Familienministerium: „DIALOG INTERNET“

Benutzeravatar
Patrik
VDVC-Team
Beiträge: 3548
Registriert: Mi 27. Mai 2009, 22:40
Vorname: Patrik
Nachname: Schönfeldt
Wohnort: Oldenburg
Kontaktdaten:

Re: Familienministerium: „DIALOG INTERNET“

Beitrag von Patrik » So 10. Okt 2010, 19:02

Das ist definitiv ein Thema für ein Gamestorming. Als Termin nehmen wir mal den 20.10. 2010 um 20:10 wie immer im TS3. (Das ist noch lange genug hin und man vergisst den Termin nicht so leicht.)

Benutzeravatar
Modgamers
VDVC-Mitglied
Beiträge: 420
Registriert: Mo 4. Jan 2010, 16:57
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Re: Familienministerium: „DIALOG INTERNET“

Beitrag von Modgamers » Mi 3. Nov 2010, 23:55

Eigentlich wollte ich es noch breiter aufschreiben, aber aufgrund des Zeitmangels schreib ich es nur Stichwortartig auf:

Ich konzentriere mich hauptsächlich auf die Punkte der Partizipation. Die anderen Gäste werden zu den anderen Punkten wohl genug sagen, wobei man auch immer wieder zustimmen kann, dass Abs. 2 und 5 GG auch für Kinder gelten. Sicherlich muss man sicherstellen, dass Kinder auch im Internet z.B. keine Verträge abschließen können/dürfen (wie im RL auch), nur erfordert dies keine neuen Gesetzte, sondern nur eine konsequenten Umsetzung der bestehenden Regeln. Auch wäre eine Reformierung des Urheberrechts nett (Stichwort Fair Use), aber sowas sollte man nur ansprechen, wenn es passend ist (allerdings stellt das Urheberrecht durchaus eine "Gefahr" des Internets für seine Benutzer dar).

- Um die Partizipation im Internet (und bei Mulitplayer-Spielen) zu verbessern, ist es sinnvoll, dass vielen (älteren) Menschen die Angst vor dem Medium genommen wird. Als gutes Beispiel (nebst Eltern-LAN u.ä, Dingen) könnte man das n!Faculty (?) Vereinsheim nennen. Eine Anerkennung von eSport als Sport und eine mögliche Kooperation mit dem weitmaschigen Sportvereinsnetz wäre hier sinnvoll. Wenn nämlich die Sportvereine (an einem zentralen, offenen Ort) Computer- und Videospiele in ihr Angebot aufnehmen würden, könnte man vermehrt Eltern und jugendliche an das Medium heranführen. Man würde im Team spielen, unter Aufsicht und würde auch in Kontakt mit dem restlichen Sportprogramm kommen. Auch könnten hier Besucher und Eltern das ganze begutachten und man hätte eine zentrale Anlaufstelle (auch für Eltern-LANs o.ä. Veranstaltungen).

- Hier auf Seite 2 sieht man, dass etwa 76% der Deutschen das Internet nutzen, dennoch gibt es im dt. Fernsehen kaum Sendungen die sich damit beschäftigen. Auch in den Nachrichten ist das "Netz" nicht immer präsent. Es wandelt sich zwar langsam und immer mehr Sendungen bauen Partizipation der zuschauher mithilfe des Netzes ein, dennoch ist dies, wenn man es etwa mit Sendern wie BBC oder NBC vergleicht, noch eher mau - ich verweise hier nur mal auf diesen Spot einer BBC-Sendung. Was Spiele angeht, so haben diese in den Medien kein wirklich positives Echo. Neutrale, oder Positive Berichte kommen in einigen Ratgebersendungen (im Sinne von Geburtstags- und Weihnachtsgeschenken) vor, aber eigentlich gibt es ja nur etwa 3 Sendungen neues auf 3sat, das c't Magazin (ebenfalls 3sat) und dann noch GameOne (das sind auch etwa die Sendungen, welche sich mit dem Internet beschäftigen).

