Suche Links zu Studien/Presseberichte bzgl. Sucht und Gewalt

Falschdarstellungen und Vorurteile
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Modgamers
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Suche Links zu Studien/Presseberichte bzgl. Sucht und Gewalt

Beitragvon Modgamers » Di 11. Apr 2017, 13:11

Hi,

für ne Seminararbeit brauch ich noch ein paar Links als Belege zu den Themen Spielesucht und Gewalt. Diese Themen (vor allen anderen) haben ja durchaus das Bild von Computer- und Videospiele in Deutschland bestimmt. Deshalb suche ich entsprechende Belege.

Gefühlt hat ja seit geraumer Zeit die die Drogenbeauftrage der Bundesregierung mindestens ein mal pro Jahr eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie vor Computerspielsucht warnt. Ich hab schon eine von 2009 und 2011. Auch weiß ich, dass es bei SPON noch einen Artikel letztes Jahr gab und vor kurzem (Heute?) gab es einen in der BZ.

Gibt es wiederum Artikel/Studien die die Untersuchung auf die sich die Beauftragte beruft, widerlegen (war da nicht mal was, dass es nur um "Onlinesüchtige" ging, wo dann die selben Zahlen einfach für Computerspieler genommen wurde)?

Zudem bräuchte ich Links zu (Meta-)Studien, die aufzeigen, dass viele der Studien zu "Violent Video Games" fehlerhaft sind.

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marcymarc
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Re: Suche Links zu Studien/Presseberichte bzgl. Sucht und Gewalt

Beitragvon marcymarc » Di 11. Apr 2017, 13:29

Ein guter Startpunkt für die Widerlegung / Dekonstruktion von vermeintlich sicheren Studien zur positiven Korrelation in der Medienwirkungsforschung wäre die Dissertation von Patrick Portz. Auch Christopher Ferguson hat dazu Untersuchungen gemacht. Das KFN ist bestimmt eine Goldgrube für Studien, die belegen sollen, dass Games Spielern schaden. Spitzer würde ich nicht als seriöse Quelle nutzen, aber ne Beleuchtung von seinen wenig belegten Thesen konnte evtl. einen Research Bias belegen. Neulich kam eine Studie mit Gehirnscans zur empatischen Kapazität von Gamern aus dem INI in Hannover raus....
Soviel fällt mir auf die Schnelle gerade ein.

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Re: Suche Links zu Studien/Presseberichte bzgl. Sucht und Gewalt

Beitragvon Pyri » Mi 12. Apr 2017, 18:25

marcymarc hat geschrieben:Ein guter Startpunkt für die Widerlegung / Dekonstruktion von vermeintlich sicheren Studien zur positiven Korrelation in der Medienwirkungsforschung wäre die Dissertation von Patrick Portz. Auch Christopher Ferguson hat dazu Untersuchungen gemacht. (...)


Sorry, aber Metastudien - egal mit welcher Intention im Hintergrund - werden dafür aus wissenschaftlicher Sicht kaum eine gute Wahl sein. Eine bestimmte Absicht dabei vorauszusetzen dürfte für ein Seminar im Übrigen auch nicht der richtige Ansatz sein.
Gefragt sind offenbar eben "Belege", etwa Material mit denen eine politisch agierende Person wie die Drogenbeauftragte (für ihre Zwecke) arbeitet: also Quellen, oder bei der Problematik exzessiver Nutzung wohl eher Erfahrungsberichte der sozialen Arbeit, worauf sich diese stützt. Ich hoffe es existieren dafür überhaupt einigermaßen zugängliche Unterlagen, das heißt Arbeit wie jene der Drogenbeauftragten ist transparent genug und wünsche dafür in jedem Fall viel Glück!
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Re: Suche Links zu Studien/Presseberichte bzgl. Sucht und Gewalt

Beitragvon Vicarocha » So 16. Apr 2017, 11:03

Modgamers hat geschrieben:Zudem bräuchte ich Links zu (Meta-)Studien, die aufzeigen, dass viele der Studien zu "Violent Video Games" fehlerhaft sind.

Nach meinem Dafürhalten sind ja so ziemlich alle Studien aus dem Bereich "fehlerhaft"... und zwar so sehr, dass die vermeintlichen Ergebnisse derselben insg. in ihrem Aussagegehalt über die Wirkungen fiktionaler Gewaltdarstellungen auf ihre Rezipienten absolut nichtig werden.

Dennoch, hier die oben erwähnte Dissertation, bzw. erst das Abstract:
http://publications.rwth-aachen.de/record/229317

Und hier die Diss. selbst:
http://darwin.bth.rwth-aachen.de/opus3/volltexte/2013/4847/pdf/4847.pdf

Auch die seit 2013 publizierten Studien kranken alle ausnahmslos an den in meiner Diss. skizzierten Problemen, da hat sich nichts getan:

- Unschlüssige theoretische/wirkungstheoretische Grundlagen,z.B. das Vertrauen auf das extrem defizitäre General Aggression Model oder andere, unplausible Thesen, wie die Imitations-, Stimulations- u./o. Desensibilisierungsthesen (etc.), die im Kern doch auch nicht viel weiter sind, als das naive Stimulus-Reaktions-Modell der Medienrezeption (ja, z.T. wird das sogar noch 1:1 postuliert) und darüber hinaus mit einer extrem negativen Anthropologie aufwarten (der Mensch als Medienmündel, als tabula rasa, die von Medieninhalten ohne weiteres gefüllt werden könnte),

