Verbotskriterien

In den Kommentaren hat mich „Kane“ auf die Seite techno.lex aufmerksam gemacht. Dort finden sich unter anderem die gerichtlichen Entscheidungen, mit denen die jüngeren Beschlagnahmen von Videospielen angordnet wurden (Manhunt, Condemned, Dead Rising, Scarface, Soldier of Fortune (3): Payback). Aufgrund der Kürze lassen sich die Beschlüsse recht angenehm lesen, auch wenn die Inhalte zum Nachdenken anregen.

So nachvollziehbar und richtig das Verbot von „Manhunt“ war, kann man einem Shooter wirklich vorwerfen, dass „Das eigene Überleben […] im Vordergrund“ stehe und es „somit gilt […] jeden, der sich in den Weg stellt, zu töten„? Bei diesem Spiel mag das Argument noch seine Berechtigung haben, aber bei Condemned und Dead Rising trifft es nicht mehr in dieser Art zu.

Allgemein werden oft Elemente zum „Aufhänger“ der Argumentation gemacht, die Bestandteil vieler Ego-Shooter sind. So knüpft man bei Condemned (auch abseits der Finishing Moves) an die Tötungsszenen an. Diese würden ein hohes Ausmaß an Brutalität zeigen, denn „Die Grafik ist realistisch und zeigt deutlich auch die physischen Auswirkungen der Waffenwirkung in Form von Blutspritzern u.a.. Akustisch wird dies durch Schreie und Stöhnen untermalt.“ Darüber hinaus würde es keine Alternative zur Tötung, „etwa Ausweichen, List oder taktisches Verhalten„, geben. Ebenfalls stehen Ragdoll-Effekte wieder in der Kritik; „Nachschlagen auf bereits tote Gegner“ würde „keinem spieltechnischen Zweck“ dienen und könne daher nur als „kaltblütiges oder sinnloses Verhalten bezeichnet werden“ und sei somit „Ausdruck einer rücksichtslosen Gesinnung„.

Auch lässt es sich sicherlich darüber streiten was „grausam“ ist, aber „das Töten des Gegners durch Brechen des Genicks“ würde ich als weniger brutal einordnen. Ist es in einem Spiel überhaupt möglich die Tötung als weniger grausam als bei einem Genickbruch darzustellen?

Bei Dead Rising wird angeprangert, dass „Auf dem Weg zur Erfüllung des Spielziels […] das Leid eines Gegners völlig in den Hintergrund“ rückt. „Die feindlichen Figuren stehen zwischen dem Spieler und dem Erfüllen der jeweiligen Mission oder fungieren nur als Punktlieferanten, die den Status der Spielerfigur verbessern„. So würden „viele Gegner nach ihrem Tod Waffen“ hinterlassen, „sodass ein weiterer besonderer Anreiz besteht, diese zu töten„. Im Interesse eines jeden RPG hoffe ich, dass sich kein Richter mit dem Spielprinzip vertraut macht. Vorallem Diablo 3 dürfte, sofern es den Vorgängern treu bleibt, akut gefährdet sein.

Weiterhin würde man es krtitisch sehen, „dass die vorrangig verwendeten Waffen Gegenstände des täglichen Lebens sind, auf die ein potentieller Nachahmer leicht und jederzeit zugreifen könnte.“ oder dass „Dadurch, dass ein Zwischenspeichern nicht möglich ist, ist der Spieler so oft die Eliminierung wiederholen, bis er die Mission beendet hat. Auch das führt zur Bagatellisierung der Tötungshandlungen„. Die fehlende Möglichkeit zu speichern hat mich auch immer aufgeregt, wenn auch aus anderen Gründen – aber soll Gordon Freeman wirklich auf seine Brechstange verzichten müssen?

Zusammenfassend noch einmal die wichtigsten Punkte:

Altruismus: Das (Über-) Leben des Spieler darf nicht im Vordergrund stehen. In diesen Fällen nutzt man andere Mitmenschen und Mitzombies lediglich rücksichtslos als Mittel zum Zweck (aus). Frage nicht, was Untote für dich, sondern was du für Untote tun kannst!

Unrealistisches Töten: Bei der Tötung am besten auf eine realistische Darstellung sowie auf Blut, abtrenntbare Körperteile und eine akustische Untermalung verzichten.

