Links zur Presse (Stigma) #7

Falschdarstellungen und Vorurteile
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Pyri
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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Pyri » Mi 6. Mär 2019, 21:36

buzzti hat geschrieben:Steam hatte für kurze Zeit das Spiel "Rape Day" im deuschen Store
Also ich finde den Titel auch im österreichischen Geschäft nicht. Überhaupt kein "Rape*". Nicht irgendwas damit.
Und das ist natürlich auch kein Wunder: die Behauptung von Valve nichts mehr kuratieren zu wollen, sondern nur mehr "Illegales" und irgendwelches "Troll"-Zeug nicht zuzulassen, kann natürlich nicht stimmen. Selbstverständlich werden unzählige Inhalte weiterhin dort nicht durchkommen, etwa antisemitisches oder sonst wie offen fremdenfeindliches Material, selbst wenn es diese nur theoretisch geben sollte und sowieso kein Interesse bestünde derartigen Content dort zu veröffentlichen. Ich finde ja schon die verdeckten Inhalte (wie "IS Defense") schlimm genug ("IS Defense" als "Simulator" der "Festung Europa" übrigens weitaus bedenklicher als "Hatred", einem höchst oberflächlich nihilistischem "Spiel" von vermeintlichen Misanthropen, aber das zu erkennen ist leider viel zu viel verlangt).

Nachtrag 8. März: würde ich nicht einmal die Woche (immer noch) die Videospielpresse konsultieren, hätte ich wohl nicht erfahren dass so etwas überhaupt veröffentlicht werden sollte. So, jetzt habe ich das also auch mitbekommen.
Ich bin selbst schuld. Mein Fehler.
Und? Genau so meine ich manipuliert der Journalismus dieser Tage (leider!): Herr Sigl fabuliert beim Standard mit seinen üblichen Plattitüden darüber wie weit Spiele (angeblich!) "gehen" dürften, über "Kritik" und "Blockbuster" (was auch immer beides - ! - sein sollen). In dieser - sorry, aber für mich ist das nun mal so - absolut unerträglichen Sprache eines ewig Jugendlichen, der aber gleichzeitig ja so abgeklärt, "kritisch" distanziert und (selbst!)"reflektiert" rüberkommen möchte. Nur eines erfährt man nicht, im Selbstverständnis aller drei Artikel welche ich zum "Thema" lanciert jetzt schon allein in den letzten fünf Minuten dort entdeckt habe: welche gesellschaftliche Situation all diese Dinge konstituiert - unter anderem -, weshalb solche Dinge überhaupt dermaßen hochgekocht werden, um nicht zu sagen aufgebauscht, welche belastete Wahrnehmung des Mediums dafür immer noch die Grundlage darstellt, etc. Was für eine "Gefahr" es wäre welche da nicht "verharmlost" werden sollte, usw. usf. Ein paar Tage vor dem Internationalen Frauentag... Völlig undenkbar dass über andere Medien genau so berichtet werden würde - sei es nun Film, Musik oder Literatur - allein schon weil Veröffentlichungen, und seien es wie hier sogar nur versuchte, in anderen Medien gar nicht dermaßen beobachtet werden...
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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von amegas » Mo 11. Mär 2019, 07:24

https://www.zvw.de/inhalt.amoklauf-winn ... 53e15.html

„Amoklauf Winnenden - 10 Jahre danach
Sind das wirklich „Killerspiele“?“

„der Todesschütze hatte den Ego-Shooter Counter-Strike gespielt.“

Ansonsten nicht so schlimm wie man vetmutet ;)

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von amegas » Mo 11. Mär 2019, 07:36

https://www.pnp.de/mobile/?cid=3249955

„Vergewaltigung und Inzest: Online-Spiel "Rape Day" in der Kritik“

„Ein anderes Spiel als "Rape Day", in dem sexuelle Gewalt Teil der Handlung ist, ist dem Professor so nicht bekannt. "So etwas sollte man nicht spielen", sagt er.“

Was für Spezialisten...

