Medienecho auf rechten Terror

Falschdarstellungen und Vorurteile
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Pyri
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Re: Medienecho auf rechten Terror

Post by Pyri »

@ShaneFenton
It*s a passing fad, again. And maybe "the usual suspects" - together with some not-quite-correct terms by well-meaning social scientists.
This time around, there*s even a lot of progress to be seen - like Seehofer giving a more precise statement, or ZDF at least some sort of apologizing.

After a long time, I again attended a course in "communication" last week here in Austria. And just minutes in, the lecturer somehow revealed herself as a big fan of Manfred Spitzer who may have visited Graz just days before. Yet what followed I really couldn't take seriously, or offensive for that matter: blaming electronic media or communication may have made the likes of Spitzer rich, but certainly cannot be serious business in the digital age.
And mainstream journalism, like the video game industry itself, most of the time still say "everyone plays" these days. There even was a SPIEGEL cover a few years ago, with exactly this background in mind. So no, blaming video games as a whole - or specific genres like shooters in general - won*t work. That*s somehow out of the question - even in Germany.

Worldwide, gaming publications like Polygon, newspapers like The Guardian and Standard in Vienna, or magazines like WASD in Germany, are working on these things for a long time now. They*re targeting a certain culture of hatred, or that*s what at least their "hate against supposed to be hate" actually claims to do by "spreading love", attacking militarism, exclusion, harassment. and so forth.
Companies like Sony and Twitch already ban and prohibit people and content they don*t like or think are offensive. There was a purge in one of my two "Dead or Alive" communities just a few days ago. They do what they can, so to speak - to get rid of content or people they consider inapropriate or "scum". It*s the hatred I recognize on a daily basis. And the threat.

For the general public, much more worriesome may still be a certain tendency in German society to control communication: for a very short time it was already discussed that jihadists were using PlayStation to communicate with each other, but Sony may have stopped that somehow (too). I don*t know.
For twenty years, "the internet" somehow didn't exist for most Germans. Just German speaking islands, and because of evading the sharpness and stringency of the German law some of them were artifically produced abroad, for "forbidden things" - like gambling or pornography.
My initial impression here was the public being shocked because the alleged perpetrator was looking for an international audience by writing in English. This may have been new for Germany, a country for which reputation nowadays is everything. So they may look out for places they can get rid of, and in a longshot take them all down...
One such German-language "place of hate" was already discussed in last weekend's media. Accidentally named after a late chancellor.
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buzzti
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Re: Medienecho auf rechten Terror

Post by buzzti »

"Ich bereue es, 8chan gegründet zu haben"

"Wo sich Attentäter austauschen: Auf dem Imageboard 8chan wächst Hass und Nazi-Ideologie. Er habe nie gedacht, dass Leute sich so radikalisieren könnten, sagt der Gründer."
Rigolax
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Re: Medienecho auf rechten Terror

Post by Rigolax »

SPIEGEL TV vom 14.10.2019: "Anschlag in Halle: Der Mörder und seine Mutter" https://www.spiegel.tv/videos/1636008-s ... m-14102019

Bei 8:40:
Den Beginn seiner Tat legt er auf 12 Uhr fest -- englisch: High Noon. "High Noon" ist auch ein 35 Jahre altes Compterspiel, in dem ein Einzelkämpfer gegnerische Einheiten zerstört.
https://en.wikipedia.org/wiki/High_Noon_(video_game)

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amegas
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Re: Medienecho auf rechten Terror

Post by amegas »

https://www.augsburger-allgemeine.de/ba ... 74241.html

"Seehofer zeigt sich verärgert über Kritik an Äußerung zur "Gamer-Szene""

"Zugleich hatte sich über das Echo auf seine umstrittene Äußerung über die "Gamer-Szene" geärgert. "Dieses gewollte Missverstehen ist mittlerweile eine beliebte politische Vorgehensweise geworden", sagte Horst Seehofer. "Die Aufgabe ist es doch, diejenigen aus der Szene rauszuholen, die die Gamer benutzen", fügte der CSU-Politiker hinzu, "wir bekämpfen Verbrecher und Rechtsextremisten und nicht die Bürger und nicht die Gamer.""
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Pyri
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Re: Medienecho auf rechten Terror

