Bedenkliche Rhetorik

2008 war rückblickend ein interessantes aber auch amüsantes Jahr. Zum einen strengt sich der Bundestag an Videospiele als Kulturgut zu fördern, auf der anderen Seite wurden etliche Spiele indiziert oder verboten. Eine Strategie die scheinbar aufgeht: Mittlerweile wird für den deutschen Markt ein Großteil der „härteren Spiele“ geschnitten oder es wird von einer Veröffentlichung abgesehen. Ob man fragwürdige Spiele auf diese Art verbannen kann ist aber zweifelhaft. So wird die Software einfach aus dem Ausland importiert oder (illegal) heruntergeladen.

Ansonsten durften wir über einige Kritiker von Videospielen doch sehr staunen. So unterstützen mit Renate Hänsel, Rudolf Hänsel, Werner H. Hopf, Christian Pfeiffer, Regine Pfeiffer, Manfred Spitzer und Rudolf H. Weiss beinahe alle „Spielekiller“ ein Papier, in dem einem „militärisch-industriell-medialen Komplex“ unterstellt wird gezielt „Akzeptanz für die derzeitigen und künftigen Kriege zu schaffen“ sowie mit „mit «Spielen» die künftigen Soldaten heranzuziehen„. Formulierungen in denen man fürchtet, dass „Köpfe und Herzen unserer Kinder […] durch Killerspiele mit Krieg und Gewalt vergiftet werden „, hören sich etwas bedenklich an. Wobei bereits Brigitte Zypries ähnliches Vokabular gebrauchte: „Fernsehen, Computerspiele und Spielekonsolen sind für Jugendliche Gift.“
Den Publisher EA traf es 2008 besonders hart. Regine Pfeiffer, die bereits Gunnar Lott (GameStar) als „Ego-Shooter“ bezeichnete, verunglimpfte das Unternehmen als Schweinefirma und Jack Thompson nannte den Vorstandschef Strauss Zelnic eine „inkompetente, rücksichtslose Knalltüte„. Der jüngste Kurssturz der Aktie sei im Übrigen eine „göttliche Rache„.

13 Gedanken zu “Bedenkliche Rhetorik

  1. Die Diskusion wird spätestens überflüssig, wenn solche ausdrücke benutzt werden und bestimmte Menschen einfach aufgrund der eigenen sehr subjektiven und meist mit finanziellem oder politischem Gewinn zusammenhängenden Meinungen beleidigt werden müssen. Diese Spiele mögen für diese Menschen geschmacklos und sehr brutal sein doch das rechtfertigt nicht ein Verbot dieser Spiele. Wenn jemand sich auf ein solches Niveau herunterlässt, bedeutet es meistens auch gleichzeitig, dass vernünftige Argumente ausgegagnen sind und man einfach noch krampfhaft versucht, die eigene Meinung durchzusetzen, obwohl es einfach keine schlagkräftigen Argumente mehr gibt. Regine Pfeiffer ist nicht einmal mehr so ehrenhaft, sich für ihre Beleidigungen gegen EA zu entschuldigen und EA hatte nicht einmal die Chance, sich zu rechtfertigen. Christian und Regine Pfeiffer fälschen ihre eigenen Studien und versuchen damit ihr finanzielles Interesse durchzusetzen. Diese Personen sind nur einige äußerst unglaubwürdige Beispiele für Verfechter eines Verbotes, gewalthaltiger Videospiele.

    mfg the_punish3r

  2. @the_punish3r
    Recht hast du, nur leider bleiben solche Meinungen bei vielen im Kopf hängen, so dass sie sich nicht ins Nirvana verflüchtigen, sondern hängen bleiben, ausgeschmückt werden und auf vielfache Weise herausgekramt werden, wenn’s grad mal wieder an der Zeit ist. Im übrigen vermute ich, dass die Pfeiffers ihre Kampagnen als ehrbaren Kreuzzug ansehen gegen die „bösen“ Spiele ansehen. Wie sagte schon Obi-Wan Kenobi: „Vieles hängt vom persönlichen Standpunkt ab“

    Grad den Bezug zu Gott von Thompson hat allerdings schon was satirisches, denn wenn so ein Hetzer den Verlauf von Aktienkursen als göttliche Fügung ansieht, sollte er doch auch bedenken, dass die biblische (von Gott ausgelöste) Sintflut letztlich auch als ein großer Massenmord angesehen werden kann. So könnte man der Bibel unterstellen, dass sie die Tötung von gottlosen Menschen legitimieren wolle. *Ironie*

