Computernutzung erst ab 13

Welche Videospiele Herr Pfeiffer warum verurteilt liegt nicht immer auf der Hand. Im Grunde ist sein Anliegen Jugendliche und Kinder vor für sie nicht geeignete Videospiele zu schützen. Das sind, so dachte ich zumindest, gewalthaltige Spiele und solche, die eine suchtartige Spielweise provozieren. Der Kritikpunkt dabei ist hauptsächlich der negative Einfluss auf die schulischen Leistungen:

Wer z. B. „World of Warcraft“ spielt, […] spielt das eben auch entsprechend lange […]. Dass da dann schulisch nichts mehr läuft, ist klar. […] Aber wir haben darüber hinaus auch festgestellt: Je brutaler die Inhalte der Spiele sind, um so schlechter fallen die Noten der Spieler aus.“ (Quelle)

In dieser Beziehung ist sogar die Komponente der virtuellen Gewaltdarstellung nur soweit relevant, wie sie die schulischen Leistungen zusätzlich beeinträchtigt. Wie Herr Pfeiffer die Beinträchtigung der Empathie und die Bedeutung bei Amokläufen bewertet kann ich nicht (mehr) nachvollziehen. Eine Zeit lang hat er eine Verbotsausweitung gefordert, dann war diese plötzlich sinnlos und die Indizierung besser geeignet und ausreichend. Trotzdem setzt er sich für ein Verbot vom Paten und GTA ein. Den subjektiv größten Meinungsumschwung gab es bei Amokläufen. Während er früher angab, dass die Mehrheit der jüngeren Amokläufer „sich erst am Computer in Stimmung geschossen” habe, kamen bei einem Gespräch mit N24 Videospiele ungeschoren davon. Auch bei hartaberfair bemühte er sich Videospiele nicht als Ursache darzustellen. Ob es tatsächlich einen Sinneswandel gab weiß ich nicht, vielleicht hat er auch nur verbal abgerüstet.

Übrigens erkennt Herr Pfeiffer, dass man Jugendlichen Aktivitäten bieten muss, „die sie wieder fordern und auf die sie sich mit Leidenschaft einlassen können„. Bei jungen Männern würde auch das Bedürfnis bestehen ihre Männlichkeit unter Beweis zu stellen, was jedoch nicht durch virtuelle Gewaltdarstellungen sondern durch reale Gewalt  geschehen solle. Dazu sei z.B. Rugby ideal geeignet.

Bisher dachte ich, dass dies abschließend die Punkte seien, die Herr Pfeiffer kritisiert. Aber ich habe mich offensichtlich geirrt. Die Aussagen in diesem Interview waren für mich neu. Ich nehme das Ergebnis vorweg: Herr Pfeiffer lehnt eigentlich alle Videospiele ab. Nur in manchen – bisher hypothetischen – Fällen, in denen konventionelle Mittel nicht zum Ziel führen, kann man ausnahmsweise auf Lernspiele zurückgreifen:

Die Stanford-University hat herausgefunden, dass ein Computerspiel sich richtig positiv ausgewirkt hat. Nämlich eines, dass zum Inhalt hat: Wie bringe ich Kinder dazu, auf spielerische Weise dazu, dass sie sich, wenn sie von Diabetes II erkrankt sind, richtig verhalten. […] Ich denke […] es gibt vielleicht auch Computerspiele bei denen man English lernen kann oder Mathe lernen kann. Das alles ist bisher systematisch nicht erforscht. Es könnte ja sein, dass nur Leute die sehr stark auf Computerspiele eingeeicht sind nur für English- und Mathematiklernen motivierbar sind, wenn es spielerisch verpackt wird. Dann wäre es im Grunde so eine Krücke, dass man dann Computerspiele nimmt und immer noch würde man zum Ergebnis kommen: Das normale Lernen ist eigentlich besser. Aber wenn der schon nur noch über Computerspiele abgeholt werden kann dann nimmt man halt den Umweg, dass man ein Lernspiel nimmt.“

Abseits von Lernspielen bleiben Videospiele zur Unterhaltung aber geächtet. So führt Herr Pfeiffer zum Deutschen Computerspielpreis aus:

Ich denke erst einmal müsste die Wissenschaft Belege dafür haben, dass es Anlass gibt ein Computerspiel zu preisen. Bisher ist es aus meiner Sicht alles die Anregung zum Zeitverdaddeln. Dazu, dass man sich verliert im studenlangen Computerspielen, und das nutzt niemanden was. […] Weltweit gibt es den empirischen Nachweis, dass Spiele sinnvoll sind, nicht. Sehrwohl gab es den aber für preisgekrönte normale Brettspiele. Da hat man tatsächlich festgestellt, dass die positive Wirkungen haben. Dass Kinder in ihrer Persönlichkeitsreifung dadurch gut beeinflusst werden […].“

Herr Pfeiffer lehnt also nicht nur Videospiele ab, die möglicherweise schädlich sein können, sondern auch solche, bei denen keine positive Wirkungen bestehen und lediglich zum „Zeitverdaddeln“ anregen. Videospiele für Kinder- und Jugendliche kann es nicht geben und ausgezeichnet, noch dazu vom Staat, dürfen sie erst Recht nicht. Somit auch die Forderung:

Und ich sage Ihnen voraus, wir werden eine Kampagne bekommen in Deutschland: Kinderzimmer frei von Bildschirmgeräten!
Und es werden prominenteste Bürger mitmachen.  […] Kinderzimmer frei von Bildschirmgeräten“ wird in diesem Jahr kommen.
Und ich garantiere, die wird Erfolg haben. […] Den Umgang mit dem PC muss man natürlich erlernen […], aber es reicht aus, wenn Kinder im Alter von 10, 12, 15 Jahren in der Schule oder im Elternhaus diese Fähigkeit schrittweise beigebracht bekommen.
“ (Quelle 1, Quelle 2)

Und ich sage Ihnen, das Kinderspiel ist das neue Killerspiel und Pfeiffer sein Richter.

19 Gedanken zu “Computernutzung erst ab 13

  1. wenn er spiele die keinen positiven effekt haben, abschaffen will warum greift er dann nicht auch gleich die jahrmärkte und den zirkus an? ist meines erachtens in etwa gleich zu setzten
    allerdings stimme ich ihm mit seiner „Kinderzimmer frei von Bildschirmgeräten!“ zu, TV und pc gehören nicht in die zimmer von kindern

  2. Kleiner Hinweis:

    Malte Lehming: Verbieten!
    http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/auf-den-punkt/Amoklauf-Winnenden;art15890,2750096

    Der Mist hat es sogar auf die Achse des Guten geschafft. Broder &Co tun sich ja normalerweise nicht als „Killerspiele“-Hetzer hervor. Bin mir sicher von Broder himself in der Richtung sogar einmal durchaus kritisches gehört zu haben.
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/malte_lehming_verbieten/

    Sollten hier ein paar Achgut oder Broder Leser sein rate ich dazu mal eine Mail zu schreiben.

  3. Admin: weißt du, von wann die Interviews sind? Herr Pfeiffer ist tatsächlich viel vorsichtiger geworden, wenn das alte Interviews wären würde man damit nur alte Gräben wieder aufbauen die mittlerweile geschlossen sind.
    Und dass Kinder nicht unbedingt vor 10 Jahren an den Computer gehören, zweifelt hier ehrlich jemand an dieser Aussage?

  4. @mars: kommt darauf an, was sie dort machen…
    den Umgang mit dem PC zu erlernen gehört heute einfach dazu, deshalb sollten die Kinder von ihren Eltern (!) damit vertraut gemacht werden. Dass sie nicht mit 10 Jahren anfangen sollten, aus Black Mesa zu entkommen oder Westeuropa von den Nazis zu befreien ist logisch…

    und zu Herrn P.: mit dem Argument, dass Computerspiele keinen positiven Effekt haben, bewegt er sich auf sehr unsicherem Terretorium: man könnte nämlich genauso fragen:

    welchen positiven Effekt haben Spiele wie Mau-mau, Monopoly (wozu muss ich im Privatleben Häuser bauen) oder ganz extrem gesagt Fußball (–> hohe Verletzungsgefahr und trainieren kann ich auch wo anders.)

    Die Beispiele sind vielleicht etwas krass, aber mit dem Argument „man lernt nichts oder kein positiver Effekt“ könnte man mehr als die Hälfte aller Spiele verbieten…

  5. Das Argument von Herrn Pfeiffer finde ich auch nicht gut. Nur deshalb die Nachfrage nach dem Datum des Interviews, denn was Herr Pfeiffer heute sagt hat mit seinen Aussagen von 2007 kaum mehr was zu tun. Deshalb wäre es unfair hier seine Aussagen zu mixen.