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Rigolax » Mo 11. Mär 2019, 18:44

Und ich hatte schon überlegt, ob der Titel "Rape Day" vielleicht sogar eine Anspielung an "RapeLay" sein sollte. Oh well.

--

Ich fand den Tweet von Olaf Zimmermann zu der momentanen Aufregung in manchen Kreisen um die Nominierung von Kingdom Come: Deliverance für den "Beste internationale Spielwelt"-Preis beim DCP interessant: https://www.gamestar.de/artikel/kingdom ... 41507.html Erweckt für mich den Eindruck, als meine er, dass indizierte Spiele nicht unter die Kunstfreiheit fallen würden, und so hat es auch GameStar interpretiert und kolportiert das nun. Bei einer Indizierung wird allerdings "nur" die unterstellte "Gefährdung" für Kinder/Jugendliche höher gewichtet als die Kunstfreiheit, also der unterstellte Kunstgehalt des betroffenen Mediums. Dass die indizierten Medien an sich dennoch den Schutz der Kunstfreiheit genießen respektive in den Schutzbereich fallen, steht doch eigentlich außer Frage. Das klingt ja fast so, als wird hier auf staatlicher Ebene einem Medium der Kunstcharakter aberkannt. Aber gut, der Eindruck drängt sich auch schon auf.

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Patrik » Di 12. Mär 2019, 10:46

Dass Kingdom Come jetzt wieder Thema wurde, ist schon interessant, zeigt für mich aber auch Reife des Mediums: Analogien zu #Metoo in Hollywood sind ja kaum abzustreiten.

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von amegas » Di 12. Mär 2019, 14:06

https://www.swr.de/swr2/wissen/smartpho ... index.html

"Ich will überhaupt nicht bestreiten, dass das Smartphone bei starker Nutzung auch negative Wirkungen hat wie Unaufmerksamkeit, Konzentrationsverlust oder auch Kurzsichtigkeit - und es kann süchtig machen. Aber diese Wirkungen muss man differenziert darstellen und gegenüber den Vorteilen bewerten. Sonst wird man Opfer des Schwarz-Weiß-Denkens - wie Spitzer."

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Pyri » Mi 13. Mär 2019, 19:24