Post by Pyri »

amegas wrote: Tue 22. Oct 2019, 10:56 https://www.augsburger-allgemeine.de/ba ... 74241.html

(...) Horst Seehofer. "Die Aufgabe ist es doch, diejenigen aus der Szene rauszuholen, die die Gamer benutzen", fügte der CSU-Politiker hinzu, "wir bekämpfen Verbrecher und Rechtsextremisten und nicht die Bürger und nicht die Gamer.""
Wow :o Schön wäre es gewesen, diese Logik hätte es bereits 1999, 2002, 2006 und 2009 in Deutschland gegeben - als es jeweils noch wie ganz selbstverständlich erschien, die Gewaltverbrechen ausdrücklich nicht als Missbrauch von Normalität oder Bürgerlichkeit zu diskriminieren, sondern ihr Biotop vielmehr genau als das Surrogat welches Gewaltverbrecher erst gebiert: die Handlung des Gamers war damals allgemein nur eine Ersatzhandlung, schlimmstenfalls zur Vorbereitung für Verbrecher. Da wurde nämlich nichts unterschieden, die Gefahr war omnipräsent und negativ besetzt (ein positives Risiko von Vielfalt gab es scheinbar nicht, nicht einmal die Feststellung/Differenzierung irgendwelcher diesbezüglicher Gruppen). Das nenne ich (ausnahmsweise) mal sogar einen großen Fortschritt in einem echten Diskurs. Mal sehen ob der Schein nicht trügt und wie lange das (noch) anhält.
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Re: Medienecho auf rechten Terror

Post by buzzti »

https://www.readmore.de/news/150758-zdf ... k-channel/

"Im Rahmen der Berichterstattung zum rechtsextremen Attentat in Halle veröffentlichte das ZDF auf der Twitter-Seite von heuteplus einen Bericht über den Livestream des Attentäters auf Twitch. Dabei wurde ein kurzes Video des Schützen auf den DreamHack CS:GO-Kanal montiert und damit der Eindruck erweckt der Attentäter hätte seine Tat auf dem Kanal verbreitet."
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Pyri
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Re: Medienecho auf rechten Terror

Post by Pyri »

readmore.de wrote: Auch können diesmal nicht „Ballerspiele“ für das Attentat verantwortlich gemacht werden, da der Täter bereits sein rassistisches, rechtsextremes Motiv gestanden hat.
Medien wurde kaum je unterstellt ein "Motiv" für Gewaltverbrechen zu sein. Das war bei Ursache und Wirkung zu praktisch keinem Zeitpunkt gemeint. Die Bilder wurden lediglich als Vorbilder gesehen, wenn dann zur Identifikation verwendet. Angefangen beim "Fänger im Roggen".

Neu ist vor allem, dass diese Verwendung jetzt offensichtlich als Missbrauch problematisiert wird, während es in früheren Zeiten (vor den sozialen Medien und dem E-Sport als ökonomischem Faktor) oft schon an irgendeiner Begründung, also der Rechtfertigung für diese Bilder, scheiterte: das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn die welche da jetzt mit ihren Anwälten drohen hätte es früher einfach nicht gegeben - sie haben es in der Gesellschaft mit genau diesen Bildern weit gebracht, auch wenn sie als "Sport" vielleicht abgeschwächt werden (wo Gewaltdarstellungen eher störend sind), aber sie sind damit ökonomisch erfolgreich gewesen und befinden sich nun in einer ganz anderen Machtposition.

