Hopf fordert (kein) Verbot

(heise) Dr. Werner Hopf (Schulberatung Oberbayern-Ost), der mit einer Studie bereits mehrfach für Aufsehen sorgte, fordert nun ein Verbot von “extrem gewalthaltigen Videospielen”. Offenbar hält er das bestehende, angesichts der von ihm festgestellten Zusammenhänge zwischen Gewaltbereitschaft und Videospielkonsum, nicht für ausreichend. Mehr Informationen finden sich u.a. in dieser Präsentation.

Update:

Meldungen von “The INQUIRER” und “GMX” geben den Inhalt der Studie anders wieder. So würden gewalthaltige Medien nicht die alleinige Ursache sein:

“Es handelt sich bei den Ursachen für Aggressivität vielmehr um ein Quintett an Faktoren, in dem der Medienkonsum den Schlüsselreiz einnehmen kann.”

Diese seien die schulische Situation, die individuelle Persönlichkeit, das Verhältnis zu Gleichaltrigen und das familiäre Umfeld:

“Wer in einem Elternhaus aufwächst, in dem Gewalt an der Tagesordnung ist, ist für Gewalt in Medien anfälliger.”

Weiter wird ausgeführt, dass ein Verbot von “Killerspielen” nicht  notwendig sei. Man müsse lediglich die bestehenden Gesetze einhalten und die Erziehung beim Medienkonsum verbessern.

14 Gedanken zu “Hopf fordert (kein) Verbot

  1. Ich glaube bisher gibt es noch keine Studie die 1. von Leuten die nicht sowieso davon überzeugt sind dass diese Spiele aggressiv machen und 2. an Gamern aus allen Gamergruppen durchgeführt wurde. Es gibt halt nicht nur solche Typen die auf die Frage wurum es in GTA geht antworten: “Weiß ich nicht. Ich klau immer nur Autos und baller rum.” aber das sind die die in solchen Studien von Leuten wie Herrn Hopf befragt/getestet werden.
    Somit gibt es nach wie vor keinen Beweis für die Behauptungen von Selbigem.

  2. Im Abstract der Studie heisst es:

    “[…] The results of our study show that the more frequently children view horror and violence films during childhood and the more frequently they play violent electronic games at the beginning of adolescence the higher will these students’ violence and delinquency be at the age of 14.”

    Ohne über die Richtigkeit der Studie zu urteilen: Es geht hier um 14jährige.

  3. Eigentlich ist es noch krasser: es geht um Kinder ab 6 (!) Jahren, die regelmäßig mit “Gewalt”spielen in Kontakt treten und dann mit 14 gewaltbereiter und aggresiver sind. Das überrascht micht ehrlich gesagt nicht und will es auch gar nicht bestreiten. Aber das ist noch lange kein Grund solche Spiele zu verbieten. Denn schließlich sind die Spiele erstens nur für Erwachsene gemacht und zweitens dementsprechend auch nur für diese Gruppe erhältlich (theoretisch).
    Die in der Studie aufgestellte Hypothese lässt sich mit allen anderen Konsumgütern, die nur für Erwachsene gedacht sind, anwenden: Alkohol, Zigratten, Pornos oder Horror-/Splatterfilme. Ein Kind, das ab 6 Jahren Alkohol trinkt, wird später süchtig und krank, ein Kind, das ab 6 Pornos schaut, wird später ein höchst gestörtes Verhältnis zur Sexualität haben usw…
    Konsequenterweise sollte man auch für diese Güter ein Verbot fordern… aber Moment, da war ja was… eine Lobby…. ^_^

  4. Offener Brief

    Sehr geehrte Damen und Herren!
    Vor 65 Jahren wurden Menschen wie ich aufgrund ihrer Krankheit oder Behinderung industriell vernichtet, auch in Deutschland.
    Heute kann ich mich in diesem Land auch als Bürger der Europäischen Union mehr aufgrund meiner kulturellen Eigenschaft als Computer- und Videospieler diskriminiert und mit Vorwürfen von sozusagen virtuellen Verbrechen und “Täterschaft” bei Beschäftigung oder Auseinandersetzung mit Gewalt in Videospielen sogar politisch verfolgt fühlen, mich und meine Kultur weitergehend pathologisiert und kriminalisiert sehen.

