EA’s Statement zum runden Tisch

Electronic Arts hat sich nun erstmals seit dem runden Tisch am Anfang des Monats offiziell zur Kritik an Origin geäußert: Man habe «großen Respekt vor dem Engagement der Community». Inhaltlich hat sich allerdings leider immer noch nichts kaum etwas getan.

Nachdem wir zusammen mit den Machern von theorigin.de zu Gast in der Deutschlandzentrale in Köln waren, wurde es öffentlich erst einmal still aufseiten von EA. Wir bekamen ein paar Antworten nachgereicht, die vor Ort nicht gegeben wurden, und kündigten unsererseits an, die Fortschritte anhand unserer Forderungen zu überprüfen. Darüber hinaus kommentierte EA-Pressesprecher Herr Lorber im theorigin-Blog, offiziell war aber bis gestern nichts zu hören.

Dass das Statement von EA erst jetzt veröffentlicht wurde, sei dem Umstand geschuldet, dass man nicht «mit Wasserstandsmeldungen an die Öffentlichkeit gehen» wolle. Wer nach dieser Einleitung nun aber Fakten erwartet, wird bitter enttäuscht: Es folgt lediglich die vollkommen unkonkrete Feststellung, «jegliche Veränderungen [seien] in Einklang mit den Wünschen der Gamer in anderen Ländern» zu bringen. Dass neben Wünschen auch knallharte gesetzliche Vorgaben erfüllt werden müssen, ignoriert der Text. So wurden die durch Verbraucherzentrale und zuständigen Datenschutzbeauftragten formulierten Verstöße bisher ganz offensichtlich noch nicht verbessert. Wenigstens halbwegs Konkret sind die Vorstellungen, die EA von der eigenen Plattform hat.

Wir denken, dass es heutzutage nicht mehr ausreicht, ein Spiel zu entwickeln, auf einen Datenträger zu pressen und über den herkömmlichen Handel zu anzubieten. Wir müssen als Developer und Publisher auch die Möglichkeiten des Internets nutzen, denn die Mehrzahl der Gamer möchte dies. Ein solches Angebot sollte aus unserer Sicht vor allem diese drei Aspekte umfassen:

  • Die Möglichkeit, Spiele auch online zu kaufen und herunterzuladen.
  • Eine ganze Palette Online-Angeboten, die das Spiel im engeren Sinn betreffen, aber auch zusätzliche Angebote und Dienstleistungen.
  • Einen möglichst einfachen, wenig störenden und sicheren Kopierschutz.

Hieraus ergibt sich auch, dass Origin auf keinen Fall wieder abgeschafft werde. Das war aber wohl allen Betroffenen schon vorher klar. Somit bleibt als Quintessenz aus dem Statement, dass EA Origin weiterentwickeln werde. Laut Beteuerung will man dabei zuhören: «Die Stimme der deutschen Gamer […] ist dabei eine ganz wichtige Stimme.» Was genau das bedeutet? Vielleicht werden wir es noch erfahren. Insgesamt wäre eine „Wasserstandsmeldung“ vermutlich deutlich konkreter gewesen.

Update: Es wurde zwar im Statement nicht erwähnt, doch hat EA einen der am runden Tisch gemachten Vorschläge umgesetzt. So werden jetzt zentral auf einer Webseite EULAS, Datenschutzbestimmungen etc. in jeweils aktueller Fassung angeboten. Bisher betrifft sie zwar erst „Star Wars: The old Republic“, doch es sieht so aus, als würden weitere Spiele folgen. Wir begrüßen diese Maßnahme für mehr Transparenz als Schritt in die richtige Richtung, mögen weitere folgen. (via theorigin.de, thx)

Offener Brief an Frontal21

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Beitrag „Zehn Jahre Frontal21“ werden Reaktionen auf Ihre Berichterstattung vom 09.11.2004 über sogenannte “Killerspiele” thematisiert. Anknüpfungspunkt der Redaktion war hierbei ein möglicher Zusammenhang zwischen der Nutzung von Videospielen und Gewalttaten sowie der Umstand, dass einige Videospiele nicht indiziert, sondern „ab 18“ freigegeben wurden. Frontal21 sah sich daraufhin Kritik ausgesetzt, weil durch Auslassungen sowie schlicht unwahre Tatsachenbehauptungen unzutreffende Zusammenhänge suggeriert wurden.

So wurde – wir belassen es bei einem Beispiel – selbst noch in der offiziellen Stellungnahme behauptet, dass es in der Mission „Nachspiel im Sanatorium“ des Spiels „Hitman: Contracts“ darum ginge „Figuren, die an Behinderte erinnern, zu töten“. Tatsächlich ist der Protagonist selbst einer der Frontal21 „an Behinderte“ erinnernden Klone. Er hält sich in dem gezeigten Spielabschnitt in einer Einrichtung auf, die von Spezialeinheiten gestürmt werden soll. Ziel ist des Spielers ist es gerade nicht, sich und die anderen Insassen zu töten, sondern den Einsatzkräften zu entkommen. Der Spieler ist also Opfer und nicht Täter. Des weiteren kann die höchste Punktzahl nur durch eine friedliche Spielweise, die auf Schleichen und Verstecken setzt, erreicht werden. Ein Umstand, der durch zahlreiche Youtube-Videos belegt wird.

In dem Rückblick gelingt Ihnen hinsichtlich der Empörung der Gamer eine „Korrektur”: Es wird verschwiegen, dass der Protest der inhaltlich unzutreffenden Berichterstattung galt, sondern stattdessen wird der Anschein erweckt, dass die Reaktionen auf die erst durch spätere Sendungen erfolgte Thematisierung der Suchtgefahr abzielen würden:

2004 – die digitale Gemeinde in Aufruhr: Frontal21 berichtet über Killerspiele. „Das macht süchtig“, sagten wir – und kassierten jede Menge Widerspruch und Parodien.