- Allgemein wäre es der Diskussion um Chancen und Risiken des Internets/der Neuen Medien, hilfreicher, wenn Politik und Medien nicht immer in einer "Weltuntergangstimmung" darüber sprechen würden. Auch wenn es im Internet durchaus schlimme Dinge gibt, stammen diese nicht "aus dem Internet". Das Internet selbst erschaft sie nicht, es schöpft sie nicht aus sich selbst. Es sind Menschen (Nutzer), welche diese Dinge (Betrug, Datendiebstahl, Identitätenklau, Stalking usw.) tun. Diese Dinge gab es auch schon vor dem Internet, welches hier nur ein neuer Kanal darstellt ("Das Internet ist scheiße, weil die Welt scheiße ist"). Es wäre also gut, wenn das ZDF bei der Verleihung des Dt. Computerspielpreises, einfach nur mal über den Preis, vielleicht sogar über die Kontroverse, berichtet, und nicht den Zeitslot dafür verwendet über Spielesucht zu berichten.

Die Politik kann natürlich weder die Sportvereine noch die Fernsehsender anweisen nun mal mehr was über Internet und Spiele zu machen, allerdings kann man ja Anreize setzen und Empfehlungen/Wünsche zum Ausdruck bringen. Zudem besitzt die Politik durchaus ein wenig Einfluss bei den ÖR-Sendern, denn sie vielleicht nutzen könnte. Dies sind aber meine drei Hauptanliegen, welche für mehr Offenheit beim ganzen Thema sorgen könnte.

Benutzeravatar
Saturos Zed
VDVC-Mitglied
Beiträge: 95
Registriert: Mo 31. Aug 2009, 19:36
Vorname: Basti
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Familienministerium: „DIALOG INTERNET“

Beitrag von Saturos Zed » Do 4. Nov 2010, 23:31

@Modgamer

Deine Ansicht der Notwendigkeit eines freien Internets an Schulen ist nachvollziehbar. Jedoch tut dies nichts zur Sache, dass eben auch die Schule eine Pflicht zum Schutz des Arbeitnehmers hat und der Schüler die Pflicht(!) zu lernen. Da die Lehrer während der gesamten Schulzeit die Aufsichtspflicht haben, welche auch leichte bis schwere Konsequenzen nach sich ziehen kann auch bei "Erfahrungen" die im Internet passieren (sei es der Kauf von einem Gegenstand, Stichwort Geschäftsfähigkeit, oder die Beleidigung eines anderen in einem Forum o.ä. Klingt kleinlich, aber auch das ist eine Tat die belangt werden kann), ist das so einfach nicht machbar (Stichwort Internet in den Pausen).

Natürlich kann man sagen, wann passiert es schon, dass ein Lehrer wegen Pflichtverletzung eine drüber bekommt. Das ist natürlich selten, aber es PASSIERT. Es ist eine reale Gefahr für die Lehrer. Solange somit keine ausreichenden Schutzmaßnahmen durch die Schule nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Lehrer vorhanden sind, wird es kein freies Internet an Schulen geben (dürfen!).

Das Problem ist hierbei überhaupt nicht der Gedanke Zensur betreiben zu wollen, sondern die Rechtsunsicherheit des Internets die mit unserem Rechtssystem kollidiert. Das Internet in der heutigen und hoffentlifch auch zukünftiger Form ist nunmal ein rechtliches No-Mans-Land. Und wenn wir nicht den Zugang an den Schnittstellen regeln an denen eine mit vernünftigen Mitteln vermeidbare Gefahr für unsere Mitmenschen droht (also eigentlich nur die Lehrer...andere fallen mir nicht ein), wird unser schönes Land immer mehr den Gefallen daran finden das Internet zu Regeln, was von einigen Institutionen, zu unserem Entsetzen, ausdrücklich erwünscht ist!

Die Lösung liegt also nun zwischen dem kompletten sperren des Internetzugangs bis auf wenige Seiten, bishin zur kompletten Öffnung ausserhalb der Aufsichtspflicht der Lehrkräfte (gibt es in der Schulzeit nicht). Und wie sowas aussehen könnte, darüber darf man sich gerne Gedanken machen.

Deutschland ist ein kompliziertes Land mit lauter schlauen Köpfen. Wenn man eine Lücke erschafft findet sich immer ein Kopf der sie ausnützt! Und die Regelung für Internet an Schulen hat mehr Löcher als ein handelsübliches Rad Schweizer Käse.
"The Mystery of Life"
Vol. 841 Ch. 26
All life begins with Nu and ends with Nu...
This is the truth!
This is my belief!
...At least for now.

Benutzeravatar
Modgamers
VDVC-Mitglied
Beiträge: 420
Registriert: Mo 4. Jan 2010, 16:57
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Re: Familienministerium: „DIALOG INTERNET“

Beitrag von Modgamers » Fr 5. Nov 2010, 02:09

Auch wenn wir uns nun schon weit außerhalb des Themas befinden: Ich kann deine Punkte nicht nachvollziehen.