    Unter kontinuierlicher Ignoranz des Durchschnittsalters von Computer- und VideospielerInnen, von transatlantischen Einschätzungen der betreffenden Industrie über 25 Jahren, wird in Deutschland selbst von Seiten einer videospielfeindlich argumentierenden Wissenschaft immer mehr politische Maßnahmen noch immer unter dem Deckmantel eines Jugendmedienschutzes gefordert, welche die Freiheit von erwachsenen Bürgern in diesem Land empfindlich, ja schon bedrohlich, einschränken.
    Trotz einer diesbezüglich bereits beispiellos restriktiv vorhandenen Gesetzgebung in Deutschland inklusive regelmäßiger Beschlagnahmungen von Kulturgütern, sowie schon seit Mitte der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts hundertfacher Indizierungen mit Werbe-, Rezensions- und Sprechverboten, dem Auftreten eines Phänomens von Selbstzensur welches bereits längst zu einer Regel geworden ist und keine Ausnahme mehr darstellt.
    Dies ist mit den Werten der Europäischen Union keineswegs mehr vereinbar, zumal die populistischen Argumentationslinien von einer affirmativen Interpretation der Bedeutung von fiktionaler Gewalt ausgehen, welche eindeutig auf Präjudizierung expliziter Darstellungen beruht und so auch auf Vorstellungen kultureller Sauberkeit basiert, wie sie während der Herrschaft des Nationalsozialismus zu menschenverachtenden Maßnahmen in Deutschland geführt haben.
    Dagegen gilt es sämtliche demokratischen Möglichkeiten, vor allem auch auf europäischer Ebene, auszuschöpfen, um weiteren Schaden, welche diese von Haß-Reden begleitete Hetze gegen die angeblich generelle Gefahr, die von der Kultur von Menschen wie mir ausginge, bereits verursacht hat, zu begrenzen.

    Hochachtungsvoll
    Mag. phil. Jürgen Mayer,
    Historiker und Kulturwissenschafter
    Steiermark, Österreich

  5. Neben dem zu jungen Alter der Probanten, wurden außerdem nur Hauptschüler berücksichtigt, welche statistisch gesehen eher zu Gewalt neigen als Real- bzw. Gymnasialschüler. Ich halte die Studie für nicht aussagekräftig und manipulativ. Extrem gewalthaltige Videospiele sehe ich außerdem als verboten an und da 14-Jährige eh rechtlich keine Ego-shooter spielen dürfen, ist eine Verbotsforderung aufgrund dieser Studie nicht haltbar.

  6. Also diese präsentation ist mehr als mäßig. Da werden irgendwelche Argumente in den Raum geworfen ohne erwiesenen hintergrund.GUTE website mach weiter so.

  7. Ich erhielt soeben folgende Antwort auf meinen Brief an Herrn Hopf, wobei ich nicht hinten anstehe diese hier ebenfalls zu veröffentlichen. Offen ist offen – zumal ich meine, dass es sich hierbei durchaus auch um eine standardmäßige Reaktion auch auf andere Protestschreiben handeln könnte, welche in dieser Sache möglicherweise ebenfalls bereits erfolgt sind. Wirkt jedenfalls so auf mich.
    Ich bleibe dabei: so geäußerte, weitergehende Verbotsforderungen als sie in Deutschland ohnedies bereits in Kraft sind, betreffen alle Menschen, ob Erwachsene oder nicht.

    Sehr geehrter Herr Mayer,

    Pressemitteilungen sind naturgemäß immer verkürzte und plakative
    Darstellungen. Es geht uns in unserer Studie nicht um die
    Freizeitgewohnheiten erwachsener Menschen, sondern um die Gefährdung
    der Entwicklung von Kindern un Jugendlichen in einer kritischen Phase
    der Identitätsfindung. Deshalb haben wir in dieser Studie die
    Entwicklung von 12-Jährigen bis zum 14. Lebensjahr verfolgt und
    festgestellt, dass für die Zunahme aggresssiven und delinquenten
    Verhaltens der Konsum von Gewaltmedien neben Einflüssen aus der
    Familie, der Gruppe Gleichaltriger, des Schulklimas und einiger
    Persönlichkeitsmerkmale eine wesentliche Rolle spielt.
    Für dieses Problem will unsere Untersuchung sensibilisieren.

    Mit besten Grüßen
    Günter L. Huber

  8. Mhm, dass die diese entwicklung beobachtet haben ist ja gut und schön, aber da Computerspiele, die von der USK eine ab16 oder ab18 marke bekommen haben, sind ja offiziell nicht für diese Personengruppe im entsprechenden Entwicklungsalter nicht erhältlich, es sei denn ihre Erziehungsberechtigten halten sie für geistig erwachsen genug um damit umzugehen. Also ist ein Verbot aufgrund dieser ohnehin sehr einseitigen Studie wohl kaum begründbar.

