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Glaßer und die Antimilitaristen

Falschdarstellungen und Vorurteile

Re: Links zur Presse #2

Beitragvon Patrik » Do 9. Aug 2012, 09:43

@IMI-Studie: Ich finde es sehr interessant, dass Glaser die USK18-Feigabe bedauert und offenbar eine ab 16 für angemessen gehalten hätte. Allerdings zeigt seine Formulierung auch – mal wieder – wie verwirrend der deutsche Jugendschutz doch ist. Ein glorifizierender Militärshooter mit dem beschriebenen Gewaltgrad wäre wohl indiziert worden. Ich habe zwar „Spec Ops – The Line” noch nicht gespielt, aber Glaser spricht von Phosphormunition und brennenden Menschen – die fallen ja sonst sogar unter den §131 STGB. Von da her scheint die Intention der Gewaltdarstellung tatsächlich eine Rolle bei der Bewertung zu spielen.
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Re: Links zur Presse #2

Beitragvon Modgamers » Do 9. Aug 2012, 12:22

Spec Ops hat tendenziell eine leicht (ich betone, leicht) comichafte Darstellung. Ich habe die Szene schon gesehen und das eigentliche "verbrennen" siehst du nicht (direkt), sondern nur das "Ergebnis". Es ist durchaus eine harte Szene, aber nicht zwangsläufig indizierungswürdig, da nicht glorifizierend dargestellt (die Entwickler betonten ja schon, dass sie sich nicht an "Rambo" sondern eher an "Apocalypse Now" orientierten).
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Re: Links zur Presse #2

Beitragvon Patrik » Do 9. Aug 2012, 13:28

Darauf wollte ich ja hinaus: Zumindest die USK scheint verstanden zu haben, dass man etwas kritisch darstellen kann. Ich fand es ja in Strategiespielen immer schon tendenziell kriegsverherrlichend, dass es selbst in Häuserkämpfen keine zivilen Opfer gab. Luftangriff auf einen Einheitenverbund? Kein Problem! Mit chirurgischer Präzision trifft der Bombenteppich die Geländewagen, während sie direkt neben einem Krankenhaus vorbei fahren.
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Re: Links zur Presse #2

Beitragvon Pyri » Do 9. Aug 2012, 14:51

@Patrik
Und von wo her soll die USK die Intention kennen?
@Alle
Weshalb soll Ted Kotcheff mehr auf Krieg und Gewalt (in Lebenswirklichkeiten) aus gewesen sein als Francis Ford Coppola? Weil Kotcheff nur die von diesen "friedensbewegten" Leuten üblich beanstandeten "dreckigen Kriegsabenteuer" (O-Ton Peter Bürger) gedreht hätte und sonst keine Melodramen à la Coppola. Irrtum: siehe "Winter People". Im Gegenteil hat Coppola Zeit seines Lebens stets eine einseitige Bürgerlichkeit bei seinen Themen an den Tag gelegt, während ein Kotcheff immer schon eher ein Mann des Proletariats gewesen ist. Und das verlängert sich auch zwischen "First Blood" und "Apocalpyse Now" - mit einer LehrerInnenmentalität lässt es sich leicht selbst für nobel zu halten. Eine Noblesse die letztlich immer auf Belehrungen so hinauslaufen wird: bis zur moralischen Gewalt eines Michael Schulze von Glaßer. Wo Menschen sich eben nicht selbst ein Urteil machen dürften, sondern dieses Urteil ihnen vorzugeben wäre. Weil sie es selbst angeblich nicht besser wüssten, aus meiner Sicht schlicht menschenverachtende "Studien" über entsprechende Experimente vielleicht genau das gezeigt hätten. Schonmal das indizierte "Army of Two" gespielt - wo sind dort die moralinhaltlichen Unterschiede zu "Spec Ops: The Line" über die unterschiedlichen Charakter-Typen hinaus? Auch bei "Medal of Honor" über seine Welt ohne Zivilbevölkerung, wo die eigene Figur am Ende stirbt: die Unterschiede liegen vor allem in den Charakteren die gespielt werden und wie sich diese verhalten. Ob sie sich in Zurückhaltung üben wollen oder nicht, demnach korrekt(er) verhalten: das ist die einseitige Politik welche hier schändlicher Weise gefordert wird. Und ein Realismus der letztlich noch dazu eher ein Anti-Realismus ist, oder - um indirekt mit Navid Khonsari zu fragen: wo sind die Guten?
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Re: Links zur Presse #2

Beitragvon Patrik » Do 9. Aug 2012, 15:33

Pyri hat geschrieben:… LehrerInnenmentalität lässt es sich leicht selbst für nobel zu halten. Eine Noblesse die letztlich immer auf Belehrungen so hinauslaufen wird: bis zur moralischen Gewalt eines Michael Schulze von Glaßer. Wo Menschen sich eben nicht selbst ein Urteil machen dürften, sondern dieses Urteil ihnen vorzugeben wäre.

Glaser unterbindet nicht das eigene Urteil, begrüßt aber die politische Beeinflussung von Menschen in eine bestimmte Richtung. Er will, dass Krieg von der Gesellschaft grundsätzlich negativ betrachtet wird. Als Instrument hierzu sieht er u.a. Massenmedien – insbesondere Computerspiele. Diese sollen die politische Botschaft transportieren, Militär sei abzulehnen. Dieser „Ton“, in dem die Gesellschaftsordnung Gewalt als etwas Schlechtes brandmarkt, ist dabei nicht unbedingt zu kritisieren. Allgemein ist es doch so, dass die Gesellschaft durch ihre Anforderungen und Vorstellungen das Individuum formt, welches wiederum (als Teil der Gesellschaft) zu den Anforderungen und Vorstellungen der Gesellschaft beiträgt. Ich würde das als Rückkopplungsprozess verstehen wollen. Wichtig ist, dass die Rückkopplung nicht unterbunden wird. Das soll für gewöhnlich durch Meinungsfreiheit sichergestellt werden. Und in eben diesem Punkt finde ich Glaser sehr fortschrittlich: Er versucht (zwar durchaus mit moralischem Zeigefinger) aufzuzeigen, in welcher Weise Spiele als Meinungsmacher dienen (können), lässt aber die Menungsfreiheit dabei unangetastet.

Pyri hat geschrieben:@Patrik
Und von wo her soll die USK die Intention kennen?

Intentionen können immer nur vermutet werden. Wie du wissen solltest, baut unser gesamtes Rechtssystem darauf auf und unterscheidet beispielsweise zwischen Mord, Totschlag und Unfall. Das ist aber nicht weiter schlimm, da die Welt ohnehin nicht absolut funktioniert, sondern es immer nur Zwischenwerte und Wahrscheinlichkeiten gibt. Außer bei formal-logischen Schlüssen, bei denen du eine Prämisse als wahr definierst, kannst du dir nie sicher sein. Damit kann die USK eine Intention feststellen, ebenso wie man am CERN „Teilchen entdecken“ kann.
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Re: Glaßer und die Antimilitaristen

Beitragvon Pyri » Do 9. Aug 2012, 16:37

Patrik hat geschrieben:Glaser unterbindet nicht das eigene Urteil, (...) Allgemein ist es doch so, dass die Gesellschaft durch ihre Anforderungen und Vorstellungen das Individuum formt, welches wiederum (als Teil der Gesellschaft) zu den Anforderungen und Vorstellungen der Gesellschaft beiträgt. Ich würde das als Rückkopplungsprozess verstehen wollen. Wichtig ist, dass die Rückkopplung nicht unterbunden wird. Das soll für gewöhnlich durch Meinungsfreiheit sichergestellt werden. Und in eben diesem Punkt finde ich Glaser sehr fortschrittlich: Er versucht (zwar durchaus mit moralischem Zeigefinger) aufzuzeigen, in welcher Weise Spiele als Meinungsmacher dienen (können), lässt aber die Menungsfreiheit dabei unangetastet.

Pyri hat geschrieben:@Patrik
Und von wo her soll die USK die Intention kennen?

Intentionen können immer nur vermutet werden. Wie du wissen solltest, baut unser gesamtes Rechtssystem darauf auf und unterscheidet beispielsweise zwischen Mord, Totschlag und Unfall. Das ist aber nicht weiter schlimm, da die Welt ohnehin nicht absolut funktioniert, sondern es immer nur Zwischenwerte und Wahrscheinlichkeiten gibt. Außer bei formal-logischen Schlüssen, bei denen du eine Prämisse als wahr definierst, kannst du dir nie sicher sein. Damit kann die USK eine Intention feststellen, ebenso wie man am CERN „Teilchen entdecken“ kann.


Das Problem bei Glaßer ist aus meiner Sicht vor allem, dass er nie fragt. Seine Vorwürfe in Hinblick auf eine Militarisierung niemals unter einen Konjunktiv stellt. Ich habe über Populismus diplomiert - und das ist ein ganz typisches Kennzeichen davon, sowie von Weitergehendem in diese Richtung, von Anderem das über andere (fremde) Menschen bestimmen möchte. Das ist jedenfalls keine Politik die an einem Ausgleich interessiert wäre - weder über rhetorische Fragen oder Sonstiges: und für mich leider ebenfalls ein Kennzeichen wesentlich älterer AutorInnen auf diesem Gebiet. Soll heißen: da wird sich auch nichts ändern. Weshalb werden also (nur) diesen Leuten Plattformen geboten (in Deutschland) - bei Heise und Co., wenn es um In-Depth-Berichterstattung zum Beispiel geht. Warum wird keinen Gefühlen Anderer auch nur irgendein Raum gegeben? Oder wo wäre dieser Raum - wo sind die Stimmen jener die da etwas politisch anders sehen? Von einem Aktivismus gegen (womöglich auch nur anderes) Kriegsspielzeug angefangen. Wesentlicher als seine Ausführungen über Games ist dabei vielleicht auch das was er über Mitleid für SoldatInnen sonst noch so sagt, dass er ganz allgemein da auch etwas "kritisch" sieht. Was ist das für eine Moral - mit welchem zweierlei Maß? Und welchen Menschen zweiter Klasse?
Wo Glaßer "die Meinungsfreiheit (...) unangetastet" lässt kann ich beim besten Willen nicht erkennen: im Gegenteil bestimmt er mit Unterstellungen nicht nur über Kreative, deren eigene Werke, sondern auch RezipientInnen. Beziehungsweise darüber was die (in Videospielen) so tun, anstellen wollen/können.
Andere Denkmöglichkeiten bleiben völlig unberücksichtigt - ein konstruktives Gespräch mit ihm scheint mir erfahrungsgemäß völlig ausgeschlossen, ich habe es über Mail oder auf seinem Militainment-Blog mehrmals versucht. Er konnte oder wollte mir nicht ein einziges Mal etwas in der Sache erwidern. Also das verstehe ich ausdrücklich nicht unter Meinungsfreiheit: Behauptungen über andere Leute, deren Wünsche und Absichten aufzustellen, aber sonst nichts dazu (mehr) sagen.
Alles was (als Option) getan werden kann wird als tendenziell affirmativ (gemeint) hingestellt. Nicht anders. Videospielen stets als Verlängerung des eigenen Lebens betrachtet, nicht als Alternative, wobei es schon die Frage wäre wie negative Handlungen, moralisch Verwerfliches wie eine Auszeichnung für Verbrechen in Videospielen überhaupt gemeint wären. Womöglich eben schon so, dass es auf eine (eigentliche) Verwerflichkeit hindeuten soll - darüber belehren etc.
Über all diese Dinge schweigt Glaßer - darauf geht er überhaupt nicht ein. Diese Probleme existieren scheinbar gar nicht für ihn - ebenso wenig wie das Problem moralischer Gewalt (über seine Ideologie oder die Anderer)
Da geht alles immer nur in eine Richtung. Oder halt die Entgegengesetzte. An oder aus. Machbar und funktionierend, oder eben nicht. Schon wie bei einer Maschine. Hier scheint (zufällig) seine Meinung geteilt zu werden, weshalb es da dann auch keine Probleme gibt - für mich als naturgemäß Andersdenkenden alles sehr selbst entlarvend. Wo bleibt das eigene Gewissen bei der Aufstellung dieser moralischen Ideen - das frage ich mich.

Aber das ist es ja nicht was da unter Belehrung verstanden wird, nicht einmal unter "Kritik". Und so wird schon über ein Konzept wie dieses, den Kritikbegriff, theoretisch bestimmt. Von Abstrahierungen oder etwaigen Konkretisierungen fang ich da gar nicht erst an -
Zur Teilchenphysik: ich bin sicher kein Spezialist auf dem Gebiet, aber soviel weiß ich auch dass es bei Einrichtungen wie dem CERN vielfach um die Verringerung
einer Kluft zwischen mathematischem Modell und Empirie geht.
Für die Aufstellung eines mathematischen Modells braucht man keinen teuren Teilchenbeschleuniger bauen, sondern für dessen empirischen Beweis - für einen etwaigen Nachweis der Existenz von Teilchen: und genau da sitzt das Problem zwischen intersubjektiver Inhaltsanalyse und individueller Wahrnehmung. Die USK hat kein CERN zur Verfügung, sie kann so etwas nicht einmal bauen lassen - vorausgesetzt man teilt ihr mechanistisches oder normiertes Menschenbild nicht.
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Re: Glaßer und die Antimilitaristen

Beitragvon Patrik » Fr 10. Aug 2012, 09:12

Pyri hat geschrieben:Wo Glaßer "die Meinungsfreiheit (...) unangetastet" lässt kann ich beim besten Willen nicht erkennen: im Gegenteil bestimmt er mit Unterstellungen nicht nur über Kreative, deren eigene Werke, sondern auch RezipientInnen. Beziehungsweise darüber was die (in Videospielen) so tun, anstellen wollen/können.

Er bestimmt nicht. Er kritisiert, vielleicht prangert er sogar nicht existente Verschwörungen eines „militärisch-medialen Komplexes“ an. Aber selbst wenn all seine Aussagen absoluter Unsinn sein sollten, bleibt es meines Erachtens im Rahmen der Meinungsfreiheit. Er wertet: Viele Videospiele seien verwerflich, denn sie vermitteln ein dem Krieg gegenüber unkritisches Weltbild. Eine Verbot irgendeiner Darstellung, Darstellungsform oder irgendeines Inhalts wir eben nicht gefordert. So etwas will er vermutlich auch nicht. Wer weiß, dass er einen Film der Nazipropaganda aus den späten 30er Jahren sieht, wird durch das Anschauen dieses Streifens weniger wahrscheinlich rechtes Gedankengut vermittelt bekommen als durch das RTL-Programm.

Pyri hat geschrieben:Alles was (als Option) getan werden kann wird als tendenziell affirmativ (gemeint) hingestellt. Nicht anders. Videospielen stets als Verlängerung des eigenen Lebens betrachtet, nicht als Alternative, wobei es schon die Frage wäre wie negative Handlungen, moralisch Verwerfliches wie eine Auszeichnung für Verbrechen in Videospielen überhaupt gemeint wären. Womöglich eben schon so, dass es auf eine (eigentliche) Verwerflichkeit hindeuten soll - darüber belehren etc.

Das wäre in der Tat problematisch. Ich frage mich, wie er ein Frau-auf-die-Schienen-Legen in Red Dead Redemption oder das Spiel Defcon sehen würde. Interessant wäre auch, wie er dann das Truppen-immer-Wieder-an-die-Front schicken eines Mensch-ärgere-dich-Nicht bewertet.

Pyri hat geschrieben:Zur Teilchenphysik: ich bin sicher kein Spezialist auf dem Gebiet, aber soviel weiß ich auch dass es bei Einrichtungen wie dem CERN vielfach um die Verringerung einer Kluft zwischen mathematischem Modell und Empirie geht. Für die Aufstellung eines mathematischen Modells braucht man keinen teuren Teilchenbeschleuniger bauen, sondern für dessen empirischen Beweis - für einen etwaigen Nachweis der Existenz von Teilchen: und genau da sitzt das Problem zwischen intersubjektiver Inhaltsanalyse und individueller Wahrnehmung. Die USK hat kein CERN zur Verfügung, sie kann so etwas nicht einmal bauen lassen - vorausgesetzt man teilt ihr mechanistisches oder normiertes Menschenbild nicht.

Beim CERN geht es um Verifikation bzw. um genau zu sein um Falsifikation von theoretischen Modellen. Faktisch kann man in der Physik nämlich nichts(!) beweisen, sondern immer nur widerlegen. Der Nachweis eines Teilchens funktioniert in der Weise, dass eine Theorie die späteren Messergebnisse mit einer großen Genauigkeit (>99,99% Sicherheit, dass es nicht an statistischen Schwankungen liegt) vorhersagt. Am CERN versucht man quasi, möglichst viele Theorien zu widerlegen, sodass die übrige als erwiesen gelten muss – sonst hätte man gar kein Modell mehr. Das (mathematische) Modell kann trotzdem falsch (oder zumindest ungenau) sein.

So hat man früher bewiesen, dass eine konstante Kraft nötig ist, um einen Gegenstand bestimmter Masse mit konstanter Geschwindigkeit anzuheben. Später stellte sich heraus, dass die Erdanziehungskraft in größerer Höhe abnimmt, sodass sich aus der konstanten Kraft eine konstante Beschleunigung ergibt. Hätten wir keine Erkenntnisse aus anderen Bereichen, so wäre das der aktuelle Stand und wir würden uns spätestens beim erreichen der Lichtgeschwindigkeit wundern, warum unsere Raumschiffe nicht mehr konstant beschleunigen. Das Konzept der „bestimmten Masse“ stößt spätestens hier an seine Grenzen. Übertragen auf das CERN heißt das, man weist also die Existenz verschiedener Teilchen nach, ohne überhaupt bewiesen zu haben, dass es Teilchen gibt. Die Korpuskeltheorie aber ist nur in dem Rahmen beweisbar, in dem auch die „bestimmte Masse“ zuvor bewiesen wurde. Es ist eine echt gute Annahme unter den bekannten Bedingungen, und es eignet sich hervorragend, um die Welt in den bekannten Grenzen zu beschreiben. Faktisch kaufe ich immer noch ein Stück Käse mit einer Masse von 500g, obwohl ich mittlerweile weiß, dass dieses Konstrukt falsch ist. Es handelt sich – wie bei unterstellten Motiven – um eine attribuierte Eigenschaft, eine Arbeitshypothese. In Wirklichkeit gibt es überhaupt keine inhärente Eigenschaft Masse.

Das trifft im übrigen auch auf das Standardmodell der Telchenphysik zu, in dessen Rahmen das Higgs-Boson vorhergesagt wird. Es sind bereits physikalische Effekte nachgewiesen, die ganz klar dagegen verstoßen. Dennoch arbeitet man weiterhin damit, weil sich die Welt durch nicht zutreffende Unterstellungen immer noch besser beschreiben lässt als ohne Modell.
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Re: Glaßer und die Antimilitaristen

Beitragvon Pyri » Fr 10. Aug 2012, 19:01

Patrik hat geschrieben:Er bestimmt nicht. Er kritisiert, vielleicht prangert er sogar nicht existente Verschwörungen eines „militärisch-medialen Komplexes“ an. Aber selbst wenn all seine Aussagen absoluter Unsinn sein sollten, bleibt es meines Erachtens im Rahmen der Meinungsfreiheit. Er wertet: Viele Videospiele seien verwerflich, denn sie vermitteln ein dem Krieg gegenüber unkritisches Weltbild. Eine Verbot irgendeiner Darstellung, Darstellungsform oder irgendeines Inhalts wir eben nicht gefordert. So etwas will er vermutlich auch nicht. Wer weiß, dass er einen Film der Nazipropaganda aus den späten 30er Jahren sieht, wird durch das Anschauen dieses Streifens weniger wahrscheinlich rechtes Gedankengut vermittelt bekommen als durch das RTL-Programm.


Was soll es sonst sein, außer eine Bestimmung, wenn dermaßen einseitig über bestimmte Videospiele geredet wird - oder wo wird bei Glaßer etwa erörtert, dass auch "Medal of Honor", "Homefront" oder "Call of Duty" gegen Krieg sein könnten.
Das Problem beginnt vielmehr schon bei einer Bestimmung von "Frieden", oder besser dessen Nicht-Bestimmung: so wird "Frieden" allgemein gegen Militärinterventionen gestellt - auch etwa dann wenn Regime wie in Syrien menschenverachtende Maßnahmen ergreifen. Was soll, von einer internationalen Gemeinschaft, dabei noch "friedlich" sein - wenn dagegen nicht eingeschritten wird zum Beispiel.
Natürlich sehe ich (auch) die Dilemmas, meine politische Position wird vom Glaßer grundsätzlich sicher nie weit entfernt sein - ich bin überzeugter Anti-Kolonialist, Feminist usw. Ich sehe mich da gedanklich nur immer beim ehemaligen deutschen Außenminister Fischer - und wie lange damals am Balkan zugeschaut wurde.
Wie kann ein stiller Blick auf Leid noch als "Frieden" bezeichnet werden? Von einer internationalen Gemeinschaft? Mit welcher (Medien-)Verantwortung?
Auch bei den Bildern von Videospielen bin ich eigentlich ganz beim Glaßer: auch ich habe schon oft geschrieben, dass ich einen schmutzigen Krieg in der Darstellung - mit verwundeter Zivilbevölkerung etc. lieber möchte. Eigentlich eben keinen Tom Clancy. Als Kritik am Krieg. Und, das kann unter anderem im alten Forum nachgelesen werden, ich habe mich schon Jahre jetzt auf das immer wieder hinausgezögerte Spiel aus Berlin gefreut.

Doch ich sehe "Spec Ops: The Line" dabei auch missbraucht: schon der Militainment-Blog scheint mit dem Bild eines traumatisierten Soldaten (aus einer Fernsehsendung) ebenfalls punkten zu wollen. Der Held, oder besser Antiheld, des Spiels weist ebenfalls psychische Probleme auf. Und fast scheint dies dieser Friedensbewegung noch zu gefallen: das impliziert immer auch eine gewisse Krankenfeindlichkeit, weil sie wollen eben keine Militärangehörigen haben die stark sind, Situationen mehr oder weniger unbeschadet durchstehen, sie wollen keine Heroisierungen diesbezüglich haben. Und der Kranke, dieser Typus, ist anscheinend geradezu wie selbstverständlich kein Held für diese Friedensbewegung in Deutschland. Warum? Ich denke da kommt sehr vieles (durchaus auch -medizin-historisch) zusammen - sowie: vor allem dieses Bild eines idealisierten kaputten Soldaten ist es was ich als menschenverachtende Bestimmung dabei verurteile. Beim Glaßer, im Spiegel oder der ZEIT.
Anders wüsste ich gern wo der Glaßer es ergebnisoffen lassen würde, dass "Call of Duty" oder "Battlefield" den Krieg oder Militär verherrlichen würde, bloß weil sie diese Verachtung gegenüber Menschen die beim Militär arbeiten nicht aufweisen und diese für gewöhnlich auch nicht negativ portraitieren. Da keine "Kritik" üben. Ich kann mich da auch nur wiederholen: weshalb soll ein kranker Mensch im Portrait auch eher goutiert werden als ein muskelbepackter vermeintlich starker Kerl wie "Rambo". John Rambo ist auch ein Mensch. Auch er weint (im Film und als Figur sicher auch sonst). Ebenso wie Kranke.
Also da wird sehr wohl über Fiktionen bestimmt, und halt nicht nur das, sondern auch über "Kritik". Was gegebenenfalls "kritisch" wäre und was nicht -

Was ich nicht verstehe: warum der Glaßer verteidigt wird, wo bei Spitzer doch eine Meinung besteht, dass Dummheit und Gescheitheit relative Begriffe sind - und, siehe letzte News - noch dazu problematisch wenn sie zwischen proletarisch-bäuerlich und bildungsbürgerlich auf soziale Herkunft bezogen werden, ein Prekariat (siehe die Kommentare in der letzten News) etc.
Würde der Spitzer etwa sagen: "ich bin für kein Verbot, trotzdem sage ich das was ich sage". Wird der Spitzer auch wirklich für ein Verbot der Medien realistisch sein können, die er negativ für so gefährlich hält, Demenz verursachend etc.? Doch höchstens nur für eine Eindämmung, er will ja auch eine "Gewaltsteuer" haben und würde bei einem "Verbot" dann nichts einnehmen, und genau diesen Wunsch zur Eindämmung oder Zurückdrängung von Kriegsverherrlichung (einer Militarisierung) sehe ich doch auch beim Glaßer: dabei ist es nun auch fraglich für mich was schlimmer ist, dass Glaßer "Krieg und Frieden" gegenüber stellt, oder Spitzer "Dummheit und Intelligenz". Dass Glaßer glaubt, dass die "Call of Duty"-Macher einen Krieg haben woll, oder dass Spitzer "meint" dass "Ballerspieler" vielfach prekäre Dumme wären.
Bei Glaßer kommt "die richtige Ideologie" zweifelsohne doch auch noch irgendwo immer hinzu - weil er ja eine Erkenntnis zum Frieden hin wohl auch für sich meint irgendwann durchgemacht zu haben, ansonsten wird er sich kaum dafür engagieren - auf einer persönlichen Ebene jetzt. Also wird er die welche nicht darauf aus sind wie er auch irgendwo für blöder halten, manipuliert oder zumindest manipulierbarer etc. Dabei geht es ja auch immer irgendwo um Aufklärung. Glaßer versteht sich als Aufklärer.

Ich kann auch nur davor warnen zu glauben, dass zwischen RTL und Leni Riefenstahl so ein großer Unterschied bestünde wie sich hier häufig vorgemacht zu werden scheint. Von den jeweiligen Körperbildern ganz zu schweigen: doch die Idee einer Moralgesellschaft gibt diese Abgrenzung zu lediglich bestimmten Milieus die abzulehnen seien scheinbar auch vor und da brauche ich gar nicht auf Kontinuitäten wie Globke in der Adenauerzeit eingehen, das KPD-Verbot etc. Die Bösen sind immer die Anderen, weil bei "uns", in unserer Mitte immer nur die Guten wären. Diese Illusion wird es auch sein wenn es in Zusammenhang mit "Spec Ops: The Line" hieß, dass da etwas anders als in anderen Spielen keinen Spaß machen solle. Dabei kann einem der potentiell übelste Schlächter mit Hut beim Bäcker begegnen und der vermeintlich böse Skinhead sich als durchaus freundlicher Mensch erweisen. So grimmig er auch dreinschauen mag.
Zu Meinungsfreiheit und Verbot konkret noch etwas: was würde das für einen Unterschied machen? Es ist überhaupt die Frage was ein "Verbot" sein soll - und ob es, in Deutschland und anderswo, nicht auch schon längst Verbote in vielfältiger Form bei Videospielen gibt. Da kann ich mich ebenfalls bloß wiederholen. Von Jugendverboten bei USK-18-Titel angefangen.
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