Wenn ein Kind im Netz was kauft (einen Vertrag abschließt), dann kommt das dt. Vertragsrecht zur Geltung, welches besagt, dass ein Minderjähriger keinen Vertrag abschließen kann, ohne die Zustimmung eines Erziehungsberechtigten (Eltern). Somit wäre der Kauf null und nichtig.
Wenn jemand einen anderen Beleidigt, ist es eben dies. Beleidigung. Auch im Internet. Wenn er es in einem Forum - also öffentlich tut, kann dies sogar als "Üble Nachrede" oder Verleumdung ausgelegt werden. In allen drei fällen, könnte man - egal wie und egal wo im Netz - eine Anzeige bei der Polizei machen.

Das von dir beschriebene rechtliche No-Mans-Land Internet (*schaurigemusikeinspiel*) gibt es de facto nicht. Zudem ist es nur ein Synonym für "rechtsfreier Raum". Ich dachte, das muss man "in unseren Kreisen" nicht widerlegen, dass dem nicht so ist :?

In beiden Fällen sehe ich jetzt nicht wo das Problem für den Lehrer ist. Bei der Vertragssituation muss der Verkäufe sicherstellen, dass sein Kunde vertragsmündig ist und bei der Beleidigung sehe ich nicht was der Lehrer da machen soll. Sicher er sollte alle Möglichkeiten ausschöpfen, um dies in Zukunft zu unterbinden. Dies kann er jedoch nur, wenn er davon in Kenntnis gesetzt wurde. Auf dem Schulhof ist es ja genauso, Lehrer greifen ein (und sollten es auch), aber nur wenn sie es sehen/hören/mitbekommen. Lehrer sind schließlich keine Hellseher. ach deiner Definition, sollte der Lehrer eingreifen, wenn ein anderer Schüler jmd. über einen Schulrechner einen anderen im Netz beleidigt. Dafür bin ich auch:

1.) Wie findet man sowas raus, ohne, dass der betroffene Schüler (oder ein andere) einem davon erzählt? Keylogger? Generalverdacht, Datenschutz, Privatsspähre anyone? Erneut: Zuallererst geht es uns nichts an, was die Schüler im Netz tun. Dann kommen erst die Ausnahmen (z.B. "geht nicht auf Pornoseiten, dafür sind die Rechner nicht gedacht" usw.).
2.) Was macht man mit den Beleidigungen, welche nicht über Schulrechner, sondern z.B. von Zuhause ins Netz gestellt wurden? Sowas lässt sich heutzutage ja leicht über die IPs herausfinden. Natürlich sollte man dagegen vorgehen, nur endet die rechtliche Kompetenz der Lehrer am Eingangstor der Schule, wieso sollte er also wegen "Verletzung der Aufsichtspflicht" belangt werden, für etwas, dass ein Schüler von Zuhause aus gemacht hat? Sollen Lehrer die Schüler nun bis ins eigene Zimmer verfolgen? Beängstigende Vorstellung.

Schule kann nicht verhindern das soetwas passiert, Du wirst deine Leben nicht leben können ohne nicht mindestens einmal Beleidigt zu werden. Vermeidbare Gefahren, wie du es ausdrückst, gibt es nicht. Gefahren sind nunmal Gefahren, welche sich nicht ohne radikale (freiheits-)Beschränkungen minimiert werden können (Zitat von Benjamin Franklin und so). Das einzige was wir tun können ist aufmerksam sein und dann, wenn sich etwas ereignet, das beste unternehmen, dass sich soetwas nicht mehr ereignet. Aber von vornherein zu versuchen alles (möglicherweise) schädliche und gefährliche von Menschen (ich sage hier bewusst nicht Kinder) fernzuhalten, sie davon abzuschotten, kann nur schief gehen. Zudem ist das Konzept der Bewahrungspädagogik (für das du doch ja hier auszusprechen scheinst) - welche nichtmal einen 16-jährigen ernst nimmt - eines, was ich nur ablehnen kann, da es nur mit der Einführung einer weltweiten Zensur halbwegs durchsetzbar wäre.

