Chatprotokoll vom Dienstag

Gestern hatten sich die Bundestagsabgeordneten Christoph Pries (SPD), Hans-Joachim Otto (FDP) und Dorothee Bär (CSU) Fragen zur Gefährlichkeit von Videospielen gestellt. Pries und Hans-Joachim wurden nicht müde den kulturellen Wert von Videospielen zu betonen und Vorwürfe der Unsachlichkeit an die Adresse des bayrischen Staatskanzlei weiterzuleiten:

Kaum ein Politiker der sich mit der Materie beschäftigt fordert ein Verbot s.g. Killerspiele. Haupsächlich Vertreter der Union (CSU in Bayern) machen dies.”

Ansonsten herrschte eine erschreckende Einigkeit. Niemand fordert ein Verbot von “Killerspielen”, keiner sieht in ihnen die Ursache für Amokläufe und allesamt wollen über den Inhalt von Videospielen aufklären sowie “Medienkompetenz stärken“. Selbst bei der Änderung der USK-Prüfsiegel gesteht man ein, dass ein Redesign wohl sinnvoller als das simple Vergrößern gewesen wäre.
Allein Dorothee Bär sorgte für etwas Abwechslung. So führte sie nicht den Jugendschutz sondern ethische Erwägungen als Grenze für gewalthaltige Videospiele an:

Um eben den freien, mündigen Bürger zu achten, bin ich gegen ein Pauschalverbot von gewalthaltigen Computerspielen. Allerdings hört die Freiheit des Einzelnen für mich da auf, wo Darstellungen gegen die Menschenwürde verstoßen.”

Den folgenden Angriffen musste sich Dorothee Bär ohne Beistand ihrer Kollegen erwehren, obwohl sich auch Pries am Ende ihrer Meinung anschloss:

[…] Es gibt Spiele, Videos oder andere Medien, die der Öffentlichkeit […] nicht zugänglich sein sollten, weil sie menschenverachtend sind.”

Vehement verteidigt wurde das Instrument der Indizierung. Dieses sei “für den Jugendschutz […] unabdingbar“, da “damit der Zugang für Jugendliche erschwert wird“. Auch seien “Indizierte Spiele […] ja nicht “verboten” sondern nur im Vertrieb eingeschränkt.”, so dass man sie “jederzeit erwerben” könne. Dass die Indizierung einem faktischem Verbot gleichkommt, so dass Publisher in der Regel auf eine Veröffentlichung verzichten, wurde nicht problematisch gesehen. Kürzungen, um noch das Kennzeichen “keine Jugendfreigabe” zu erhalten, würden dagegen “von den Unternehmen gemacht, um den Vertrieb zu erleichtern oder eine größere (jüngere) Zielgruppe zu erreichen“. Den Staat treffe hier somit keine Schuld.

Aber zumindest bei der Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen waren sich die Politiker uneins:

Von Rufmord kann keine Rede sein! Die Journalisten recherchieren ein Thema vor der Veröffentlichung sorgfältig und äußern dann ihre Meinung – das ist ihr gutes Recht.” (Dorothee Bär)

Die Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Programmen war oft undifferenziert.” (Hans-Joachim Otto)

(Danke an pEaNiZ für das Protokoll.)

10 Gedanken zu “Chatprotokoll vom Dienstag

  1. “Die Journalisten recherchieren ein Thema vor der Veröffentlichung sorgfältig und äußern dann ihre Meinung.”
    Genau ich sehe auch bei CS ständig zerfetzte Leichen und lieterweise Blut *sarkastischwerd*

    Haben die sich den Bullshit den die da von sich gegeben haben überhaupt mal angehört oder sich mal informiert ob das auch nur im geringsten stimmen könnte (was es nicht tut)?

  2. Ich sah zumindest bei Herrn Otto, der auch meine Frage als Einziger beantwortete, einigermaßen Sensibilität bei dem Thema.
    Grundsätzlich machte das Gespräch auch einen eher positiven Eindruck auf mich. Ich bin selbstverständlich auch gegen “menschenverachtende” Computerspiele, lehne Gewaltverherrlichung grundsätzlich ab und würde es noch dazu unterstützen, dass die Menschenwürde tatsächlich verletzende Titel vollständig aus dem Verkehr gezogen werden – bloß sehe ich das kaum noch ausreichend begründet bei sämtlichen beschlagnahmten Titeln in Deutschland, dem eigentlichen Unikum als Praxis neben Indizierungen, an Gewalthandlungen mit Alltagsgegenständigen oder besonders expliziten, affektorientierten Körperdarstellungen lässt sich keine “Menschenwürde” oder “Menschenverachtung” für mich ableiten – eher schon wenn anderem (Spielen) oder halt gar anderen (“Killer”-SpielerInnen) Absenz von “Menschenwürde” oder “Menschenverachtung” einfach so unterstellt wird…
    Was mir auffiel, ich habe die Diskussion womöglich dafür nicht genau genug verfolgt, aber bei den ganzen kritischen Anfragen an die PolitikerInnen zur Gewaltfrage schien mir das zweite angekündigte Thema des Chats, die Suchtgefährdung gar nicht behandelt worden zu sein – kann das sein?

  3. Ich persönlich habe mehr Probleme damit, dass eine virtuelle Figur ein NPC oder was auch immer mit Menschen gleich gesetzt wird als mit “expliziter” Gewaltdarstellung gegen virtueller Figuren. Denn man setzt nicht NPCs mit Menschen gleich sondern man setzt Opfer von Gewalt mit virtuellen Figuren gleich und dass ist eine Frechheit.

