Neues vom Deutschen Computerspielepreis

Der Bundestag hat sich bereits Ende Februar dafür ausgesprochen einen „Deutschen Computerspielepreis“ einzurichten. Erklärtes Ziel: „qualitativ hochwertige sowie kulturell und pädagogisch wertvolle“ Computerspiele aus Deutschland fördern.
Zunächst blieb unklar, welche Genres sich Hoffnungen auf eine Prämierung machen können. Man sprach zwar von einer Art Oskar der Videospiele, aber dass Ego-Shooter außen vor bleiben würden war offensichtlich. Die Frage ist allein, wie und in welchen Umfang man gewalthaltige Videospiele von der Teilnahme ausschließt.
Beim „wie“ scheint man keine Probleme zu sehen, so würde man nur „gesellschaftlich erwünschte“ Videospiele auszeichnen. Kultusstaatsminister Bernd Neumann macht es sich noch einfacher, er schließt einfach aus, dass Ego-Shooter „qualitativ hochwertig“ sein können. Für die erfolgreichen Jungs von Crytek wird ein Preis also nicht drinnen sein. Auch die Macher der Gothic-Serie werden wohl zittern müssen, denn ohne Gewalt bleibt von dem Spielkonzept nicht viel übrig. Weitere Zweifel nährt die Aussage, wonach die Jury sich bei der Auswahl der Spiele „nicht nach deren kommerziellem Erfolg, sondern in erster Linie nach inhaltlichen Kriterien richten“ soll. Erwartet uns bei dem deutschen Computerspielepreis also eine Exotenprämierung wie beim hessischen Serious Games Award?
Monika Griefahn gibt Entwarnung, auch Spiele der Anno- und Siedler-Reihen sollen zu den Preisträgern gehören. Aber sind diese wirklich gewaltfrei? Anno 1602 belohnt beispielsweise das Töten von indianischen Ureinwohner mit Punkten. Wer Mitspieler komplett von der Karte fegt bekommt einen Triumphbogen spendiert. Auch bei den Siedlern findet sich Gewalt, so klagt der GameStar-Redakteur Christian Schmidt sein Leid: „Ärgerlich: Unsere Soldaten können nach wie vor nur eine Fackel tragen und müssen nach dem Wurf wieder in die Heimatkaserne trotten um eine neue zu holen. Allerdings ist die Fackeltaktik eben die simpelste Methode ein Gebäude einzuebnen.“.
Nun ja, das Niederbrennen von Dörfern zu dirigieren ist also, anders als sich in Shootern ein sportliches Duell zu liefern, „pädagogisch wertvoll“. Es bleibt abzuwarten ob man die Industrie von der Ernsthaftigkeit des Preises überzeugen und dem Deutschen Entwicklerpreis Paroli bieten kann. Dessen Veranstalter haben sich übrigens schon die Domain http://www.deutscher-computerspielepreis.de/ gesichert.

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