Zum Abschluss scheint mir auch ein Problem darin zu bestehen, das wir insofern aneinander vorbeireden, was die Altersstruktur derjenigen betrifft, welche hier überwacht bzw. nicht überwacht werden sollen. Du scheinst wirklich noch von Kindern zu sprechen, als 6-jährigen, welche gerade die Grundschule besuchen. Ich spreche (auch aufgrund meiner Erfahrungen) von 9. Klasse aufwärts. Wenn ich zwar auch dafür bin, dass "echte" Kinder zum einstieg ins Netz eine "sichere Umgebung" haben sollten (wobei ich den neuen JMStV nicht zwingend als Grundlage hierfür ansehe), so ist man meiner Meinung nach ab 14, 15, spätestens 16 auch selbst für das verantwortlich, was man tut. Und solchen Menschen möchte ich ungern Vorschriften (abseits der strafrechtlich relevanten) machen. Wie gesagt, es geht mich nichts an, was ein 16-jähriger Schüler in seiner Freizeit am Schulrechner macht. Wenn er etwas unrechtes macht, muss er die Konsequenzen seiner Taten tragen, es ist aber nicht meine, oder unsere, Aufgabe ihm aus einem fast schon hysterischen Sicherheitsbedürfnis dies von vornherein unmöglich zu machen und ihn - und alle seine Altersgenossen - gleich unter Generalverdacht zu stellen.

Benutzeravatar
Patrik
VDVC-Team
Beiträge: 3548
Registriert: Mi 27. Mai 2009, 22:40
Vorname: Patrik
Nachname: Schönfeldt
Wohnort: Oldenburg
Kontaktdaten:

Re: Familienministerium: „DIALOG INTERNET“

Beitrag von Patrik » Fr 5. Nov 2010, 15:11

Ich stimme mit Modgamers Einschätzungen überein, allerdings ziehe ich daraus nicht den Schluss, dass Schulen (selbst in der zwölften Klasse) einen ungefilterten Internetzugang brauchen. Die Schule ist eine Bildungs- (keine Erziehungs-) einrichtung, daher müssen dort auch nur für die Bildung relevante Inhalte verfügbar sein. Es reicht somit ein Ausschnitt aus dem Internet – nach Lust und Laune gesurft werden soll ja eh nicht. Allerdings sollte die Schule das dann auch nicht Internet nennen, je nach Inhalt der Whitelist vielleicht „erweiterte Wikipedia“.

Ein rechtliches Problem könnte allerdings für Lehrkräfte bestehen. Wenn es tatsächlich einen echten, vollständigen Web-Anschluss gibt, machen sie vielleicht rechtlich gesehen den Kindern nicht für die Altersgruppe geeignete Inhalte zugänglich. Wobei hier die Frage ist, ob sich ein Erwachsener auch strafbar machen würde, wenn er sein Handy offen liegen lässt und sich ein Kind dann in einer unbeaufsichtigten Zeit Pornos auf das Gerät lädt. Das wäre ja der gleiche Ablauf.

Benutzeravatar
Modgamers
VDVC-Mitglied
Beiträge: 420
Registriert: Mo 4. Jan 2010, 16:57
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Re: Familienministerium: „DIALOG INTERNET“

Beitrag von Modgamers » Fr 5. Nov 2010, 15:44

@Patrik: Was sind den relevante Bildungsangebote? Wer entscheidet das und wer hält die Liste immer auf dem laufenden? Was macht man, wenn ein Lehrer im Unterricht eine Seite dringend braucht, diese aber nicht verfügbar ist? Wie lange dauert es, bis diese auf der Liste steht? Was passiert, wenn sich der/die Verantworliche(n) sich dagegen sträuben? Whitelisting ist und bleibt Zensur und sollte hier keinesfalls schöngeredet werden. Wie sieht das vor allem aus wenn Jugendliche, welche in der Schule die Grundprinzipien der Demokratie lernen, eben dort von einem dieser Grundprinzipien ausgeschlossen werden?

Zudem frage ich mich, warum immer nur von den Gefahren hier gesprochen wird, wenn es an meiner Schule (und an vielen anderen wohl auch) mit einem freien Internet ansich gut geklappt hat? Bis jetzt sind mir keine Zeitungsberichte bekannt, welche über Pornoexzesse oder der gleichen an deutschen Schulen berichten. Zudem finde ich es auch ziemlich abwegig, dass sich große Menschentrauben im den Rechner im Pausenraum (der Oberstufe wohlgemerkt, also 9.Klasse aufwärts) wo dann in Gruppen Pornos konsumiert werden. Sowas machen Jugendliche (und der große Rest wohl auch) eher alleine. Wir sollten also hier auch nicht überdramatisieren.