(Einseitige) Wissenschaft, Medien und Politik gingen vielmehr von einem mechanistischen Prinzip aus, das in (anderer Labor-)Wissenschaft wiederum eher als Korrelation relativiert wurde.
Mit der Motivlage, oder der Motivation, hat das überhaupt nichts zu tun - die interessierte früher nur scheinbar weniger. Denn schon Littleton konnte diesbezüglich sogar bereits als rechtsextremes Verbrechen, als rechtsterroristischer Anschlag im Kontext eines wie auch immer popularisierten Neonazismus, einer mehr oder weniger ausgeprägten Misanthropie, gelten. Nur soziale Zuschreibungen wie heutzutage "Alt Right" gab es damals noch nicht.

Selbst die deutschsprachige Wikipedia ist hier (enzyklopädisch) unmissverständlich: https://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_ ... motivation
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Re: Medienecho auf rechten Terror

Post by Rigolax »

Die Montage eines Videos über den Täter von Halle in den Twitch-Channel von DreamHack durch ZDF Heute Plus wurde hier schon gepostet. Also eine Art Wiederentdeckung.

Interessant der folgende FAZ-Artikel, hinter einer Paywall. https://www.faz.net/aktuell/politik/inl ... 41218.html Überschrift "Vom Ballerspiel zum Mordanschlag" vs URL "anschlag-von-halle-vom-ballerspiel-zum-rassenmord". Da wird ganz gut nachgezeichnet, was nun viele befürchten, also dass "Gamer" durch Videospiele in Kontakt mit rechtsextremen Gedankengut kämen, quasi durch ein "rabbit hole" geschickt werden würden. Von COD Mobile zu womöglich extremistischen Steam-Gruppen zu Konsorten wie /pol/ auf 4 bzw. 8Chan hin zu Massenmord, das ist in etwa die Radikalisierungskausalkette.

Scheinbare Verrohung der Sprache trägt dann dazu bei, daher auch der (nicht bezogen auf den Artikel) Aufschrei über Gronkhs klar ironischen Hashtag "MinekraftDurchFreude" https://twitter.com/Gronkh/status/1183060117236965376 "Edgy", schwarzer, ironischer Humor als Wegbereiter zum ernsthaften Hass bzw. rechtsextremen Gedankengut.

Interessant auch dieser Artikel der SZ: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/mu ... -1.4656422 "Online-Spieleplattform 'Steam': Wo sich Hetzer und Rassisten treffen". Die Überschrift sagt schon vieles. Da wird jegliche tatsächliche Relevanz über Bord geworfen, also nicht deutlich, wie winzig die problematisierten Gruppen/die Spielerschaft wirklich ist, und der naive Leser kriegt vielleicht die Idee, dass Steam ein ganz böser Ort sein muss.
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Re: Medienecho auf rechten Terror

Post by ShaneFenton »

Yesterday afternoon, in Bayonne (southwest of France), a guy drove to the local Mosque and tried to arson fire. He also shot two people who tried to stop him (they're hurt, but not dead). He was finally got arrested : https://www.nau.ch/news/europa/schusse- ... e-65605212

This amoklauf renewed the debate on far-right, islamophobia and radicalization. To my knowledge, no one mentioned video games. After all, the shooter (who was known for his extremist ideas and his violent temper) is 84 (it's not too old to play video games, of course. But it's too old to be considered as a "usual gamer suspect").
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HaiFinn
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Re: Medienecho auf rechten Terror

Post by HaiFinn »

Man sucht hier krampfhaft nach Ausreden, warum Täter so etwas tun. Es muss aber nicht immer eine Ausrede sein, oder wollen wir den Täter etwa in Schutz nehmen? Nein. Ich zumindest nicht. Wie er gehandelt hat verdient er keine Entschuldigung. Es zocken so viele Menschen Videospiele. Sind sie deswegen alle als gefärhlich einzustufen?
Jeder trifft seine Entscheidungen für sich. Und er hatte mehr als einen Moment, sich zu entscheiden. Er hätte nach dem missglückten Einbruchsversuch in die Synagoge flüchten können, es haben ihn genug Menschen beobachtet. Aber er ist weiter gefahren.
Videospiel-Verbote sind nicht des Übels Lösung.
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