  9. Fraglich ohnehin, wieviel davon haltbar ist. Die Präsentation mutet
    nicht wissenschaftlich an, sie reiten lang auf “Ist mediale Gewalt
    Auslöser oder Folge für eine aggressive Grundhaltung der Kids?” herum,
    also ob jetzt A –> B oder B –> A. Den Aspekt, dass es eventuell ein
    C gibt, für das gälte C –> A & C –> B, also eine gemeinsame Ursache
    (wie z.B. miserable Zukunftsaussichten, finde ich im Foliensatz nicht
    mit angemessener Deutlichkeit. Auch fremde Ursachen, wie beispielsweise
    der vielgerühmte “Reiz des Verbotenen” (oder welcher halbwegs seiner
    Verantwortung bewußte Elternteil läßt einen Zwölfjährigen unbeaufsichtigt
    an einen Ego-Shooter oder Horrorstreifen ankucken?), könnte – sollte! –
    man genauer beleuchten.

    Aber vielleicht steht das alles drin; kann man die ausführlichen Ergebnisse
    irgendwo kostenneutral einsehen?

    einsehen?

  10. Das ist wieder einmal einer ein hübsches Beispiel dafür, was da in der Forschung falsch läuft. Eng eingegrenzte Vorträge sind ja gut und schön, gern auch mit provokanten Thesen, aber dann doch bitte mit wirklich repräsentativen Erhebungen und einer klaren, sachenlichen, differenzierten Pro/Kontra Darstellung. Hier bestätigt sich mal wieder das, was ich auch in der Orienientierungseinheit vor meinem Studium gelernt habe: Du kannst jede These aufstellen die dir einfällt, vorrausgesetzt, du kannst sie irgendwie belegen. Bei solchen lapidaren Anforderungen ist es kein Wunder, dass immer wieder “Wissenschaftler” dermaßen groteske Arbeiten publizieren.
    Wie die Gesellschaft wohl darauf reagieren würde, wenn so jemand behauptet “Hitler war ein friedfertiger Mensch und ein Freund der Juden!” und seine Aussagen mit rechtsradikaler Literatur belegen würde. Den genannten Anforderungen wäre genüge getan, aber keiner würde das ernst nehmen, weil es reichlich geschichtliche Belege dafür gibt, dass es nicht so war. Eben jene gibt es bei unserem Thema (noch) nicht ausreichend, so dass ich prophezeie, dass dies nicht die letzten “wissenschaftlichen” arbeiten zu diesem Thema waren.

    Also: Gamer dieser Welt: Studiert, bringt es zu gut klingenden Titeln und publiziert ordentliche Studien! ;)

  11. Zweiter Kommentar wegen Update:
    “Weiter wird ausgeführt, dass ein Verbot von “Killerspielen” nicht notwendig sei. Man müsse lediglich die bestehenden Gesetze einhalten und die Erziehung beim Medienkonsum verbessern.”

    OMG! Ich glaub die habens endlich verstanden. Wenn es denn so ist: Besser spät als nie.
    Nur dass genau das schon seit dem Anfang dieser nervigen “Killerspiele”-Debatte von den Gamern gesagt wurde.
    In der Hinsicht muss ich Crusader Recht geben: Es gibt halt zu wenige Zocker mit Doktortitel^^.

  12. So verschiedene Interpretationen sind nicht nur bei der Auslegung solcher Studien möglich meine ich, sondern liegen auch selbst in diesen wenn es um die Einschätzung der Bedeutung von Gewalt in Videospielen, deren Regeln etc. Geht – zumindest “Missverständnisse” wie etwa ein Jesper Juul meint. Aber wenn irgendwelche iranischen Propagandaspiele oder obskure amerikanische Pendants (Marine Doom) als Beispiele für die Verwerflichkeit von Videospielen zusammen mit einem sowieso beschlagnahmten Titel genannt werden, bei einer Arbeit die von 6-jährigen bis Hauptschülern spricht, ist das schon vorsätzlich diffamierend zu nennen – zumal man sich die Mühe für den hiesigen Markt tatsächlich relevante propagandistisch eindeutig flankierte Titel wie “America’s Army” oder zumindest das erste “Full Spectrum Warrior” auszuforschen, gar nicht gemacht hat.
    Und falls doch, gelte es weiterhin zu untersuchen weshalb diese nicht so im Vordergrund stehen – wohl doch nicht wegen deren relativer Sauberkeit in der Darstellung welche noch ein USK-16 Ermöglicht…

  13. Das Update lässt das Ganze zwar harmloser erscheinen und es ist natürlich klar, dass die bestehenden Rechte möglichst eingehalten werden sollten doch ich bin trotzdem weiterhin der Meinung, dass diese Studie nicht objektiv sondern ergebnisorientiert gemacht wurde. Auch wenn es evtl. nur 12-14 jährige sein sollten, da man die Auswirkungen auf diese Altersgruppe analysieren wollte, so halte ich es für nicht sehr wissenschaftlich, nur die Gruppe der Hauptschüler zu befragen.

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