Spielekritikdebatte spitzt sich zu

Bereits in der Vergangenheit wurde – auch unter dem Eindruck der sinkenden Verkaufszahlen – Kritik an der Arbeitsweise der klassischen Spielezeitschriften laut. Diese Woche veröffentlichte der Spiegel einen Artikel des ehemaligen Chefredakteurs der GameStar, Christian Schmidt, der eine große Debatte entfachte. Alle relevanten Links zum Thema:

Weitere Artikel zu diesem Thema:

LANge Nacht der Spielkultur

Über zwei Jahre nach dem Verbot mehrerer eSport-Events im Raum Karlsruhe wird nun wieder die erste öffentliche Veranstaltung dieser Art direkt im Herzen der Stadt ausgetragen:

Der VDVC lädt ein zur LANgen Nacht der Spielkultur.

Update: Alle Fakten in einem separaten Eintrag.

Los geht es am Freitag, den 07. Oktober 2011, um 19:00 in den Lichthöfen der HfG (Lorenzstr. 15, Karlsruhe). Dabei wird nicht nur gespielt: Workshops und Vorträge klären über die technischen Hintergründe sowie Themen rund um den Jugendschutz auf. Auch wer „nur mal gucken“ möchte, kann das gerne tun: Der Eintritt ist (für Besucher) frei, Fragen zu Technik, Spielen und Hintergründen werden gerne beantwortet. Plätze (zum mitspielen) können per Ameldeformular reserviert werden.

Im Anschluss, am Sonntag ab 14:30, wird der VDVC seine jährliche Mitgliederversammlung veranstalten. (Weitere Informationen tragen wir im VDVC-Wiki zusammen.)

(Pressemitteilung als pdf)

Mitgliedermeinungen

Es gibt viele lesenswerte Meinungen von Gamern, die ungesehen an einem vorbeigehen. Daher überlegen wir, in Zukunft häufiger auf Blogeinträge von Mitgliedern hinzuweisen. Sollte dieser Plan Zuspruch finden, würden wir hierfür eine eigene Übersicht auf der Webseite erstellen. Heute zum Beispiel fragt Gordon, warum Computerspiele nicht gesellschaftlich anerkannter sind. Und anlässlich des medial allgegenwärtigen Sony-Datenskandals beleuchte ich den Gläsernen Gamer auf meinem privaten Blog. Über Kommentare, wie wir Gamermeinungen zukünftig eine Plattform bieten können, würden wir uns sehr freuen. Wer selber ein privates Blog zum Thema Gaming betreibt, kann uns hierzu auch schon Hinweise zusenden.

PS: Zum Sony-Datenskandal werden wir auch noch was sagen. Wir wollen auf dieser Seite allerdings weder Pressemeldungen wiederholen noch Einzelmeinungen (s.o.) oder ausgegorene Forderungen in die Welt schießen.

Deutscher Computertspielpreis 2011
– Auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit?

Viele Computerspieler dürften nichts davon mitbekommen haben: Gestern wurde wieder der vom Deutschen Bundestag unterstützte Deutsche Computerspielpreis verliehen. Nachdem das Gewalttabu beim Deutschen Computerspielpreis letztes Jahr von fast allen Seiten angeprangert wurde, und so zumindest für ein bisschen Restaufmerksamkeit gesorgt hat, wurden Videospiele für Erwachsene nun auf eine etwas geschicktere Art von der Preisverleihung ausgeschlossen. Für die Auszeichnung von international angesehenen Blockbustern war dieses Jahr der in die Gala integrierte Lara-Award zuständig.

Der Deutsche Computerspielpreis:
Ein Schatten seines Titels

Damit verliert der Computerspielpreis weiter an Bedeutung, die er nur durch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem vollen Spektrum digitaler Spiele zurückgewinnen kann. Wie wenig der Preis momentan bedeutet, macht ein Blick auf die Seite eines großen Onlinekaufhauses deutlich: Dort wird zum Beispiel The Whispered World mit insgesamt 44 Auszeichnungen beworben, zu jeder ist ein kleines Logo zu sehen. Nur die Ehrung als Jugendspiel des Jahres beim Deutschen Computerspielpreis 2010 ist offenbar keine Erwähnung wert. Das wiederholte Fernbleiben Horst Seehofers zeugt zudem von Desinteresse auch seitens der Politik. Der mit großen Ambitionen eingerichtete Preis ist somit nur ein Schatten dessen, was er sein könnte.
Besonders schade ist dieser Umstand, da die meisten Preisträger ihre Auszeichnungen durchaus verdient haben. Darunter auch das Spiel des Jahres 2010: A New Beginning. Das politisch und gesellschaftlich hochaktuelle Point-and-Click-Adventure schickt den Spieler in eine dystropische Zukunft, in der die Welt von einem Atom-Unfall verwüstet wurde. „Ohne pädagogischen Zeigefinger wird der Spieler mit den großen Zukunftsherausforderungen im Hinblick auf das Thema Energie konfrontiert und bestens unterhalten – ein Spiel, das Spaß macht und dennoch sensibilisiert“, begründet die Jury ihre Entscheidung. Wahrscheinlich hätte es sich auch gegen nicht jugendgerechte Konkurrenz durchsetzen können.

A New Beginning, Gewinnertitel 2010

Angesichts dieser Umstände kann die Verlegenheitslösung, den Preis für das beste internationale Spiel an den Lara-Award auszulagern, nur beschämen. In dieser Kategorie hatte immer die Gefahr bestanden, ein kulturell wertvolles, aber nicht unbedingt jugendgerechtes Spiel auszuzeichnen. Nominiert waren in der Vergangenheit unter anderem GTA 4 und Dragon Age: Origins, die vor allem aufgrund ihrer gesellschaftskritischen Elemente beliebt sind, sich aber eindeutig an ein volljähriges Publikum richten. Dieses Jahr hätte man es besser machen und so Glaubwürdigkeit und Anerkennung für die gesamte Preisverleihung verdienen können. Die gewählte Taktik zeigt umso deutlicher, wie schwer man sich in der Politik noch immer mit dem Thema Videospiele tut – auch auf Kosten der Titel, die explizit gefördert werden sollen.
Doch es gibt Hoffnung, dass der Computerspielpreis doch noch zu dem wird, was er von Anfang an hätte sein sollen. So forderte Dorothee Bär (Jurymitglied und Bundestagsabgeordnete der CSU) auf der Bundestags-LAN, dass generell auch Spiele ausgezeichnet werden sollten, die sich an Erwachsene richten. Weit ab von der Gefahr einer Auszeichnung als Bestes Spiel hat sich sogar schon im letzten Jahr ein Survival-Horror als bestes Studentenkonzept durchgesetzt. Dann wäre die Integration des Lara-Awards nur eine Übergangslösung auf dem Weg zu einem ernsthaften Computerspielpreis. In seiner aktuellen Form, am Rande der öffentlichen Wahrnehmung und fern ab der Anerkennung durch die Computerspieler, hat er leider kaum einen Wert.

Die erste Bundestagslan

Am 23.02.2011 fand im Bundestag die erste sogennante “Bundestagslan” statt. Diese ungewöhnliche Veranstaltung wurde von den Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU), Jimmy Schulz (FDP) und Manuel Höferlin (ebenfalls FDP) organisiert und unter der Glaskuppel auf der Fraktionsebene ausgerichtet, eingeladen waren alle Politiker des Bundestages. Auch der VDVC war mit von der Partie, diesmal vertreten durch gordon-creAtive. Ziel der Veranstaltung war es, Politiker auf Tuchfühlung mit dem neuen Medium zu bringen, um ihnen die Berührungsängste zu nehmen.

Die Veranstaltung war schon länger geplant und sorgte auch für Kritik, in der jüngsten Zeit äußerte sich Hans-Peter Uhl von der CDU: “Wozu soll ich lernen, wie man ein Killerspiel wie Counter Strike (sic!) spielt?”.