Rigolax hat geschrieben:(…) Bei einer Indizierung wird allerdings "nur" die unterstellte "Gefährdung" für Kinder/Jugendliche höher gewichtet als die Kunstfreiheit, also der unterstellte Kunstgehalt des betroffenen Mediums. Dass die indizierten Medien an sich dennoch den Schutz der Kunstfreiheit genießen respektive in den Schutzbereich fallen, steht doch eigentlich außer Frage. Das klingt ja fast so, als wird hier auf staatlicher Ebene einem Medium der Kunstcharakter aberkannt. Aber gut, der Eindruck drängt sich auch schon auf.
Na ja:
Olaf Zimmermann hat geschrieben:(…) Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), welche die Alterskennzeichnung für Computerspiele in Deutschland entlang der Bestimmungen des Jugendschutzes und des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags vergibt, verrichtet ihre Arbeit genauso geräuschlos wie die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK). In beiden Fällen, Film und Computerspiele, hat sich die Selbstkontrolle durch die Branche bewährt. (...)
O-Ton 2017 https://www.kulturrat.de/themen/kulturg ... terspiele/ Eine enge Verschränkung zwischen Wertschätzung und Kennzeichnung war schon seit 1994 (als die USK geschaffen wurde) festzustellen. Dann seit 2003 als die Kennzeichen rechtlich verbindlich wurden, und zuletzt als die Branchenverbände (heute wieder nur mehr einer) in den Kulturrat aufgenommen worden waren und damit die Anerkennung als "Kulturgut" formal erfolgt ist: indem, wieder analog zur SPIO (Filmwirtschaft), gleichzeitig die Selbstkontrollen Bestandteil davon wurden, findet immer eine gewisse Form der Unterwerfung statt, welche die Musik- oder Literaturszene so jedenfalls nicht zu vollziehen hat.
Fakt ist, dass bei einer Indizierung dem Jugendschutz gegenüber der Kunstfreiheit in jedem Fall ein Vorzug gegeben wird. Und das ist dann halt das "kleinere Übel".
Darüber hinaus ist in den letzten Jahren auch bei Videospielen eine Entwicklung feststellbar, die Parallelen zum Umgang mit dem letzten Film von Pasolini deutlich werden lässt: im Zweifelsfall wird eine strafrechtliche Relevanz zwar "aberkannt", aber eine Jugendgefährdung bleibt trotzdem bestehen. So kann, mit Abstrichen, einerseits der Jugendschutz gewahrt bleiben, während andererseits die Freiheit der Kunst in gewisser Hinsicht dennoch erhalten bleibt - in den Neunzigern wurde schon früh mit einzelnen umstrittenen Filmen so verfahren (etwa "Natural Born Killers", auch wenn - etwa bei der Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Natural_B ... Reaktionen -, weiterhin viel Unsinn steht, "Indizierung" kein Phänomen wäre das außerhalb Deutschlands irgendwo auf der Welt auch nur irgendeine Entsprechung finden würde). Wobei im Filmbereich die Werke anerkannter KünstlerInnen häufig überhaupt nicht geprüft wurden, aus kommerziellen Gründen, vor allem Kurzfilme - auf kuratierten Plattformen für Indiespiele könnte das in Zukunft auch zutreffen. Man müsste sich die einzelnen Firmen hinter den Plattformen (wie Valve, Epic oder CD Project) einzeln ansehen, das heißt anhand ihres Verhältnisses zu USK und Kulturrat, um das letztlich beurteilen zu können.
Die Bedeutung der Konsolen mag zwar (weiter) zurückgehen, aber die Hersteller binden sämtliche Veröffentlichungen dort immer noch rigoros an den in einzelnen Ländern jeweils geltenden Kennzeichnungen. Wir hatten ja schon die Diskussion, dass PEGI nicht gleich PEGI ist und auch innerhalb der Organisation teils deutliche Abweichungen und Unterschiede existieren, aber Nintendo hat etwa hier in Österreich auf der Switch schon damit begonnen nicht mehr unbedingt alles prüfen (oder auch nur übersetzen) zu lassen was (aus Japan) so veröffentlicht wird. Selbst wenn diese Situation vielleicht nur vorübergehend zutreffen sollte, das heißt bis die nächsten Titel (dort) skandalisiert werden - der Jugendschutz scheint schließlich viel danach zu gehen was zu einem jeweiligen Spiel in einer überregionalen Zeitung/Zeitschrift stand: das war schon bei Doom3 damals nicht unbedingt anders, als nach den Attacken von Bernd Graff in der Süddeutschen das Add-On aus meiner Meinung nach immer noch ziemlich unerfindlichen Gründen abgelehnt wurde.
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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Rigolax » Fr 15. Mär 2019, 03:57

https://www.gamepro.de/artikel/days-gon ... 41722.html

"Schießen wir in Days Gone auf Kinder? - Entwickler wehrt sich gegen Kritik" -- Die Rechtfertigung ist albern. Wenn die für den durchschnittlichen, unvoreingenommenen Betrachter wie Kinder wirken, ist es nur geheuchelt, zu meinen, dass die nach der Spiele-Lore keine wären. Anscheinend ging das aber auch durch die USK-Kennzeichnung.

