Links zur Presse (Stigma) #7

Falschdarstellungen und Vorurteile
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buzzti
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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon buzzti » So 17. Mär 2019, 19:50

Rigolax hat geschrieben:Zu der Berichterstattung des Christchurch-Attentäters/Terroristen/Massenmörders sind die vielen Vergleiche der Aufnahmen des Täters mit Videospielen recht interessant, die hat hier wohl jeder mitgekriegt. Zum Großteil scheinen die mir eh recht harmlose Beschreibungsversuche. Interessant fand ich ferner folgendes in Bezug auf die Löschbestrebungen: "If the terrorist video looks like a video game, it would be very hard for an automated classifier to tell the difference between that terrorist video and a video game," https://edition.cnn.com/2019/03/15/tech ... index.html


Hierzu z.B. Sascha Lobo:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/chri ... 58272.html

"Die Netzwerk-Forscherin Yasmina Banaszczuk, selbst Gamerin, hat mehrfach die internationale, rechte, frauenfeindliche Bewegung "Gamergate" analysiert, die eine zentrale Rolle bei der Entstehung der "Alt-Right" gespielt hat, also der rechtsextremen US-Bewegung, die für Donald Trump Internet-Wahlkampf gemacht hat. Banaszczuks Schlussfolgerung nach liegt der Gamer-Szene "eine Kultur zugrunde, die schon viel zu lange Brutherd für Verschwörungstheorien und Frauenfeindlichkeit ist". Das Manifest ist nicht nur eine rassistische Kampfaufforderung, sondern auch der Aufruf, zu reaktionären, frauenfeindlichen Rollenbildern zurückzukehren, in denen der Mann Ernährer und Soldat ist, die Frau viele weiße Kinder bekommt und alle anderen Geschlechtlichkeiten bestenfalls ignoriert werden."
[...]
"Jede der erwähnten Zielgruppen wird im Manifest adressiert und emotional aktiviert. Wut-Gamer zum Beispiel spricht der Attentäter mit der Live-Übertragung an, die mit Helm-Kamera nicht zufällig an die Optik eines Ego-Shooters erinnert. Zu Beginn sagte er: "Kumpels, vergesst nicht, PewDiePie zu abonnieren!" PewDiePie hat einen der meistabonnierten Youtube-Kanäle der Welt, er wurde bekannt als "Let's-Play"-Spieler, der seine Videospiel-Aktivitäten als Video aufzeichnete und kommentierte."

Oder "The Atlantic" https://www.theatlantic.com/technology/ ... ll/585058/

"He claims that Spyro: Year of the Dragon, a video game, taught him ethno-nationalism and that Fortnite taught him to “floss on the corpses,” referring to a viral dance move from the game. These absurd references are meant to troll readers."

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon Patrik » Mo 18. Mär 2019, 14:51

Die POC-Nebelkerze hat auch mich abgelenkt. Dass (muslimische!?!) Kumanen von der Obrigkeit ins Land gelassen werden, ist eine interessante Lesart, die mir so noch nicht bewusst war. Das Spiel ist aber aufgrund der unterstützen Plattformen an mir vorbei gegangen, irgendwie reizt es mich aber dann doch.

Verwandtes Thema: Spieler wünschen sich laut einer EA_Studie mehr Inklusion und vielfältigere Charactere. Im Bezug auf weibliche Charactere hatten wir das ja auch mal erfragt und ebenso herausgefunden. Als zweitgrößtes Problem ("How concerened ... ?") der Industrie werden nach der Qualität der Spiele toxische Communities gesehen. Insbesondere werden weibliche Spieler deswegen wie durch nichts anderes von Onlinespielen abgehalten. (Interessanterweise wünschen sich auch 30% der Frauen allgemein weniger Gewaltdarstellung.)

Auch krass: Auf Steam gibt es 314 Personen, die sich nach dem Rechtsterroristen Brenton Tarrant benannt haben (https://twitter.com/Nabertronic/status/ ... 3385653248)

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buzzti
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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon buzzti » Mi 20. Mär 2019, 01:31

Patrik hat geschrieben:(Interessanterweise wünschen sich auch 30% der Frauen allgemein weniger Gewaltdarstellung.)


Die Frage war wohl "Which, if any, would make you reconsider playing online multiplayer games?" welche nicht-multiplayer SpielerInnnen gestellt wurde.

"Limit violence in games" 10% male; 30% female

Das kann man auch falsch verstehen - "violence in games" würde ich auch unter "disruptive behavior/toxicity" verorten - wie immer schwammig formuliert...

Würde das nicht so wie du interpretieren "30% der Frauen wollen weniger Gewaltdarstellung", eher vermute ich weniger Interesse an kompetitiver Ästhetik, welche oft durch explizitere Gewaltdarstellungen verstärkt wird. Da Games wie "Overwatch" im Vergleich zu anderen FPS weniger explizite Gewaltdarstellungen beinhalten, ist das wohl auch ein Faktor warum dort im Vergleich auch mehr Frauen mitspielen.

