Links zur Presse (Stigma) #7

Falschdarstellungen und Vorurteile
Rigolax
Beiträge: 239
Registriert: Do 28. Apr 2016, 16:59

Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Rigolax » Sa 12. Jan 2019, 04:16

Die USK betreibt selbst mittlerweile offenbar auch schon aktiv Desinformation.
Elisabeth Secker: Jedes Computer-und Videospiel, das in Deutschland in den Handel soll, kommt vorher zu uns. Das Jugendschutzgesetz schreibt das seit 2003 so vor. Anbieter müssen ihre Spiele bei der USK einreichen und sich eine Altersfreigabe holen.
https://www.zeit.de/digital/games/2018- ... -kriterien

Steht natürlich im Widerspruch zu ihrem eigenen FAQ http://www.usk.de/extramenue/login/publ ... her/#c1067 und § 12 Abs. 3 JuSchG.

Aber ich seh schon, wird bestimmt nur falsch wiedergegeben sein oder so.

Benutzeravatar
Pyri
VDVC-Mitglied
Beiträge: 1005
Registriert: Mo 3. Aug 2009, 18:06
Vorname: Jürgen
Nachname: Mayer
Wohnort: Steiermark, Österreich
Kontaktdaten:

Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Pyri » Sa 12. Jan 2019, 15:52

Rigolax hat geschrieben:Die USK betreibt selbst mittlerweile offenbar auch schon aktiv Desinformation.
"Desinformation" unterstellt eine Absicht. Das ist nichts anderes wie zu behaupten jemand "lügt", wenn die Unwahrheit gesagt wird.
Und einfach nicht hilfreich Dinge wortwörtlich zu nehmen: im Diskurs geht es um Gefühle und Meinungen, nicht um Fakten und Sachverhalte. Auf eine andere Sachlage hinzuweisen erklärt auch nichts, denn sie kann nichts begründen. Die heutigen "Ministerien der Wahrheit" welche etwa "Faktenchecks" betreiben machen diese in erster Linie für ihre eigene Klientel und nur zum Vorwand um andere (wie die politische Gegenseite) zu überzeugen. Vor jedem Aufklärungsversuch sollte sich dessen wirklich bewusst sein. Und mündige Staatsbürger ergibt das ebenfalls nicht: wenn ich etwa behaupte "das ist aber anders", nicht "richtig" sondern "falsch", aber gleichzeitig nicht dazusage oder sogar nicht dazusagen kann warum etwas anders wäre (als es so vorgestellt wurde).
Solche Äußerungen sind seit über fünfzehn Jahren jetzt schon zu finden, vor allem von politischer Seite welche früher etwa die USK (gegen Angriffe eines Christian Pfeiffer) zu verteidigen suchte. Das Vorzensurverbot war in diesen Debatten schon immer egal. Es gilt deshalb mit diesen umgehen zu lernen und die Interessen dahinter zu erkennen: weder die Politik, noch Behörden oder ein Journalismus wird auf solche Einwände reagieren - oder werden diese ernst nehmen. Schon gar nicht in Zeiten in denen die meiste Regulierung sowieso über mehr oder weniger kuratierten Onlinehandel erfolgt, auf Basis von PR- oder Marketing-Bedenken größer Firmen (und in einer globalisierten Welt wesentlich weniger wegen einzelner Staaten).
Mittlerweile exisitiert ja wieder ein gemeinsamer Branchenverband in Deutschland, so wie zu VUD-Zeiten (als die USK erst geschaffen wurde), und die haben zweifellos ein Interesse daran dass jedes Spiel von der USK geprüft wird. Sie verdienen schließlich ja auch immer irgendwie dabei. Genau das ist gemeint.
Gamertag: Pyri80 PSN: Pyri Steam: pyri "Der, der aus Verzweiflung hinausrennt, wird nachher noch betitelt: 'den hab'n wir los jetzt'." Thomas Bernhard

Benutzeravatar
Patrik
VDVC-Team
Beiträge: 3555
Registriert: Mi 27. Mai 2009, 22:40
Vorname: Patrik
Nachname: Schönfeldt
Wohnort: Oldenburg
Kontaktdaten:

Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Patrik » Sa 12. Jan 2019, 15:57

Wie das bei der Zeit ist, weiß ich nicht. Aber es kann auf jeden Fall falsch wiedergegeben sein. (Ich kenne das aus Interviews, die ich selbst gegeben habe. Da habe ich dann statt der Indizierung die USK kritisiert.)

