Sonntag: Landtagswahl in Bayern

Die Aktion „Ich wähle keine Spielekiller“ der PC Games hat bei den Spielern auch kritische Reaktionen hervorgerufen. So wurde die etwas polemische Gestaltung („Da verlangt man von Seiten der Politik immer Sachlichkeit und dann sowas.“), der Charakter der Aktion („Gute Aktion soweit, aber “Indirekter” Aufruf zum Spamming…“), der Umstand, dass man der CSU eine Plattform bieten würde („Warum geben wir hirnverbrannten Opportunisten wie Spitzenabgeordneten der CSU hier eigentlich eine Plattform?“) und die „negative Wahlempfehlung“ an sich kritisiert („Hier Wähler und wohl davon auch viele Jungwähler aufgrund eines lächerlichen Themas beeinflussen zu wollen ist Rattenfängerei.“). Aber nicht nur die PC Games selbst, auch Hinweise in Foren wurden wegen des politischen Charakters kritisiert („Ist ja unglaublich hier, dass sogar ein stinknormales Spieleforum dazu genutzt wird, politische Gegner zu diffamieren.“).
Ich selbst bin auch zwiegespalten. Auf der einen Seite muss ich den Kritikern in vielen Punkt Recht geben: Das Schreiben ist wirklich mehr als polemisch, das „Zuspammen“ von Politikern nicht konstruktiv und die Wahl einer Partei allein von der Einstellung zu Videospielen abhängig zu machen nicht überzeugend. Aber in meinen Augen gibt es auch positive Auswirkungen. So wird mit der Aktion zumindest klargestellt, dass es viele erwachsene Spieler gibt, die von der Politik nicht bevormundet werden wollen – und das auch öffentlich sagen. Bisher waren „Killerspiele“ ein dankbares Wahlkampfthema. Man konnte sich leicht als konservativer Hüter von (christlichen) Werten profilieren, in dem man ungeniert verbal auf gewalthaltige Videospiele eindrosch. Sicher, mit Verbotsforderungen wird man auch weiterhin als innenpolitischer Hardliner dastehen, aber nun trifft man auf Widerstand. Mit anderen Worten: Die Aktion der PC Games bewirkt, dass man auch die Nutzer von Videospielen (als Wähler) ernst nehmen muss.
Nebenbei wirft sie aber auch die Frage auf, ob man die CSU hier ernst nehmen kann. Denn offensichtlich hat man das Thema „Killerspielverbot“ nur für den Wahlkampf aus der Versenkung geholt. An eine ernsthafte Umsetzung scheint man im Moment nicht zu glauben. Anders kann ich mir den dilettantischen Umgang der CSU mit dem Thema zumindest nicht erklären. So steht im Regierungsprogramm lapidar auf Seite 16: „Gewaltverherrlichende Killerspiele wollen wir verbieten.“. Gewaltverherrlichende Killerspiele sind bereits verboten. Gemeint ist vielmehr, dass man das bestehende Verbot gewaltverherrlichender Videospieler ausweiten will. Aber wie weit weiß niemand, selbst die CSU ist verwirrt. So glaubt beispielsweise Föster, dass CounterStrike von einem Verbot umfasst werden wird, wohingegen Herrmann dies ausgeschlossen hatte.
Logisch argumentiert die Union hier schon lange nicht mehr. Auf der einen Seite werden Ego-Shooter verteufelt, auf der anderen Seite möchte man Luftdruckwaffen auch für 4-Klässler freigeben: „Was die Jugend-Altersgrenze für das Schießen mit Luftdruckwaffen auf 12 Jahre betrifft, hat die bayrische Staatsregierung eine Festsetzung von 10 Jahren angestrebt.“. Der niedersächsische Innenminister (CDU) wird konkreter: „die Vermittlung von Werten durch den Schießsport an unsere Kinder und Jugendlichen trägt zur Integration in die örtliche Gemeinschaft bei.“. Mich überkommt bei diesem Satz doch ein gewisses Unbehagen.
Aber auch abseits des Killerspielverbots (Stichwort Pendlerpauschale) gräbt die CSU jedes Wählerstimmen versprechende Thema beherzt aus, obwohl die Chancen der Umsetzung doch eher gering sind. Aber wie hat sich Franz Müntefering nicht schon beschwert: „Wir werden an den Wahlversprechen gemessen – das ist unfair!“. Und das ist das eigentlich Dilemma. Nicht nur die CSU, eigentlich jede Partei verspielt im Wahlkampf ihren Kredit. Deswegen versuche zumindest ich die Parteien für das zu Wählen was sie tun, und nicht für das, was sie versprechen. Ob es in Bayern eine gute Entscheidung ist die CSU zu wählen kann und will ich als Bremer nicht beurteilen. Auch würde ich es nicht allein am Killerspielverbot festmachen, obwohl es doch exemplarisch zeigt für wie dumm die Politik den Wähler verkaufen will.

