Links zur Presse (E-Sport)

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marcymarc
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Re: Links zur Presse (E-Sport)

Beitragvon marcymarc » Mo 21. Aug 2017, 22:09

http://esport.kicker.de/esport/mehrespo ... sport.html

Nach der Analyse des Bundestages könnte esport erst dann Anerkennung finden, wenn "gewaltverherrlichende" [sic!] Spiele wie CS, Halo, CoD aus dem esport verbannt werden (aus internationaler Sicht schon mal sehr unwahrscheinlich). Kicker fragt hier ob das dann auch auf DotA und LoL zutreffen müsste und wieso überhaupt Fechten und Boxen vor diesem Hintergrund als Sport anerkannt werden. Nebenbei werden von der Analysestelle einfach alle (freigegeben) Spiele mit Gewaltelementen als beschlagnahmewürdig (Gewaltverherrlichung ist Voraussetzung für §131 StGB) abgestempelt. Mit einer Anerkennung über diesen Weg braucht man also gar nicht nachdenken. Alles, was die etablierten Parteien uns also jetzt zur GamesCom und im Wahlkampf verkaufen wollen, sind Lippenbekenntnisse - sie werden ihre Ansichten nie ändern.

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Tawarion
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Re: Links zur Presse (E-Sport)

Beitragvon Tawarion » Di 22. Aug 2017, 01:02

marcymarc hat geschrieben:http://esport.kicker.de/esport/mehresport/info/704271/artikel_gewaltverherrlichende-spiele_ein-problem-fuer-den-esport.html

Nach der Analyse des Bundestages könnte esport erst dann Anerkennung finden, wenn "gewaltverherrlichende" [sic!] Spiele wie CS, Halo, CoD aus dem esport verbannt werden (aus internationaler Sicht schon mal sehr unwahrscheinlich). Kicker fragt hier ob das dann auch auf DotA und LoL zutreffen müsste und wieso überhaupt Fechten und Boxen vor diesem Hintergrund als Sport anerkannt werden. Nebenbei werden von der Analysestelle einfach alle (freigegeben) Spiele mit Gewaltelementen als beschlagnahmewürdig (Gewaltverherrlichung ist Voraussetzung für §131 StGB) abgestempelt. Mit einer Anerkennung über diesen Weg braucht man also gar nicht nachdenken. Alles, was die etablierten Parteien uns also jetzt zur GamesCom und im Wahlkampf verkaufen wollen, sind Lippenbekenntnisse - sie werden ihre Ansichten nie ändern.

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Da habe ich noch eine Zusatzfrage für das Interview mit Frau Dr. Barley...

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Pyri
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Re: Links zur Presse (E-Sport)

Beitragvon Pyri » Fr 25. Aug 2017, 15:39

marcymarc hat geschrieben:http://esport.kicker.de/esport/mehresport/info/704271/artikel_gewaltverherrlichende-spiele_ein-problem-fuer-den-esport.html

Nach der Analyse des Bundestages könnte esport erst dann Anerkennung finden, wenn "gewaltverherrlichende" [sic!] Spiele wie CS, Halo, CoD aus dem esport verbannt werden (aus internationaler Sicht schon mal sehr unwahrscheinlich). Kicker fragt hier ob das dann auch auf DotA und LoL zutreffen müsste und wieso überhaupt Fechten und Boxen vor diesem Hintergrund als Sport anerkannt werden. Nebenbei werden von der Analysestelle einfach alle (freigegeben) Spiele mit Gewaltelementen als beschlagnahmewürdig (Gewaltverherrlichung ist Voraussetzung für §131 StGB) abgestempelt. Mit einer Anerkennung über diesen Weg braucht man also gar nicht nachdenken. Alles, was die etablierten Parteien uns also jetzt zur GamesCom und im Wahlkampf verkaufen wollen, sind Lippenbekenntnisse - sie werden ihre Ansichten nie ändern.

