Pressespiegel zum “Kölner Aufruf”

Mittlerweile ist der “Kölner Aufruf” im Internet angekommen: heise, golem, gulli (Mit Quellenangabe!), shortnews, chip.de, gamona, gamezone, gamestar, pcgames, 4players, gamescaptain, Thomas H. Kaspar und Gunnar Lott setzen sich mit dem Text auseinander.
Zwar wurde die Petition anfangs für einen verfrühten Aprilscherz, ein Werk von Aktionskünstlern oder eine Parodie gehalten, aber nun hat man erkannt: Die meinen es wirklich ernst! Neben allgemeiner Verwunderung über die gewählten Worte konnte ich drei Artikel finden, in denen der Verstoß zumindest nicht negativ bewertet wird. Während sich Bildungsklick noch um neutrale Darstellung bemüht ist beim Deutschlandkulturradio der Pädagoge Michael Felten (Danke an amegas.) – wie die Neue Rheinische Zeitung auch – auf die Formulierungen voll angesprungen:

Ballerspiele – bisher dachte ich, das sei wie Schießbude auf der Kirmes. Jetzt hat mir ein versierter Freund mal einiges gezeigt. Von wegen harmloser Trefferspaß: stundenlanges Quälen animierter Menschbilder, Gliedmaßen abhacken, gezielte Kopfschüsse, Bombenlegen. Es sind vor allem junge männliche Wesen, die heute auf solche Perversionen abfahren. […] da fühlt man sich angeblich schnell minderwertig, da fasziniert einen alles, was scheinbar Größe und Allmacht verleiht. […]. Häufig genug virtuell trainiert, sitzt die Lektion dann aber auch im real life […]. So lernen manche schon vor dem Schulabschluss, was skrupellose Söldner können – in Zeiten weltweiter NATO-Kämpfe vielleicht kein ungelegener Nebeneffekt. Die ersten Killerspiele hat jedenfalls das amerikanische Militär erfunden, um die Treffsicherheit zu erhöhen und Tötungshemmungen abzuschwächen […].”

22 Gedanken zu “Pressespiegel zum “Kölner Aufruf”

  1. Irgendwie muss ich darüber lachen. Auch wenn das Thema eigentlich ja doch ernst ist, ich find das lustig.

    “Jetzt hat mir ein versierter Freund mal einiges gezeigt” – entweder sein freund hat das spiel selber programmiert oder er lügt ;)

  2. Langsam wirds auch aus ökonomischer Sicht politisch fragwürdig und einigermaßen beängstigend damit finde ich.
    Dass da im “Kölner Aufruf” ausgerechnet die Fachhochschule Köln angegriffen wurde, da hielt ich einen lokalen Zufall noch für möglich. Aber nun soll der Fürther Oberbürgermeister samt gleich 20(!) Stadträten die Petition ebenfalls unterzeichnet haben, wobei mir zu Zeiten der Anti-CSU-Aktion der Zeitschrift “PC Games” schon immer aufgefallen ist, dass diese wenn woanders darüber berichtet wurde immer als “Fürther” Magazin wahrgenommen wurde.
    Der Verlag reagierte in einem Schreiben jetzt auch darauf, wobei mich besonders die anscheinend doch nötige ökonomische Rechtfertigung des Unternehmens traurig machte: http://www.pcgames.de/aid,671456/Koelner_Aufruf_gegen_Computergewalt_-_Computec_schreibt_an_den_Fuerther_Stadtrat/News/

    Da heißt es seltsamerweise, dass die Petition gestern erst erschienen sei, wobei mich meine Mutter gestern noch darauf aufmerksam gemacht hat, dass ich ihr schon vor drei Wochen das erste Mal davon erzählt habe. Wie auch immer wo die Zeit vergeht..

  3. You can add GamePolitics to the list (although there isn’t an English translation of this “kölner aufruf” yet) : http://www.gamepolitics.com/2008/12/22/report-cologne-declaration-targets-violent-games-germany

    In France, as there was a translation by French edition of Zeit-Fragen, there were some reactions, including mine on “Canard PC” ( http://www.canardpc.com/news-31836-Ils_ont_un_balai_dans_le_Koln.html ), and a friend’s one on “Game in Society” ( http://www.gameinsociety.com/post/2008/12/19/Petition-%3A-arretons-les-jeux-video-violents ).

