Indizierung vereinfachen!

(Bundestag) Bereits am 11.04. hatte sich der Bundestag mit der Verschärfung des Jugendschutzgesetzes befasst. Mittlerweile sind auch die Protokolle der Sitzung online, so dass man die Redebeiträge der Abgeordneten unter die Lupe nehmen kann. Insbesondere Ursula von der Leyen (CDU) und Jürgen Kucharczyk (SPD) verteidigten das Sofortprogramm.
Weil bei Kindern „erhöhtes Aggressionspotenzial und eine niedrige Konzentrationsfähigkeit“ drohen gehören Killerspiele „nur noch in Erwachsenenvideotheken und haben auf der Ladentheke oder im Regal nichts mehr zu suchen.“. Weshalb die Kennzeichnung „Keine Jugendfreigabe“ nicht ausreicht, sondern die Spiele indiziert werden sollen, wird leider nicht begründet. Lakonisch verweist man darauf, dass die „Erkenntnisse aus der Mediengewaltforschung“ deutlich machen „[…] dass die Vereinfachung der Indizierung sogenannter Killerspiele und Gewaltvideos dringend gefordert ist“.
Man beruft sich offenbar auf Pfeiffer, der freilich andere Ziele verfolgt. In der ZRP 3/2007 empfahl er die Indizierung zu vereinfachen, da dies „Im Vergleich zu einem strafrechtlichen Verbot von gewalthaltigen Videospielen […] sehr viel leichter durchsetzbar“ sei. Auch stellt er fest, „Der Haupteffekt dieser Maßnahme liegt in der Zerstörung von Marktchancen“. Hier ist also nicht der Jugendschutz sondern die Zensur Vater des Gedanken. Inzwischen hält er es auch für richtig „eine gesonderte strafrechtliche Verbotsnorm ins Auge zu fassen“.
Von der geplanten Ausweitung der Indizierung sollen zukünftig Filme und Spiele erfasst werden, „bei denen besonders realistische, grausame und reißerische Darstellungen von Gewalt Selbstzweck sind und das Geschehen beherrschen. […] Zu nennen sind zum Beispiel Filme und Spiele, bei denen Folter, Vergewaltigung und Verstümmelung ausführlich gezeigt werden, aber auch Spiele – das ist wichtig -, bei denen die Spieler für Folter und Gewalt, die sie selbst ausüben, eigens belohnt werden, also einen Bonus erhalten, zum Beispiel in den nächsten Level gehen können“.

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