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Solange nicht (endlich!) damit begonnen wird die Spiele selbst zu verteidigen, anzusprechen - zu erklären - WARUM diese Spiele nicht gewaltverherrlichend sind, sondern der Schwarze Peter weiterhin ständig immer nur anderen (über solches Paragrafenreiten) in die Schuhe geschoben wird, in Deutschland tut man sich da ja sogar noch sehr leicht - aber was ist mit anderen Staaten wo es diese Gesetze nicht einmal gibt -, wird sich da nichts ändern.
Diese Ansichten existieren nämlich überall. Und Fechten oder Boxen wird es schließlich auch nicht schwer fallen sich zu erklären.

Das ist jedoch nichts anderes als eine bestenfalls überaus defensive Rechtfertigung - nach dem Motto: "ja, aber da gibt es ja noch anderes, viel schlimmeres" - deren Glaubwürdigkeit nunmal so oder so gesehen werden kann, eine Meinung oder ein Überzeugungsversuch der/dem gefolgt werden kann - oder halt nicht (und im vorherrschenden Journalismus, sowie der Politik, dann vermutlich eben nicht).
Solange ansonsten immer nur vorgestellt wird welches Gemeinschaftsgefühl, was für vorgeblich persönliche Leistungen und angeblich tolle Fähigkeiten im E-Sport wichtig, vorrangig und ausschlaggebend wären - neben vielleicht noch einem ökonomischen Wert den der E-Sport hätte -, denn darum geht es hier ganz klar und eindeutig nicht, das ist diesbezüglich weder relevant noch interessiert das eine Öffentlichkeit (auf diesem Wege besonders nicht): es geht nicht darum WIE Spiele gespielt werden, welchen Wert ihr Spielen (für die Gesellschaft) hätte, sondern welchen Wert die Inhalte der Spiele selbst hätten - welche Werte sie vermitteln würden. Das und vornehmlich das allein, ist im öffentlichen Diskurs relevant und interessant. Ich glaube genau deshalb eher, dass sich diese Wahrnehmung der Spiele nicht ändern wird - denn gerade in der Politik werden Ansichten andauernd geändert, was dort mitunter auch zu einiges an Vertrauensverlust schon geführt hat (sowie zur Stärkung diverser Populismen).
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Re: Links zur Presse (E-Sport)

Beitragvon Rigolax » Fr 25. Aug 2017, 19:11

Pyri hat geschrieben:Solange nicht (endlich!) damit begonnen wird die Spiele selbst zu verteidigen, anzusprechen - zu erklären - WARUM diese Spiele nicht gewaltverherrlichend sind, sondern der Schwarze Peter weiterhin ständig immer nur anderen (über solches Paragrafenreiten) in die Schuhe geschoben wird, in Deutschland tut man sich da ja sogar noch sehr leicht - aber was ist mit anderen Staaten wo es diese Gesetze nicht einmal gibt -, wird sich da nichts ändern.
Diese Ansichten existieren nämlich überall. Und Fechten oder Boxen wird es schließlich auch nicht schwer fallen sich zu erklären.).


Es ist doch nun mal in dem Fall ganz einfach. Die Spiele sind nicht gewaltverherrlichend, weil sie offensichtlich keine Inhalte nach § 131 StGB haben. Das reicht als Verteidigung und Kritik an der Nutzung des Begriffs. Warum sollte es nicht reichen? Der Begriff ist eindeutig so besetzt und zu verstehen. Würde die Aussage lauten, die Spiele mit USK-Fragabe seien jugendgefährdend, sollte das dann auch noch gerechtfertigt sein? Da ist keine Sachlichkeit in der Diskussion zu sehen. Entsprechende Begriffe sind nun mal auch präzise zu verwenden.

Das kann das doch auch damit verglichen werden, alles mögliche als "Betrug" oder vermeintlich entsprechend Handelnde Menschen als "Betrüger"/"Betrügerin" zu bezeichnen. Damit wird man in Deutschland allerdings nicht durchkommen; entsprechend so zu unrecht bezeichnete Leute können sich dagegen rechtlich wehren. Nichts anderes ist hier bei "gewaltverherrlichend" gegeben: es schwingt der Vorwurf mit, dass Verbreiter dieser Spiele (bewusst (?)) eine sozialschädliche, strafbare Handlung vornehmen.