  3. Wahnsinn, was unser Staat für Menschen hervorbringt.
    Leider sehe ich nur die stark negative Färbung, die punish3r schon anspricht, nicht in den öffentlichen Medien. Wer weiß denn, dass a) die Bezeichnung „Ego-Shooter“ für einen Menschen nicht nur völlig fehlplatziert, sondern auch noch absurd ist, und b) dass Herr Lott so genannt wurde mit der Implikation, ihn zu beleidigen.
    Ebenso die Aussagen über EA. Zwar bin ich auch kein Fan der Firma, doch faszinierenderweise scheint EA im Weltbild dieser Leute eine Stellung ähnlich der von IG Farben einzunehmen. Ich empfände es als mindestens ebenso lächerlich, wollte man LionsGate für den Film „Religulous“ oder Nuclear Blast für den Vertrieb von Dimmu Borgir CDs verteufeln.

    Die Frage ist nicht bloß, auf welche Weise und wie offensichtlich sich die „Aufrufer“ unglaubwürdig machen, sondern vielmehr, ob die Öffentlichkeit dies auch registriert.

  4. Das ist genau das Problem, weshalb wir uns wehren müssen, denn es wird alles als wahr empfunden, was diese Hetzer verbreiten. Es gibt schon genügend vorallem ältere Leute, die sich unter einem „Killerspiel“ ein Spiel vorstellen, in dem gefoltert, brutal gemetzelt und vergewaltigt wird. Diesen Menschen kann man keinen Vorwurf machen doch man kann es den Medien und auch den angeblichen „Rettern der Welt“ wie zum Beispiel Pfeiffe, Beckstein usw. vorwerfen. Die ersteren haben sich sogar selbst zu objektivität usw. verpflichtet, nehmen diese aber offensichtlich nicht so genau und die anderen vertreten politische oder wirtschaftliche Intreressen aber haben kein Interesse daran, Gewalt zu vermindern. Ihnen geht es ausschließlich um Geld und/oder Wählerstimmen. Ein Ziel der Diskusion für die Bevölkerung gibt es nicht, denn es geht ausschließlich um deren Interessen, weshalb ich für zwei neue Worte bin: Der „Ego-Politiker“ vertritt seine Meinung, um anscheinend selbstlos dem Volk zu helfen, kämpft tatsächlich jedoch nur für seine eigenen Interessen. Der „Ego-Wissenschaftler“ verbreitet absichtlich gefälschte Studien um seinem eigenen wirtschaftlichen Interesse zu helfen. Beide Gruppen neigen übrigens zu aggressivität und sind äußerst unsachlich, zeigen sich jedoch gerne im Rampenlicht um ihre Meinung zu verbreiten, solange keine ernsthaften Diskussionsgegner in der Nähe sind, welche bereits mit objektiven Erläuterungen die Argumente wiederlegen können.
    mfg the_punish3r

  5. Das wird echt immer laecherlicher.Komishcd as die auch jetzt erst damit anfangen wo es „Killerspiele“doch spaetestens seit Doom auf dem Snes gab.Naja irgendwie muss man sich ja ins Rampenlicht stellen.Also sowas unsachliches,was daz ur zeit abgeht,geht auf keine Kuhhaut.Man will sogar uns Erwachsenen evrbieten diese games zu spielen,pfeiffer und Co muessen mal starken Gegenwind spueren.

  6. Gegenwind wird warscheinlich nicht ausreichen. Die müssen (natürlich nur bildlich) gegen eine Mauer laufen. Die haben schließlich meist absolut keine Ahnung wovon sie reden, wollen mit ihrem Verbot unsere Rechte beschneiden und argumentieren fast ausschließlich haltlos und unsachlich.
    Letzteres sieht man ja in ihrer Ausdrucksweise: „Schweinefirma“ und ”inkompetente, rücksichtslose Knalltüte“.
    Das ist teilweise (da stimme ich Mike L. zu) einfach nurnoch lächerlich.