Andererseits stimmt es wegen "in den Handel soll" dann faktisch doch, wenn man den stationären Handel in seiner Breite darunter versteht: Die meisten Händler führen keine Spiele ohne Freigabe. (Für Onlinevertrieb gilt das natürlich nicht.)

Rigolax
Beiträge: 239
Registriert: Do 28. Apr 2016, 16:59

Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Rigolax » Sa 12. Jan 2019, 16:04

Sorry aber "Jedes Computer-und Videospiel, das in Deutschland in den Handel soll, kommt vorher zu uns. Das Jugendschutzgesetz schreibt das seit 2003 so vor." ist schlicht falsch.

"Desinformation" war etwas tongue-in-cheek, aber bei der Geschäftsführerin erwarte ich, dass sie das weiß.

Keine Ahnung, wie man so was verteidigen kann.

Benutzeravatar
Pyri
VDVC-Mitglied
Beiträge: 1005
Registriert: Mo 3. Aug 2009, 18:06
Vorname: Jürgen
Nachname: Mayer
Wohnort: Steiermark, Österreich
Kontaktdaten:

Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Pyri » Sa 12. Jan 2019, 16:22

Patrik hat geschrieben:Andererseits stimmt es wegen "in den Handel soll" dann faktisch doch, wenn man den stationären Handel in seiner Breite darunter versteht: Die meisten Händler führen keine Spiele ohne Freigabe. (Für Onlinevertrieb gilt das natürlich nicht.)
Zum Beispiel - und sogar nicht nur der... Auch sämtlicher digitaler auf Konsolen. In den USA gab es ja jahrelang den sehr hilfreichen Blog "GamePolitics.com" https://en.wikipedia.org/wiki/GamePolitics.com Der ging auf eine Initiative von Hal Halpin zurück, welcher wiederum aus der Handelsvertretung kam. Wie dieser Handel in Deutschland organisiert ist, also etwa Media Markt, weiß ich gar nicht - wäre aber auch interessant zu wissen: früher, als der stationäre Handel noch wichtiger war, fanden auf Messen sogar für hier in Österreich viele Gespräche statt wo die Branche mit eben diesen die "Deals" - zum Beispiel fürs Weihnachtsgeschäft - finalisierte. Im Sinne von "Systemen" sind diese Akteure alle verwoben, wenn das im Sinne Luhmanns nicht so sehr nach Verschwörungstheorie klingen würde.
Gamertag: Pyri80 PSN: Pyri Steam: pyri "Der, der aus Verzweiflung hinausrennt, wird nachher noch betitelt: 'den hab'n wir los jetzt'." Thomas Bernhard

Rigolax
Beiträge: 239
Registriert: Do 28. Apr 2016, 16:59

Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Rigolax » Sa 12. Jan 2019, 16:34

Ich erinnere übrigens an folgenden Post, in dem die generelle Aussage noch problematisiert wurde. viewtopic.php?f=81&t=2142#p18639

Offenbar wurde das postfaktische Zeitalter bereits internalisiert. Dann ist natürlich dieses ganze Forum sinnlos, da jede Fehldarstellung legitim ist. Gut, dass das geklärt wurde.