Jetzt kann natürlich auch gesagt werden, dass "gewaltverherrlichend" sich nicht auf das Strafrecht oder ähnliche Verbotsvorschriften bezieht, sondern sonst wie gemeint ist. Okay, kann sein. Das ignoriert allerdings gerade, dass es diese Verbote bereits gibt und das Wort durchaus so besetzt ist. Vgl. auch "kriegsverherrlichend".

Sicherlich sollte es auch möglich sein, die Spiele inhaltlich vom Vorwurf freizusprechen und nicht schlicht auf entsprechende Medienrealität und Freigabepraxis zu verweisen. Bei z.B. Mortal Kombat X oder Dead Rising 4 (auch wenn das keine E-Sport-Titel sind) halte ich das momentan nicht mal für möglich. Die Freigaben bzw. Nicht-Indizierung gerade von MKX war doch absurd. Was die BPjM da argumentiert hat, kann doch keiner glauben. So haben sie doch lächerlicherweise behauptet, die Gewaltdarstellungen wären im Vergleich zu MK9 weniger schlimm, weil sie durch technischen Fortschritt klar realitätsferner wirken würden. Die paar Jahre Unterschied dürften auch eigentlich nichts ernsthaft an Sehgewohnheiten etc. ändern. Selbst bei Filmen die vor 30 Jahren nach § 131 StGB beschlagnahmt worden sind und jetzt befreit wurden, halte ich das für absurd. Eigentlich kann sich eine Gesellschaft nicht so schnell ändern, scheinbar so schnell verrohen.

Selbst bei Counter-Strike kann ich nicht verstehen, warum das damals nicht indiziert wurde. Die Argumentation in der Entscheidung ist doch auch albern. Das ist am Ende alles reine Willkür und Geschmackssache.

Warum muss im E-Sport überhaupt ein Spiel wie Counter-Strike mit echten Waffen und Blutdarstellung gespielt werden? Warum nicht einen Mod benutzen, der die Waffen zu Painball-Waffen wie bei Gotcha! aus dem Jahre 2004 (mit 16er USK-Freigabe (!)) macht? Wäre freigabetechnisch kein Unterschied, aber hätte eine ganz andere Wirkung. Jeder halbwegs kritische Mensch muss sich doch auch wundern, wenn auf riesigen Bildschirmen mit großer Zuschauerschaft (teilweise sogar unter der Freigabe, was zunehmend in Deutschland erlaubt wird) derart rumgeschossen wird. Das hat für mich nichts mit Sport zu tun. Ich würde Counter-Strike nicht verteidigen wollen.

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Re: Links zur Presse (E-Sport)

Beitragvon Pyri » Fr 25. Aug 2017, 21:10

Rigolax hat geschrieben:Würde die Aussage lauten, die Spiele mit USK-Fragabe seien jugendgefährdend, sollte das dann auch noch gerechtfertigt sein?


Ja. Dafür sind die zuständigen (Misch-)Behörden doch da?
Also für solche Anliegen/Beschwerden/Feststellungen - um das bei einzelnen Medientiteln, die in BürgerInnen etwa für Empörung sorgten, herauszufinden. Nur: wurde ein solcher Titel von einer der Freiwilligen Selbstkontrollen erfolgreich geprüft, wird jedoch erklärt werden dass das nicht möglich ist - weil dann eben diese Rechtssicherheit (dagegen) besteht. Ich nehme an das passiert manchmal auch.

Rigolax hat geschrieben:Da ist keine Sachlichkeit in der Diskussion zu sehen. Entsprechende Begriffe sind nun mal auch präzise zu verwenden.


Und wie soll diese Präzision überhaupt (sonst) hergestellt werden können, einmal vorausgesetzt dass da ein Gewaltdarstellungsverbot oder eine Behörde die über eine Kompetenz "Jugendgefährdung" festzustellen verfügt (wie in Deutschland) überhaupt existiert. So Sachen wie "gewaltverherrlichend" zu behaupten sind erstmal nichts anderes als Vorwürfe - ob sie nun gerichtlich bestätigt werden, schon worden sind, oder (beides) nicht - an den Vorwürfen wird das alles nichts ändern, unter Umständen wird sich so eine vorwerfende Person dann vor Gericht oder bei der Behörde nur ungerecht (sic!) behandelt fühlen, sofern sie an einer Gerichtsverhandlung überhaupt interessiert ist...

Rigolax hat geschrieben:Das kann das doch auch damit verglichen werden, alles mögliche als "Betrug" oder vermeintlich entsprechend Handelnde Menschen als "Betrüger"/"Betrügerin" zu bezeichnen. Damit wird man in Deutschland allerdings nicht durchkommen; entsprechend so zu unrecht bezeichnete Leute können sich dagegen rechtlich wehren. Nichts anderes ist hier bei "gewaltverherrlichend" gegeben: es schwingt der Vorwurf mit, dass Verbreiter dieser Spiele (bewusst (?)) eine sozialschädliche, strafbare Handlung vornehmen.


Ich meine zwar dass der Vergleich hinkt, weil "Betrug" eher ein Sachverhalt als ein Werturteil ist, aber auch "Betrug" kann so als ein Vorwurf formuliert werden, das heißt ohne dass das was bezichtigt wird vorher "amtlich" (oder wie sich das sonst vorgestellt wird) festgestellt wurde.
Das meinte ich übrigens auch mit Schwarz/Weiß-Denken. Und das würde eben ins Privatrecht zurückführen: dennoch braucht vor Gericht einer irgendwas ihrer Meinung nach zu Unrecht bezichtigten Person keineswegs Recht gegeben werden. Der berühmte Prozess gegen Deborah Lipstadt ging etwa genauso aus.
Darüber hinaus spricht der öffentliche Diskurs über gewaltdarstellende Medien (mit seiner Historie über "Gewaltvideos" und "Killerspiele") seit "Mama, Papa, Zombie" schon für sich, dass zumindest meines Wissens nach bislang niemand gegen derlei Vorwürfe geklagt hat. (Sonstige) Geschäftsleute (als Nicht-"Betrüger") etwa ein höheres Ansehen genießen dürften...

Rigolax hat geschrieben:(...) Das ignoriert allerdings gerade, dass es diese Verbote bereits gibt und das Wort durchaus so besetzt ist. Vgl. auch "kriegsverherrlichend".


Das bezweifle ich grundlegend, also dass das Wort im öffentlichen Diskurs so besetzt ist. Im Gegenteil scheinen etwa Kenntnisse über das Gewaltdarstellungsverbot in Deutschland kaum weit verbreitet zu sein - nicht einmal in einem Journalismus der darüber eigentlich wirklich Bescheid wissen sollte. In meiner Diss habe ich zudem nachweisen können, dass das auch für andere Begriffe gilt: etwa Pornografie bezogen auf Unfälle im Straßenverkehr - nicht nur bei David Cronenberg...
Und ich würde das auch nicht zu sehr problematisieren wollen: Journalistinnen sind wohl häufig international orientiert und kümmern sich vielleicht auch bewusst nicht um solche Spezifika des deutschen Strafrechts. Sie meinen etwa schreiben oder verlautbaren zu können was sie wollen und solche (dann aus dieser Sicht falschen) Sachen sind nun wirklich nicht nur aus Deutschland zu lesen oder zu hören.

Rigolax hat geschrieben:(...) Bei z.B. Mortal Kombat X oder Dead Rising 4 (auch wenn das keine E-Sport-Titel sind) halte ich das momentan nicht mal für möglich. Die Freigaben bzw. Nicht-Indizierung gerade von MKX war doch absurd. Was die BPjM da argumentiert hat, kann doch keiner glauben. So haben sie doch lächerlicherweise behauptet, die Gewaltdarstellungen wären im Vergleich zu MK9 weniger schlimm, weil sie durch technischen Fortschritt klar realitätsferner wirken würden. Die paar Jahre Unterschied dürften auch eigentlich nichts ernsthaft an Sehgewohnheiten etc. ändern. Selbst bei Filmen die vor 30 Jahren nach § 131 StGB beschlagnahmt worden sind und jetzt befreit wurden, halte ich das für absurd. Eigentlich kann sich eine Gesellschaft nicht so schnell ändern, scheinbar so schnell verrohen.