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon Rigolax » Do 21. Mär 2019, 21:01

Rape Day wurde indiziert, hatte ich zuvor ja schon vermutet: https://www.kjm-online.de/service/press ... -rape-day/ Gewaltpornografie nach § 184a StGB, also als Telemedium auf Listenteil D. Auf der offiziellen Website des Spiels hat der Entwickler zudem eine Mail der BPjM veröffentlicht, wenn das mal wer sehen will (ganz interessant unabhängig vom ganzen Thema).

---

Zu KCD: Ich glaube, die Kumanen im Spiel sind nicht muslimisch. Ich bin weder Historiker noch habe ich irgendwie groß Ahnung von der Region in der Zeit, aber soweit ich das verstehe, waren die schon seit so ca. 100 Jahren in Ungarn angesiedelt, von der "Elite" dort "geduldet", und sind im Zuge einer Assimilation oftmals zum Christentum konvertiert. Zuvor waren das aber wohl nicht alle Muslime, sondern in der Regel einem "Schamanismus" angehörig (es gab aber wohl auch muslimische Kumanen zu der Zeit). Anyway, im Spiel werden die klar als "Heiden" tituliert und ihre Rüstung wirkt exotisch/orientalisch (offenbar ein Anachronismus, da die eben schon seit 100 Jahren in Ungarn waren, siehe auch: https://www.gamestar.de/artikel/kingdom ... 28370.html). Zudem sprechen die halt unübersetztes (modernes) Ungarisch, was auch ziemlich "orientalisch" klingt. Ist natürlich klar, wie das für den durchschnittlichen Konsumenten rüberkommt.

Zu den POC noch als Klarstellung, weil ich da etwas ungenau war: Die gab's natürlich vielfach im Mittelalter, auch zu der Zeit, auch z. B. in Prag (was die Entwickler wussten/zugaben). Nur halt in dieser sehr ländlichen Region in Böhmen wäre das sehr unwarhscheinlich. In gewisser Weise kann ich die Kritik dahingehend schon verstehen, da eine "Weißwaschung" des Mittelalters in neurechten Kreisen beliebt ist. Nichtsdestoweniger war die Kritik im Endeffekt überzogen und doch selbst geschichtsrevisionistisch im Kern. Man darf natürlich unterstellen, dass die Entwickler das Setting sehr bewusst gewählt haben, um eben eine solche Mittelalterpräsentation zu legitimieren.

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon ShaneFenton » Do 4. Apr 2019, 10:24

Hi everyone ! It's been a while.

NRHZ strikes again, with a rant by Heinrich Frei : http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25778

For your info, Heinrich Frei is a swiss guy who spent years on ranting about video games in the comment section of various media outlets (a recent example : http://www.news.ch/Gamer+sind+keine+aso ... l.htm#mehr ). He also wrote articles about (and against) "killergames", and showed he could be even crazier and nuttier than his idol, Rudolf Hänsel, who also contributes frequently to NRHZ. For instance, he labeled the game "Warhammer 40k : Dawn of War" as "pure fascism", and equated the rise of "Japan-style killergames" (he even put "Mirror's Edge" into this category) with the Japan army's war crimes during WWII. I couldn't retrieve the links, unfortunately.

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon buzzti » Mi 10. Apr 2019, 18:48

https://www.spiegel.de/netzwelt/games/d ... 62105.html

"So ein richtiges Killerspiel mal? Oder ganz klassisch YouPorn?" Die Gala zum Computerspielpreis 2019 war voller totgeglaubter Klischees. So lassen Politik und Gamesbranche nicht mal die Gewinner gut aussehen.


Und noch viel mehr seltsame Zitate weiter unten im Artikel... ich dachte ja eigentlich diese eher überflüssige Veranstaltung wollten sie eh nicht mehr machen?

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon Pyri » Do 11. Apr 2019, 15:46

buzzti hat geschrieben:https://www.spiegel.de/netzwelt/games/deutscher-computerspielpreis-2019-eine-branche-erniedrigt-sich-selbst-a-1262105.html

"So ein richtiges Killerspiel mal? Oder ganz klassisch YouPorn?" Die Gala zum Computerspielpreis 2019 war voller totgeglaubter Klischees. So lassen Politik und Gamesbranche nicht mal die Gewinner gut aussehen.