    Bei PC-Kenntnisse erlernen stimme ich dir zu, nur ich denke dass selbst wenn jemand noch mit 14 anfängt er alles lernen kann, das braucht es nicht so früh. Und da ich von mir weiß, wie viel Zeit am PC draufgehen kann, denke ich, dass es sinnvoll wäre die Kids erstmal an andere Freizeitaktivitäten zu gewöhnen bevor man sie an den Rechner lässt. Zu mal ja in frühen Jahren noch viel im GEhirn etc. geschieht, und ich mir da nicht sicher bin ob da ein Bildschirm der optimale Trainigspartner ist. Wie gesagt, später auf alle Fälle!

  6. Der Umgang mit dem Pc muss erlernt werden.
    Die Frage ist nur wie und wo?
    Im Elternhaus? Wo sich die meisten Eltern nicht mal mehr die Zeit nehmen mit ihren Kindern zu reden. Geschweige denn ihnen Etwas beizubringen. Und oft sind die Eltern selber nicht sehr bewandert in diesen Dingen.
    In der Schule wäre besser. Dort wäre es geordneter. Der Lehrer hat seinen Lehrplan und geht den durch. Jedoch haben die meisten Schulen gar kein Geld für moderne Lernmethoden bzw. Computer oder nicht die richtigen Lehrer für so Etwas.
    Fernseher und COmputer gehören nicht in die Zimmer von Kindern, dass stimmt schon.
    Allerdings kann ein Kind nicht immer draußen rum tollen ode möchte auch einen Tag mal nichts machen und entspannen.
    Zudem kann das Kind nicht bewacht werden. Wenn beide Elternteile arbeiten, guckt das Kind einfach im Wohnzimmer TV, wenn es im eienem Zimmer kein Gerät hat, oder es schaut bei Freunden. Ich finde es wichtiger dem Kind das richtige Maß zu vermitteln und zu erklären wieso, weshalb und warum.

  7. @Mars
    – Das erste Zitat stammt aus einem Interview zu seinem 65 Geburstag von vor ein paar Wochen. Genau ist es der 20.02.2009.
    – Das mit „in Stimmung schießen“ ist vom 18.04.2007 – Blacksburg.
    – Die nächsten beiden Stellen aus dem Videointerview müssen zwischen dem 03.09.2008 (Upload des Videos) und dem 2.2008 (Ankündigung des Deutschen Computerspielepreis) entstanden sein.
    – Das mit der Kinderzimmerfrei Kampagne ist vom 10.02.2009.
    – Das mit den keine Computernutzung von 12 Jährigen hatte er auch bei dem Vortrag gesagt, bei dem ich anfang des Jahres war.

  8. Mit derselben Argumentation müsste Herr Pfeiffer dann ein Verbot von TV, Musik, Sport und Brettspielen verbieten – ist doch alles nur „sinnlose Zeitverdaddelung“. Auf dass wird morgen noch frischauf unsere Zeit voll und ganz dem Sklavendasein widmen können…

  9. Ich stimme ebenfalls zu dass Kinder keine Bildschirmgeräte im Zimmer haben sollten. Ist ne gute Maßnahme.

    Und ja, ich bin auch für „Alle Shooter ab 18“ und „alle MMOs ab 18“

    Und natürlich bin ich gegen die jeweiligen Verbotsinitiativen. Was verboten gehört ist nach $131 StGB bereits verboten (mein Lieblingslink zur Zeit: http://dejure.org/gesetze/StGB/131.html ).

    Ob die bestehende Gesetzgebung da immer durchgesetzt wird….
    Ich finde z.B. „der Pate“ gehört in diese Kategorie und müsste daher verboten sein.

    Gruß
    Aginor

  10. Das er sich jetzt noch für ein Verbot von GTA und Pate einsetzt, macht wirklich garkeinen sinn mehr, da er in hartaberfair noch der Aussage, Spiele ab 18 seien eben Erwachsenen-Unterhaltung, deshalb müsse man sie nicht verbieten, sondern nur die Strafen für das Verkaufen solcher Spiele an Minderjährige erhöhen, voll und ganz zugestimmt hat.
    Und davor hat er die Frage, ob die Indizierung von Spielen eine sinnvolle Maßnahme des Jugendschutzes sei, bejaht.

    Er verliert mehr und mehr an Glaubwürdigkeit.

  11. