Pyri hat geschrieben:… LehrerInnenmentalität lässt es sich leicht selbst für nobel zu halten. Eine Noblesse die letztlich immer auf Belehrungen so hinauslaufen wird: bis zur moralischen Gewalt eines Michael Schulze von Glaßer. Wo Menschen sich eben nicht selbst ein Urteil machen dürften, sondern dieses Urteil ihnen vorzugeben wäre.
Pyri hat geschrieben:@Patrik
Und von wo her soll die USK die Intention kennen?
Patrik hat geschrieben:Glaser unterbindet nicht das eigene Urteil, (...) Allgemein ist es doch so, dass die Gesellschaft durch ihre Anforderungen und Vorstellungen das Individuum formt, welches wiederum (als Teil der Gesellschaft) zu den Anforderungen und Vorstellungen der Gesellschaft beiträgt. Ich würde das als Rückkopplungsprozess verstehen wollen. Wichtig ist, dass die Rückkopplung nicht unterbunden wird. Das soll für gewöhnlich durch Meinungsfreiheit sichergestellt werden. Und in eben diesem Punkt finde ich Glaser sehr fortschrittlich: Er versucht (zwar durchaus mit moralischem Zeigefinger) aufzuzeigen, in welcher Weise Spiele als Meinungsmacher dienen (können), lässt aber die Menungsfreiheit dabei unangetastet.Pyri hat geschrieben:@Patrik
Und von wo her soll die USK die Intention kennen?
Intentionen können immer nur vermutet werden. Wie du wissen solltest, baut unser gesamtes Rechtssystem darauf auf und unterscheidet beispielsweise zwischen Mord, Totschlag und Unfall. Das ist aber nicht weiter schlimm, da die Welt ohnehin nicht absolut funktioniert, sondern es immer nur Zwischenwerte und Wahrscheinlichkeiten gibt. Außer bei formal-logischen Schlüssen, bei denen du eine Prämisse als wahr definierst, kannst du dir nie sicher sein. Damit kann die USK eine Intention feststellen, ebenso wie man am CERN „Teilchen entdecken“ kann.
Pyri hat geschrieben:Wo Glaßer "die Meinungsfreiheit (...) unangetastet" lässt kann ich beim besten Willen nicht erkennen: im Gegenteil bestimmt er mit Unterstellungen nicht nur über Kreative, deren eigene Werke, sondern auch RezipientInnen. Beziehungsweise darüber was die (in Videospielen) so tun, anstellen wollen/können.
Pyri hat geschrieben:Alles was (als Option) getan werden kann wird als tendenziell affirmativ (gemeint) hingestellt. Nicht anders. Videospielen stets als Verlängerung des eigenen Lebens betrachtet, nicht als Alternative, wobei es schon die Frage wäre wie negative Handlungen, moralisch Verwerfliches wie eine Auszeichnung für Verbrechen in Videospielen überhaupt gemeint wären. Womöglich eben schon so, dass es auf eine (eigentliche) Verwerflichkeit hindeuten soll - darüber belehren etc.
Pyri hat geschrieben:Zur Teilchenphysik: ich bin sicher kein Spezialist auf dem Gebiet, aber soviel weiß ich auch dass es bei Einrichtungen wie dem CERN vielfach um die Verringerung einer Kluft zwischen mathematischem Modell und Empirie geht. Für die Aufstellung eines mathematischen Modells braucht man keinen teuren Teilchenbeschleuniger bauen, sondern für dessen empirischen Beweis - für einen etwaigen Nachweis der Existenz von Teilchen: und genau da sitzt das Problem zwischen intersubjektiver Inhaltsanalyse und individueller Wahrnehmung. Die USK hat kein CERN zur Verfügung, sie kann so etwas nicht einmal bauen lassen - vorausgesetzt man teilt ihr mechanistisches oder normiertes Menschenbild nicht.
Patrik hat geschrieben:Er bestimmt nicht. Er kritisiert, vielleicht prangert er sogar nicht existente Verschwörungen eines „militärisch-medialen Komplexes“ an. Aber selbst wenn all seine Aussagen absoluter Unsinn sein sollten, bleibt es meines Erachtens im Rahmen der Meinungsfreiheit. Er wertet: Viele Videospiele seien verwerflich, denn sie vermitteln ein dem Krieg gegenüber unkritisches Weltbild. Eine Verbot irgendeiner Darstellung, Darstellungsform oder irgendeines Inhalts wir eben nicht gefordert. So etwas will er vermutlich auch nicht. Wer weiß, dass er einen Film der Nazipropaganda aus den späten 30er Jahren sieht, wird durch das Anschauen dieses Streifens weniger wahrscheinlich rechtes Gedankengut vermittelt bekommen als durch das RTL-Programm.
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