Der Zugang zu einer solchen "Medienrealität" verkennt, dass es beim Gewaltdarstellungsverbot auch um Ästhetik und Gewaltdarstellungen konkret geht. MK9 orientierte sich etwa klar an MK1-3, während MKX nochmal ein Stück überhöhter war. Bei "Dead Rising 4" meine ich, dass etwa SB.com auch empirisch nachweisen konnte dass die Gewaltdarstellung gegenüber den Vorgängern abgeschwächt wurde.
Ich meine dass beide Titel schon in der Produktion Rücksicht auf die USK-Befindlichkeiten nahmen - ob beabsichtigt oder nicht. Um den zeitlichen Abstand kann es meiner Meinung nach aber auch nicht gegangen sein, das stimmt.

Rigolax hat geschrieben:Selbst bei Counter-Strike kann ich nicht verstehen, warum das damals nicht indiziert wurde. Die Argumentation in der Entscheidung ist doch auch albern. Das ist am Ende alles reine Willkür und Geschmackssache.

Warum muss im E-Sport überhaupt ein Spiel wie Counter-Strike mit echten Waffen und Blutdarstellung gespielt werden? Warum nicht einen Mod benutzen, der die Waffen zu Painball-Waffen wie bei Gotcha! aus dem Jahre 2004 (mit 16er USK-Freigabe (!)) macht? Wäre freigabetechnisch kein Unterschied, aber hätte eine ganz andere Wirkung. Jeder halbwegs kritische Mensch muss sich doch auch wundern, wenn auf riesigen Bildschirmen mit großer Zuschauerschaft (teilweise sogar unter der Freigabe, was zunehmend in Deutschland erlaubt wird) derart rumgeschossen wird. Das hat für mich nichts mit Sport zu tun. Ich würde Counter-Strike nicht verteidigen wollen.


Ich brauche als "kritischer" Mensch dafür nicht verstehen, weshalb zwar einerseits nicht einmal CS im öffentlichen Raum verteidigt werden mag, sich andererseits aber (zumindest auf Steam) für einen Zugang zu Spielen eingesetzt wird.
Offenbar geht es bei dieser vielzitierten "Erwachsenenunterhaltung" dann wirklich nur darum, im Sinne des Neuen Biedermeiers im stillen Kämmerlein zu zocken - sonst öffentlich darum ersucht wird die immanente Gewaltdarstellung bei so einem Spiel etwa zu leugnen oder auszublenden.
Und so wie hier beim Sport- oder Gewaltbegriff - etwa auch in Hinblick auf das MMA (die UFC) - dürfte es ähnlich beim Bildungsbegriff zugehen: eigentlich wird mit den "Spielekritikern" dieselbe Weltanschauung geteilt, geht man in der Sache völlig d'accord. Den Eindruck habe ich leider ja schon seit ich vor zehn Jahren angefangen habe hier zu schreiben - nicht zuletzt hat sich die Videospielpresse während der Verbreiterung des Mediums um eine einseitige Anerkennung in dieser Richtung bemüht.
Dennoch ging es im Diskurs um Videospiele in Deutschland eigentlich immer darum ob Videospiele von öffentlicher Bedeutung sind oder nicht - deshalb wurden sie irgendwann dann sozusagen auch zu "Kulturgut". Und deshalb war es damals ein großer Sieg für das Gaming, als die BPjM die Indizierung von CS ablehnte - ähnlich wie diese Woche Merkel auf der Gamescom.
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Re: Links zur Presse (E-Sport)

Beitragvon Rigolax » Fr 25. Aug 2017, 21:40

Pyri hat geschrieben:Der Zugang zu einer solchen "Medienrealität" verkennt, dass es beim Gewaltdarstellungsverbot auch um Ästhetik und Gewaltdarstellungen konkret geht. MK9 orientierte sich etwa klar an MK1-3, während MKX nochmal ein Stück überhöhter war. Bei "Dead Rising 4" meine ich, dass etwa SB.com auch empirisch nachweisen konnte dass die Gewaltdarstellung gegenüber den Vorgängern abgeschwächt wurde.
Ich meine dass beide Titel schon in der Produktion Rücksicht auf die USK-Befindlichkeiten nahmen - ob beabsichtigt oder nicht. Um den zeitlichen Abstand kann es meiner Meinung nach aber auch nicht gegangen sein, das stimmt.


