Warum waren Hakenkreuze nochmal verboten?

Falschdarstellungen und Vorurteile
Rigolax
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Re: Warum waren Hakenkreuze nochmal verboten?

Beitragvon Rigolax » So 10. Dez 2017, 18:21

Stimmt schon, ich wollte eigentlich nur auf die absurde Situation hinweisen, dass das OLG ein Spiel des BMI für illegal erklärt hat. Im Grunde hätte das Gericht mMn diese Veröffentlichung durchaus berücksichtigen müssen.

Das Urteil des OLG Frankfurt ist in dem Sinne ja klar. Obiter Dictum wurde ja gesagt:

Vielmehr gebietet es der Schutzzweck des § 86a StGB, dass in Computerspielen keine Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gezeigt werden.


Das erklärt nun mal auch Dunkle Schatten 1 und 3 per se für illegal, wenn/da sie diese Symbole verwenden. Ob sie wirklich deswegen illegal seien, sei dahingestellt, die Rechtsprechung des OLG sieht es aber offensichtlich so.

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Re: Warum waren Hakenkreuze nochmal verboten?

Beitragvon Rey Alp » So 24. Dez 2017, 15:57

Gibt es irgendwoe Bilder, wo die verwendet werden? Hat da jemand nähere Informationen? Ich hatte dies eLet's Plays erst flüchtig gesichtet und nichts direkt gefunden:
- https://www.youtube.com/watch?v=gO7vbPXnKHA
- https://www.youtube.com/watch?v=fU2HKyWUNhM (Minute 1:07 - verdeckt)

edit:

1 gefunden.

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Re: Warum waren Hakenkreuze nochmal verboten?

Beitragvon Rigolax » So 24. Dez 2017, 16:39

https://www.youtube.com/watch?v=gO7vbPX ... .be&t=7787

Wollte ich erst nicht verlinken, da ihr ja eher vorsichtig bei solchen Dingen seid.

EDIT: Man kann auch mit dem HK interagieren und es kommt ein Gesetzeshinweis auf. Siehe folgende Minuten im verlinkten Video.

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Re: Warum waren Hakenkreuze nochmal verboten?

Beitragvon Rey Alp » Mo 25. Dez 2017, 00:10

Vielen Dank!

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Re: Warum waren Hakenkreuze nochmal verboten?

Beitragvon Rigolax » Di 9. Jan 2018, 20:37

https://www.youtube.com/watch?v=VjWHteXQNJY

"What Questions Are Asked For Game Age Ratings"

Censored Gaming geht in dem Video alle Fragen eines IARC-Ratings durch (mittels eines Entwickler-Account). Trotz der "Ja"-Beantwortung der Hakenkreuzfrage (24:00), kommt eine USK ab 18 (als IARC-Kennzeichnung) raus. Offenbar gibt es kein Refused Rating (der USK; Australiens und Russlands Stellen geben dieses), da er auch bei Gewalt oder sexuelle Inhalte die Maximal-Angaben gemacht hat. Prinzipiell bemerkenswert imo, da die IARC-Ratings nach teils herrschender Meinung wohl weitestgehend Rechtssicherheit* bieten, obwohl sie eben nicht durch die OLJB abgenickt werden.

* so Kai Bodensiek in der GameStar. http://www.gamestar.de/artikel/wolfenst ... eite3.html

EDIT: Okay, offenbar gibt es auch Verweigerungen der USK bei IARC. Warum bei dem Durchlauf aber keine kam, erschließt sich mir nicht. http://www.bundespruefstelle.de/Redakti ... b=true.pdf

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Re: Warum waren Hakenkreuze nochmal verboten?

Beitragvon Pyri » Do 11. Jan 2018, 08:31

Rigolax hat geschrieben:https://www.youtube.com/watch?v=VjWHteXQNJY

Meinem Verständnis nach handelt es sich bei den IARC-Ratings, zumindest in der aktuellen Form wie sie auch hier vorgestellt werden, um kleine Mogelpackungen. Die Zertifikate werden zwar scheinbar für die Inhalte selbst ausgestellt, tatsächlich aber betreffen sie nur das jeweilige Angebot (!) - das heißt sie sind meinen Informationen zufolge keineswegs übertragbar und gelten nur auf dem jeweiligen Marktplatz für den sie einmal ausgestellt wurden.
Bieten sie Rechtssicherheit in Deutschland? Mag schon sein, aber die Verantwortung trägt daher eher die Firma welcher die Plattform gehört (und da mitmacht).
Weithin bekannt ist etwa wie rigoros auf dem Appstore mit Inhalten oft verfahren wird, wobei Apple da vorerst anscheinend nicht einmal dabei ist. Und mobile Angebote sind auf den "offiziellen" Marktplätzen sowieso ziemlich normiert.
Im Erklärvideo hier https://www.youtube.com/watch?v=GNFDt4rBsmE&t=90s wird gezeigt wie einfach und kostenlos ein dementsprechender Oculus-Account erstellt werden kann, doch bei Oculus würden sich manche Titel die es etwa auf Steam ebenfalls für die Rift zu kaufen gibt - wie "Gal*Gun VR" - vermutlich gar nie in ihrem (kuratierten) Store einfinden.
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Re: Warum waren Hakenkreuze nochmal verboten?

Beitragvon Rigolax » Di 20. Feb 2018, 16:32

Zwei kurze Fragen zur Diskussion:

1)Was waren die Beschlagnahmegründe bei Versionen von Wolfenstein 3D? So weit ich weiß ja immer § 86a StGB, also die NS-Kennzeichen. Es gibt ja allerdings auch mehrere Beschlüsse.

Verwirrend finde ich folgendes Urteil des BGH von 2007:

Am 21. Juli 2001 wurden auf der Auktionsplattform der Beklagten das Spiel "Wolfenstein 3D" sowie die Tonträger "Der Clou" und "Der nette Mann" der Gruppe "Böhse Onkelz" angeboten, die sämtlich wegen volksverhetzenden Inhalts allgemein beschlagnahmt worden waren.


https://www.jurion.de/urteile/bgh/2007- ... -zr-18_04/

Ist dies schlampig formuliert bezogen auf "sämtlich", oder war Wolfenstein 3D wirklich mal als volksverhetzend nach § 130 StGB erklärt worden (eine andere Interpretation lässt das dann wohl ja nicht zu)?

2)Wie ist eigentlich der unbelegte Satz auf der deutschen Wikipedia zu deuten. Könnte ich auch nicht belegen:

Auch wegen der Vorgängerspiele hatte es bereits Strafverfahren wegen der Verwendung von NS-Kennzeichen gegeben. Diese endeten teilweise mit einer Einstellung gegen Zahlung einer Geldauflage gemäß § 153a StPO, teilweise mit einem Freispruch, da es ein „antifaschistisches Computerspiel“ sei.


https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfenste ... lagnahmung

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Re: Warum waren Hakenkreuze nochmal verboten?

Beitragvon Pyri » Do 22. Feb 2018, 21:16

Rigolax hat geschrieben:Ist dies schlampig formuliert bezogen auf "sämtlich" (...)

Ja. Aber nicht wegen dem Vorwurf der Volksverhetzung, sondern der Behauptung "allgemein" - denn diese deutet auf eine Einziehung wegen Volksverhetzung hin und eine solche ist halt nicht bekannt geworden, zumindest nicht öffentlich. Wie ich noch ausführen werde kann Volksverhetzung/Verhetzung (oder können sonstige NS-Verbotsgesetze) sonst aber immer möglich sein und bleiben.

Ich wurde bei den Vorarbeiten für meine Dissertation mit ähnlichen, nicht weiter ausgeführten Spruchformeln konfrontiert - bezogen auf den Titel "KZ Manager".
Sogar aus dem Umfeld von gesetzlichen Interessensvertretern der Arbeitnehmer hier in Österreich - bezogen auf Konsumentenschutz und Elternratgeber (also gewerkschaftsnah). Für den Diskurs waren derlei zusammenfassende Einschätzugen jedoch kaum relevant - weder in Deutschland noch hierzulande: es war vor 25 Jahren in der breiten Öffentlichkeit eher ganz einfach üblich "Wolfenstein" als "Nazispiel" wahrzunehmen, auch weil parallel zur Popularisierung des "3D"-Teils eine erste (Schulhof-)Digitalisierung im Neonazismus (mit viel "Spiel"-Software auf Floppy-Disks) stattfand.

Und wenn in der Situation ein "Wolfenstein" neben "Störkraft" und Co. gefunden wurde, wurde da einfach nicht differenziert - dasselbe gilt übrigens für die meisten Gewaltdarstellungen.

Rigolax hat geschrieben:(...) oder war Wolfenstein 3D wirklich mal als volksverhetzend nach § 130 StGB erklärt worden (eine andere Interpretation lässt das dann wohl ja nicht zu)?

Nein. Jedenfalls eben nicht in der Form, dass dies je öffentlich bekannt (und demnach greifbar!) geworden wäre. Allerdings würde ich es garantiert nicht ausschließen, dass es diesbezüglich im Zuge von (Szene-)Beschlagnahmen nicht doch mal beschlagnahmt worden ist.
Eher das Gegenteil dürfte der Fall sein: weder dürften betroffene Neonazis den antifaschistischen Gehalt der Franchise in ihrer Rezeption unbedingt erkannt haben, noch Exekutivorgane (oder Ermittlungsbehörden). Auch wenn das aus heutiger Sicht nicht nachvollzogen werden kann, aber selbst ich habe als Kind lange Zeit nicht kapiert dass dort eigentlich auf Nazis geschossen wird (sondern eher nur die Nazis "gesehen" und "gehört")... Dass der Titel mit dem Horst-Wessel-Lied beginnt hat darüber hinaus keinesfalls zu einer besseren Wahrnehmung geführt.
Und eher ist es deshalb so, sind diese Zitate dahingehend zu interpretieren, dass es nicht wirklich Sinn macht danach zu fragen ob und falls ja, weswegen, solche Vorgänge einmal stattgefunden haben oder nicht. Zwar verfügt Deutschland mit der BPjM theoretisch über eine Behörde wo derlei Informationen zusammenlaufen könnten, allerdings ist dies zu glauben keineswegs realistisch. So könnten etwa ganze Computer mit inkriminiertem Material beschlagnahmt worden sein, ohne dass nach dessen Herkunft (oder sonstiger Verbreitung) überhaupt gefragt worden wäre: Akten mit Hinweisen darauf dürften heutzutage erfahrungsgemäß weit eher nur mehr als einzelne Archivalien verfügbar sein - wo dann zwecks wenigstens einem realistischen, aber immer noch sehr geringen Sucherfolg auf entsprechende Digitalisate gehofft werden darf. Wer in Deutschland mal die Gelgegenheit dazu hat kanns ja probieren, auch weil an Vertriebswege (sonstige Verbreitung) womöglich gar nicht gedacht wurde und die Spiele überhaupt nicht als Produkte (denen nachzugehen wäre und die eingezogen werden könnten) wahrgenommen wurden.

Interessanter als Volksverhetzung (und für den Handel mal relevant gewesen) ist da schon die Frage, ob das (Original-)"Wolfenstein" von 2009 einmal als Propagandamittel wahrgenommen wurde - denn auch das konnte einmal gelesen werden, also dass zwischen 86 und 86a etwas verwechselt worden war. Ich erinnere mich noch sehr lebhaft daran wie das hier oder noch im alten (auf ewig verlorenen) Stigma-Forum, schnbell abgestritten wurde, aber ich zweifle noch heute daran. Es gibt schon gute Gründe den Multiplayer daraus als Propagandamittel anzunehmen, ebenfalls das Original von "Call of Duty: World at War" von 2008.

Also es geht wirklich nicht immer nur um die Kennzeichen.

Rigolax hat geschrieben:2)Wie ist eigentlich der unbelegte Satz auf der deutschen Wikipedia zu deuten. Könnte ich auch nicht belegen:

Auch wegen der Vorgängerspiele hatte es bereits Strafverfahren wegen der Verwendung von NS-Kennzeichen gegeben. Diese endeten teilweise mit einer Einstellung gegen Zahlung einer Geldauflage gemäß § 153a StPO, teilweise mit einem Freispruch, da es ein „antifaschistisches Computerspiel“ sei.

Das wird seit jeher über die beiden Vorgänger behauptet und Wikipedia ist dahingehend halt leider oft nicht viel besser als die schlechte Presse. Offizielle Informationen, fundiertes Wissen, über entsprechende Einträge bei der BPjM hinaus, sind da einfach nicht zu erwarten - nicht mehr als (auch sonst) das Verhältnis zwischen den beiden öffentlichen Listen A und B. Die Tradierung ist jedoch bestenfalls fragwürdig: aus ökonomischer Sicht ist mir zum Beispiel schonmal nicht bekannt welche (juristische) Person da überhaupt betroffen gewesen sein könnte, dass die ersten beiden Spiele in Deutschland überhaupt je angeboten werden sollten.