Jegliche Bloßstellung liegt stets im Auge ihrer Betrachtung: diese Frau Müller kenne ich naturgemäß zwar nicht, aber weder die Politik, noch die Branche, würde ich dafür verantwortlich machen. Eher die in der Kulturindustrie branchenübergreifend wohl übliche Praxis solche Veranstaltungen von irgendwelchen Agenturen organisieren zu lassen, die dann noch unbedarfteres Personal zu Unterhaltungszwecken einladen. Wobei der (immer noch) neue Gemeinschaftsverband sich wohl gedacht hat damit Ubisoft (mit Aisha Tyler auf der E3 früher) nachmachen zu wollen: das kann funktionieren, muss aber nicht.
Darüber hinaus kann der Preis nicht so unbedeutend und überflüssig sein, wie in der Einflusssphäre deutscher Gaming-Twitteranten gern behauptet, wenn er es doch schafft jedes Jahr aufs neue Skandäle zu produzieren. Erstens wird in der Branche das Ambiente und die Moderation kaum anders gesehen als vom Herrn Spiegel-Redakteur: etwa von Petra Fröhlich https://www.gameswirtschaft.de/meinung/ ... 9-kolumne/ Und zweitens gilt, wenn es die Politik ihrerseits schafft selbst das Boulevard damit zu füttern - Bild https://www.bild.de/politik/inland/poli ... .bild.html (man beachte die Adresse mit "unsere-politiker-sind-baer-scheuert") AZ https://www.abendzeitung-muenchen.de/in ... dcd4f.html -, dann können diese Vorgänge durchaus eher zu einer Normalisierung in der Außenwahrnehmung führen als wenn ein Journalismus ständig meint das Medium "kritisch" mit negativen Gefühlen, Sexismen, Rassismen oder gleich wieder "nur" Gewaltdarstellungen empört zu assoziieren und problematisieren, damit vorgeblich aufgeschlossen "Wahrheit" und/oder Wirklichkeit zu verkaufen, sodass ich mich für diese Gesellschaft fremdschäme.
"Digitale" Spiele, Computer- und Videospiele, sind Formen von Medien zu denen so unterschiedliche Zugänge möglich sind wie annähernd bei Musik auch, vielleicht sogar noch wesentlich mehr. Dazu ist, anders als bei Literatur das Lesen oder ein Verständnis für spezifische Sprachen, nicht einmal eine besondere Kulturtechnik für ihre Beherrschung nötig - sind die Interfaces, ist die Zugänglichkeit (accessibility) zu Games erstmal adaptiert worden, also gewährleistet: das Medium kann von "nur" Unterhaltung über Bildung, Kunst und Sport bis hin zu Therapie für sehr viel gehalten werden. Natürlich auch für sinnlos, lächerlich, gefährlich und Zeitvergeudung.

Ein Anfang für den Mainstream-Journalismus wäre es dabei nicht nur kleine Spiele (Indies) zu loben, sondern - trotz diverser Vorbehalte im Hinterkopf - auch mehr größeren (Blockbuster) eine gewisse Wertschätzung entgegen zu bringen. Nur der Spagat zwischen Kommerz und Betroffenheit wird keinem Verband gelingen: so wie im Filmbereich die Lola und die Goldene Kamera auch nicht auf einer Veranstaltung vergeben werden.
Ich hätte mir vor zehn Jahren noch jedenfalls nicht träumen lassen, dass zwei CSU-PolitikerInnen einmal dermaßen ungezwungen mit dem Medium umgehen würden. So leuchtet selbst mir der früher viel strapazierte "Generationenkonflikt" ein - die Herren Stoiber oder Beckstein & Co. sind im (wohl verdienten) Ruhestand und damit Geschichte. Und spätestens wenn im ausgezeichneten deutschen Spiel eine "Tatort"-Kommissarin nicht nur die deutsche Sprachausgabe intoniert, sondern auch die englische, glaube selbst ich dass Computerspiele ein Stück weit schon in "der Mitte der Gesellschaft" angekommen sind. Nur halt nicht beim Spiegel, in der Zeit, bei der WASD etc.
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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon ShaneFenton » Mo 15. Apr 2019, 13:42

Can someone summarize (in English) what happened this year at the DCP ? Thanks in advance. I google-translated the Spiegel article, and it seemed that it was a mess and a "public humiliation", but I'm not sure to understand why.

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon Patrik » Di 16. Apr 2019, 11:47

Very brief summary of the DCP ceremony:

The first part is related to the host (Ina Müller). She obviously did not prepare properly for the evening. For example, she called the price "Deutscher Computerpreis" (German Computer Award) instead of "Deutscher Computerspielpreis" (German Games Award). Further, she proved why she is known for her rather rude kind humour. In her weekly show, she tends to provoke her guests, who are typically media professionals. However, especially indie creators and student projects lack that kind of experience, so they felt embarrassed on stage.

Also, some politicians tried to use the event for campaigning while at the same time emphasising their missing personal connection to video games. In this sense, they rather talked about their political agenda than giving a laudatory speech. This second thing is somewhat expectable but in combination with the host it resulted in a situation were the award winners were not honoured but humbled.

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Re: Links zur Presse (Stigma) #7

Beitragvon ShaneFenton » Di 16. Apr 2019, 12:39

OK. Thanks a lot for the summary, I understand much better why this was a mess. I'm reading (and Google-translating) Petra Frölich's article and... ugh !


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