  4. “…um die Treffsicherheit zu erhöhen…”
    Natürlich, Man kann mit einer Maus oder einem Gamepad prima das Zielen üben. Mal ernsthaft die Trainingsprogramme der Ami-Soldaten sind garantiert nicht mit einem CS oder GTA zu vergleichen.
    Was die Games angeht die der Kerl zockt hört sich das vonwegen dem Quälen und dem Abtrennen von Gliedmaßen höchstens nach Postal 2 an (ein anderes in dem beides ohne Mod geht kenne ich nicht). Wenn das der Fall sein sollte hätte ihm sein “versierter Freund” auch sagen müssen dass es in Deutschland nicht verkauft werden darf.

  5. Ich finde es immer wieder lachhaft, was uns die Politiker und Möchtegern-Pädagogen reinwürgen wollen.
    Treffsicherheit durch Spiele erhöhen, lernen zu schießen, Menschen umzubringen.
    Ich selber bin AirSoft-Spieler (AirSoft kommt der Realität in Sachen Waffenschwere/etc. schon sehr nah) und spiele auch regelmäßig EgoShooter (darunter auch sogenannte “Killerspiele”) und ich kann sagen, dass Egoshooter am PC rein GAR NICHTS damit gemein haben, dass man eine Waffe korrekt laden, entsichern und abfeuern kann, geschweige denn vom Zielen.
    Ich kenne jede Menge “Killerspiele”-Spieler, aber keiner von ihnen weiß überhaupt genau, wie man das Magazin bei einer Waffe reintun muss, geschweige denn, dass sie wissen, das der Rückstoss einer Waffe einem den Arm oder die Schulter brechen kann.

  6. Moment…
    Laut deren Aussage wird ein Übel auf die Welt losgelassen, dessen einziges Sinnen die Vernichtung von Moral, Werten und sozialem Grundgefüge ist (wenn man mal auf dieselbe Weise überdreht wie auch die Herrschaften Pfeiffer und Co. dazu neigen). Nicht nur, dass dieses Übel von allen Seiten übersehen wird, nein, es wird sogar noch gefördert.
    Dieser Aufruf ist bereits jetzt politisiert, wie sonst sollten die Amerikaner da hineinspielen? Subtil wird dem US-Militär hier die Schuld in die Schuhe geschoben.
    Aber das allein reicht nicht, jetzt stecken noch kritische Wissenschaftler mit skrupellosen Militärs und geldgierigen Kapitalisten unter einer Decke.

    Es wundert mich allen Ernstes, dass im Flyer des Aufrufs nicht das Wort “Verschwörung” aufgetaucht ist.
    Bleibt die Frage, wie dieser wie im Hassdelirium dahingeprügelte Text auf nur irgendeine Weise tatsächlich ernst genommen werden kann.

    Ich schließe mich Poddel an. Ich habe selber scharf geschossen, regelmäßig, prinzipiell habe ich damit sogar Geld verdient – in keiner Weise, nicht einmal auf psychischer Ebene, sind reale Schusswaffen mit der Nutzung von Gamepad oder Tastatur zu vergleichen.

    Was hier fabriziert wird, grenzt ans Lächerliche.

  7. Sehe schon berge von spielen auf dem domplatz brennen ^^ wie bescheu….t ist dass bitte? …1. ich habe dass umgehen mit einer waffe bei der Bundeswehr gelernt und nicht beim spielen von egoshootern. 2 glaube ich nicht dass das us millitär durch spiele die hemschwelle ihrer soldaten senkt, dient meiner meinung nach eher als werbung da es nicht wie bei uns die millitär pflicht gibt. 3 in meiner zeit bei der BW wurde ich auch in meinen zielübungs trainingsimulator ausgebildet und selbst dass kam der realität nicht nahe. denn realer wird es erst wenn du häuserkämpfe machst und mit deinen gewehr wo ein laser angeberaucht war (ka wie des heisst) auf menschen (kamarden) zielen und abdücken müsst. du weisst es passiert nichts aber in deinem kopf spielt sich was anderes ab und dass habe ich in spielen egal wie brutal noch nicht erlebt.

  8. Matricks:
    Du meinst das AGDUS System, was lediglich über Lichtimpulse funktioniert.
    Zur Erklärung:
    Sowohl an der technisch hergerichteten Waffe als auch an der Ausrüstung der teilnehmenden Soldaten sind entsprechende Sender und Rezeptoren angebracht, so dass sowohl “Schüsse” abgegeben werden als auch vom System aufgenommen werden können, um einsatznahen Gebrauch von Waffen zu üben.
    Und ich stimme dir zu, Matricks – ein ähnliches Gefühl lässt sich vom besten Spiel nicht imitieren. Da ist es irrelevant, was manche Leute behaupten, eine Tastatur, Maus und Bildschirm trennen den Spieler davon, sich dort hinein zu empfinden.

  9. @makkaal, Matricks & Poddel
    Da habt ihr in der Tat recht mit euren Ausführungen. Würden die Aussagen im Aufruf hierzu stimmen, müssten die meisten Shooter Spieler -ich eingeschlossen- perfekte Kampfmaschinen sein, die so ziemlich jede Waffe, die auf der Welt im Umlauf ist, einsetzen können. Das echte Waffen allein schon von Gewicht her wesentlich schwerer sind, als die gewöhnliche Maus und das ballistische Verhalten sich von dem der Simulation (=Shooter) unterscheidet, berücksichtigt keiner. Ergo ist es nicht möglich, auch nur ansatzweise das Zielen zu trainieren.

    Auch bei Softair Waffen ist es nicht wirklich möglich, auch wenn die höherwertigen Modelle was das Gewicht und die Anbringung von Abzug usw. angeht realistisch(er) sein sollen (für einen wirklichen Vergleich bräuchte ich die realen Pendants meiner beiden Softair’s). Auch hier ist die Ballistik jedoch eine gänzlich andere, denn kleine Plastikkügelchen fliegen nun mal anders als Metallgeschosse.

    Gleiches gilt für AGDUS und Laserdrom Systeme; hier kommen zwar im Gegensatz zu Shootern noch stärker körperliche und psychische Elemente dazu, doch ist es auch damit nicht wirklich möglich, den Einsatz von realen Waffen zu üben, weil sie eben nur eine vergleichsweise simple Simulation sind und zumindest beim Laserdrom üblicherweise fiktive Waffen verwendet werden, die denen aus Star Wars ähneln.

  10. –Rechtschreibfehler sind beabsichigt und dienen der allgemeinen Belustigung–

    Ich muss sagen, ich finde diese ganze Thematik “Kölner Aufruf” einerseits einfach nur lächerlich,
    da die immer wieder genannten Argumente für ein Verbot mittlerweile noch und nöcher wiederlegt wurden. wie etwa das oben genannte Waffentraining. Dies lässt für mich nur auf eine absloute Unwissenheit der Initiatoren schließen. Es ist doch wohl angebracht wenn man schon einen ganzen wirschaftszweig verbieten will, sich wenigstens mal mit ihm auseinader zu setzen und sich selber ein bild zu machen. (Das die Leiter vom “Kölner Aufruf” mediale Nulpen sind sieht man ja leider schon an deren offiziellen Seite…)

    Andererseit finde ich es nach wie vor erschreckend wie populär solche “Hass Kampanien” sind. Man ist halt immer schnell bei der Hand wenn ein vermeindlicher Sündenbock gefunden wird. das hat ja leider auch vor 70 Jahren geklappt. (ist unpassend und geschmacklos, ist mir klar. allerdings ist es auch geschmacklos wie etwa selbst WoW (ich spiels nicht, will meine seele nicht an Blizzard verkaufen) als
    Kriegsspiel stigmatisiert wird. Außerem benutzen einiege Managerfreunde diese Vergleiche auch)

    Was ich aber nicht ganz verstehen:
    Wenn diese Eltern so besorgt um ihre kinder sind, warum achten sie dann nicht einfach darauf was diese spielen?

    Traurig nur, dass die, die am lautesten “VERBOT, VERBOT” schrein, die sind die am wenigsten bereit sind mit uns, denen die wir täglich “das töten trainieren” den dialog zu finden und villeicht mal einen etwas anderen Blick auf die ganze Sache bekommen. Es sollte doch das mindeste sein, wirklich zu wissen was man da verbieten will.

  11. Zu dem Trainign des US Militärs:
    Ich kann bedauerlicherweise gerade keinen Link als Beweis hinterlegen,jedoch las ich,als die Diskussion etwas hitziger war,dass das US Militär damit aufhörte,weil es nicht klappte.Die Zielscheiben mit den Draufgemalten Umrissen scheinen besser zu funktionieren;es kommt allerdings vor,dass von Zeit zu Zeit Spiele als Taktisches Trainign benutzt werden,und manche dafür sogar entwickelt werden (siehe Full Spectrum Warrior).

  12. Anmerkung:Im 1.Teil meines Kommantares ging es um folgenden Satz:” Die ersten Killerspiele hat jedenfalls das amerikanische Militär erfunden, um die Treffsicherheit zu erhöhen und Tötungshemmungen abzuschwächen […]”

    Wobei das mit der Treffsicherheit bekanntermaßen Schwachsinn ist.