In Räumlichkeiten im obersten Stockwerk des Bundestages warteten eine ganze Reihe von Konsolen, die mit verschiedenen Spielegenres bestückt waren. Neben den klassischen Familienspielen für Wii (Bowlen und Malen) und Kinect (Tanzen und Tennis), sowie Playstation Move (noch mehr Tennis), gab es mit Halo: Reach und einer Entwicklerversion von Homefront (beides auf der XBox) auch zwei Ego-Shooter, mit Siedler war ein klassisches Strategiespiel dabei. Im Vorraum hatte Turtle Entertainment eine Reihe Laptops aufgebaut, auf denen sich n!faculty und ESC ein Match lieferten. Neben der ESL war auch der Bundesverband Interaktive Unterhaltungsindustrie beteiligt, eine ganze Reihe weitere Institutionen waren zumindest anwesend, wie z.B. Gerald Jörns von computerspielberatung.de.

 

Die Veranstaltung wurde von Jimmy Schulz und seinem Team mit einer Ansprache eröffnet, in der man kurz das Konzept erklärte und die beteiligten Organisationen vorstellte. Anschließend hielt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (CDU) einen Vortrag, über ihre Ansichten zu suchtechnischen Gefahren. Nach einer sehr interessanten Übersicht und einer treffenden Definition von Computerspielsucht holte sie mit einem wenig repräsentativen Beispiel eines WoW-Süchtigen die emotionale Keule raus und beschrieb dessen Leben, welchen aus Pizza, einmal Duschen pro Woche und dem urinieren in eine Flasche bestand. Wissenschaftliche Erkenntnisse und quantitative Aussagen über das Problem, wie z.B. die aktuelle Studie des Bredow-Instituts, ließ sie außen vor.

Insgesamt nutzten die Politiker die Möglichkeit, die Spiele auszutesten nur recht spärlich, obwohl an jeder Station ein erfahrener Spieler Anleitung gab. Beliebt war die Konsole mit FIFA, Homefront und Halo:Reach wurden dagegen meistens gemieden. Brigitte Zypries schaute kurz vorbei und gab ein Interview, verschwand dann allerdings wieder, ohne zu spielen. Die wenigen Politiker, die vor Ort waren, wurden die meiste Zeit von der Presse belagert und gaben Interviews. Für die Presse waren vor allem die ein gefundenes Fressen, die sich an Counter-Strike versuchten. Eine Lanparty im klassischen Sinne fand nicht statt.

Erstaunlich war die Ansprache, die Dorothee Bär vor der Presse hielt. Sie plädierte dafür, Computerspiele in ihrer Behandlung Filmen gleichzusetzen. Als Beispiel nannte sie Inglourious Basterds und fragte, warum ein solcher Film einen Oscar verdient, ähnliche Computerspiele dagegen verboten und indiziert werden.

Insgesamt war ich mit der Veranstaltung nur mäßig zufrieden. Die Idee und die Umsetzung ist lobenswert, allerdings vermisste ich relevante Politiker und deren Interesse, Spiele selbst auszuprobieren. Die Anwesenheit der Presse war der Atmosphäre eher hinderlich, dem Ziel des Aktion wäre es dienlicher gewesen, wenn weniger Öffentlichkeit geherrscht hätte.

Jimmy Schulz kündigte noch an, dass man durchaus die Durchführung einer weiteren “Bundestagslan” ins Auge gefasst hat.

Update: Diversen Medienberichten entnehme ich, dass Brigitte Zypries wohl doch für die Presse eine Runde Playstation Move (also Tennis) ausprobiert hat.

Außerdem habe ich die Liveschnipsel zu einer kleinen Videodokumentation zusammengeschnitten.

Update 2: Martin Lorber, Jugendschutzbeauftragter von EA, hat Tonmitschnitte der Reden gepostet.