SPSS bedient werden, aber auch eher mechanisch, statt verstehend. Es fehlt da ganz gewaltig an Extrospektive.

Ichbin gerade seitens meiner Arbeit sehr ausgelastet, weshalb ich nicht wirklich mit der Überarbeitung meiner 2. Aufl. der Diss. vorankomme, habe diese Studie (und die Kritik an ihr) aber shcon eingearbeitet (und - FYI - Layout und Lektorierung sind auch schon fertig). :)

... aber deswegen habe ich gar nicht hier reingeschaut. ;)
Ich wollte das hier beisteuern:
Wladislaw Rosljakow, der von russischen Medien als stiller und zurückhaltender Typ mit einem Fable für Internet-Kampfspiele - wie "Metro-2033" - beschrieben wird, imitierte offenbar die Attentäter beim Amoklauf in der US-Schule Columbine im Jahre 1999.

Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Hatte-der-Krim-Attentaeter-Unterstuetzer-4199301.html
"In the beginning there was violence. Cain slew his own brother Abel according to Genesis and he didn't even have a video tape recorder."
~ Gunnel ARRBÄCK

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon ShaneFenton » Mi 5. Dez 2018, 12:29

Quite old news (september 2018), but a very bizarre and funny article from NRHZ's Swiss contributor Heinrich Frei : http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25249


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