Deutscher Computerspielepreis schon 2009

(heise) Nach Informationen von heise online wird der “Deutsche Computerspielepreis” bereits 2009 die Videospiele prämieren, die qualitativ hochwertig sowie kulturell und pädagogisch wertvoll sind. Der Verantworliche, Kultusstaatsminister Bernd Neumann, hat bereits im Vorfeld ausgeschlossen, dass sich gesellschaftlich unerwünschte Spiele unter den Preisträgern befinden werden. Ego-Shooter würden die Kriterien nicht erfüllen. Ebenfalls seien Spiele, bei denen die Voraussetzungen für eine Indizierung vorliegen, von der Teilnahme ausgeschlossen.
Insgesamt werden Preisgelder in Höhe von 600 000 € ausgeschüttet, dabei verteilen sie sich wie folgt auf die unterschiedlichen Kategorien:

– Bestes Deutsches Spiel: 150 000 €
– Beste Innovation: 75 000 €
– Bestes Serious Game: 75 000 €
– Bestes Jugendspiel: 75 000 €
– Bestes Kinderspiel: 75 000 €
– Bestes mobile Spiel: 50 000 €
– Bestes Browserspiel: 50 000 €
– Bestes Studentenprojekt: 35 000 €
– Bestes Schülerprojekt: 15 000 €

Die Hälfte der Preisgelder sowie die Kosten der Veranstaltung soll die Spieleindustrie tragen, welche Unternehmen konkret in die Pflicht genommen werden ist noch unklar.

“Die Auszahlung des Preisgeldes sei zudem an eine eidesstattliche Erklärung des Preisträgers gebunden, dass er dieses für die Entwicklung weiterer entsprechend wertvoller Spiele verwenden werde.”

Spiele sollen von Institutionen wie der Freiwilligen Selbstkontrolle oder Jugendschutzeinrichtungen vorgeschlagen werden. Für jede Kategorie wird zunächst eine Vorauswahl getroffen bevor die Preisträger gekürt werden. Die Preisrichter sollen je zur Hälfte von Politik und Wirtschaft bestimmt werden, wobei sich auch zwei Mitglieder des Bundestages unter ihnen befinden werden.

11 Gedanken zu “Deutscher Computerspielepreis schon 2009

  1. “Die Hälfte der Preisgelder sowie die Kosten der Veranstaltung soll die Spieleindustrie tragen, welche Unternehmen konkret in die Pflicht genommen werden ist noch unklar.”

    Ich weiß genau welche Unternehmen die Kostentragen.
    DIe Unternehmen, die die Preise gewinnen.
    Ist doch ganz klar.

  2. Eine Bitte: wäre es möglich hier noch darauf hinzuweisen, wo Bernd Neumann diese diskriminierende Äußerung gegenüber bestimmter Spiele-Genres getätigt hat – fand nach schneller Recherche jetzt leider nämlich nichts davon. Danke schon im voraus! LG, Jürgen aus Österreich

  3. Oh vielen Dank! Eine schaurige Fundgrube für mich, dieser Artikel :-) Dann bin ich mal weiterhin gespannt welche Titel unter den ersten Preisträgern zu finden sein werden. Meine persönlichen Favoriten “Edna bricht aus” und “Drakensang” hätten als deutsche Produktionen auch so ja immerhin noch hoffentlich gute Chancen

  4. Und ich bin mir sicher, dass wir “Crisis” nicht unter den Nominierten finden werden^^. Nicht dass ich glauben würde, dass es besser als beispielsweise “Edna bricht aus” sei (wenn man das überhaupt genreübergreifens vergleichen kann) aber was ist das für ein “Deutscher Computerspielepreis”, der bestimmte Genre generell ausklammert?

  5. Ich fand die Fragen an Neumann in dem WAZ-Interview zwar eigentlich schon ganz gut, aber ja, dass ist sicher die hier wichtigste Frage. Man könnte ein “Crysis” ja zumindest für technische Kategorien vorschlagen, wenn man schon mit dem Gameplay des Spiels in der Jury nicht einverstanden ist. Obwohl ich nicht wieder einen Vergleich mit der Filmwelt strapazieren will, aber dort passiert das doch auch, oder ist zumindest möglich… Mich interessieren dabei ja vor allem die “naheliegenden Gründe”, weshalb ein Ego-Shooter nicht “pädagogisch wertvoll” sein könnte. Noch bevor es um seinen kulturellen oder qualitativen Wert geht, wie es heißt.
    Ich hatte an meiner Uni mal ein interessantes Erlebnis, wo ein Historiker-Kollege auch meinte, dass er durch das Computerspielen sich bereits Wissen angeeignet hat welches er schon in Prüfungen während seines Studiums gebrauchen konnte, und der spielte mit Vorliebe Shooter was ich mich noch erinnern kann. Hinzu kommt noch, dass Computer- und Videospiele kaum als Erinnerungskultur in Deutschland gelten, und auch dahingehend zensiert werden. Schließlich kommt es darauf an was als möglicher Unterricht oder Lernen in Videospielen verstanden wird: beim Gedanken an Erziehung sollte auch festgehalten werden, dass gerade dieses Genre kaum für Kinder und Jugendliche geeignet ist, sowie es sich dabei wenn, dann vor allem um Erwachsenenbildung handeln könnte.
    Leider zeigen für mich schon die Kategorien in denen die Preise vergeben werden sollen ein mangelhaftes Bewusstein diesbezüglich, so bei der Unterscheidung von Kinder- und Jugendspielen: es gibt keinen Preis für Spiele für ältere Menschen, der Generation 50+, obwohl diese vielfach ebenso Ansprechpartner für die Industrie geworden sind wie es bereits einen eigenen Markt für “kleine Mädchen” gibt. Die Serious-Games-Bewegung zu unterstützen ist sicher wichtig, das wäre es aber auch das Aufgreifen ernsthafter Themen in traditionellen Videospiel-Konzepten zu würdigen – und eben nicht gleich ästhetisch oder sonstwie zu verurteilen…

