Deutscher Computerspielepreis

Gewaltspiele sind pervers, asozial und menschenverachtend – kurz: das Böse. Darüber herrscht Konsens. Differenzen ergeben sich nur bei der Frage, wie man gegen diese Machwerke vorgehen soll. Während manche ein striktes Verbot fordern schlagen gemäßigtere Kräfte einen anderen Weg vor. Durch einen staatlichen Förderpreis sollen „qualitativ hochwertige sowie kulturell und pädagogisch wertvolle“ Computerspiele aus Deutschland belohnt werden. Die Preisgelder des „Deutschen Computerspielepreises“ sollen durch den Bund finanziert und an die jeweiligen Entwickler ausgezahlt werden. „Mit der Maßgabe, sie für die Entwicklung weiterer qualitativ und pädagogisch wertvoller Spiele zu verwenden“. Darüber hinaus soll auch, ähnlich wie in Österreich, eine Positivliste geführt werden, in der die „guten“ Spiele aufgelistet sind.
Sowohl der Vorschlag für den „Deutschen Computerspielepreis“ als auch der für die „Positivliste“ zeichnen sich durch ein schlichtes „Schwarz-Weiß-Denken“ aus. Man geht davon aus, dass man das Spektrum der Videospiele unproblematisch in schwarz und weiß aufteilen könne, übersieht dabei aber, dass die die Masse der Spiele grau ist. Man könnte sich darauf beschränken tatsächlich nur die völlig gewaltlosen Spiele auszuzeichnen, aber deren Anteil ist so gering, dass sich die Spielelandschaft dadurch sicherlich nicht beeinflussen lässt.
Konsequent, aber für die Entwicklung von kommerziellen Videospielen nahezu unbedeutend, dürfte der „Serious Games Award“ von Hessen sein. Daraus wird auch kein Hehl gemacht, die Auszeichnung beschränkt sich auf „Serious Games“, deren Einsatzbereiche „insbesondere das elektronische Lernen, Marketing-Strategien, Simulation, Training sowie der Medizinbereich“ sind. Man wolle gute Computerspiele prämieren, schädliche Computerspiele „mit Gewaltdarstellungen oder gewaltverherrlichenden Inhalten“ sind von der Teilnahme ausgeschlossen.
Den schwierigeren Weg geht der „Pädi“, der auch „die kommerziell orientierten“ Angebote prüft. Mit ihm werden Entwickler ausgezeichnet, „die sich um qualitätsvolle Spielprogramm“ bemühen. Der Preis soll somit die Entwicklung von „sinnvollen“ Produkten fördern und als Orientierungshilfe dienen. Anders als beim „Serious Games Award“ sind Gewaltdarstellungen beinhaltende Titel nicht von der Teilnahme ausgeschlossen. So finden sich Spiele die illegale Autorennen (Need for Speed: Underground 2), das Niederbrennen von Dörfern (Black & White) und Atombomben (Civilization IV) beinhalten unter den Preisträgern.
Ich bin gespannt, aus was für Spielen sich der Kreis der Preisträger des „Deutschen Computerspielpreises“ zusammen setzen wird. Sollte man den Mut aufbringen auch kommerzielle Spiele mit Gewaltdarstellungen zu bewerten dürften die Begründungen, warum es pädagogisch wertvoll ist die Tötung von Menschen zu organisieren, lesenswert sein. Das Dilemma hätte man vermeiden können, in dem man sich nicht das Ziel gesetzt hätte pädagogisch wertvolle sondern schlicht “gute” Titel auszuzeichnen, wie es auch beim „Deutschen Entwicklerpreis“ der Fall ist. Dieser wurde auch schon an Ego-Shooter verliehen.

Links:

Meldung bei Heise
Serious Games Award
Pädi
Deutscher Entwicklerpreis

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