Quo vadis, Presse?

Die zweifelhafte Berichterstattung über Videospiele ist ein Grund, weshalb ich diese Seite aufgebaut habe. Sendungen wie Frontal21 und Panorama reimten sich einen derartigen Unsinn über Videospiele zusammen, dass man nicht wusste ob man Lachen oder Heulen sollte. So sei beispielsweise das Ziel von Hitman „Figuren, die an Behinderte erinnern, zu töten“ und in GTA würde der Spieler gewinnen, der „möglichst viele Frauen vergewaltigt„. Aufgrund der Gewissheit, dass Nicht-Spieler diesen Aussagen glauben schenken würden, blieb einem das Lachen dann aber doch im Halse stecken.

Weil ich mich mit dieser fehlerhaften Berichterstattung nicht abfinden konnte, erstellte ich die Videos „Killerspiele in ARD, ZDF und WDR“ und „Killerspiele in der Presse„. Diese schafften es dann tatsächlich auch in die Printmedien, so dass man sich selbst in der FAZ, dem Tagesspiegel und in der Welt ein Bild von der Qualität gewisser TV-Formate machen konnte. Aber was hat es gebracht?

Eine ernüchternde Erkenntnis – anscheinend nicht viel. So glaubt Arte und sogar der Bundestag, dass CouterStrike von den Amokläufern in Erfurt und Emsdetten gespielt wurde. Ok, wollen wir fair bleiben. Man schreibt dass es „angeblich“ so war bzw. der Täter es „gespielt haben soll„. Man hat also Zweifel, aber sollte man dann sein Halbwissen verbreiten oder nicht besser jemanden Fragen, der sich mit der Sache auskennt (Zur Ehrenrettung von Arte, der Beitrag wurde anscheinend vom ZDF produziert)?

Allgemein scheint fehlende Kompetenz bei der Berichterstattung über Videospiele ein größeres Problem zu sein. Selbstverständlich kann ich nicht verlangen, dass ein Journalist über das Wissen eines Spieleredakteurs verfügen muss – aber wenn man über Videospiele berichtet, sollte man doch schonmal von „Die Sims“ gehört haben, den Unterschied zwischen einem PC und einer Konsole kennen oder wissen, dass Kultspiele wie „Doom³“ und „Half-Life²“ schon 2004 erschienen sind und nicht noch auf ihre Veröffentlichung warten?

Thematisch hat sich subjektiv aber doch was geändert. Man stellt Videospiele nicht mehr ausschließlich als den Untergang des Abendlandes dar, sondern – nunja – ich konnte mir bis jetzt nicht erschließen was manche neuere Beiträge aussagen wollen. Oder will man tatsächlich lediglich vermitteln, dass auch Polizisten sowie ausgeglichene Angler Ego-Shooter spielen und „eine freundliche Frau […] mit Begeisterung fürs blutige Detail ihr Lieblingsspiel schildert []„?

Der Hype um „GTA 4“ war dann noch eine Sache für sich. Das Medienecho war zwar positiv, die Diskussion um eine mögliche Steigerung der Gewaltbereitschaft wurde aber kaum thematisiert. Aber, muss man das überhaupt? In Kritiken von Filmen finden sich ja auch nicht dererlei (Warum findet sich das Wort nicht im Duden?) Ausführungen des Autors. Wenn ich dann wöchentlich Spieletests in der Tageszeitung – frei von irgendwelchen Gewaltdebatten – lese, habe ich dann aber doch einen Umstand realisiert: Videospiele sind mittlerweile gesellschaftlich als Unterhaltungsmedium anerkannt. Und auch Shooter sind auf dem Weg dahin.

5 Gedanken zu “Quo vadis, Presse?

  1. Das Video war dringend nötig und auch ich habe eine objektive Halbjahresarbeit zu dem Thema geschrieben, doch obwohl dein Video sehr bekannt wurde und auch in der Presse auftauchte, ist und bleibt die sehr von Vorurteilen belastete Meinung einiger Politiker, Forscher, Reporter und Eltern, dass diese Spiele gefährlich seien und für die Amokläufe verantwortlich waren (obwohl ich dies als klar wiederlegt ansehe). Dass einige Spiele auch einigermaßen positiv in der Presse erscheinen (GTA) ist zwar erfreulich doch andere Sendungen werden vermutlich auch in Zukunft dort einen geeigneten Sündenbock sehen und nutzen.

  2. Sehr gut endlich mal jemand der initiative ergreift. Zitat aus der Gamestar 08/2008: „Schon Sokrates wurde vorgeworfen die Jugend zu verderben…“. Alles neue wird von der Gesellschaft seit jeher als gefährlich eingestuft. Das muss aufhören und wir als Gamer sollten den ersten Schritt dazu tun und vorallem derart unqualifizierte Äußerungen in den Medien unterbinden oder zumindest öffentlich richtig stellen vila Resistance (oder sö ähnlich, kann kein französisch hab das nur ma im South Park film gehört XD)

  3. Grund für Ammokläufe sind einzig und allein: Versagen der Eltern bei der Erziehung der Kinder. Versagen der Schulen und Sozialen Ämter/einrichtungen.
    Und Generell die immer härter werdende Ellenbogengesellschaft.

  4. Als Mensch mit Behinderung möchte ich doch einmal etwas sagen, dass ich gerade dieses Zitat aus der Frontal21-Redaktion zu einem „Hitman“, Spiele welche ich im Grunde ebenfalls nicht leiden kann – allerdings aufgrund deren sauber-selbstgerechter Begründung von Gewalt, welche ich auch weit eher für tatsächlich „gewaltverherrlichend“ halte als sämtliche in Deutschland diesbezüglich beschlagnahmten und vernichteten (?) Titel, was ich ebenfalls begründen kann – besonders perfid finde. Dass das noch Claus Richter persönlich zuzuschreibende Zitat ja aus einer Stellungnahme zu den kritischen (Video-)Veröffentlichungen erfolgt ist UND Eine besonders schützenswerte Gruppe von Menschen instrumentalisiert, zu der eben auch ich mit meiner schweren Glasnochenkrankheit ALS Passionierter Videospieler zu gelten habe, ist außerordentlich unverforen. Bei solchen Leuten kann ich als Mensch ebenfalls nur den Kopf schütteln, wie ich als Historiker gegen einen Journalisten wie Herrn Fromm nur protestieren kann, wenn dieser für seine videospielfeindliche Sache noch dazu bereit ist jegliche Auseinandersetzung mit regulären militärischen Vorgängen während des Vietnamkriegs, samt darin enthaltener amerikanischer Propanda, in Videospielen für unmöglich zu erklären – so geschehen auf dieser Tagung des Chaos Computer Clubs, wonach der Verein jegliches Ansehen bei mir verspielt hat, und wobei der tschechische, von der USK Ab 16 Jahren freigegebene Titel „Vietcong“ auch dahingehend verurteilt wurde dass in ihm Kriegsverbrechen ausgeblendet wurden, ein anderer Titel, „Men in Valor“, aber gar keine Erwähnung fand obwohl er unzensiert gerade auch deswegen sogar indiziert worden ist…

  5. „Men in Valor“ heißt natürlich „Men of Valor“, und den gibts IN Deutschland eben auch angepasst ohne Jugendfreigabe der USK – weshalb ich den Titel auch ewähnt habe ohne Gefahr laufen zu müssen, dass mein Kommentar bei Nennung eines indizierten Titels hier gelöscht wird :-)

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