Über die Beschlagnahmen beim Gewaltdarstellungsverbot wurde ja auch nur deshalb einmal (etwas) mehr bekannt, weil dazu ab einem gewissen Zeitpunkt mehr publiziert wurde.

Hinzu kommt, dass ja nicht einmal die Prozesse einer etwaigen Indizierung öffentlich gemacht werden (dürfen), also dass etwa bekannt wäre wie und von wem die BPjM informiert worden war. Ob es sich um den gewöhnlichen Importhandel mit Videospielen, den es zu der Zeit (also ursprünglich bei Veröffentlichung) in der Form von heute vielleicht noch gar nicht gab, oder wiederum eine subkulturelle Szene mit NS-Devotionalien (eher jugendliche Nazis die Computer spielen) handelte: aus historischer Sicht ist es da nahezu ein Ding der Unmöglichkeit ohne weitere Anhaltspunkte, wie zusätzliche Dokumente etc., diesbezüglich etwas genaueres herausfinden zu können - und die Vorstellung völlig falsch zu glauben, dass da jemand überhaupt etwas in der Form "beschliessen" könnte. Am wahrscheinlichsten ist sowieso, dass es sich bei den Floppy-Disk-basierten bis in die Neunziger in den allermeisten Fällen um Piraterie handelte.
Die OGDB nennt abgesehen von Muse Software nur Main Street Publishing als in Frage kommendes Firmenkonstrukt für die verschiedenen Veröffentlichungen: bei der C64-Version vom zweiten Teil, wo dafür jegliche Information zur Indizierung fehlt. Nur der erste (indiziert angeblich 1987) soll 2012 gestrichen worden sein. Vergleiche http://ogdb.eu/index.php?section=title&titleid=2616 und http://ogdb.eu/index.php?section=title&titleid=2372 Und als "Zeuge" müsste sich wenn dann etwa dort (wo relativ viele Deutsche schreiben) ein Sammler oder sonst irgendwelche Betroffenen finden lassen, die anderes behaupten würden (beziehungsweise weitergehende Informationen, die mit der Wikipedia zusammenpassen).
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Re: Warum waren Hakenkreuze nochmal verboten?

Beitragvon Rigolax » Di 29. Mai 2018, 15:00

Sehr lesenswerter Kommentar zu dem Thema von Wolfgang Walk. Ordentlich gesalzen zudem. Geht hauptsächlich um Attentat 1942 und die Passivität von game.

https://www.gamespodcast.de/2018/05/29/ ... erschanzt/

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Re: Warum waren Hakenkreuze nochmal verboten?

Beitragvon Pyri » Di 29. Mai 2018, 20:23

Rigolax hat geschrieben:https://www.gamespodcast.de/2018/05/29/hinterm-hakenkreuz-verschanzt/