Sicherlich geht es um konkrete Gewaltdarstellungen. Sonst wäre ein Film wie Natural Born Killers womöglich auch beschlagnahmt worden. Das ist auch irgendwie das Absurde am ganzen Paragraphen. Einerseits wird dem Film/Spiel eine sozialschädliche Wirkung attestiert, dann wird dies aber auf einzelne Darstellungen reduziert und entsprechend gekürzte Fassungen sind wieder FSK-kompatibel. Früher war das vielleicht mal anders, sonst kann man Beschlagnahmen von Texas Chainsaw Messacre auch nicht erklären, der AFAIK keine/kaum explizite Gewaltdarstellung hat.

Bei DR4 könnte ich mir das "vorzensieren" sogar sehr gut vorstellen. Das habe ich damals ja auch hier im einen Sammelthread argumentiert. Vermutlich dann sogar bewusst.

Bei MKX denke ich dagegen, dass das definitiv nicht der Fall war. Dafür spricht alleine, dass es keinen Versuch der USK-Freigabe gab. Selbst unbewusstes Zensieren kann man ausschließen. Ich verweise da mal auf YouTube-Videos, welche die Fatalities zeigen, und vermutlich an sich auch in DE verboten sind (siehe MA-HSH zum GTA5-Folter-Video). Sorry, aber wenn da nicht Darstellungen im Sinne des Paragraphen drin sind, weiß ich auch nicht mehr. Gerade wenn man einzelne, konkrete Darstellungen betrachtet. Die paar albernenen wie "Selfies machen" und co. fallen da nicht ins Gewicht. Menschenähnlich sind auch eh alle Figuren. Es ist schlicht nicht zu erklären. Da kann man das ganze Teil echt auch abschaffen oder nur noch auf ISIS-Hinrichtungsvideos und co. anwenden.

Pyri hat geschrieben:Ich brauche als "kritischer" Mensch dafür nicht verstehen, weshalb zwar einerseits nicht einmal CS im öffentlichen Raum verteidigt werden mag, sich andererseits aber (zumindest auf Steam) für einen Zugang zu Spielen eingesetzt wird.
Offenbar geht es bei dieser vielzitierten "Erwachsenenunterhaltung" dann wirklich nur darum, im Sinne des Neuen Biedermeiers im stillen Kämmerlein zu zocken - sonst öffentlich darum ersucht wird die immanente Gewaltdarstellung bei so einem Spiel etwa zu leugnen oder auszublenden.


Es ist für mich schon etwas anderes, ob man ein Spiel mit "echten" Waffen vor hunderten, tausenden Leuten spielt, die bei jedem Headshot laut jubeln, oder privat zu Hause. Wie gesagt, das ist für mich nicht mit dem Charakter einer Sportart zu vereinbaren. Muss ich das noch weiter begründen? Offenbar ist es ja auch in Ordnung, etwaige Spiele als "gewaltverherrlichend" zu bezeichnen.

Der Zugang zu den ganzen Spielen ist sicherlich ein Aspekt, der mich besonders stört. Wenn es überall sonst in der EU erlaubt ist, habe ich keine Lust, derart ausgegrenzt zu werden, nur weil ich aus diesem Land bin. Heutzutage können viele das gar nicht mehr nachvollziehen, wie die Zensursituation vor einigen Jahren war. Das konnte einen leicht wahnsinnig machen. Daher auch der ganze Kram mit Kurator und co: wissen was, wie zensiert wird oder nicht angeboten wird, hilft enorm. Die Spiele an sich sind mir dabei oftmals herzlich egal. Bei Hatred hatte ich z.B. auch schon mal geschrieben, dass mir der Titel auch weg bleiben darf. Wenn er wenigstens ein vernünftiger Tabubruch wäre, dabei ist da auch noch ein gewisser Minimalkonsens zu erkennen. Nicht mal mit Shock Value kann er überzeugen.