---

https://www.zeit.de/digital/games/2019- ... ettansicht
Das Töten virtueller Figuren ist akzeptiert und alltäglich. Bei Rape Day wird allerdings das Verbrechen auch ausführlich – und genüsslich – in die Länge gezogen. Das mag in Kill-Animationen auch manchmal mitschwingen, war aber bei Shootern selten die Hauptsache. Und wenn doch – wie in Manhunt – wurden die Spiele in Deutschland bundesweit eingezogen und vernichtet.
"Vernichtet". Ist ja nicht mal falsch, aber das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Pyri hat geschrieben:[...] gleichzeitig die Selbstkontrollen Bestandteil davon wurden, findet immer eine gewisse Form der Unterwerfung statt, welche die Musik- oder Literaturszene so jedenfalls nicht zu vollziehen hat.
Eine interessante Frage ist übrigens, ob das bei diesen Medienarten der Kreativität eher geschadet oder gefördert hat. Durch das System der freiwilligen Selbstkontrolle kann einerseits quasi eine Art Ausreizung des jugendschutzrechtlich möglichen erzielt werden, da man durch die vorherigen inoffiziellen Beratungsangebote und das anschließend offizielle Kennzeichen das staatliche Okay erhält, andererseits ist es natürlich eine faktische Vorzensur und macht die Schere im Kopf noch präsenter, allgegenwärtiger. (Ich denke auch an Comics vor allem.)
Pyri hat geschrieben:[...]auch wenn - etwa bei der Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Natural_B ... Reaktionen -, weiterhin viel Unsinn steht, "Indizierung" kein Phänomen wäre das außerhalb Deutschlands irgendwo auf der Welt auch nur irgendeine Entsprechung finden würde).
Ja das stimmt. Auf der Wikipedia steht zu dem generellen Thema viel Halbwahres, Fragwürdiges, Unvollständiges. Ich hab vor einiger Zeit bei ein paar Artikeln Änderungen vorgenommen, die auch durchkamen, aber das ist mir insgesamt zu nervig und vielleicht bin ich auch zu nah an einem unterstellbaren Interessenkonflikt, als das ich da derart viel überarbeiten sollte.
Pyri hat geschrieben:[...] das war schon bei Doom3 damals nicht unbedingt anders, als nach den Attacken von Bernd Graff in der Süddeutschen das Add-On aus meiner Meinung nach immer noch ziemlich unerfindlichen Gründen abgelehnt wurde.
Scheint mir übrigens doch recht sauber begründet zu sein. Das wirkte schon sehr politisch motiviert, allerdings scheint das Add-On tatsächlich aus damaliger Sicht Inhalte ins Spiel gebracht zu haben, die die Verweigerung der Kennzeichnung und spätere Indizierung schlicht rechtfertigten, gar notwendig machten. Das ist einerseits wohl neu ins Spiel gebrachte postmortale Gewalt, aber auch die Bulletcam. https://ogdb.eu/index.php?section=article&articleid=104 Generell denke ich, dass nicht wirklich Willkür auszumachen ist, die Entscheidungen bauen schon aufeinandner auf. Siehe auch die Nicht-Indizierung von Mortal Kombat X damals. Manche Einzelfälle sind fragwürdig, die Begründungen wirken teils beliebig und affig, besonders für Listenstreichungen, aber so ist es halt. Im Endeffekt sind und waren es natürlich immer fadenscheinige Begründungen, um eine mildere Verbotsvariante zurechtfertigen; das war zu Zeiten von River Raid so und ist auch heute so.
Patrik hat geschrieben:Dass Kingdom Come jetzt wieder Thema wurde, ist schon interessant, zeigt für mich aber auch Reife des Mediums: Analogien zu #Metoo in Hollywood sind ja kaum abzustreiten.
Ich hab das Spiel jetzt auch mal etwas gespielt. Mal davon abgesehen, dass es sehr träge ist, kaum in Gang kommt, fand ich die Handlung schon etwas fragwürdig, hat mich etwas an IS Defense erinnert...

