"Partei der Humanisten" zu "Zensur in Unterhaltungsmedien"

Falschdarstellungen und Vorurteile
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buzzti
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"Partei der Humanisten" zu "Zensur in Unterhaltungsmedien"

Beitragvon buzzti » Di 16. Apr 2019, 22:29

https://diehumanisten.de/2019/02/06/zen ... ngsmedien/

Zusammenfassung der Partei-Forderungen:

- ersatzlose Abschaffung von Indizierungen
- Streichung des §131 StGB
- Abschaffung der USK zugunsten PEGI
- Aufhebung des Verbots für die Darstellung verfassungsfeindlicher Symbole für interaktive Medien

Für diesen Beitrag wurden auch die Dissertationen von Pyri und Vic als Quellen genannt.

Kritiklos bin ich hier nicht: Der Begriff "Killerspiel" wird im Artikel meiner Meinung nach zu flapsig verwendet und der Artikel enthält mir zu viele Floskeln.

Disclosure: Ich bin seit ein paar Monaten Partei-Mitglied, habe aber an diesem Beitrag nicht mitgewirkt.

Rigolax
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Re: "Partei der Humanisten" zu "Zensur in Unterhaltungsmedien"

Beitragvon Rigolax » Mi 17. Apr 2019, 18:18

Danke für den Hinweis, die Veröffentlichung war mir vollkommen entgangen.

Die Anfrage an "for uncut" ging indirekt an mich, ich hatte die jedenfalls dann beantwortet. Kann man hier nachlesen, was ich/wir denen geantwortet haben, wenn man will: https://docs.google.com/document/d/1reO ... Ybam4qVC0/ (habe jetzt mal Fußnote 12 geändert, weil der Link falsch war. Hatten wir damals in einer Mail an den Kontakt nachgereicht).

Beim Vergleich fällt auf, dass da einige Teile 1:1 kopiert wurden ohne Zitat-Kenntlichmachung oder korrekte Quellenangabe. Siehe vor allem unter "Zensur und wirtschaftlicher Totalverlust?" mit (wohl sicherlich falscher) Fußnote pyris Diss. EDIT: oder unter Fußnote 2 mit Vics Diss.

Die monierten Floskeln könnten daher teilweise meine sein, lol.

Wir stehen/standen sonst in keinem Verhältnis zur Partei.

Zur flapsigen Umgang mit "Killerspiele": Ja, würde ich teils auch nicht so verwenden. Liegt vielleicht aber auch daran, wie sehr man persönlich das damals verfolgt hat bzw. wie es noch einem "nachhängt". In dem Kontext hatte ich mir übrigens mal vorgenommen, die Zusammenfassung von Stigma-Videospiele öfter aufzugreifen, da es als Zeitdokument wohl nur noch wichtiger wird (http://stigma-videospiele.de/). Irgendwann ist die Moralpanik sonst regelrecht "vergessen", was nun doch eher schade wäre.

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marcymarc
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Re: "Partei der Humanisten" zu "Zensur in Unterhaltungsmedien"

Beitragvon marcymarc » Mi 17. Apr 2019, 18:59

Von der Form des Textes mal ganz abgesehen ist die letztgenannte Forderung gefährlich. Auch der VDVC hat sich nie für eine Aufhebung des Verbots nach §86a eingesetzt, sondern nur für die Anwendung der Sozialadäquanz auch bei interaktiven Medien. Dies ist ja nun durch den Kurswechsel der OLJB (maßgeblich durch die Sache mit der Staatsanwaltschaft befeuert) erfolgt. Die Spruchpraxis entwickelt sich gerade, auch was z.B. Multi-player-Funktionen angeht, die ohne Kontext evtl. nicht die notwendige Distanz zur Symbolik schaffen.
Wenn nun aber quasi das Verbot generell abgeschafft werden soll, befinden wir uns in AfD-Land.

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Re: "Partei der Humanisten" zu "Zensur in Unterhaltungsmedien"

Beitragvon Rigolax » Mi 17. Apr 2019, 19:52

marcymarc hat geschrieben:Von der Form des Textes mal ganz abgesehen ist die letztgenannte Forderung gefährlich. Auch der VDVC hat sich nie für eine Aufhebung des Verbots nach §86a eingesetzt, sondern nur für die Anwendung der Sozialadäquanz auch bei interaktiven Medien. [...]


Die Ausführungen sind ja auch recht irreführend. Es gab an sich nie ein Verbot, es gab nur eine prohibitive Verwaltungspraxis eines Exekutivorgans. Eine im engeren Sinne "rechtliche Ungleichbehandlung" zw. Filmen und Spielen hat nie existiert. "Erst im August 2018 wurde das Verbot verfassungsfeindlicher Symbolik in Videospielen zwar über die Sozialadäquatsklausel gelockert, dieses besteht im Grundsatz aber auch weiterhin. In Filmen besteht dieses Verbot nicht." Ist so nicht haltbar. "Wir fordern daher, dass auch in interaktiven Medien wie Videospielen das Verbot verfassungswidriger Symbole aufgehoben wird." basiert dann wieder auf einer Fehlvorstellung, dass Filme eine rechtliche Sonderstellung hätten, was sie nicht haben; es ist eben nur eine praktische Ungleichbehandlung. Es gibt kein "Verbot" (mehr, jeglicher Art), dass man "aufheben" könne in dem Sinne.

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Re: "Partei der Humanisten" zu "Zensur in Unterhaltungsmedien"

Beitragvon buzzti » Mi 17. Apr 2019, 20:59

jupp, sehe das ähnlich wie ihr. Neben der nicht korrekten Darstellung der Rechtslage, schien mir auch der wissenschaftliche Teil etwas "cherrypicked" (da wird auch Anderson/Bushman zitiert wenn es das Narrativ unterstützt). Leider wirkt das Ganze mehr wie ein politischer Move um mehr "Gamer" als Wähler zu gewinnen statt eine "rationale und faktenbasierte" Position herauszuarbeiten und ist somit nicht unbedingt dem Diskurs förderlich.

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Re: "Partei der Humanisten" zu "Zensur in Unterhaltungsmedien"

Beitragvon Pyri » Di 23. Apr 2019, 17:25

marcymarc hat geschrieben:Von der Form des Textes mal ganz abgesehen ist die letztgenannte Forderung gefährlich. Auch der VDVC hat sich nie für eine Aufhebung des Verbots nach §86a eingesetzt, sondern nur für die Anwendung der Sozialadäquanz auch bei interaktiven Medien. Dies ist ja nun durch den Kurswechsel der OLJB (maßgeblich durch die Sache mit der Staatsanwaltschaft befeuert) erfolgt. Die Spruchpraxis entwickelt sich gerade, auch was z.B. Multi-player-Funktionen angeht, die ohne Kontext evtl. nicht die notwendige Distanz zur Symbolik schaffen.
Wenn nun aber quasi das Verbot generell abgeschafft werden soll, befinden wir uns in AfD-Land.


Für "gefährlich" (im wie üblich negativen Sinne) erachte ich vielmehr über Erinnerungskultur dermaßen bestimmen zu wollen, dass nur eine einzige Form oder Möglichkeit davon "richtig", angemessen oder sinnvoll wäre. Wobei die Integration von Symbolen für manche in Deutschland oder Österreich zwar ein "rotes Tuch" darstellen mag, an der Wahrnehmung des Inhalts aber nicht unbedingt etwas ändern wird, das heißt eine negative Wahrnehmung etwa überhaupt noch verstärken könnte.

Über meine Arbeit erhielt ich im März diesen Jahres (also 2019) etwa eine Ausgabe der Zeitschrift "Zeitreise Österreich" https://austria-forum.org/af/AEIOU/Zeitreise_Österreich zum Thema "Spiel" und "Spielzeug" von Ende 2017. Nur ein einziger Artikel beschäftigte sich daran bezeichnender Weise mit dem "digitalen Spiel" und dieser suchte darin Computerspiele einzig und allein als Nazipropaganda zu kennzeichnen, wobei Shooter sogar dezidiert ausgeklammert werden sollten: nur über alte Taktik- und Strategiespiele vom PC, allesamt - jedenfalls soweit ich sie damals im März auf die Schnelle identifizieren konnte - erschienen um das Jahr 2000, also der eigentlichen Jahrtausendwende. Ohne zu erklären wie aktuell diese somit eigentlich wären...
Etwa "Panzer General IV" (1999). Höchst selektiv selbst "Empire Earth" (2001), das ja eigentlich von der Steinzeit handelt und nur ganz zum Schluss im Zweiten Weltkrieg spielt (wiederum ohne dieses Faktum auch nur mit einer Silbe zu erwähnen).
Ich sollte mir wohl mal die Mühe machen und den Artikel einscannen...

Schließlich besorgte ich mir schon letztes Jahr diese schmucke "Nazi"-Metallbox ^^ auf Amazon.de: https://www.amazon.de/Machtinstrumente- ... 01NGTX2QU/ Man beachte wie die SS-Runen darauf so gestaltet sind, dass sie (selbst mit Jugendfreigabe!) noch erlaubt sind. Und immer wenn ich mich jetzt deprimiert fühlen möchte sehe ich mir ein paar weitere Minuten daraus an (ich hoffe sehr es reicht bis an mein Lebensende).

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Also erstens: von wegen Multiplayer. Um keine Sozialadäquanz festzustellen reicht es offenbar schon Grand Strategy wie "Hearts of Iron" zu haben, prinzipiell alles das nicht intendiert im Spieler, der Spielerin, ein Gefühl der Betroffenheit zu erzeugen und/oder das NS-Thema auf Technik- oder Militärgeschichte reduziert, abstrahiert etc. - alles so, dass die Shoah als "Elefant im Raum" interpretiert "bleiben" könnte (sic!).
Und zweitens ist genau das eben ein Unterschied zum populären (Dokumentar-)Film, etwa auch DVD-Boxen wie dieser hier https://www.amazon.de/Enzyklopädie-Krie ... 079MXSS47/ Die Ungleichbehandlung weiterhin evident - vielleicht sogar mehr denn je, jetzt wo diese Einschränkung erstmals so (eindeutig) festgesetzt worden ist andere Titel möglicherweise Gefahr laufen bald überhaupt kein Kennzeichen mehr zu erhalten.
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Re: "Partei der Humanisten" zu "Zensur in Unterhaltungsmedien"

Beitragvon Rigolax » Mi 24. Apr 2019, 01:02

Nebenbei mal hier erwähnt, da es gerade vielleicht passt, ich das interessant fand und zuvor nirgends gelesen hatte: Die BPjM hat 2010 über "Making History II" befunden:

Im November hatte das Zwölfergremium im Rahmen eines Zweifelsfalls der USK eine gutachterliche Stellungnahme zu dem im Zweiten Weltkrieg angesiedelten PC-Spiel „Making History II“ aus dem Genre der Strategiespiele abzugeben. Das Gremium kam zu dem Ergebnis, dass der Inhalt des Spiels trotz der darin enthaltenen Möglichkeit, neben zahlreichen anderen Nationen auch als das faschistische Deutschland zu agieren, insgesamt nicht als NS-verherrlichend einzustufen ist und damit nicht die Voraussetzungen für die Aufnahme in die Liste der jugendgefährdenden Medien erfüllt.
(BPJMAKTUELL 1/2011)

Nun war das natürlich eine symbolfreie Version, allerdings dürfte das auch für eine etwaige Kennzeichnung vergleichbarer Spiele mit Symbolik nicht gänzlich irrelevant sein.

"Steel Division 2" ist in dem Fall übrigens interessant, die sind zumindest schon seit ein paar Monaten in Gesprächen mit der USK: https://steamcommunity.com/app/919640/d ... 3087892629

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Diese, uuh, Metallbox mit der FSK-16er ist schon auch interessant, sowie die Schilderung über die Ausgabe der "Zeitreise Österreich".


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