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Re: Links zur Presse (E-Sport)

Beitragvon Pyri » Fr 25. Aug 2017, 23:23

Rigolax hat geschrieben:(...) Einerseits wird dem Film/Spiel eine sozialschädliche Wirkung attestiert, dann wird dies aber auf einzelne Darstellungen reduziert und entsprechend gekürzte Fassungen sind wieder FSK-kompatibel. Früher war das vielleicht mal anders, sonst kann man Beschlagnahmen von Texas Chainsaw Messacre auch nicht erklären, der AFAIK keine/kaum explizite Gewaltdarstellung hat.

(...)

Bei MKX denke ich dagegen, dass das definitiv nicht der Fall war. Dafür spricht alleine, dass es keinen Versuch der USK-Freigabe gab. Selbst unbewusstes Zensieren kann man ausschließen. Ich verweise da mal auf YouTube-Videos, welche die Fatalities zeigen, und vermutlich an sich auch in DE verboten sind (siehe MA-HSH zum GTA5-Folter-Video). Sorry, aber wenn da nicht Darstellungen im Sinne des Paragraphen drin sind, weiß ich auch nicht mehr. Gerade wenn man einzelne, konkrete Darstellungen betrachtet. Die paar albernenen wie "Selfies machen" und co. fallen da nicht ins Gewicht. Menschenähnlich sind auch eh alle Figuren. Es ist schlicht nicht zu erklären. Da kann man das ganze Teil echt auch abschaffen oder nur noch auf ISIS-Hinrichtungsvideos und co. anwenden.


Nur kurz, weil ich leider auch nicht über alle Zeit der Welt verfüge: mit den konkreten Darstellungen allein ist es nun mal nicht getan.
Ich sprach auch von (anderer) Ästhetik, wie Überhöhung. Die USK hat schon in der Vergangenheit gezeigt, dass sie Abstraktionen oder Überhöhungen stark berücksichtigt - etwa bei "Hotline Miami", wo sich scheinbar noch die schlimmsten Hipster gut vorkommen es zu spielen. Und mag sein, dass dort sogar ein musikalischer Kontext ausschlaggebend gewesen ist.
Dahingehend kann MKX jedenfalls losgelöst von MK9 betrachtet werden - mit etwas gutem Willen zwar nur, aber immerhin. Ja, vielleicht ein Zufall, wie Du vielleicht merkst: ich traue der Sache auch nicht ganz - mal sehen was die Zukunft bringt.

Ich nehme mal ein Beispiel aus der österreichischen Avantgarde: Kurt Kren, einer meiner Favoriten und immer wieder gern, mit einem sogar eher "harmlosen" Film von ihm. "22/69 Happy End" aus dem Jahr 1969 https://www.mumok.at/de/2269-happy-end Kren montierte dort Szenen eines Geschlechtsverkehrs, sogar analen glaub ich, mit einer schnellen Abfolge (damals) gewöhnlicher Kinobilder - schräg fotografiert. Der Film sagt so natürlich sehr viel aus über das was einerseits in der Öffentlichkeit üblich und erlaubt ist, andererseits vielleicht in Schlafzimmern alltäglich. Und der Film ist etwa in dieser Kompilation auf Amazon.de auch Deutschen zugänglich https://www.amazon.de/Kurt-Kren-Which-W ... R299Z9/Und dahingehend nicht indiziert, gilt als keine Pornografie (in dem Sinn).

Ähnlich verhält es sich mit Zuschreibungen wie "sozialethischer Desorientierung" etc. Welche Werte wären das? Was für eine Orientierung wohin sonst? Auch Homosexualität zählte bis vor kurzem noch dazu - nun, auf einmal, aber nicht (mehr). Auf welche Sozialität soll sich das überhaupt beziehen? Usw. usf.
Genauso bei "jugendgefährdend" und etwa "die Jugend"? Einige linke Parteien in Deutschland, etwa die Piraten, sehen "die Jugend" wohl schon kritisch. Und das basiert natürlich auf einer Tendenz aus der Sozialpädagogik, Jugend individuell(er) zu beurteilen. Das meinte ich auch damit, wenn ich vorhin schrieb dass "Betrug" eher ein Sachverhalt ist.