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Pyri » So 17. Mär 2019, 02:45

Danke für die Infos zu "Resurrection of Evil". Dachte es hätte nur eine neue Waffe gegeben...
Rigolax hat geschrieben:(…) fand ich die Handlung schon etwas fragwürdig, hat mich etwas an IS Defense erinnert...
Wobei ja weniger die Handlung skandalisiert wurde, als vielmehr die (indirekten) Äußerungen zur Migration im Mittelalter.
Ich sehe darin aber auch ein Beispiel dafür, dass selbst größere Titel schon politischen Ausdruck beinhalten können: es ist aus meiner Sicht nicht von der Hand zu weisen, dass "Kingdom Come" unter dem Eindruck der Migrationsbewegungen in den letzten Jahren entstand - und dahingehend eben jene konservativen Positionen wiedergibt, welche in Osteuropa analog auch entsprechende Regierungen bereits länger vertreten.
Ja, die Handlung mit dem tapferen Jüngling der gegen die vergewaltigenden Horden und diese willkommen heißende "Elite" vorgeht, mag das gegenwärtige Boulevard vollends ins Mittelalter transferieren, aber gerade das streiten die Adorno-Jünger auf Twitter & Co. aber wohl ja mit ab, also dass so eine große, kommerziell orientierte Produktion überhaupt politisch sein könnte: und widersprechen sich damit selbst - auch mit ihren ständigen Angriffen gegen Ubisoft. "Blockbuster" wären demnach sowieso "rechts", wenn sie nicht gerade - so wie die Machwerke eines Neil Druckmann - mit "starken Frauen" im Spiel zu Gewalt gegen schwache Männer aufrufen. Und "Trash" auch nur dann von Vorteil, wenn er diese Eigenschaft der "Blockbuster angemessen" konterkarieren würde.
Also ich finde diese Einstellungsmerkmale überaus langweilig, oberflächlich, vorurteilsbelastet und durchsichtig. Das Spiel mag erzkonservativ und eindeutig rechtsorientiert sein, aber ich finde es jetzt nicht so schlimm wie das für mich schon "allpolnisch" anmutende "IS Defense". Ja, auch ich halte es deshalb keinesfalls für preiswürdig, aber kann es trotzdem noch immer würdigen für das was es ist - für seinen mutigen, spielerischen Anachronismus und die derzeit meiner Meinung nach immer noch (mit Abstand, das heißt noch vor "Call of the Wild") beste Naturimagination. In den langen Jahren nach "Skyrim" ein absolutes Highlight in diesem Jahrzehnt für mich, und ich halte es so auch für eines der besten Spiele der letzten Jahre.
Darüber hinaus fällt auf, so sehr wie in kaum einem anderen größeren Titel, dass es - wohl wiederum aufgrund seiner Ideologie Fantasy tunlichst vermeiden zu wollen - nicht ohne eine fundierte, historische Beratung auskam. Auch ein "Assassin's Creed" ist größtenteils gut recherchiert worden, fiel bis vor kurzem aber noch durch überaus flapsige bis lächerliche Kommentare auf.
Die Begleittexte dieses Spiels entsprechen dafür voll und ganz jener Realienkunde welche ich selbst während meines Studiums hörte. Sie sind weitgehend ernst und weisen auch nicht die tendenziell fremdenfeindliche Ideologie der Handlung auf. Und diese Aspekte eines solchen Titels können alle ganz einfach nichts für die restliche Ideologie, deren etwaigen Missbrauch, die ansonsten allzu sauberen, idyllischen Darstellungen usw.: also gelte es aus meiner Sicht die negative Gefahr welche davon ausgeht einerseits nicht zu verharmlosen, andererseits aber alles andere bitte zu respektieren!
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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitrag von Rigolax » So 17. Mär 2019, 14:41

