Warum waren Hakenkreuze nochmal verboten?

Falschdarstellungen und Vorurteile
Rigolax
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Re: Warum waren Hakenkreuze nochmal verboten?

Beitragvon Rigolax » Mi 30. Mai 2018, 14:50

Hier noch was von Petra Fröhlich. Zusammenfassung ihrer Argumente gegen NS-Symbole in Videospielen bzw. für Einzelfallprüfungen. Von einem Panel auf den German Dev Days 2018: http://www.gameswirtschaft.de/meinung/h ... e-kolumne/

Interessant auch die neue BPjM-Aktuell mit Schwerpunktthema Computerspiele und § 86a StGB. Vor allem die Aufsätze der FSK/USK respektive den Vertretern der OLJB jeweils, der KJM und der BPjM. Interessant zum Beispiel, dass die FSK mal die Kennzeichnung einer Episode eines Anime verweigert hat, weil ein NS-Symbol im kriegsverherrlichenden Kontext genutzt wurden sei (sozial-ethisch desorientierend). Übrigens hat Dunkirk keine NS-Symbole meines Wissens nach, weshalb es als Beispiel im Filmbereich nicht taugt, will ich mal hier for the record feststellen.

Die USK-OLJB ist in ihrem Aufsatz offensichtlich bemüht die Relevanz des de facto Pauschalverbots in Videospielen runterzureden, da es ja nur weniger Spiele betreffen würde. Besonders fragwürdig auch, dass sie nicht die eigentliche Kritik an Wolfenstein 2: The New Colossus German Edition anführen, also die Verfremdung der NS-Opfer und -Verbrechen als eine Art Opfer-Zensur, sondern es nur um die Täter-Zensur geht.

Die KJM weist auch noch darauf hin, dass im März im Bundesrat ein Gesetzesentwurf beschlossen wurde, um eine Auslandsstrafbarkeit in § 86a StGB einzuführen. Wie bei fast allen medienregulatorischen Delikten ist dies nach neuerer höchstrichterlicher Rechtsprechung bekanntlich nicht der Fall.

Dann noch ein Aufsatz aus Sicht von game. Die Debatte um Wolfenstein 2 wird erwähnt, Attentat 1942 aber nicht (auch sonst nirgends). game wolle sich für die Gleichbehandlung der Medien einsetzen, die Debatte müsse versachlicht werden.

Abschließend ein Aufsatz des Kunsthistorikers Dr. Stephan Schwingeler zum Thema Kunst. So meint Schwingeler, dass die Aussage "Computerspiele sind Kunst" falsch sein muss. Ich denke schon dass man sagen kann, dass Spiele Kunst sind, auch wenn das streng logisch natürlich nicht stimmen kann, da einzelne Computerspiele sicherlich nicht Kunst sind selbst nach sehr weiter Auslegung. Bereits aus rechtlicher Sicht dürften die meisten Spiele an sich ja unter den Kunstbegriff fallen. Geht ihm wohl eher um Kunstwerk statt Kunst, oder dergleichen. EDIT: Nur damit kein falscher Eindruck entsteht: Er bezieht das grundsätzlich auf alle Medienformen, nicht Spiele im Besonderen.
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Im Forum von gamespodcast kann man die Kolumne kommentieren. Wobei sich Forenthreads eher schlecht für so etwas eignen, muss ich sagen.

Daneben fand ich den Beitrag auch teils. So in die Richtung meinte ich auch "gesalzen". Wobei ich eher dann den Vergleich von game mit Schweizer Banken dachte.

Stimmt auch, dass game nur begrenzt zuständig sein sollte für ausländische Produktionen. Kurioser Weise ist es doch so, man möge mich verbessern, dass die mediale Aufarbeitung des NS vor allem in ausländischen Produktionen erfolgt ist, historisch gesehen, vor allem auf den Spielfilm bezogen. Offenbar setzt sich das im Videospielbereich so fort. Da kann man zumindest fragen, ob auf deutscher Seite nicht zumindest die nötige Rechtsgrundlage geschaffen werden sollte, damit dies gelingen kann.

Die Bedeutung der Entscheidung der StA im Falle von Bundesfighter halte ich auch für recht gering. Im besten Fall hat es dazu beigetragen, dass manche ignorante Redakteure nicht mehr pauschal glauben, dass Videospiele mit NS-Symbolen illegal wären, da es medial wohl als vollkommenes Videospiel wahrgenommen wird. Selbst ein Attentat 1942 wurde teils als "verboten" oder "illegal" bezeichnet, was ich nicht nur absurd, sondern schon fast diffamierend finde.

Zu Battlefield V und co.: Ich denke, wenn man Spiele in Setting des 2.WK entwickelt, muss man sich auch mit dem Hakenkreuz arrangieren. Wer ein Problem hat, auf deutscher Seite unter dem Hakenkreuzbanner und damit symbolisch für die NS-Ideologie zu kämpfen, sollte solche Spiele schlicht nicht spielen. Selbiges gilt für das Entwickeln dieser. Battlefield V hat ohnehin eine abstruse Position zwischen Pseudo-Authentizität und komplett fiktiv-spielerischen Quatsch eingenommen.


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