Rigolax hat geschrieben:Es ist für mich schon etwas anderes, ob man ein Spiel mit "echten" Waffen vor hunderten, tausenden Leuten spielt, die bei jedem Headshot laut jubeln, oder privat zu Hause. Wie gesagt, das ist für mich nicht mit dem Charakter einer Sportart zu vereinbaren. Muss ich das noch weiter begründen? Offenbar ist es ja auch in Ordnung, etwaige Spiele als "gewaltverherrlichend" zu bezeichnen.

Der Zugang zu den ganzen Spielen ist sicherlich ein Aspekt, der mich besonders stört. Wenn es überall sonst in der EU erlaubt ist, habe ich keine Lust, derart ausgegrenzt zu werden, nur weil ich aus diesem Land bin. Heutzutage können viele das gar nicht mehr nachvollziehen, wie die Zensursituation vor einigen Jahren war. Das konnte einen leicht wahnsinnig machen. Daher auch der ganze Kram mit Kurator und co: wissen was, wie zensiert wird oder nicht angeboten wird, hilft enorm. Die Spiele an sich sind mir dabei oftmals herzlich egal. Bei Hatred hatte ich z.B. auch schon mal geschrieben, dass mir der Titel auch weg bleiben darf. Wenn er wenigstens ein vernünftiger Tabubruch wäre, dabei ist da auch noch ein gewisser Minimalkonsens zu erkennen. Nicht mal mit Shock Value kann er überzeugen.


Alles ist diesbezüglich eben in Ordnung. Und ich wollte die zweifellos wichtige Arbeit als Kurator etc. auch keinesfalls schmälern!
Ich finde selbst abstrahierte Spiele wie "Defcon" oder "Prison Architect" schlicht gewaltverherrlichend und möchte sie nicht spielen, "Batman - Arkham Asylum" finde ich wesentlich brutaler und menschenverachtender als "Manhunt" usw. Ich kann auch die Bedenken zu CS teilen und finde sie durchaus gut begründet, vor allem wenn das sehr junge Menschen spielen.

Es ist nur so, dass CS zweifellos auf Vorstellungen zum Terrorismus (und Polizeiarbeit) vor 9/11 Bezug nimmt. Es ist dahingehend auch nicht militärisch, sondern polizeilich (!), und so als kulturelles Artefakt zu betrachten. Gewissermaßen sogar als Zeitreise (!).
In eine vielleicht sogar noch heilere Welt, wo sich TerroristInnen noch nicht einfach selbst in die Luft gesprengt haben - oder Lastwagen in Mengen gefahren, wo in der Gewalt noch zynisch gesagt "romantisch" Kommunikation und gewisse Regeln herrschten - eben wie bei Geiselnahmen. Genauso hat sich der Film auch mit RAF-Terror auseinandergesetzt, etwa Volker Schlöndorff. Auch dem kann eine gewisse Romantisierung (für gewöhnlich) nicht abgesprochen werden, zumal die politischen Sympathien bei den einschlägigen Filmemacherinnen oft leider ziemlich eindeutig sind.
Nun kann das alles bei Videospielen (wie CS) gering geschätzt werden, als minderwertig betrachtet werden, weil die richtige "Botschaft", "Moral", fehlt oder sonst was, aber dagegen würde ich halt schon opponieren: vielleicht ist sogar der Umstand dass es keinem komplexen Narrativ folgt, keinen großen Kontext aufweist, sondern einfach eher nur zwischenmenschlicher "Sport" ist, ja sogar das entscheidende Moment bei CS.
Ich bin zwar kein Anhänger einer Archäologie des Wissens, aber dahingehend ist CS künstlerisch einfach zu beurteilen. Und das wäre aus meiner Sicht eigentlich eine Leichtigkeit, den Inhalt solcher Spiele in dieser Hinsicht öffentlich zu vertreten.
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Re: Links zur Presse (E-Sport)

Beitragvon marcymarc » So 10. Sep 2017, 12:51

Nicht Presse, aber interessant. Die Entwicklung von KI-Spielern in E-Sports:
https://youtu.be/jAu1ZsTCA64

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