Handlungsalternativen: Es muss dem Spieler möglich sein Probleme auch ohne (tödliche) Gewalt zu lösen. Hier bietet es sich an, wie bereits von der GameStar empfohlen, die gute alte Betäubungspistole mit unendlich Munition wieder einzuführen.

Totenruhe: Bei Leichen hört der Schutz des Gesetzes nicht auf. Anstubsen und wegtragen ist untersagt. Eine Leiche hat dort zu verharren wo sie gestorben ist, bombenfest!

Humanere Tötungen: Man soll sich doch tunlichst Mühe geben die Grausamkeit von Tötungen auf die unterhalb der eines Genickbruches liegende zu beschränken.

Kein Loot: Zu tötende Lebende und Untote sollte man nicht mit nach deren Ableben aufnehmbaren Gegenständen austatten, da die Tötungshandlung somit ausnahmslos zum Erlangen dieser erfolgen könnte.

Exotische Waffen: Um Nachahmungen unwahrscheinlich zu machen sollten der Spiele nur Waffen verwenden können, auf die er in der Realität keinen Zugriff hat.

Zwischenspeichern: Wenn die Möglichkeit des Zwischenspeichern fehlt ist es dem Spieler möglich bis zur Beendigung der Mission die in ihr enthaltenen Tötungen beliebig oft zu wiederholen. Um einer mit der inflationären Vornahme der Tötung einhergehende Verharmlosung vorzubeugen muss die Möglichkeit des Zwischenspeicherns vorhanden sein, damit… man nach dem Laden die Tötung beliebig oft wiederholen kann?

8 Gedanken zu “Verbotskriterien

  1. Na das wird ja immer besser^^
    Ich glaube kaum, dass ein Spiel,
    dass all diese Eigenschaften vereint, erfolgreich sein wird.
    Höchstens 2 oder 3 von Zigtausend dürften dann interessant sein.
    In Zukunft wird der Landesdurchschnitt der Englischnoten immer besser,
    schließlich muss man dann auf Ausländische Versionen zurückgreifen.
    Ich meine ist doch schön, wenn alle Schüler exzellente Noten in Englisch haben
    und die Politiker werden das garantiert nicht hinterfragen^^

  2. “Die Grafik ist realistisch und zeigt deutlich auch die physischen Auswirkungen der Waffenwirkung in Form von Blutspritzern u.a.. Akustisch wird dies durch Schreie und Stöhnen untermalt.”

    Um ehrlich zu sein, ich frage mich, ob es nicht viel gewaltverharmlosender wäre, wenn man das alles weg lassen würde…
    Ich meine, nach dem guten alten Stimulus-Response-Modell, dass ja gewissermaßen gerade auch eine Art Renaissance erfährt (*fg*), wird sich sicherlich jemand finden, der denkt „Hey, wenn ich so oft auf den Typen schießen kann ohne dass es ihm was ausmacht“…

  3. Nun gut, aber dann muss auch jeder Zombie Film verboten werden. Und wenn wir gerade dabei sind: Il-2 muss sofort verboten werden. Da kann man nämlich, auch in der deutschen Version, Piloten, die an Fallschirmen hängen, abschiessen! Und manchmal muss man Schiffen versenken, Gebäude zerstören, da könnten ja Menschen drin sein!

    Guild Wars, WoW, jedes einzelne MMORPG sofort verbieten, da wird gestöhnt und gestorben!

    Also, es wird doch immer lächerlicher.

    Tut mir leid, meine lieben Politiker, ich spiele schon seit Jahren nur noch US Versionen. Jaja, da kann man gleich ein wenig Anti-Amerikanismus hinzufügen, nicht wahr? Statt „Killerspiele“ kann man dann schön sagen „amerikanische Killerspiele“. Wird mich aber nicht vom Zocken abhalten. Sorry.

  4. *Grins* ich muss grad an meine Zeit im X-Wing und TIE-Fighter Universum zurückdenken. Mensch, wenn man die technischen Daten dazu ließt, wie viele Besatzungsmitglieder so ein Stardestroyer oder Death Star hat… Ok, es ist zwar nicht in dem Sinne realistisch, weil keine Menschen (oder Aliens) zu sehen sind, kein Blut spritzt oder Schreie zu hören sin. Aber im Gegensatz zu den deutschen Versionen vieler Spiele war dort noch nie die Rede davon, dass Roboter die die Menschen gänzlich ersetzt haben und folglich müsste ich bei meinen Handlungen einkalkulieren, dass ich dort in wenigen Minuten viele Tausende „töte“. Folglich war ich schon Mitte der 90er ein millionenfacher Massenmörder! Ich schätze, ich kann mich glücklich schätzen, das auf der Erde keine einsatzbereiten Star Wars Jäger rumstehen, weil ich die ja sonst theoretisch verwenden könnte.
    Das stellt doch fast automatisch die Frage nach nach Verjährungsfristen von virtuellen Morden. Nach dem deutschen Strafrecht verjährt „realer“ Mord nicht, doch da ja viele Politiker und Medien nicht Müde werden, auch virtuelle Tötungen als „Mord“ zu bezeichnen, mache ich mir jetzt aber wirklich Sorgen, dass mich die Blaumänner abholen kommen. Also verpfeift mich bitte nicht. ;)

  5. „Verjährungsfristen von virtuellen Morden“
    Mach uns keine Angst, bei den Leuchten die wir in der regierung haben, kann ich es mir vorstellen. Grausige Vorstellung-.-

  6. Hey, mal ehrlich, jedes Spiel, das kämpferische Auseinandersetzungen thematisiert erfüllt die obigen Punkte.

    Beim Schach kann man keine Rücksicht auf den gegnerischen König nehmen – oh weh…

    Armseliger kack im deutschen Lande… :(

    Ich kaufe aber wenig US-Versionen oder sonstigen ausländische Versionen, da ich zZ wenig Spiele spiele, die unter das deutsche „Zensurgesetz“ fallen.

  7. Ok Manhunt war jenseits des Geschmaks aber wenns einer Spielen will sollte man ihn lassen ab 18 Jahren sollte man entscheiden können ob man sowas im TV ansehen will oder als Game zocken will…
    Zum Thema “Verjährungsfristen von virtuellen Morden” das ist ganz einfach je nach Servereinstellung… *g* …bei CS kann man ja mal ne Geisel erwischen und dann ist man ja gesperrt biss man wieder mitmachen darf…

    Aber dieser Übereifer beim Thema Killerspiele nervt jetzt schon langsam… wenn die Politik sich so aufs Thema Staatsschulden stürzen würde können wir in wenigen Jahren zumindest auf einen Stillstand der Verschuldung kommen…

    Man sollte zumindest in Deutschland auf das Europäische Niveau zurückgehen sonst vertreibt man die Entwickler und Vertreiber ins Ausland… ok es muss ja nicht Amerikanisches oder Japanisches Niveau absacken aber sie lassen jedem mündigen Bürger zumindest das Recht selbst zu entscheiden ob man sowas kaufen will oder nicht. Und Kinderschutzgesetze sind es nicht! Das ist Erwachsenenschutz und das ist ja normalerweise verboten… ok man kann die Einstufungen ja bei behalten und auch sagen Ballerspiele usw sind nur ab 18 jahren zu erhalten dass ist ja hier nicht die frage, aber man soll Erwachsenen die Freihet geben selbst zu entscheiden bzw auf ihre Entscheidungskraft zu vertrauen.
    Denn die Politiker vertrauen ja auch darauf, dass man sich für sie Entscheidet bei einer Wahl…
    Die große Rache der Jugend kommt noch, viele werden die Verbote nicht vergessen bis sie Wahlberechtigt sind und jetzt Wahlberechtigte Spieler werden sicher nicht diese Politiker auf ihrem Stimmzettel ankreuzen…
    Mein Tipp geht Wählen aber Wählt andere Parteien!

  8. Ich sehe das ähnlich. Warum hetzen die Politiker so gegen die Zocker? Es gibt weit größere Probleme. Aber vielleicht wollen sie so genau von denen ablenken.
    Warum muss zum Beispiel Geld (welches wir eigendlich nicht haben) dafür verpulvert werden um Soldaten zu Bezahlen die hinter George Warmaker Bush (der definitiv mehr Blut an den Händen kleben hat als alle angeblich durch Videospiele entstandenen Amokläufer zusammen) aufräumen? Warum müssen weitere Gelder verbraten werden um für einen Besuch von selbigem Gullis zu verschweißen weil jeder genau weiß dass er hier nicht willkommen ist? Nur weil unsere werte Bundeskanzlerin ihm in den Anus kriechen muss?
    Dann wäre noch die Frage: Warum setzt man sich nicht so stark für ein allgemeines Verbot von Rechtsradikalismus ein wie für das von sogenannten „Killerspielen“?

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