- die Wahrnehmung Gewalt als ausschl. negativem, miasmatischem Problem usw.,

- die Indifferenz ggü. dem Gewaltbegriff in Computerspielen oder ganz auch generell, was dann dazu führt, dass zwischen der "Gewalt" in einem "Super Mario"-Spiel und der in einem "Manhunt" gar nicht differenziert wird,

- insg. falsche Annahmen über Gewaltdarstellungen in Computerspielen, die nicht nur Art und Häufigkeit entsprechender Darstellungsmöglichkeiten(!) vollkommen ausblenden, sondern die Relevanz subjektiver Spielstile der Spieler selbst vollkommen aussen vor lasen,

- abstruse Methoden zur Operationalisierung der unabhängigen Variablen, also der Quantität (und ganz selten auch der Qualität) virtueller Gewaltdarstellungen, welcher die Probanden ausgesetzt sein sollen, d.h. der Einsatz von Methoden, von denen eigtl. gar nicht klar ist, was sie messen (u.a. wegen des erwähnten Problems, dass "Gewalt" nicht definiert wird), sowohl bei Korrelations- als auch bei Experimentalstudien (und bei letzteren kommen noch eine Vielzahl von für diese Disziplin spezifichen Problemen des Laborsettings dazu),

- ebenso abstruse Methoden zur Operationalisierung der abängigen Variablen (aggressives Verhalten, Denken, Fühlen, Gewalttätigkeit etc.; Phänomene, die selten hirneichend voneinander differenziert werden), die eigtl. nie standardisiert sind, geschweige denn überhaupt irgendwie valide und wieder alles mögliche Messen könnten, nur nicht das fragliche Phänomen,

- und die unzulässige Überinterpretation von (ohnehin fragwürdigen) Forschungsergebnissen, wo dann z.B. aus einem um zwei Herzschläge höheren Puls nach dem Spielen von Spiel XYZ gedeutet wird, dass der entsprechende Proband kurz davor ist, das Abendland in einer Gewaltorgie in Schut und Asche zu legen, ohne dabei zu erwähnen, dass der Puls trotz dieser waaahnsinnigen Erhöhung doch noch im untersten Zentel des Bereichs war, der für Menschen im Ruhezustand absolut normal ist.

Das fasst es glaube ich ganz gut zusammen. Lass mal von dir hören, wenn deine Arbeit fertig ist. Da hast du dir mit den zwei Themenbereichen viel aufgelastet, das Thema "Gewalt in den Medien" ist ja shcon umfangreich genug. ;-)
"In the beginning there was violence. Cain slew his own brother Abel according to Genesis and he didn't even have a video tape recorder."
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Re: Suche Links zu Studien/Presseberichte bzgl. Sucht und Gewalt

Beitragvon Modgamers » So 6. Aug 2017, 08:54

Schon mal danke. Jetzt suche ich noch Quellen die be- bzw. widerlegen, dass man mit Ego-Shootern das schießen lernen kann. Da war doch mal dieser Artikel in so einer Polizeizeitschrift.

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Re: Suche Links zu Studien/Presseberichte bzgl. Sucht und Gewalt

Beitragvon Rey Alp » So 6. Aug 2017, 10:11

Wolfgang Bösche/Florian Geserich
- Nutzen und Risiken von Gewaltcomputerspielen, Polizei & Wissenschaft 1/2007, S. 45 ff.

Hier auszugsweise zitiert.

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Re: Suche Links zu Studien/Presseberichte bzgl. Sucht und Gewalt

Beitragvon Modgamers » So 6. Aug 2017, 16:52

Danke. Hast du zufällig noch nen Link zu nem Review zu Grossmans Erstlingswerk "On Killing"? Hab nur was für sein zweites Buch (Thomas Hausmanninger - Review: Wer hat unseren Kindern das Töten beigebracht? Ein Aufruf gegen Gewalt in Fernsehen, Film und Computerspielen. Erschienen in: International Review of Information Ethics Vol. 4 (12/2005))

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Re: Suche Links zu Studien/Presseberichte bzgl. Sucht und Gewalt

Beitragvon Rey Alp » So 6. Aug 2017, 18:29

A hoc fällt mir nur diesem zum 2. - Stop Teaching Our Kids to Kill. A Call to Action Against TV, Movie & Video Game Violence - ein:
- http://www.i-r-i-e.net/inhalt/004/Hausmanninger.pdf

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Re: Suche Links zu Studien/Presseberichte bzgl. Sucht und Gewalt

Beitragvon Modgamers » Mo 7. Aug 2017, 09:00

Genau das hab ich schon.

Ich mein bei Stigma gabs mal ne Analyse des Buches, u.a. dass es keine Quellen/Fußnoten verwenden würde (somit keine Belege für seine Thesen hätte), die Richtigstellung bzgl. der "Simulatoren" und das die These das Militär hätte Shooter erfunden hätte würde auf die "Leseimkompetenz seiner Verbreiter" zurückgehen u.ä.

EDIT: Ok, gefunden. War ein externer Link, der auch leider nicht mehr verfügbar ist. Depublizierung im Internet saugt. Zum Glück gibt es das Webarchiv. https://web.archive.org/web/20100523230 ... mmung.html


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