  7. Diese Menschen werden nicht einfach aufhören, da sie eigene Interessen haben und diese unbedingt durchsetzen möchten. Einfacher Gegenwind wird da nicht reichen. Man müsste ihnen eideutig zeigen, dass ein Erfolg ausgeschlossen ist… dann werden auch die egoistischen Verbotsforderer vielleicht irgendwann aufgeben.

  8. Na ja, ein JT Hat in den USA Seine Anwaltslizenz schon verloren…
    Darüber hinaus hat er sich mit unverantwortlichen Aussagen über den ehemaligen ESA-Präsidenten Doug Lowenstein bei moderateren Politikern die für strengere Regulierung von Spielen eintreten wahrscheinlich schon lange vorher völlig unmöglich gemacht, wie bei den Demokraten etwa Hillary Clinton oder Joe Lieberman auf Bundesebene.
    Ein Christian Pfeiffer hingegen wird weiterhin, womöglich noch verstärkt, willkommener Gast in diversen Fernsehsendungen sein, auch zu anderen Themen wie etwa Migration in Deutschland…
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    In Amerika haben sich auch schon früh entsprechende Organisationen auf Spielerseite gebildet, die zusammen mit der Industrie UND Der Verfassung etwa weiterhin erfolgreich gegen Gesetze arbeiten die in Deutschland zumindest seit 2003 Längst etabliert sind. Eine in den USA Dabei immer mit befürchtete „Pornographisierung“ des Status von Videospielen ist in Deutschland sowieso schon seit den 80ern gegeben, da jede Indizierung eine faktische Gleichstellung mit Pornographie bedeutet.
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    Wann wurde in Karlsruhe je etwas gegen diese Situation und für Videospiele vorgebracht?
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    Entschieden gegen Videospiele aufzutreten ist in Amerika sowieso eher eine Angelegenheit konservativ-religiöser Kreise allein, die zum Teil wiederum schon ihre eigenen „Gewaltspiele“ durchbringen wollen. Des weiteren gibt es natürlich auch einen „militärisch-industriell-medialen-Komplex“ der etwa eine Fundamentalopposition gegen ein Werbespiel der amerikanischen Armee öffentlich höchst unpopulär machen würde – ganz anders als in Deutschland.
    Dabei ist ein Aktivismus bei Videospielen in Deutschland nunmal leider einer dagegen, und insofern auch Regine Pfeiffer soetwas wie Deutschlands größte Videospielaktivistin.
    Ein deutscher Hal Halpin jedenfalls nicht in Sicht.
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    Zu den Verbotsforderungen für „Killerspiele“: spätestens seit diesem „Kölner Aufruf“, ich würde eher sagen schon seit dem Auftritt von Rainer Fromm beim Chaos Computer Club Ende 2007, hat sich hier gezeigt, dass, wenn es hier eine veritable politische Bewegung mit einem richtigen Anliegen in diesem Bereich gibt, dann eine gegen die Inhalte von Videospielen. Nicht nur mit Wertkonservativen besetzt, sondern auch mit (Teilen) der Friedensbewegung, antiamerikanischen Linken, etc.
    Der Gruntenor ist dabei stets der gleiche: jede Auseinandersetzung mit Krieg oder Gewalt wird in ihrer in Videospielen üblichen Darstellungsweise als affirmativ abgelehnt und weitergehned im Extremfall als Gift oder selbst Verbrechen beschrieben, je nachdem.
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    Es mag an mir und meiner Unperson liegen, aber bislang ist es mir kein einziges Mal noch gelungen mit Forschern/Journalisten aus Deutschland da längerfristig einen Kontakt zwecks Gedankenaustausch aufzubauen. Darüber was ein Videospiel als Fiktion alles dürfe scheint es selbst unter Spielern keinen Konsens in Deutschland zu geben, mal scheitert der an einem „Manhunt“, das einhellig als verwerflich betrachtet wird, ein anderes Mal am Thema Nationalsozialismus in „Wolfenstein“ – womit niemand was zu tun haben will. Es scheint auch unter Spielern einen Drang zu geben irgendwo doch für Verbote zu sein, die Ästhetik mancher Körperdarstellungen grundsätzlich abzulehnen und ebenfalls zu „verurteilen“… Im angloamerikanischen Raum hatte ich mit Kontakten und meinen Ansichten jedoch noch niemals Probleme, weshalb ich nicht genau sagen kann ob es wirklich nur an mir liegt.