So löblich die politische Stoßrichtung dieses Beitrags ist, so komplett daneben muss ich ihn leider auch finden (im Sinne von an der Sache vorbei):
1. ist "Attentat 1942" eine tschechische Produktion und game jetzt DER deutsche Verband. Und dieser fühlt sich da wohl eindeutig eben nicht zuständig. Wobei: so ein Branchenverband soll in erster Linie die Interessen der Industrie in Deutschland vertreten und diese tangiert ein "Attentat 1942" vielleicht nicht einmal (ansatzweise). Ich kenne das Spiel persönlich zwar immer noch kaum, sondern habe erst jetzt im Sale diese Woche vor es endlich wenigstens zu "kaufen", schämte mich aber ja schon, dass daran eine tschechische und keine deutsche oder österreichische Universität beteiligt war - das hat aber, siehe meinen 3. und letzten Punkt, vielleicht auch noch ganz andere, wesentlich brisantere Gründe. Böse formuliert könnte jedoch noch angemerkt werden, dass "Attentat 1942" tschechische Erinnerungskultur wäre, und keine deutsche (oder österreichische).
2. finde ich es noch immer mehr als zweifelhaft, ob dieser "Bundesfighter" überhaupt als Videospiel im traditionellen Sinne wahrgenommen wurde. Ich sehe eigentlich keinen Grund für diese Annahme: auch hier gilt, dass die Verantwortlichen zwischen Medienkunst und (Polit-)Marketing ihr Werk kaum als Unterhaltungssoftware ansehen werden, sondern eher "nur" als Karikatur. Und als solche könnte sie nicht nur Politikbilder karikiert haben, sondern auch das Videospiel als Medium parodiert.
Schon in den Neunzigern hat ein "Dunkle Schatten" halt auch kein Aufsehen erregt, weil es mit einem entsprechenden, öffentlichen Hintergrund ausgestattet daher kam: es geht hier nicht um Recht, sondern um Rechtfertigung - um Legitimation im Spätkapitalismus. Und nicht darum was etwas "ist", sondern als was etwas gilt (!).
3. geht der Text an der Realität der großen, populären Videospiele und deren neuerdings gewonnenem Selbstverständnis völlig vorbei: sicher existiert einerseits ein politischer Drang zur Betroffenheit heutzutage auch in (Serious-)Games - jedenfalls bei kleineren Spielen ein Hang zur narrativen Emotionalisierung, zu Awareness für die unterschiedlichsten Themen, aber andererseits hat die affirmative Interpretation von etwa Gewaltinhalten im Großen und Ganzen, welche früher eher extern dem Medium als Unehrlichkeit vorgehalten wurden (letztlich würde es bei Shooter und Co. doch nur ums Umbringen-Wollen gehen), eine nicht zu unterschätzende Karriere innerhalb der Industrie selbst erlebt. Über die Identifikation mit genau so (als solche positiv) vorgestellten Helden und Heldinnen. Denn leider hat diese Wahrnehmung die Industrie verinnerlicht, indem sie Inhalte zur Aufgabe von Repräsentation im Sinne politischer Korrektheit gemacht hat: wenn etwa demnächst zumindest im "Battlefield V"-Multiplayer suggestiv Frauen auf Seiten der Wehrmacht kämpfen werden, daran so wie es aussieht kein Weg vorbeiführen wird. Und sich mit zu repräsentierenden Frauen vor den Bildschirmen solidarisierende JournalistInnen ohne einen einzigen Abschluss in Geschichte mit einem beherzten "es gab aber" (wieder) auf historische Ausnahmen "stützen" werden, diese zur Regel erklären. Und Hakenkreuze können, wie alle sonstige (bittere) Authentizität, da praktisch nur stören - diesen Positivismus nur stören... Ja, Medien wie Videospiele sollen ein erzählerisches Augenmerk auf das Besondere richten, aber das Besondere oder das heute Angemessene, Zeitgemäße, Gleichberechtigte, hat damit nicht das Geringste etwas zu tun. Denn nein, "es gab" eigentlich keinen Platz für Frauen in der kämpfenden Truppe faschistischer Achsenmächte. Und nein, es sollte in Medien wie Videospielen unter dem Deckmantel der Geschlechtergerechtigkeit und Diversität eigentlich auch keinen Platz für die Beschönigung und/oder "Korrektur" historischer Sexismen und Rassismen, für solchen Revisionismus geben. Oder was soll damit eigentlich gezeigt, benannt, dargestellt werden? Solange game, und im Unterschied zu "Attentat 1942" repräsentiert der Verband dann nun ebenfalls EA, sich nicht ausdrücklich von solchen Inhalten distanziert - im Gegenteil diese in der Presse/Öffentlichkeit gar nicht "kritisiert" werden, sondern im schlimmsten Fall noch mit Lobhudelei bedacht werden dürften - so wie beim marginalisierten FIFA-Fußball. Aber gleichzeitig Figuren wie Alexander Gauland mit dessen Aussagen über Wehrmacht und Co. zum säkular-atheistischen Gottseibeiuns erklärt werden.
Und wenn etwa demnächst bei den Asienspielen mit dem Segen des IOC "Pro Evolution Soccer" gespielt wird zeugt das weiterhin eher davon, dass selbst an der Außenwahrnehmung deswegen (das heißt trotz Massenmedium, Verbreiterung des Publikums etc.) sich grundsätzlich nicht so viel geändert hat (siehe jüngst in einem "Junge Freiheit"-Video: junge Frau freut sich, dass so viele in Berlin am 27. Mai für die AfD demonstriert haben, anstatt "vor dem Fernseher oder der PlayStation zu sitzen")
@gamespodcast Schade, dass dazu nicht direkt kommentiert werden kann. Sonst hätte ich meine neuerlichen Zeilen gleich dort hinterlassen;
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