  6. Dass das Ergebnis dieser Preisverleihung ein Mehr an Respekt oder Akzeptanz für Computer- und Videospiele(rInne)n in Deutschland bringt würde ich aus den genannten Gründen übrigens bereits in Frage stellen wollen, wollt ich noch sagen, obwohl ich eigentlich kein miesepetriger Pessimist bin, aber wenn schon die Auswahl von Kategorien (mir) Anlaß gibt dabei Vorurteile zu erkennen, und im Interview mit Neumann dann noch offenkundige Ressentiments sichtbar werden, sehe ich diesbezüglich gleich in mehr als einer Hinsicht schwarz.

  7. Mir geht es da genau so wie dir. Noch etwas zum Punkt “pädagogisch wertvoll”. Man möge mir verzeihen, wenn es davon eine genaue Definition gibt, aber ich als Laie würde als “pädagogisch wertvoll” solche Spiele ansehen, die (im Sinne des Wertenden) Begrüßenswertes vermitteln. Wissen würde ich hierbei ausklammern. Software, die “reines Wissen” vermitteln soll, ist ein Lernprogramm und kein Spiel. Könnt’ man also lediglich in die Kategorie “Serious Games” einordnen. Für mich würde ausschließlich die Vermittlung von Werten unter diese Kategorie fallen. Und in meinen Augen können auch Ego-Shooter in der Lage dazu sein solche Werte zu vermitteln. Die Frage ist nur, ob diese vermittelten Werte als “wertvoll” angesehen werden. Auch ist ein “Problem” natürlich die Interaktivität. Wenn ich dem Spieler zu Handlungen bewegen will, die “pädagogisch wertvoll” Werte vermitteln können, muss ich ihm imho auch die Möglichkeit zu Fehltritten geben, so dass es ihm dann (sobald er diese erkennt) wie Schuppen von den Augen fällt. Hier würde ich die Ego-Shooter BioShock und Operation Flashpoint als aussichtsreiche Kandidaten sehen. Wobei man speziell bei letzteren eigentlich immer das falsche macht (Krieg führen), einem (oder zumindest mir) dabei aber immer unwohler wird, weil das Spiel (beinahe wie ein Antikriegsfilm) zeigt wie menschenverachtend Krieg sein kann und dass im Endeffakt jeder Soldat panisch nur um sein Überleben kämpft und irgendwelche anderen Motive in den Hintergrund treten. Auch kann die Gefahr bestehen, dass ein Spieler sich bewusst für die “falsche” (weil vielleicht einfachere oder lukrativere) Möglichkeit entscheiden, weil er eben nun mal “so ist”.
    Eigentlich wird man die Debatte über den pädagogischen Wert aber wohl vergessen können, denn man stellt an “gesellschaftlich unerwünschte Spiele” Anforderungen, denen wohl auch die meisten “gesellschaftlich erwünschten” nicht gerecht werden. Oder kannst Du mir sagen, was beispielsweise bei den Siedlern oder Anno (im Bundestag als Beispiel genannt) so besonders pädagogisch wertvoll ist? In Anno beutet man systematisch Kolonien aus und brennt Eingeborenendörfer nieder – um die Bedürfnisse einer wohlhabenden Stadt von Aristokraten zu befriedigen.