Die Schüler, die ich an den Rechnern erlebt habe, haben sich bei Myspace, Schüler/StudiVZ und der gleichen rumgetrieben, dann kam Wikipedia. Und unabhängig von den bösen Sachen, die auch dort passieren können, ist das doch ziemlich harmlos. Warum sollen wir den Jugendlichen in der pause die Möglichkeit nehmen sich in Foren rumzutreiben, oder ihr Facebook-Profil zu bearbeiten... also alles, was wir selber auch in unserer Freizeit tun? Sehe ich grad nicht das Problem. Im Unterricht sollte der Schüler dies natürlich nicht tun. Aber mal ehrlich, wer hat nichtmal im Unterricht lieber ein Comic oder sonstwas gelesen?

Benutzeravatar
Patrik
VDVC-Team
Beiträge: 3548
Registriert: Mi 27. Mai 2009, 22:40
Vorname: Patrik
Nachname: Schönfeldt
Wohnort: Oldenburg
Kontaktdaten:

Re: Familienministerium: „DIALOG INTERNET“

Beitrag von Patrik » Fr 5. Nov 2010, 16:21

Ich habe gerade den einzigen Fall gesucht (ggf. konstruiert?), der Whitelisting gebieten könnte und sofort wird gemeckert, dass ich nur Gefahren sähe.
Modgamers hat geschrieben:Warum sollen wir den Jugendlichen in der pause die Möglichkeit nehmen sich in Foren rumzutreiben, oder ihr Facebook-Profil zu bearbeiten... also alles, was wir selber auch in unserer Freizeit tun? Sehe ich grad nicht das Problem. Im Unterricht sollte der Schüler dies natürlich nicht tun.
Computer in der Pause? Ich habe vom Unterricht gesprochen und außerhalb dessen noch nie etwas von Computereinsatz in der Schule gesehen. (Arbeitsgemeinschaften und Verwaltung ausgenommen.)

Noch mal deutlich: Für Unterrichts- und Recherchezwecke halte ich es für Vertretbar, wenn die Lehrkraft eine Vorauswahl an Quellen trifft. (Selbst „Internetrecherche“ ist ja schon eine Vorauswahl und somit genauso Zensur wie Whitlisting, weil ja im Vornherein die Recherche in der Literatur ausgeschlossen wird.)

Benutzeravatar
Modgamers
VDVC-Mitglied
Beiträge: 420
Registriert: Mo 4. Jan 2010, 16:57
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Re: Familienministerium: „DIALOG INTERNET“

Beitrag von Modgamers » So 7. Nov 2010, 13:23

Patrik hat geschrieben: Computer in der Pause? Ich habe vom Unterricht gesprochen und außerhalb dessen noch nie etwas von Computereinsatz in der Schule gesehen. (Arbeitsgemeinschaften und Verwaltung ausgenommen.)
Öhm, ja. Ich nehme hierbei immer noch meine Schule als Grundlage, welche in jedes Klassenzimmer und in den Oberstufenraum PCs reingestellt hat, welche die Schüler in der Pause zur freien Verfügung hatten. Abseits davon gab es noch zwei Computerarbeitsräume, ebenfalls mit freiem Internet. auch die Partnerschule, auf der ich zeitweilig war, hat ihren Internetzugang in ihrem Rechnerraum nicht reglementiert (soweit ich weiß).
Patrik hat geschrieben: Ich habe gerade den einzigen Fall gesucht (ggf. konstruiert?), der Whitelisting gebieten könnte und sofort wird gemeckert, dass ich nur Gefahren sähe.
Da schein ich dich dann wohl ein wenig missverstanden zu haben, da ich zum einen noch von meiner Schule als Beispiel ausgegangen bin (welches ich auf der vorherigen Seite vorgebracht habe) und zum anderen wohl den Teil, wo du dich explizit auf den Unterricht bezogen hast, wohl überlesen habe. Aber ob nun in der pause, im Unterricht oder generell: Whitelisting ist abzulehnen. Der Lehrer kann garnicht alle Seiten kennen, die man für eine etwaige Recherche braucht.

Konkretes Beispiel: Im Englisch LK war mal Shakespeare das Thema und wir sollten im Computerraum etwas zu der Kontroverse finden, ob es ihn den überhaupt gegeben hat. Das findet man nicht (zwangsläufig) nur auf Wikipedia. Hierzu gibt es unzählige an Webseiten, die sich damit beschäftigen, welche ein Lehrer garnicht wissen und auch im Vorfeld nicht alle begutachten kann. Anderes Beispiel: Als letzte Geschichtsklausur sollten wir einen Aufsatz über den hypothetischen Fall schreiben, in welchem China Taiwan besetzt und unsere Thesen dann mit Quellen belegen. Auch hier gibt es eine Fülle an Möglichkeiten, welche man nicht abschätzen kann.

Bei beiden Beispielen steht Whitelisting im Wege, da so eine Unzahl an Quellen unterdrückt werden, welche man garnicht bedenken kann. Jetzt stellt euch noch zusätzlich vor, ich wäre auf einer Ganztagsschule gewesen, diese soll einem ja Nachmittags bei meinen Hausaufgaben helfen, also auch bei dem Geschichtsaufsatz. Dieser wäre aber so, wie ich (oder andere) ihn verfasst habe vielleicht nicht möglich (hab 13 Pkt. dafür bekommen). Jetzt denkt noch an ein mögliches Unterrichtsfach "Medienkompetenz"; wie soll das mit Whitelisting in Einklang zu bringen sein?.

Meiner Meinung nach braucht es einfach nur die Autorität des Lehrers, dass Schüler im Unterricht, dass machen, was sie tun sollen - auch wenn diese am Computer sitzen. Wenn ein Schüler, aber doch lieber auf Facebook surft, dann sollte der Lehrer ihn zurechtweisen dürfen. Whitelisting ist hierbei, wenn nicht hinderlich, dann doch zumindest mit Kanonen auf Spatzen schießen.

Benutzeravatar
Patrik
VDVC-Team
Beiträge: 3548
Registriert: Mi 27. Mai 2009, 22:40
Vorname: Patrik
Nachname: Schönfeldt
Wohnort: Oldenburg
Kontaktdaten:

Re: Familienministerium: „DIALOG INTERNET“

Beitrag von Patrik » So 7. Nov 2010, 19:58

Wie ich schon gesagt habe: Die Aufgabenstellung „Recherchiere xyz im Internet!“ ist auch schon eine Art Whitelisting, weil es z.B. Befragungen von Zeitzeugen (um bei Geschichte zu bleiben) ausschließt. Es ist immer eine Frage, wie stark man die Auswahl der Quellen vorgeben kann und sollte. Jüngere Schüler können z.B. auch durch eine zu große Auswahl überfordert werden – hier reichen zum Teil sogar die drei im Lehrbuch abgedruckten Quellen aus.

Benutzeravatar
Saturos Zed
VDVC-Mitglied
Beiträge: 95
Registriert: Mo 31. Aug 2009, 19:36
Vorname: Basti
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Familienministerium: „DIALOG INTERNET“

Beitrag von Saturos Zed » So 7. Nov 2010, 20:33

Ihr seid zu schnell für mich, ich schaue einfach nicht oft genug rein um hier mithalten zu können ^^

Kurz zu dem Begriff "Kind". Ein Kind ist laut Gesetzgeber eine Personen welche das 14. Lebensjahr noch nicht erreicht hat. Von diesem Maßstab gehe ich aus, wenn wir von Kindern reden. Wenn man Personen meint die 14 Jahre oder älter sind redet man von Jugendlichen.

Zum No-Mans-Land Internet:
Das Internet ist natürlich kein rechtsfreier Raum - solange die Verantwortlichen in der EU sitzen. Obwohl bereits die EU schon so seine Schwierigkeiten mit sich bringt. Lass das Kind (welches ab dem 7. Lebensjahr btw. bedingt Geschäftsfähig ist, es darf also so ziemlich jeder Schüler sachen kaufen sonst dürfte er sich ja nicht mals nen Pausenbrot beim Bäcker holen) was bei einer Firma mit Sitz in England kaufen, wo für gewöhnlich englisches Recht gilt, und berufe dich auf §106 BGB, viel Spaß!

Das der Lehrer wegen der Beleidigung durch einen Schüler belangt werden kann ist kein Spaß, denn der Lehrer hat durch seine Aufsichtspflicht nicht nur die Pflicht das Kind vor Schäden zu schützen, sondern auch Schädigungen durch das Kind verursacht zu verhindern. Und wo ist nun die Grenze zwischen "Der Lehrer hat genug Möglichkeiten das Kind zu überwachen und ist somit schuldig." und "Der Lehrer hatte nicht genügend Möglichkeiten das Kind zu überwachen und ist somit unschuldig." Ich weiß es nicht, ich bin auch kein Richter und kann es nicht abschätzen. Fakt ist jedoch, dass das Internet Gefahren mit sich bringt. Keine physischen, aber rechtliche (Stichworte: Rechtsschutz, Rechtssicherheit). Das ist ja eben der Grund, warum sich Institutionen wie die Piratenpartei, oder auch der VDVC, gebildet haben. Die vorhandenen rechtlichen Grundlagen sind für das Informationszeitalter einfach Out of Date und macht sich eben vor allem an öffentlichen Institutionen wie Schulen oder Universitäten bemerkbar.

Ich sage ja nicht, dass es nicht toll wäre wenn man einfach an allen Schulen ein freies Internet einrichten würde, ich hätte in meiner Schulzeit auch nicht nein gesagt, aber so wie alles in Deutschland muss sich auch das Internet und dessen Nutzung an das Gesetz halten und übertragbar sein. Ich gehe von der derzeitigen Gesetzeslage aus und komme zu dem von mir genannten Schluss, dass eine Whitelist keine inakzeptable Möglichkeit ist das Internet an Schulen zu verwenden. Die freie Nutzung jedoch ist durchaus problematisch.

Noch kurz zu Punkt 2 "Was macht man mit den Beleidigungen, welche nicht über Schulrechner, sondern z.B. von Zuhause ins Netz gestellt wurden?"
Zuhause haben die Erziehungsberechtigten die Aufsichtspflicht, oder jemand dem diese Berechtigung übertragen wurde. Natürlich würde ein Lehrer nicht dafür belangbar sein.

Wer dies Whitelist erstellt und pflegt, das ist eine sehr gute Frage. Denn wie erwähnt gibt es keine Regelungen was das benutzen des Internets angeht. Die momentane Situiation ist, wie bereits erwähnt, das die Schule, welche diese Whitelist-Router benutzen, verantwortlich für den Inhalt der Liste ist. Würde es eine Regelung im Bundesland geben, wäre warscheinlich das jeweilige Schulministerium dafür zuständig. Wenn der Lehrer eine Seite braucht die momentan gesperrt ist, ist die jetzige Situation, dass er sie jederzeit hinzufügen kann. Würde die Liste vom Land gemacht, wäre das durchaus schon schwieriger. Ich denke jedoch, dass es eher eine der kleineren Schwierigkeiten wäre die Lehrer mit einer Administratorberechtigung auszustatten, welche das öffnen und sperren von Seiten erlaubt, sowohl zeitweise (für den Unterricht speziell bei Oberstufenklassen wie eingewendet wurde) als auch permanent. Diese Whitelists würden sowieso zwar zentral im Ministerium erstellt, müssten jedoch auf jedes einzelne Schulnetzwerk dann vom jeweiligen Administrator implementiert werden. Allerdings ist das ganze in diesem Abschnitt erwähnte nur Theorie was wir hier nicht lösen können. Fakt ist, wir benötigen eine Regelung, selbst wenn diese nur besagen würde, dass es keine Regelung gibt weil keine für nötig erachtet wird. Momentan gibt es aber überhauptnichts. Und ich persönlich hätte lieber gern eine von den Ländern erstellte Whitelist, auf der man jederzeit Einsehen kann was gesperrt ist und was nicht anstatt sich mit jeder einzelnen Schule anlegen zu müssen um eine Freischaltung zu ermöglichen. Was jedoch momentan der Fall ist und ich garnicht in Ordnung finde ist, dass garnichts passiert. Es gibt genügend Möglichkeiten einen Kompromiss zu finden aber wenn sich niemand hinsetzt und das ausarbeitet wird das nie was (dieser Aufruf geht speziell an die Politik ;) ).

Daran zu glauben das die Autorität des Lehrers für alle gesellschaftlichen und technischen Probleme der Welt ausreicht mit der Schulen begegnet werden ist meiner Ansicht nach wie der Glaube der neoliberalen Wirtschaftsexperten die sagen, dass sich der Markt selbst regelt. Aber das ist wieder ein anderes Thema...
"The Mystery of Life"
Vol. 841 Ch. 26
All life begins with Nu and ends with Nu...
This is the truth!
This is my belief!
...At least for now.

Antworten