Danke für deine Ausführungen zu KCD. Ich hatte (bisher) gar nicht realisiert, dass im Spiel nach dieser Lesart die „Elite“ die orientalischen „Horden“ ins Land eingelassen hatten. Damit wird die Parallele zur Flüchtlingsdebatte, der vermeintlichen Öffnung der Grenzen, ja klar noch deutlicher. Ich hatte auf die Motivation der Heldenreise, die auf dem Trauma durch den Einfall der Kumanen in die Dorfidylle basiert, was regelrecht ausgeschlachtet wird in mehreren Rückblenden, und vor allem diese bemerkenswerte Vergewaltigungsszene abgezielt. Interessant fand ich aber z. B. auch, die Möglichkeit, abgeschnittene Ohren der Kumanen gegen Groschen einzutauschen, wobei eine Gesprächsoption des Protagonisten sinngemäß lautet „ist das nicht etwas brutal?“, worauf der andere Typ so etwas meint wie „brutale Zeiten erfordern brutale Maßnahmen“, und als Erwiderung ein lapidares „das macht Sinn“ kommt. Na ja, ist dann wohl strikt in-character. Und halt auch die Flüchtlinge aus dem Spielerdorf, die allesamt von der sie aufnehmenden Stadtbevölkerung als stark belastend empfunden werden, da sie auch Krankheiten einschleppten und Verbrecher wären; ich glaube, es gibt diesbezüglich zudem keine einzige lokale Alternativmeinung im Spiel, die vermeintliche Stimme des Volkes soll wohl klar sein.

Stimmt natürlich, dass die Diskussion sich vor allem um die (ideologisch unerwünschte) Nicht-Inklusion von POC gedreht hat, auf Basis von nicht-peer-reviewten historischen Quellen, die deren Vorhandensein belegen würden. Am Ende eine ziemliche Nebelkerze, die von besser zu problematisierenden Inhalten ablenkt (siehe oben). Jedenfalls haben von GameStar et al. interviewte Historiker die Meinung vertreten, dass es sehr unwahrscheinlich wäre, derartige Bevölkerungsgruppen zu der Zeit dort aufzutreffen. Im Endeffekt ist es auch eine absolut legitime, künstlerische Entscheidung. Genau wie prinzipiell eben die Kumanen als Feindbild zu verwenden, was schon sehr bewusst scheint, da es mir doch eher obskure Lokalgeschichte scheint; man hätte die schließlich auch ohne Weiteres gegen reguläre Soldaten von Sigismund eintauschen können, aber versiertere Leute mögen mich korrigieren.

Zu der Naturdarstellung: Kein Zweifel, die ist grandios und auch absolut auszeichnungswürdig. Nichts anderes hatte man beim DCP wohl im Blick mit dem Award für die beste Spielwelt. Die Begleittexte, du meinst vermutlich den In-Game-Codex, fand ich auch durchaus interessant, wobei mir manche kursorisch dargestellten Fakten etwas merkwürdig schienen.

---

Nochmal zu Rape Day: Laut der Homepage des Entwicklers hat ihn u.a Paypal gesperrt. Interessant zudem, dass die BPjM anscheinend indiziert hat, seine Seite/Angebote auf dem Filter-Modul gelandet sind (er spricht von einer „country wide block list“). Na ja, keine Ahnung, was er genau meint bzw. wie das sonst zustande gekommen sein könnte, ich finde die Seite immerhin auch noch mit google.de.

Zu der Berichterstattung des Christchurch-Attentäters/Terroristen/Massenmörders sind die vielen Vergleiche der Aufnahmen des Täters mit Videospielen recht interessant, die hat hier wohl jeder mitgekriegt. Zum Großteil scheinen die mir eh recht harmlose Beschreibungsversuche. Interessant fand ich ferner folgendes in Bezug auf die Löschbestrebungen: "If the terrorist video looks like a video game, it would be very hard for an automated classifier to tell the difference between that terrorist video and a video game," https://edition.cnn.com/2019/03/15/tech ... index.html

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