9 Gedanken zu “Sonntag: Landtagswahl in Bayern

  1. Wow, super Stellungnahme! Deine Seite ist einfach nur ein super Beispiel wie du es schaffst, nicht nur einfach “gegen” oder “für” Killerspiele zu sein sondern die Sache differenziert siehst. Du hast es geschafft, die Vorurteile zu wiederlegen ohne gleich alle Spiele zu verharmlosen.
    Ebenso dieser Kommentar, schön dass du ausgewogen und ohne Vorurteile schreibst. Solche Leute braucht es mehr.
    Denn insgesamt fehlt diesem Land wirklich eine sinnvolle!! Debatte über Spiele, bei der die Eltern dazu gebracht werden sich mit dem Thema zu beschäftigen.

    In diesem Sinne: Weiter so!

  2. Ich denke mit einiger Begründung anhand vieler Aussagen deutscher Politiker, und dabei vor allem eben aus den Reihen der CSU, bei einer Rede von Videospielen als Gefahr oder zumindest für mich (?) eindeutigen Zuschreibung von verbrecherischen Eigenschaften bei Mainstream-Videospielen sogar von einer politischen Verfolgung sprechen zu können (!), insofern kann ich diese Stellungnahme, auch in Hinblick einer in Deutschland gegebenen wissenschaftlichen Beschäftigung mit Videospielen im Sinne einer Prävention realer Verbrechen über die Disziplin der Kriminologie nicht nachvollziehen.
    Weiters glaube ich, dass in anderen Ländern spätestens bei Vergleichen mit Kinderpornographie, welche zuletzt noch verteidigt wurden, es aufgrund derer Unverhältnismäßigkeit zu einer wahren Klagsflut von Herstellern, Kreativen, aber auch erbosten KonsumentInnen und NutzerInnen allgemein gekommen wäre.
    Es enttäuscht mich und ich finde es schade, dass mir eine in anderen Ländern selbstverständlich erscheinende Wahrnehmung von Computer- und Videospielen als Kulturform wie Literatur oder Sport in Deutschland auch so weiterhin sehr schwierig als konsensuale Basis selbst unter den SpielerInnen feststellbar erscheint.

  3. Ich verurteile die aktuelle Forderung nach der Ausweitung des Verbotes schon deswegen nicht, weil ich keine Ahnung habe wie sie konkret aussehen soll. Auch wenn ich Zensur allein aus Gründen “des Geschmacks” (imho wird die verrohende Wirkung nur vorgeschoben) schwierig sehe kann ich doch nachvollziehen, wenn man manche Videospiele verboten sehen will. Das ändert aber nichts daran, dass ich Videospiele allgemein als Kultur ansehe.
    Unter aller Sau ist natürlich das Vokabular mit dem die CSU über das Verbot spricht, aber das ist eine andere Sache.

  4. Objektivität ist leider bei dem Thema selten und die CDU/CSU nur wegen einer Meinung nicht zu wählen halte ich ebenfalls für falsch doch ich bin auch aufgrund weiterer Aussagen, Meinungen und Handlungen der CDU/CSU politisch gegen diese. Natürlich ist die Aktion der PC-Games nicht perfekt und was genau verboten werden soll, steht nicht fest aber ich bin dennoch ein befürworter dieser, da es einen Bedarf gibt, gegen solch populistische Politik vorzugehen und Präsents zu zeigen.