Benutzeravatar
Pyri
VDVC-Mitglied
Beiträge: 1005
Registriert: Mo 3. Aug 2009, 18:06
Vorname: Jürgen
Nachname: Mayer
Wohnort: Steiermark, Österreich
Kontaktdaten:

Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Pyri » Sa 12. Jan 2019, 17:39

Rigolax hat geschrieben:Ich erinnere übrigens an folgenden Post, in dem die generelle Aussage noch problematisiert wurde. viewtopic.php?f=81&t=2142#p18639

Offenbar wurde das postfaktische Zeitalter bereits internalisiert. Dann ist natürlich dieses ganze Forum sinnlos, da jede Fehldarstellung legitim ist. Gut, dass das geklärt wurde.
Der Sinn eines Forums besteht für mich im Austausch von Meinungen und in keiner Aufzählung von Dingen: zu sagen am Ort x (Gesetzen, wissenschaftlichen Dokumenten) befindet sich die Information y (Empirie wie Statistiken, Gebote oder Verbote), ohne den Grund z dafür zu benennen. Und vom kulturpessimistischen Vorwurf eines solchen Zeitalters halte ich eben auch nicht viel. Das drückt nichts anderes als einen Dekadenz-Vorwurf aus, einen Moral- oder Sittenverfall und im Grunde auch eine Panik (nur weil einer wie Trump mal Präsident geworden ist) - genau wie bei den "Killerspielen" als "Gefahr" von früher, welche nicht "verharmlost" werden durfte.
Die Zeiten waren schon immer "postfaktisch", weil Menschen zwar vernunftbegabt sind, aber trotzdem Menschen. Und deshalb wäre ich auch sehr vorsichtig und "skeptisch" mich an Leuten im Rundfunk oder bei Kreativpools zu halten, die heute in oder für Institutionen arbeiten welche in früheren Debatten ganz vorn dabei gegen alles Mögliche gewesen sind - nur weil sie sich heute aufgeschlossen geben (wenn es ihnen politisch nützlich erscheint).
Pyri hat geschrieben:Denn sie ist auch faktisch falsch: das ist rechtlich schlicht kompletter Unsinn. Faktisch richtig ist es nur wegen dem Handel und dessen Interessen.

Die Öffentlichkeit sollte darüber einmal wirklich drigend aufgeklärt werden: Branche ist hier nicht gleich Branche, sondern dreiteilig - da gibt es die Industrie welche Ware produziert (herstellt, entwickelt, wie ein Verlag auftritt - also die Publisher), dann den Handel (inklusive dem Vertrieb und im digitalen die Konsolen-, Firmware/Betriebssystem- und Handyhersteller wie Apple mit ihren mehr oder weniger geschlossenen Systemen), und schließlich die Rezipienten, die End"verbraucher", letztlich "die Spieler".

Dabei sollte sich einmal klar gemacht werden was es bedeuten würde, dürften wirklich nur Spiele mit USK-Siegel verkauft werden: niemand dürfte dann ausländische Ware anbieten, sogar keine resteuropäische - und das ist gleich doppelt falsch.
Einerseits, weil das im Handel nur wegen der Rechtssicherheit (möglichen Indizierung ohne USK-Kennzeichen) getan wird, andererseits weil selbst auf Verpackungen (vor allem im Konsolenbereich) kein USK-Kennzeichen sein muss, bei den allermeisten in Europa angebotenen Spielen aber trotzdem eine Disc mit USK-Kennzeichen in der Verpackung ist (!).
Einfach weil das schon so vermarktet wird (und etwa außerhalb Deutschlands die Machtposition der USK erst deutlich macht).
Genau das wollte ich hier im Thread mit dem (indirekten) Verweis auf die ESA, die ECA, diesbezügliche Verhältnisse und Co. zum Ausdruck bringen. Ich verwies sogar (auch hier wieder) auf das Vorzensurverbot als Grundlage dieser Nicht-Kennzeichnungspflicht (von Gesetzwegen her).
Dass es das "gibt" ist natürlich klar, aber es ist im Diskurs offenbar nicht relevant - das meinte ich sogar auch gerade in dem Zitat. Nur: die Feststellung ändert nichts an der Wahrnehmung, wenn gleichzeitig keine andere (Wahrnehmung, Ideologie, Meinung) angeboten wird, sondern sich auf die Position der Illusion einer Objektivität zurückgezogen wird.
Diese Position vertrete ich nun wirklich nicht. Finde ich schlicht absurd, im Austausch der Meinungen gar nicht angebracht, halte ich sogar für unangemessen und ist der zentrale Grund für meine Ablehnung der Nutzung- und Wirkungsforschung. Mir geht es, siehe wieder etwa jenes Zitat, einfach ganz und gar um (die Möglichkeit von Nicht-)Bedeutungen: nur weil ich Ideologie kritisiere glaube ich deshalb überhaupt nicht irgendeine "Wahrheit" diesbezüglich liefern zu können. Ich wüsste keineswegs welche das sein könnte - das ist, wenn dann, (auch) ein Missverständnis.
Wie meinte schon die Figur Chris Barnsteg in der "Lindenstraße", angesichts von jemandem wie Peter Gauweiler in der Politik: es kommt auf die richtige Ideologie an.
Gamertag: Pyri80 PSN: Pyri Steam: pyri "Der, der aus Verzweiflung hinausrennt, wird nachher noch betitelt: 'den hab'n wir los jetzt'." Thomas Bernhard