Ein Vorgehen, das bei den Öffentlich-Rechtlichen offenbar System hat: Das Politmagazin Panorama behauptete anlässlich der Sendung „Killerspiele im Internet“, dass in „GTA: San Andreas“ derjenige gewinne, der „möglichst viele Frauen vergewaltigen“ würde – obwohl der Protagonist nach der Installation einer Mod von Frauen tatsächlich allein „auf eine Tasse Kaffe“ zu einvernehmlichen Geschlechtsverkehr eingeladen werden konnte. Die hierauf folgenden Proteste wurden ebenfalls umgedeutet: Auch hier war plötzlich nicht mehr die Bestürzung über die Verbreitung von Unwahrheiten, sondern die Angst, dass die Spiele verboten werden könnten, das maßgebliche Motiv der Spieler.

Bereits die von Ihnen an den Tag gelegte Arroganz, offenkundige Mängel der Berichterstattung zu leugnen, war einer Nachrichtensendung unwürdig. Dass Sie nunmehr die Kritik selbst aus den Kontext reissen und für Ihre Selbstdarstellung missbrauchen, spottet jeder Beschreibung. Wir fordern Sie hiermit auf gemäß § 6 des ZDF-Staatsvertrags, nach dem eine Berichterstattung „wahrheitsgetreu“ erfolgen muss, das weitere Verfälschen von Zusammenhängen zu unterlassen sowie die vorgenommenen Manipulation, wie es nach den gemäß § 10 RStV geltenden „anerkannten journalistischen Grundsätzen“ geboten ist, zu berichtigen.

Unterzeichner:

(Offener Brief als PDF.)

Origin: EA-Mitarbeiter hören zu und notieren Forderungen

EA hatte aufgrund anhaltender Kritik an seiner Online-Plattform Origin für heute Abend zu einem runden Tisch geladen. Man räumte Fehler ein, wenn auch von einer Entschuldigung kein Wort zu hören war. Und wie es sich für ein solches Treffen gehört, ließ man uns Gamern ausreden.

Ob unseren Worten auch die erhofften Taten auf Seiten von EA folgen werden, steht leider noch auf einem anderen Blatt: Die erste Ankündigung von EAs Deutschlandchef, Herrn Coenen, war, dass man an diesem Abend selbstverständlich keine Entscheidungen treffen könne. Das wir keine erwarten konnten, war uns insofern ohnehin vorher klar, als dass wir nicht mit den CEOs des Mutterkonzerns an einem Tisch saßen – so wichtig sind die Rechte deutscher Kunden dann doch nicht. Weiterlesen

Verbraucherzentrale mahnt EA ab

(via theorigin.de) Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) gab heute in einer Pressemitteilung bekannt, dass man EA wegen des rechtlich fragwürdigen Vorgehens im Zusammenhang mit Origin abgemahnt habe. Dieser habe nicht ausreichend darüber aufgeklärt, dass die Kunden eine dauerhafte Internetverbindung benötigen, um das Spiel zu nutzen. Zudem müssen Kunden die Zusatzsoftware Origin installieren, ohne verständlich informiert zu werden, was diese auf ihrem Computer genau macht. Gegenstand des Verfahrens sind außerdem Vertragsklauseln, die Verbraucher nach Auffassung des vzbv unverhältnismäßig benachteiligen.

Der Trend auf dem Markt für Computerspiele ist eindeutig: Immer häufiger müssen sich die Nutzer im Internet registrieren, anschließend ein Benutzerkonto anlegen und für die gesamte Dauer des Spiels online sein. Fällt die Internetverbindung providerbedingt gerade aus, bleibt der Bildschirm dunkel. Problematisch ist das, wenn die Hersteller darüber nur unzureichend informieren. […]

Mangelhafte Aufklärung über Zusatzsoftware

Zudem müssen sich die Kunden die Zusatzsoftware Origin herunterladen, die anschließend unter anderem automatisch die Lizenzrechte sämtlicher auf dem Computer gespeicherter Produkte des Anbieters überprüft. Was die Software genau auf dem Computer macht, erfahren die Nutzer des Spiels beim Kauf allerdings nicht. Gleichzeitig sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen so weit gefasst, dass nach Auffassung des vzbv unklar bleibt, welche Daten der Hersteller erfassen, weiterverarbeiten und anderweitig nutzen darf. So behält sich Electronic Arts das Recht vor, anhand der erfassten Daten Nutzerprofile zu erstellen und diese ohne gesonderte Einwilligung der Kunden für Werbezwecke zu verwenden. Welche Daten dies genau sind, lässt der Hersteller offen.

Geschäftsbedingungen müssen Teil des Kaufvertrages sein

Der vzbv beanstandet außerdem die gängige Praxis, nach der eine Zustimmung zu den Lizenzvereinbarungen und Allgemeinen Geschäftsbedingungen erst erfolgt, wenn der Kunde das Spiel auf seinem Rechner installiert. Das ist nach Auffassung des vzbv zu spät, denn nach deutschem Recht müsse dies bereits beim Abschluss eines Vertrages erfolgen. Nur so sei gewährleistet, dass die Nutzer sich vor Vertragsschluss über problematische Klauseln informieren können.

Einen Tag vor dem runden Tisch bei Electronic Arts, an dem auch der VDVC Teil nehmen wird, wird Spielern und Verbrauchern in Deutschland also von prominenter Stelle der Rücken gestärkt. Bleibt zu hoffen, dass der Konzern Einsicht zeigt und in Zukunft ein verbraucherfreundlicheres Verhalten an den Tag legt.