"World of Warcraft ist ein First Person Shooter"
(via vanion, Sächsische Zeitung) Für die Sächsische Zeitung hat sich Ralf Günther mit den Gefahren gewaltdarstellender Videospiele auseinandersetzen wollen, wobei ihm jedoch einige Fehler unterlaufen sind. Unter dem Titel "In der Welt der Schatten" bezieht er sich auf die Tat Breiviks, wobei er - wie es Journalisten in letzter Zeit öfter passiert - unglücklicherweise das kunterbunte Onlinerollenspiel "World of Warcraft" als Prototpy eines Gewaltspiels nennt. Bei der Beschreibung wird schnell klar, dass der Autor über ein anderes "World of Warcraft" spricht, als es in der Realität vorhanden ist. Das des Autors ist nämlich in der Gegenwart angesiedelt:"World ofWarcraft ist ein First Person Shooter [...]. Der schwer bewaffnete Spieler-Kämpfer geht durch computersimulierte Städte (Hamburg, Berlin, London). [...] Man drückt auf eine Taste oder einen Knopf am Joystick, und der Feind - auf dem Alex, am Jungfernstieg - wird von einer Handgranate zerfetzt. Blutspritzer landen auf dem Sichtfeld des Spielers. Erschieß alle, oder du wirst selbst erschossen, lautet die Mission. Im Internet gibt es Walkthroughs ("Durchläufe"), man kann einem Spieler bei seinem "Kriegszug" folgen. Es entstehen überaus drastische, brutale Bilderzählungen, wahre Gemetzel. [...] Töten wird in den "Shooter Games" zu einem rein technischen Vorgang. Knopf drücken - bam - Nächster. Breivik sagte aus, er habe anhand dieses Computerspiels "trainiert". Das Training bestand für ihn darin, Emotionen auszuschalten."
Hierzu ein paar Anmerkungen:
- "World of Warcraft" ist kein Ego-Shooter sondern ein Rollenspiel bzw. genaugenommen ein MMORPG. Die Welt ist nicht realitätsnah, sondern stellt eine mittelalterliche Fantasywelt mit Drachen, Zwergen und doofen Elfen dar. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Spieler in der Spielwelt reale Orte wie "Hamburg, Berlin, London" nicht wiederfinden wird. Gekämpft wird auch weniger mit Handgranaten, sondern mit Schwertern, Magie und Bogen.
- Der Autor beschreibt tatsächlich nicht "World of Warcraft", sondern den Ego-Shooter "Modern Warfare 3", was sich an den beschriebenen Schauplätzen ablesen lässt. Die Städte "Hamburg, Berlin, London" sind dort nämlich enthalten. Einiges stimmt aber auch hier nicht: Normalerweise wird ein solches Spiel nicht mit einem Joystick gespielt und durch Handgranaten wird virtuell niemand "zerfetzt" [Stimmt doch, oder?].
- Es wird aber noch komplizierter: Auch wenn der Autor "World of Warcraft" als "Modern Warfare 3" beschrieben hat meinte er eigentlich nicht diesen Teil der Serie, sondern den Vorgänger "Modern Warfare 2". Breivik soll sich nach dem Autor mit der Software ja auf die Anschläge vorbereitet haben, die am 22.07.2011 stattfanden. Veröffentlicht wurde "Modern Warfare 3" aber erst am 08.11.2011 - alsomehr als drei Monate nach der Tat. So wird der Autor wohl den 2. Teil gemeint haben, den Breivik auch nach eigenen Angaben genutzt haben möchte.
- Die Angabe, dass Breivik mit "World of Warcraft" bzw. "Modern Warfare (2)" zumindest "trainiert" habe "Emotionen auszuschalten" ist so ebenfalls nicht richtig. Hinsichtlich "World of Warcraft" kann sogar auf einen früheren Artikel der "Sächsischen Zeitung" verwiesen werden. Dort zitiert man Breivik hinsichtlich "World of Warcraft"mit diesen Worten: "Das war aber reine Unterhaltung, ein Hobby, und hatte nichts mit dem 22. Juli zu tun.". Bei "Modern Warfare" muss dagegen differenziert werden: Breivik gibt hier zwar an das Spiel als Vorbereitung genutzt zu haben. Jedoch habe er nicht trainiert "Emotionen auszuschalten", sondern das Spiel genutzt um die Flucht vor der Polizei zu üben (N24).
Die Redaktion freut sich indessen über das umfangreiche Feedback der Gamer - man weiß ja: Getroffene Hunde bellen:"Der Text „In der Welt der Schatten“ erschien in einer Rubrik, die ganz bewusst versucht, mit kontroversen Aussagen Diskussionen über Themen aus Kultur und Gesellschaft anzuregen. Das ist offenbar geschehen, und das ist gut so."
Rey(Dank an Dante.)
Rey Alp hat geschrieben:... da gabs jetzt auch schon bei krawall einen Artikel:
- http://www.krawall.de/web/Krawall.de/special/id,62712/
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