Für Kinder nicht geeignet

Wenn man sich etwas intensiver mit den Auswirkungen von Videospielen beschäftigt färbt das anscheinend auch auf das Spielverhalten bzw. die Wahrnehmung ab. So nimmt man manche Aspekte von Spielen wahr, die einem zuvor gar nicht aufgefallen sind. Jüngstes Beispiel ist da bei mir die Ernährung. Ein Kumpel und ich graben zur Zeit Videospiele aus unserer Kindheit aus und schwelgen beim erneuten Durchspielen in Erinnerungen. Dabei fiel mir auf, dass man sowohl in „Commander Keen“ als auch in „Monster Bash“ Punkte für das Einsammeln von Süßigkeiten erhält. Cola, Bonbons oder Schokolade – gesunde Lebensmittel sucht man vergeblich. Um so mehr überrascht war ich dann, als auch in BioShock Kartoffelchips als der Gesundheit förderlich angepriesen wurden. Das ist insbesondere deswegen seltsam, weil Rauchen und Trinken der Gesundheit schaden. Kartoffelchips sind also tatsächlich das unbedenkliche Grundnahrungsmittel.
Ich glaube nicht, dass meine Essgewohnheiten durch Videospiele geprägt wurden – aber warum müssen grade in einem Jump ’n‘ Run für Kinder Süßigkeiten gesammelt werden? Steckt da eine gewisse Lobby hinter oder glaubte man, dass kein Kind virtuellem Grünzeug hinterherjagen würde?

  

Update: In der aktuellen GameStar habe ich grade von einem positiven Beispiel gelesen, das ich nicht unterschlagen will. So soll das myteriöse Sprachsample, mit dem der Spieler im 16. Level von Diablo begrüßt wird, rückwärts abgespielt folgendes heißen:

„Eat your vegetables and brush after every meal!“
(Iss dein Gemüse und putz dir nach jeder Mahlzeit die Zähne!)

Es gibt also doch verantwortungsbewusste Entwickler, denen was an der Gesundheit der Spieler liegt!

2 Gedanken zu “Für Kinder nicht geeignet

  1. Naja, Chips in BioShock geben doch nur Energie, oder? Und das tun sie im echten leben ja schliesslich auch…

    Ich wuerde dahinter eher den Gedanken „Suessigkeiten = lecker = mag jeder [/jedes Kind]“ vermuten. Mir fallen allerdings auch Beispiele ein, in denen man eher ‚gesunde‘ Nahrungsmittel [ein Oxymoron an sich!] zu sich nimmt… Tenchu z.B.

    Und ueberhaupt, als haette es grossartig Einfluss auf den Spieler, ob der Chara nun Suessigkeiten, Energy Drinks, Karotten oder Medizin zu sich nehmen muss, um seine Energie aufzufuellen… [ich mein, in Shadow of the Colossus erweitert man seine Ausdauer schliesslich dadurch, dass man Eidechsen abschiesst und deren Schwaenze einsammelt – wtf?!]

  2. Nun, ich halte zwar sämtliche Videospiele für Lernspiele, aber keineswegs in einem pädagogisch-positiven Sinn ^^ Schon eine seltsame, anscheinend tief im Realismus verwurzelte Vorstellung finde ich, wonach in Videospielen doch Dinge getan werden sollen welche nicht schädlich für einem selbst oder zum Beispiel halt auch nicht solche welche allgemein als so schmackhaft und lukullisch anziehend empfunden werden. Schokolade ist dabei eben beliebter als Blumenkohl. Aber es kommt auch kulinarisch auf das jeweilige Szenario an meine ich: dass in einem fröhlichen Spiel Süßigkeiten enthalten sind kann ich keineswegs bedenklich finden, da halte ich – auch als Mensch mit Behinderung – ein generelles Normdenken bezüglich Gesundheit schon für wesentlich fragwürdiger. In einem anderen, mehr an Not und Elend orientiertem Szenario wie MGS3 Können andererseits ja auch Schlangen verspeist werden… Deren kulinarischer Anziehungsfaktor, gesundheitsfördernder Charakter ist abgesehen von der ganzen Tierrechts-Problematik aber sicher auch nicht so einfach zu beantworten. Etwaige Forderungen nach einem idealisiert veganen Lebensstil nebenbei gewalthandelnder Protagonisten aus Videospielen fände ich aber auch sonst hochinteressant :-)

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