Benutzeravatar
Patrik
VDVC-Team
Beiträge: 3555
Registriert: Mi 27. Mai 2009, 22:40
Vorname: Patrik
Nachname: Schönfeldt
Wohnort: Oldenburg
Kontaktdaten:

Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Patrik » Sa 12. Jan 2019, 20:14

Ja, der Verweis, das Jugendschutzgesetz würde da irgendwas vorschreiben, stimmt natürlich nicht. Ich hätte meine Aussage klar nur auf den Teil beziehen sollen, dass ohne USK-Freigabe faktisch nichts in den Handel kommt. (Das ist ein Umstand, der ohnehin kritisiert werden sollte. De facto hat man dadurch Geoblocking im stationären Handel.)

amegas
VDVC-Mitglied
Beiträge: 420
Registriert: So 3. Jan 2010, 09:06

Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von amegas » Di 5. Mär 2019, 13:10

https://www.heise.de/newsticker/meldung ... 26295.html

"Computerspielsucht: 465.000 auffällige Kinder und Jugendliche"

"Das geht aus der Studie "Geld für Games" des Deutschen Zentrums für Suchtfragen (Hamburg) und der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde."

Benutzeravatar
buzzti
VDVC-Mitglied
Beiträge: 403
Registriert: Do 16. Jul 2009, 23:59
Vorname: Bastian
Wohnort: Stuttgart

Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von buzzti » Mi 6. Mär 2019, 19:53

Steam hatte für kurze Zeit das Spiel "Rape Day" im deuschen Store:

Beschreibung:
Rape Day is a visual novel where you control the choices of a sociopath during a zombie apocalypse. You can verbally harass, kill people, and rape women as you choose to progress the story.

Ich verlinke mal keinen Artikel, lässt sich schnell genug darüber finden - ähnlich wie bei "Hatred" gelingt dem Entwickler durch die öffentliche Empörungswelle sein (Wahrscheinlich unterirdisch schlechtes und misogynes) Spiel maximal publik zu machen.

Was ich hierbei interessant finde: Auf der Website (name des Spiels zusammengeschrieben .com) findet sich eine Q&A page, auf der der Entwickler sich rechtfertigt. Hier führt er auch eine "Research" Page an, auf der er mehrere Studien zur Medienwirkung verlinkt (kein effekt von gewaltdarstellungen auf aggressionen etc)

EDIT: Update von Valve

Over the past week you may have heard about a game called ‘Rape Day’ coming soon to Steam. Today we’ve decided not to distribute this game on Steam. Given our previous communication around Who Gets To Be On The Steam Store?, we think this decision warrants further explanation.

Much of our policy around what we distribute is, and must be, reactionary—we simply have to wait and see what comes to us via Steam Direct. We then have to make a judgement call about any risk it puts to Valve, our developer partners, or our customers. After significant fact-finding and discussion, we think ‘Rape Day’ poses unknown costs and risks and therefore won’t be on Steam.

We respect developers’ desire to express themselves, and the purpose of Steam is to help developers find an audience, but this developer has chosen content matter and a way of representing it that makes it very difficult for us to help them do that

Antworten