  8. Nein, der in einem “Anno” gezeigte Kolonialismus kann eigentlich gleich noch viel weniger als “pädagogisch wertvoll” gelten als zu einem anderen Beispiel die bloß angepasst-konsumierend funktionierenden “Sims” etc. Ich denke es geht dabei vielfach auch um die Wahrnehmung einer gewissen Sauberkeit in der Darstellung, welche diese Spiele dann eben von außen positiver erscheinen lässt als andere, zusammen mit einem leichter ebenso transportierbaren, mehr oder weniger kreativen Aspekt – während bei einem Shooter bloß destruktive Elemente wahrgenommen werden. Aber ich habe andererseits ja auch moralische Skrupel bei einem “Viva Pinata”, welches allgemein ja sogar noch als kinderfreundliches Familienspiel gilt…
    Vielfach sind es auch die von Dir angesprochenen Möglichkeiten aus denen Videospiele häufig bestehen, welche nicht gesehen, ignoriert oder eben gar nicht verstanden werden. So bezeichnete mir gegenüber die Schwester von Christian Pfeiffer “Bioshock” einmal als das “allerletzte”, weil es noch eine gewisse Moral in einer Entscheidung vorgebe, wobei in einem Lösungsbuch doch nur wieder empfohlen werden würde die “Little Sisters” auszubeuten. Solange es möglich ist gravierend videospielfeindliche Vorträge an Schulen mit extremen Anschuldigungen gegen Ästhetik und (vermeintliche) Inhalte noch auf Hörensagen und die Erkentnisse, Meinungen Dritter, oder mit Informationen aus Handbüchern aufzubauen, sehe ich persönlich auch keine Chance auf mehr Fairness gegenüber Videospielen.
    “Operation Flashpoint” ist immer auch ein sehr gutes Beispiel finde ich: der militärische Titel weist soweit ich ihn kenne ja kaum Pathos auf meine ich, und versucht auch nicht mit besonderen dramaturgischen Kniffen Krieg als Schrecken darzustellen, sondern ist eine doch ziemlich nüchterne, fast schon dokumentarische Darstellung fiktiver Kriegshandlungen. Erinnere mich noch gut an meine ersten Erfahrungen mit dessen Kampagne, wobei bis zu dem Punkt wo man gewisse Aufträge wie das verlegen von Anti-Panzer-Minen erhält oder Fahrzeuge dann selbst steuert, das Spiel auch rein beobachtend zu verfolgen ist: so ist die Bewegungsfreiheit dermaßen groß angelegt, dass man sich durchaus auch sehr weit von der kämpfenden Truppe weg bewegen kann und bei Erreichen eines bestimmten Punktes in der Kampagne auch so voran kommt. Der moralische Nachteil dabei ist so natürlich, dass man seine virtuellen “Kameraden” mit dieser Verweigerungshaltung an Gewalthandlungen teilzunehmen nicht unterstützt hat – das ist zwar auch unrealistisch, war damals bei “Operation Flashpoint” aber doch eine Designentscheidung meine ich, und nicht etwa ein Programmfehler. Dieses von A nach B zu gelangende Prinzip als Spielziel selbst in einem vordergründig scheinbar eben bloß auf Gewalt ausgerichteten Shooter findet sich in diesem Genre eigentlich überall, selbst bei den unendlichen Gegnerscharen eines “Call of Duty” oder in den engen Korridoren anderer Titel, wo die auf Gewalthandlungen hinauslaufenden Extremsituationen in welche der Spieler, die Spielerin versetzt wird, letzten Endes auch bloß sozusagen “Hindernisse auf einem Weg” darstellen, welche zwar das Spiel auch ausmachen, die sich aber eben auch aktiv gegen einem in den Weg stellen. Deshalb kann ich auch weder im narrativen, noch kompetitiven Bereich bei Mehrspieler-Matches eine Rede von “Opfern” des Spielers, oder den Spieler als Aggressor einfach akzeptieren, und halte ich diese Wahrnehmung in dem Sinn auch für verantwortungslos. “Gewaltverherrlichung” sehe ich dabei auch einigermaßen kulturhistorisch begründet bloß dann gegeben, wenn eine Gewalthandlung selbst zum Ziel führt, und nicht bloß einen Weg dahin öffnet, oder einem gewissen Punktestand dient. So ist die Gewalt selbst auch keine ideologische Befreiung in einem handelsüblichen Shooter, sondern das Erreichen eines bestimmten Ortes, zu retten oder gerettet zu werden.
    Aber das war jetzt wohl viel zu lang und auch zu theoretisch-abstrakt. Einen schönen Tag noch jedenfalls!

  9. Definiere “kulturell und pädagogisch wertvoll”. Was soll das sein? Barbies Traumhaus?

    Wann Bioshock und Operation Flashpoint falsch sind weil man “Krieg führt” (Si vis pacem, para bellum, btw), was ist dann mit: C&C, Civilization (Hitler Simulation? Man kann schliesslich mit Deutschland die Welt erobern, und man konnte in den ersten drei Teilen sogar als Adolf spielen (einfach nur Namen ändern) -hab’ nur die ersten 3 gespielt), Total War… kurzum… jedem einzelnen Strategiespiel das jemals für Computer geschaffen wurde?

    Stichwort Moral:
    Wer erinnert sich noch an die Jedi Knight Reihe und KOTOR? Nun ratet mal was ich IMMER als erstes getan habe? Dark Side, yep. Ich pöser, pöser, pöser Purche. Was sagt uns das? Star Wars muss sofort verboten werden.

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