Interview mit Bundesfamilienministerin - Frage gesucht

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marcymarc
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Interview mit Bundesfamilienministerin - Frage gesucht

Beitragvon marcymarc » Di 15. Aug 2017, 21:50

Liebe Mitglieder und Interessierte,

demnächst hat Tawarion vom VDVC die Möglichkeit sich kurz mit Katarina Barley, die SPD-Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zu unterhalten. Dazu sollen drei Fragen vorbereitet werden. Zwei Fragen stehen bereits fest die dritte Frage möchte der VDVC gerne crowdsourcen.

Die Frage soll im Bereich Jugendschutz bei digitalen Spielen (als Bundesministerin ist Frau Barley für den Bereich Offlinemedien zuständig, also z.B. Jugendschutz bei E-Sport) angesiedelt sein.

Was wolltet Ihr also schon immer mal eine Bundesfamilienministerin fragen? Haut in die Tasten und schreibt Eure ernst gemeinten Fragen in diesen Thread. Die beste wählen wir aus (behalten uns eine Umformulierung oder Verknüpfung mehrerer Fragen vor) und Tawarion stellt sie dann für die Community.

Ayon
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Re: Interview mit Bundesfamilienministerin - Frage gesucht

Beitragvon Ayon » Fr 18. Aug 2017, 05:20

Ich bin mir relativ sicher, dass die brennendsten Themen bereits angesprochen werden, namentlich die Thematik über Zensur, Bevormundung, Indizierung und den anderen verbundenen Problemen mit den Jugendschutzgesetzen mit denen sich viele hier sehr intensiv auseinandersetzen.

Es gibt allerdings eine Thematik die immer größer wird und hoffentlich zum einschreiten der Behörden führt. Glücksspiel in Videospielen.

Hier also meine Frage:
Immer mehr Videospiele, vermehrt auch jene die sich nicht grundsätzlich an Erwachsene richten, enthalten Systeme bei denen reales Geld gegen eine Chance(!) auf digitale Waren eingetauscht werden können. Hierbei (Overwatch (USK 16), FIFA (USK 3), Madden (USK 0), etc.) wird einfach in Kauf genommen, dass Kinder und Jugendliche mit Systemen in Berührung kommen, die von Entwicklern und viel mehr den Verlegern des Spieles gezielt gewählt wurden, weil sie Glücksspielaffinitäten ausnutzen ohne als solches zu gelten. Während dies für Spiele zumutbar wäre, welche klar für volljährige Nutzer gedacht sind, werden hier gezielt Kinder und Jugendliche anvisiert. Deshalb: Sind sie sich dieser Thematik bewusst, wie denken sie darüber und was wären sie bereit dagegen zu unternehmen?


Hintergrund:
Ich persönlich wäre ehrlich gesagt froh wenn einfach die Feststellung käme, dass dies gar nicht gewusst wurde und wir innerhalb einer absehbaren Zeit ein Verbot solcher Praktiken erwarten können. China ist in so weit gegangen das Spiele-Entwickler und Verleger angeben müssen was die Chancen auf jeweilige "Preise" sind, was, ähnlich wie die Ansagen nach der Lotto-Werbung, zumindest klarer stellt womit man es zu tun hat.

Mir geht das aber nicht weit genug. Ein Verbot könnte Wellen schlagen und vielleicht zum ersticken der Praxis führen. Wenn ich ehrlich bin würde ich dann noch auf die Thematik des "Walfangs" im Mobilmarkt und ähnlichen Ausbeutungspraktiken ausweiten, aber ich fürchte das würde das Maß sprengen. Fakt ist, während bei der Indizierungsthematik eine Überregulierung stattfindet, sehe ich hier die andere Seite der gleichen Münze des Versagens seitens der Gesetzgebung. Wenn tatsächlich Jugendschutz gefragt ist wird unter-reguliert. In diesem Fall schlichtweg nichts unternommen.

Es häufen sich die Artikel über Sohn/Tochter XY welche die Kreditkarte der Eltern mit horrenden Summen belastet hätten, nicht zuletzt wegen der gezielten sozialen Manipulation die mittlerweile das digitale Medium plagen. Das schadet mal in erster Linie all denen die Anfällig für solche Praktiken sind, was moralisch verwerflich aber nicht illegal ist, aber wenn man das ganze auf Spiele ausweitet die grundsätzlich für einen, für Kinder und Jugendliche zugänglichen Markt gedacht sind, dann kann das kein Pseudo-Glücksspiel bleiben, welches sich der staatlichen Regulierung entzieht.

