Origin: Setup analysiert

Kurz nach dem Release von Battlefield 3 wurde bekannt, dass sich EA im Lizenzvertrag (EULA) zur benötigten Zusatzsoftware Origin das Recht zugestehen wollte, den Computer des Benutzers zu durchsuchen. Schnell wurden Belege gefunden, dass schon das Setup dem Spieler ausspioniert und als EA in einer ersten EULA-Änderung den Rechtsweg verbieten wollte, schien die Sache klar zu sein. Mittlerweile wurde die EULA entschärft, was die Software wirklich macht, ließ der Publisher aber unklar. Zwar gab es Dementis – man wolle nicht spionieren, doch was auf den Rechnern der Nutzer wirklich abgeht, wurde nicht erklärt.

Für klare Faktenlage wollen der Landesdatenschutzbeauftragte und der VDVC sorgen. Während erster sich auf rechtliche Fragestellungen und die Kommunikation des Clients konzentriert, haben wir die Festplattenzugriffe des Setups analysiert. Weiterlesen

Wochenrückblick 2011KW40

Etwas verspätet, aber der Grund steht zumindest im Wochenrückblick:

Pläne für 2011

2011 in Minecraftblöcken geschriebenDas Jahr 2011 ist ja nun schon ein paar Tage alt und die ersten Termine stehen bereits vor der Tür: Das erste „Spiele(nd) verstehen“ des Jahres soll an einem Karlsruher Gymnasium stattfinden, zu einer Diskussion über Medienkompetenz hat Bundesfamilienministerin Schröder geladen und auch Auftritte auf Messen und LANs sind wieder fest vorgesehen. Wie auf der letzten Mitgliederversammlung besprochen, besitzt die Arbeit an der Basis dieses Jahr einen besonderen Fokus.

Nach dem Ende der letzten Verbotsdebatte übersehen leider auch viele Computerspieler die Probleme der vorherrschenden Sicht vieler Menschen auf unser Hobby. Computerspiele gelten weiterhin viel zu oft als Kinderspielzeug: Eltern geben ihren Sprösslingen für Kinder ungeeignete Programme und Behörden möchten verhindern, dass Spiele für Erwachsene überhaupt öffentlich angeboten werden dürfen. So erzwang erst kürzlich das bayrische Familienministerium eine sechste(!) USK-Prüfung von Dead Space 2, das nach Urteil des Prüfgremiums bereits ab 18 Jahren freigegeben werden sollte. Weil eine weitreichende Zensur verhindert wurde, stellt nun das Ministerium die USK in Frage.

Ein weiteres Feld falscher Gelassenheit hängt mit der vermeintliche Aufweichung des Onlinezwangs Ubi-Launcher zusammen: Ubisoft hat die Frequenz reduziert, mit der sich Spiele des Publishers beim Lizenzserver melden müssen. Statt alle paar Minuten muss sich z.B. Assassin’s Creed 2 nur noch beim Spielstart bei Ubisoft melden. Der Grund dafür dürfte aber wohl weniger Einsicht sein, dass ein Spielabbruch bei schwacher Internetverbindung den Spieler zur Installation eines Cracks bewegen könnte, als wirtschaftliche Überlegungen. Bedenkt man, dass das Spiel allein in der ersten Woche 1,6 Millionen Mal verkauft wurde, dürfte die Rückmeldung der Spieler im Minutentakt immer noch einiges an Ressourcen verbrauchen – und so Kosten verursachen. Nichtsdestotrotz greift der Publisher weiterhin unverhältnismäßig in die Rechte seiner Kunden zu, indem er sich die Möglichkeit offen hält, legal erworbene Programme aus der Ferne unbrauchbar zu machen.

PS: Wie es das Bild schon andeutet, wird das nächste Gamestorming „User Generated Content“ und den kreativen Umgang mit Computerspielen zum inhalt haben. Terminwünsche können im Wiki (Diskussionsseite) oder einfach als Kommentar auf diesen Beitrag abgegeben werden.

Mittwoch Gamestorming

Wir haben für Mittwoch, den 15. Dezember, ab 19:00 ein Gamestorming angesetzt. Es gibt momentan zwei sehr heiß diskutierte Themen, die nun gleich beide auf die Tagesordnung stehen: DRM wird Gesprächsthema sein, gespielt wird 1378(km). Zwar sind beide Themen recht komplex, doch scheint das gewählte Spiel nicht zu Actionreich zu sein, sodass intensive Gespräche möglich sein sollten.

Am Ende sollen ein erster gemeinsamer Entwurf unserer Position zum Thema DRM sowie ein individueller Eindruck zu 1378(km) stehen. Mit diesem Eindruck wird uns auch ein fundierter Bericht möglich werden. Dieser wird zusammen mit einer ausführlichen Zusammenfassung der Präsentation des Spiels Ende der Woche veröffentlicht werden.

Aktuelle Ereignisse zum Thema DRM

Vor über zwei Monaten ging die Webseite des Spieleanbieters „Linux Game Publishing“ (LGP) vom Netz. Ebenfalls betroffen war das DRM-System des Publishers, welches über den gleichen Server lief. Ohne war es unter anderem nicht möglich bereits erworbene Lizenzen von Sacred und X3 zu installieren, die durch LGP vertrieben werden. Der Publisher vertreibt die Linux-Versionen beider Programme exklusiv. Grund für den Ausfall war der Crash einer(!) Festplate, die offenbar lange Zeit nicht gerettet werden konnte.

Dieser Fall zeigt, wie sehr man heute als zahlender Kunde von Fehlern der Publisher getroffen werden kann, selbst wenn man das Spiel schon lange erworben hat.

Auf der anderen Seite wird der Service einiger Plattformen unter Spielern weiterhin sehr geschätzt. So erreichte mich heute eine E-Mail, dass ich das „Humble Indie Bundle“ nun auch über Steam aktivieren könne. Seitdem es im Mai (zu einem vom Kunden selbst gewählten Betrag) erworben werden konnte, sei die häufigste Frage gewesen, ob man die Spiele auch über diese Plattform herunterladen könne. In diesem speziellen Fall haben die Kunden nun also beides: Eine DRM-freie Version ohne Steam und eine Version mit Steam und DRM.

In diesem zweiten Fall stellt sich die Frage, ob das „Humble Indie Bundle“ auch erfolgreich gewesen wäre, wenn es nur über Steam angeboten worden wäre. Zur Veröffentlichung wurde massiv damit geworben, dass diese Spiele DRM-frei und ohne Zwischenhändler erhältlich seien. Dass das Geld direkt an die Entwickler (und zu einem selbst festgelegten Anteil an Child’s Play charity und die Electronic Frontier Foundation) ging, dürfte auch dazu beigetragen haben, dass durch die eher unbekannten Spiele Aquaria, Gish, World of Goo, Lugaru HD und Penumbra Overture binnen weniger Tage 1.273.613 US-Dollar eingenommen wurden.

Wir befinden uns also in einem Spannungsfeld zwischen Service und Abhängigkeit, Service müssen wir uns immer häufiger durch Abhängigkeit erkaufen. Auf der anderen Seite wird der Service in einigen Fällen tatsächlich besser. Diskutiert mit. DRM: Wegbereiter zu neuer Kundenfreundlichkeit oder Bedrohung digitaler Kultur? Hierzu möchten wir auch am 15. Dezember ab 19:00 ein Gamestorming veranstalten.