Günther Beckstein


Nach Amokläufen an Schulen fordern Politiker und Pädagogen regelmäßig ein Verbot von „Killerspielen“. Schnell ebbt der blinde Aktionismus wieder ab und das Thema verschwindet scheinbar in der Versenkung. Tatsächlich legt die Politik aber schon seit mehr als 14 Jahren ein erstaunliches Engagement an den Tag um „menschenverachtende Spiele“ oder auch „Killerspiele“ aus Deutschland zu verbannen.
Begonnen hat die Debatte bereits Anfang der neunziger Jahre, jedoch ging es nicht um Video- sondern um „Geländespiele“. Paintball und insbesondere Laserdrome standen im Zentrum der Kritik:

„Derartige Spiele, bei denen nachempfundene Tötungshandlungen […] der Unterhaltung dienen, widersprechen in elementarer Weise der Werteordnung unserer Gesellschaft […], verharmlosen Gewalt, fördern Gleichgültigkeit gegenüber Tötungshandlungen und bergen die Gefahr, daß Hemmschwellen abgebaut werden und die Anwendung von Gewalt begünstigt wird.“

Um diese Spiele in ihre Schranken zu verweisen versuchte man bereits 1995 ein Verbot durchzusetzen. Damals wollte die SPD, darunter namhafte Politiker wie Peter Struck und Rudolf Scharping, einen entsprechenden Paragrafen in die Gewerbeordnung einfügen. Dieser wurde jedoch „im Ausschuß für Wirtschaft des Deutschen Bundestages abgelehnt, weil gesetzgeberischer Handlungsbedarf für das Verbot gewerblich veranstalteter “Killer-Spiele” derzeit nicht gesehen wurde“.

Jetzt wurde Bayern mit Beckstein aktiv. Nachdem die SPD zwei Jahre zuvor gescheitert war wollte nun der Freistaat ein Verbot von Killerspielen umsetzen. Diesmal sollte es im Ordnungswidrigkeitengesetz als § 118 a – Menschenverachtende Spiele – geregelt werden und nach wie vor lediglich die Geländespiele umfassen. In der Begründung wurden Videospiele sogar ausdrücklich ausgenommen:

„Nicht erfaßt sind somit Spielgestaltungen mit imaginären Gegenspielern, wie z. B. Spielautomaten, Video- oder Computerspiele. Diese Unterscheidung rechtfertigt sich daraus, daß der verwerfliche Charakter der durch den Ordnungswidrigkeitentatbestand beschriebenen Spiele gerade in der Simulierung der Tötung oder Verletzung eines real existierenden Menschen liegt.“

Aber auch dieser Anlauf führte nicht zum erhofften Erfolg. Am 05.02.1999 sah der Bundesrat davon ab den Gesetzesentwurf Bayerns in den Bundestag einzubringen.

Erst ab hier rückt die Debatte um ein Verbot von „Killerspielen“ in das Bewusstsein von Videospielern. Denn am 20.04.1999 fand an der Columbine Highschool das Schulmassaker von Littleton statt. Neben Marilyn Manson und Rammstein wurde auch der Ego-Shooter Doom für die Tat verantwortlich gemacht. Günther Beckstein rüstete nicht nur verbal auf sondern strebte auch ein Verbot von „virtuellen Killerspielen“ an. Mit Zitaten wie:

„Man kann nicht tatenlos zusehen, wenn immer wieder Jugendliche und junge Erwachsene nach dem Konsum von Killerspielen schwerste Gewalttaten begehen.“

und:

„Killer-Spiele’ sollten in der Größenordnung von Kinderpornographie eingeordnet werden, damit es spürbare Strafen gibt.“

wurde er zum Prototyp des „Spielekillers“. Becksteins langen Kampf gegen „menschenverachtende Spiele“ sieht man auch dem aktuellen Gesetzentwurf an. Denn neben dem Verbot „virtueller Killerspiele“ ist auch der 1999 abgelehnte § 118a – Verbot von Paintball und Laserdrome – mit von der Partie. Zwar wurden die Debatte im Bundesrat terminlos vertagt, aber die CSU wird nicht müde sich für ein Verbot einzusetzen.

6 Gedanken zu “Günther Beckstein

  1. In 14 Jahren kein Erfolg… naja vllt. gab es mehr Wählerstimmen? Dann könnte man Becksteins Engagement nachvollziehen aber wie man so stur bleiben kann, ist und bleibt mir ein Rätsel. Spiele in die Größenordnung von Kinderpornographie einzuordnen ist außerdem fragwürdig, da sie ja offensichtlich nicht so schlimm sind sondern einfach nur härter bestraft werden sollen. Somit kann man das Handeln der Günther Beckstein sicherlich auch in die Größenordnung von Kinderpornographie einordnen, damit es spürbare Strafen für solch populistische Politik gibt.

  2. Die CSU hat 42,8% bei den Landtagswahlen in Bayern bekommen. Wenn ich richtig informiert bin ist das reichlich weniger als sonst.
    Also wenn er Stimmen wollte hat der Kerl mit seinen idiotischen Aussagen das genaue Gegenteil von dem bewirkt was er wollte.
    Ich hoffe dass diese verstärkte Hetze vor den Wahlen nur für Wählerstimmen in den älteren Bevölkerungsschichten sorgen sollte und jetzt erstmal wieder wenigstens an Intensität etwas abnimmt.

  3. ja 17,x % *G* bei RTL2 News haben sie gesagt, dass so ein Verlust seit Jahrzehnten nicht vorgekommen ist. Tya Erstwähler haben halt auch eine Stimme… ;-) und bei denen wird die Killerspiel Debatte mehr eindruck gemacht haben als die Parteiprogramme.

    @”Seitenmacher”: Gute Zusammenfassung, des Irrsinns was die Politiker alles Unternehmen wollten und wie sie gescheitert sind.
    Hoffen wir, dass die CSU/CDU endlich lernt, dass wir Spieler nicht mit Amok-Läufern oder Kinderschändern gleichgestellt werden wollen, Verbote nutzlos sind und Paintball 15 km hinter den Grenzen von Deutschen mit freute gespielt wird.

    Zitat Duke:” eins auf seine “(politische)” Schnauze Bekommen ” ja bei den Übertragungen sahen manche CSUler aus als hätten sie es nicht über die 5% Hürde geschafft *G*

    Happy Coding

  4. „Killer-Spiele’ sollten in der Größenordnung von Kinderpornographie eingeordnet werden, damit es spürbare Strafen gibt.“

    wenn man jetzt noch “Kinderpornographie” mit “Beamtenbeleidigung” oder noch besser, mit “Raubkopie (oder wie man den Vorgang des erstellens einer “Raubkopie” auch nennt o0)”, dann fängt der satz an, logisch zu werden.

    MfG

  5. genau das, sagte ich vor 5 Jahren vorraus!!! Wenn die Zocker unter den Wählern immer mehr werden, dann wars das für die CSU, und genau so läuft es auch!! Wenn die jetzt nicht anfangen, mit dieser Hetze aufzuhöhren, dann wird das auch so weiter gehen.

    Wie heißt es so schön? “KEINE STIMME FÜR SPIELEKILLER”!

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