  9. naja, trotz all der diffamierung die durch die medien geisterte gab es aber auch einiege lichtblicke,

    so habe ich (die wagen angaben tun mir leid) in den tagesthemen einen bericht über gewalt an schulen und videospielen gesehn. hier wurde deutlich darauf hingewiesen, das die gennanten studien nicht bestätigt sind. dessweiteren wurden auch spieler interviewt die ihren standpunkt dalegten.

    (möglicher weise werfe ich hier gerade 2 berichte zusammen, ich möchte damit auch lediglich andeuten, das so allmälich auch objektive stimmen lauter werden.)

    ein weiterer lichblick war, dass ich von immer mehr leuten höhre, dass sie zwar gewaltspiele nach wie vor nicht gut heißen, aber auf grund der so zahlreichen, offentsichtlich haltlosen äußerungen und unsachlichen berichte eingesehn haben, dass spiele doch keine biblische plage sind, sondern opfer von medienfutzies die sich zu wichtig nehmen, bzw. glauben die warheit gepachtet zu haben. (was für ein satz…)

  10. Naja, der beste Satz war ein Kommentar in der Tagesschau, wo in irgendeinem zusammenhang, ein Typ vom Hessischen Rundfunk, die Geschichte von dem Amokläufer aus den 60ern erzählt hat, der mit einem selbstgebastelten Flammenwerfer in seinen Religionsunterricht stürmte „rund 40 Jahre vor Counter-Strike und co.“

  11. @the_punish3r: Spiele „in dem gefoltert, brutal gemetzelt und vergewaltigt wird“
    In Japan gibt es Spiele in denen man Vergewaltigen muss. Ist oft der einzige Spielinhalt „RapeLay“ und viele andere bei denen die Spielfiguren „jung“ sind… sowas gibt es also, aber diese Spiele kamen noch nie nach Deutschland.
    gefoltert, brutal gemetzelt -> Manhunt (auch nicht in Deutschland erhältlich) ist so ein Titel, aber unser Jugendschutz und die Zensur klappte da aber schon viel früher sehr gut. Also dürfte dies kein Thema sein etwas zu ändern…

    Komisch ist nur, dass man von Japan immer hört dass sie eine sehr niedrige Sexualstraftatrate haben sollen, trotz Gewaltpornos und Vergewaltigungsspielen…
    Also sollte man auch annehmen, dass Gewaltspiele genau den gleichen Effekt haben. Keinen Gewalt aufbauenen Effekt sondern einen abbauenden wie Boxen oder sich mit Sport sonst irgendwie austoben…

    Back to Topic:
    Der ehemalige Anwalt Jack Thompson ist schon so ein Fall den kann man einfach nicht ernst nehmen…
    Die Preifer „Sie, sie Ego-Shooter“ hat auch keinen Grund mehr ernst genommen zu werden…
    Eben so wie alle die dne „Köllner-Aufruf“ unterschrieben haben…

    Gegenwind bzw eine Mauer ist eine Idee: ich bring da mal meine Mail Welle als Idee mit ein. Star Teck Rettungs Aktionen haben meist über 1.000-2.000 Unterschriften dies müssten wir Spieler doch toppen können (10.000) Und dann von jeder Unterschrift/Mailadresse eine Mail absenden… Dies müsste doch Eindruck schinden. Besonders müsste man diese Aktion auf ein TV Niveau bringen. 10.000 Mails an alle Sender und Zeitungen wird sicher nachrichten machen, keine Aktionen mehr wie „Wir wählen keine Spielekiller“ die sich nur unter Spielern verbreitet. Nur Spieler Hatten von der Aktion gehört in keiner nachrichten Sendung habe ich davon was gehört oder in einer Zeitung gelesen…

    Ich hoffe es wird mal was mit so einer Aktion.
    Happy Coding bis dahin ;-)

  12. @The_Real_Black: Davon, dass es Spiele gibt in denen der Spielinhalt vergewaltigen ist, wusste ich bisher noch nichts doch ich weiss, dass es Spiele wie Manhunt gibt. Wenn diese Menschen jedoch ein Verbot fordern, dann ist es unrealistisch, dass solche Spiele verboten werden sollen, die bereit bundesweit beschlagnahmt wurden und die Nennung von solchen Spielen ist daher als unzulässig einzuordnen, wenn Spiele wie Counter-Strike verboten werden sollen.

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