  13. @Hejoba:
    .
    Irgendwie “frisst” mein WordPress die Absätze. Deswegen hat er sich hier eingebürgert diese durch irgendwelche Platzhalter zu erhalten^^.
    .
    @Utarefson:
    .
    1. Das die USA die Zielgenauigkeit von dem Unabhängigkeitskrieg über 1. und 2. Weltkrieg sowie Vietnamkrieg zum 1. (2.) Irakkrieg (?) hin steigerten steht in diesem Text:
    -> http://www.initiative.cc/Artikel/2004_07_26%20Videospiele.htm

    .
    Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass die Zunahme der “Tötungswilligen” auch damit zu tun hat, dass die Wehrpflicht außer Kraft gesetzt wurde und nun Berufssoldaten kämpfen, die vielleicht nicht direkt Spaß dran aber zumindest weniger Skrupel haben.
    .
    2. Auch das wird glaube ich hier vertreten:
    -> http://www.hsg-kl.de/faecher/inf/spiele/warum.htm

  14. zum us-militär und den spielen: davon abgesehn, dass das argument zielen lernen unfug ist ist klar.

    das (nichtmal genannte) argument des taktiklernens ist auch meiner meinung unsinn, da ein gezielter militäreinsatz mit einem “wirren” amoklauf hoffentlich wenig gemeinsam hat.

    aber leider muss man sagen, dass die us-armee rekrutirungsspiele hat ( http://www.americasarmy.com/ )
    hier kann man sich dann direkt bei der armee melden, weil man das auch in echt machen möchte was im spiel su super lief.
    klappt leider wirklich, aber gottseidank nur in amerika.

    (ich hoffe das klappt nun mit den absätzen)

  15. @Hejoba bezüglich “wirrer Amoklauf”:
    Der Begriff “Amoklauf” ist bei den Taten von Erfurt und Emsdetten, auf denen die Spielegegner so gerne herumpochen, in der Tat irreführend. Es handelte sich dabei soweit ich es sehe nicht um spontane Taten im Affekt, quasi ein plötzlicher Ausbruch von Wut und anderen angestauten Emotionen mit fatalen Folgen.
    Vielmehr, so verstehe ich sie zumindest, waren sie lange geplante, möglichst medienwirksam inszenierte Abtritte von einer verhassten Bühne, vielleicht sogar (zumindest Sebastian B.s Abschiedsbrief legt dies nahe) ein Versuch, die Leute wachzurütteln, dass nicht alles in unserer Gesellschaft so toll ist, wie viele das gerne sehen wollen.

    Falls jemand mehr dazu wissen möchte, auf dieser Seite (nicht von mir), gibt es einige interessante Denkanstöße: http://freisein.wordpress.com/
    Besonders dieser Text hat es mir angetan: http://freisein.wordpress.com/2006/12/23/die-killerdebatte/

  16. Zitat von initiative.cc über CS: “Köpfe explodieren, Körper sacken zusammen. Opfer zucken noch etwas und sterben” wenn die leute dies ernst meinen, dann haben sie keine Ahnung vom Thema…

    Kein (realer) Amokläufer hat je ein Computerspiel nachgeahmt, alle Amokläufer waren Fälle an denen unser Leisungsdruck-System versagt hat! Sie sahen keine Zukunft und keinen Weg haraus aus ihren Problemen. (Der eine wurde vorm Abitur von der Schule geworfen, also keine Möglichkeit irgendwas weiter zumachen. Andere sind von den in der Schule immer erhöten Leistungsdruck überfordert. [“Mehr Stoff” + “weniger Zeit” -> Leute drehen durch! Es ist eine einfache Rechnung.])

    In CSI und anderen Krimi Serien werden aber Amokläufer gezeigt, die mit Worten wie “boa Extra Punkte” erst Leute erschießen, dann Frauen vergewaltigen wollen und dann an einen Klickzähler ihre “Erfolge” festhalten. Durch solche Serien hält sich hartneckig dieses Bild der Amokläufer!
    Happy Coding!

  17. @The_Real_Black
    Gibts bei CSI Tatsächlich so eine Episode? Interessant… Ich kenne ja nur einen Tatort mit der Sabine Postel von vor ein paar Jahren mit nem solchen Hintergrund, aber hab bei “CSI Miami” beim durchzappen mal schon einiges fragwürdige Denunziantentum unter deren Drehbuchautoren erlebt, sodass ich mir gedacht hab, mit dem David Caruso ist es seit der wirklich guten ersten Staffel von NYPD Blue seinerzeit ja weit gekommen…
    Irgendwie schon soetwas wie eine “Frontbildung” des Fernsehens gegenüber anderen, neueren Medien feststellbar – auch in Amerika…

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