  5. Warum sollte man die CSu nicht wählen?

    Sie lügt dem Wähler im Bezug auf Videospielen dreist ins Gesicht. Wurde somit als nicht vertrauenswürdig entlarvt.

    jemanden, der mich bei sowas wie Videospielen schon extrem belügt, dem vertraue ich die wirklich wichtigen Dinge im Leben erst recht nicht an.

    Es ist und bleibt eine Frage des Vertrauens. Egal wie man es dreht oder wendet.

  6. Und andere Parteien sind da ehrlicher?
    – “Denn eins ist sicher: die Rente” – no comments
    – “Aber wir stehen für Kriegsabenteuer im Irak nicht zur Verfügung.” – SPD, aber deutsche Agenten haben den USA Koordinaten von irakischen Stellungen zum Bombardement übermittelt.
    Alle Parteien verspielen ihr Vertrauen gerne. Das ist kein Problem der CSU.

  7. @maSu:

    Videospiele sind für die CSU doch vor allem Wahlkampf, die würden da längst nicht so drauf rumhacken wenn sie nicht glauben würden damit Stimmen zu gewinnen. Deshalb lügen die bei dem Thema sicher mehr als bei anderen.

  8. “Mich überkommt bei diesem Satz doch ein gewisses Unbehagen.” mich auch…
    Waffen für Killerspiele… die haben bei der Aktion aus Amerika “Spielzeug für Waffen” irgend was falsch verstanden… *G* (wenn ich einer an die Simpson Episode erinnert)
    “Ob es in Bayern eine gute Entscheidung ist die CSU zu wählen kann und will ich als Bremer nicht beurteilen” – Ich bin Bayer, ich darfs … KEINE GUTE ENTSCHEIDUNG!
    (Und das nicht nur weil sie gegen Killerspiele sind, sondern auch, da sie eine Religiöse Partei darstellen will… wo leben wir bitte im Mittelalterin der alle vor Kirchen zittern oder in aufgeklärten moderen Zeiten.. Und weil ihr Umgang auf Internationaler ebene, Kieg und USA blid folgend sehr schlecht ist…)

    Zum Tehma politisches Forum, ich bin froh, dass man zumindest hier seine Meinung sagen kann, es kommt selbst hier ja nur alle paar jahre vor und Verbote sind nun mal ein Polisches Thema. Alle Parteien lügen im Wahlkampf, man muss nur die Wählen, die am wenigsten lügt *G*

    @”Seiten- und Videomacher”: Zum Thema Verbot von Computerspielen würde ich mich über ein Video freuen, in dem man TV Gewalt gegenüber gestellt sieht mit Computergewalt, zB Charmed vs FarCry oder so dass gezeigt wird, dass im TV gezeigtes nicht besser ist als das aus Spielen. Damit könnte man leicht beweisen, dass die Politiker einfach beim TV die Augen zu machen und es nicht sehen wollen, damit würde sich sicher viel erreicht werden.

    Happy Coding

  9. @rey: jede rwählt den, der vermeintlich weniger lügt. Hängt natürlich davon ab, wie gut der Wähler informiert ist.

    Also Killerspiele-Spieler kenne ich mich da eben gut aus und entlarve die dreisten Lügen, die eher schon als Hetzerei anzusehen sind.

    Lügen in anderen Bereichen erkenne ich teils eben weniger gut oder evt sogar gar nicht.

    Und so hofft jeder, das die gewählte Partei einigermaßen ehrlich ist. Eine Partei zu wählen, bei der ich weiss, das sie für Stimmenfang jede lüge verbreitet, das ist nicht förderlich.

    Auch lügt nicht jeder gleich stark wenn es um die Wahlen geht. Bei der CSU/CDU wird es meiner Meinung nach so langsam geschmacklos. Zensurforderungen und Hetzerei gegen Minderheiten um Stimmen von zweifelhaften Personen zu sammeln, das ist ncihts, was eine Partei in einer Demokratie machen sollte.

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