Nachtrag:
Ich hoffe die Frage entspricht in etwa dem was sich hierbei vorgestellt wird.

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marcymarc
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Re: Interview mit Bundesfamilienministerin - Frage gesucht

Beitragvon marcymarc » Fr 18. Aug 2017, 07:10

Auf jeden Fall ein wichtiges Thema. Bin auch der Auffassung dass zumindest in Spielen immer usk18 keine Mikrotransaktionen sein dürfen oder die Bezahlung dieser zumindest hinter ein AVS gehört. Erwachsenen kann man Glücksspiel zwar nicht verbieten, aber Hinweise sollten eingebaut werden. Ich weiß aber auch, dass die USK diesen Aspekt in der Freigabe mitbetrachtet. Leider hat die Frau Stössinger einem Gespräch nicht zugesagt.
Daher passt die Frage gut ins Ressort von Frau Barley, danke Dir dafür.

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Re: Interview mit Bundesfamilienministerin - Frage gesucht

Beitragvon Patrik » Fr 18. Aug 2017, 07:35

Aus rechtlicher Sicht könnte es sein, dass es nicht als (echtes) Glücksspiel zählt, da ja kein Geld gewonnen werden kann. Die Losbude auf dem Jahrmarkt, bei der man Teddys und Blumen gewinnen kann, verkauft ja auch Lose an Kinder.

Volksfeste stehen als Ausnahme explizit im § 6 JuSchG. Es gibt aber auch mindestens ein einschlägiges Urteil, dass (bei 50 ct pro Anruf) Gewinnspiele im Hörfunk kein Glücksspiel sind. Da ging es zwar um § 284 StGB, aber beide betreffen „Glücksspiele“.
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Re: Interview mit Bundesfamilienministerin - Frage gesucht

Beitragvon Rey Alp » Sa 19. Aug 2017, 15:53

Ich würde auf meine Fragen an die BPjM verweisen bzw. weiß nicht genau, wofür die Familienministerin jetzt besser geeignet ist: Die BPjM ist ja dem Bundesfamilienministerium unterstellt - Fachfragen dürften also da besser aufgehoben worden sein. Auch habe ich die neue Bundesfamilienministrin irgendwie zum Thema Spiele komplett nicht auf dem Schirm und weiß nicht, ob sie sich da überhaupt man in die Richtung geäußert hat. Auch ist ja lustigerweise Frau Dorothee Bär als parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur "auch" für Videospiele zuständig und sitzt sogar in der Jury für den deutschen Computerspielpreis. Wenn man da auf beinahe Ministerebene Frage stellen kann, würde ich mir bei ihr mehr Sachverstand erhoffen, wobei die BPjM natürlich einem anderen Ministerium unterstellt ist und die OLJB Ländersache ist.

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Re: Interview mit Bundesfamilienministerin - Frage gesucht

Beitragvon Ayon » Fr 1. Sep 2017, 01:25

Darf ich mal fragen wo man die nun fertigen Antworten auf all die Fragen an all die verschiedenen beteiligten finden kann?

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Re: Interview mit Bundesfamilienministerin - Frage gesucht

Beitragvon Rey Alp » Fr 1. Sep 2017, 10:44

@Ayon
Sobald die entsprechenden Texte fertig sind dürften sie aller Voraussicht nach auf der Webseite/dem Blog erscheinen. Da das alles "ehrenamtliche" sind, kann das auch schon Mal ein paar Wochen dauern, da dass RL ein die Zeit dafür nicht immer lässt.

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Re: Interview mit Bundesfamilienministerin - Frage gesucht

Beitragvon Patrik » Fr 1. Sep 2017, 12:11

Zunächst einmal finde ich Nachfragen grundsätzlich motivierend. Es ist immer schön, wenn jemand Interesse äußert.

Um genau zu sein, hängt es aktuell an mir. Habe den gamescom-Besuch schon gefühlt mit Brechstange möglich gemacht und jetzt die Rohfassungen von Tawarion bei mir liegen. Da nur wir beide bei der gamescom waren und auf verschiedene Aspekte geachtet, müssen wir es quasi gemeinsam machen — ich habe aber seit ein paar Monaten auch Vaterpflichten zu erfüllen und muss mich noch daran gewöhnen, das in meiner Zeitplanung unter einen Hut zu bekommen.
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