    Und Indizierungen bedeutet nur, dass es die jugendlichen sich illegal aus dem Netz ziehen. Ich bin der Meinung, “ab 18” sollte narrenfreiheit herrschen, da jeder Erwachsene es selbst entscheiden muss und können sollte ob er so eine Gewaltdarstellung will oder nicht. Idee: Man müsste vorschreiben, dass bei Spielen sich der Grad der Gewalt einstellen lassen muss. zB Alle Gewalt, nur Blut (abtrennbare Körperteile), kein Blut keine Körperteile fliegen umher (nur weil bei Fallout 3, es in der Deutschen Version keine abtrennbaren Körperteile gab, aber es einen Uncutpatch 3 Tage vor dem Deutschlandstart gab).

    Ansonsten sieht es danach auch, dass die Diskussion um “Killerspiele” langsam aber sicher Erwachsen wird. Hoffen wir dass beste.
    Happy Coding noch.

  4. Ich finde die USK bewertet schon hart genug … Also finde ich es unnötig bei unserem von vielen Leuten als Vorbildlich bezeichneten “Jugendschutzsystem” ein Verbot gegen sogenannte “gewaltverherrlichende” Spiele durchsetzetzen zu wollen. In vielen betont brutalen Spielen wird deutlich gemacht wie schädigend Waffen und Gewalt sind. Wir sollten uns Fragen ob es der richtige Weg der Politiker ist wenn man eine Gewaltnormaliesierende und reele Gewaltberreitschaft verhindern will es so darzustellen als wären die Spiele mit NPCs (Non Player Charackters)genau so schlimm wie die realität.

    … Und warum ist ein Actionreicher Film wie “James Bond 007 :A Quantum of Solace” (“Ein Quantum Trost”) ab 12 Jahren freigegeben und das gleichnamige Spiel mit gleich brutalen oder sogar unblutigerem Inhalt bekommt keine Jugendfreigabe … Ich persöhnlich glaube nicht das ein Verbot etwas bringen würde, da auf ein gekauftes Spiel schon 20 illigale Duplizierungen kommen… und ich glaube das Jugendliche die meisten Teile dieser Disskoussion auch ignorieren werden. Wer kennt das nicht was verboten ist reizt am meisten .

    Mit freundlichen Grüßen Goldsteal

    P.S : Liebe Politiker bitte informiert euch über den Inhalt solcher Spiele besser und spielt sie am besten auch selber, deamit ihr einen unverfälschteren Eindruck bekommt …

  5. Zum Thema PEGI muss ich dagen, dass ich es teilweise sehr verwirrend finde, wie sich diese beiden Systeme in Detuschland gegenseitig unterlaufen. Dabei ist meiner Meinung nach, nur duch einen kurzen Besuch in einem Elektronik-Markt zustande gekommen,nichtmal eine klare Tendenz zu erkennen, die etwa aussagen könnte: “PEGI ist immer 2-3 Jahre tiefer als USK”. Mitnichten. Bei der Hälfte der Spiele ist PEGI weit unter USK, bei der anderen ist es aber umgekehrt und PEGI sagt 16+ oder 18+ und USK 12…dabei hat man leicht den Eindruck, das es bei Spielen deutscher Herrsteller eher umgekehrt ist und USK 6 oder 12 einstuft, wärden PEGI mit 16+ warnt…Das Ganze wird nun noch durch diese riesigen Rechtecke der USK auf die Spitze getrieben, in denen die Zahlen immernoch kleiner sind als die von PEGI, wie auch schon auf sieder Seite beschrieben. Viele Spiele mit noch kleinen Rechtecken hatten dafür große rote Aufkleber, als ob sie reduziert sind…nur darauf steht dann “Keine Jugendfreigabe”.

    Zum Thema Film und Spiel kann ich Goldsteal nur zustimmen. Es gibt Studien, die belegen den größeren Einfluss von Filmen gegenüber dem Einfluss von Computerspielen und dennoch wird in der Realität komplett konträr verfahren. Das liegt wohl kaum am Jugendschutz als vielmehr an der starken Filmlobby…

  6. @hopfen
    Was ich der USK Vorwerfe ist Action-Titel grundsätzlich oder aufgrund deren Perspektive harscher, also höher einzustufen. Das ist eine Präjudizierung aufgrund der politischen Lage in Deutschland und für mich absolut verwerflich, da einer Diskrimnierung so nur Vorschub geleistet wird und eigentlich sämtliche Vorurteile gegen in der ersten Person erzählte Action-Darstellungen so unweigerlich mitgetragen werden.
    Rollenspiele werden dabei weiterhin niedriger eingestuft von der USK (Beispiel: “Oblivion” – USK-12, PEGI-16).
    Besonders deutlich wird das bei gesellschaftlich scheinbar noch ganz akzeptablen Gewaltinhalten wie im Eishockey-Sport: USK-0, PEGI-16…
    Die PEGI Hat früher Glücksspiel-Inhalte wie Roulette übrigens generell ab 18 Eingestuft, bis (nach Kritik?) auf eine 12er-Klassifzierung zurückgefahren wurde. Solche Inhalte sind von der USK Grundsätzlich ohne Altersbeschränkung freigegeben – was wieder auf die politische Fokusierung auf Gewaltdarstellungen verweist: Vorstellungen wie vom notorischen Rainer Fromm einmal ganz konkret formuliert, dass etwa “Krieg” wie in der “Realität” grundsätzlich ab 18 Sein sollte, erfüllte so wesentlich eher die PEGI, da solche Glücksspielinhalte in der “Realität” ja auch erst ab 18 sind.
    Darüber hinaus wird bei der USK Bei “Kriegen” noch grundsätzlich so verfahren, dass alles was im 20. Jahrhundert spielt oder halt schon bis in die Gegenwart hineinreicht höher klassifziert wird – was bei der PEGI Wiederum ebenfalls nicht unbedingt der Fall ist.

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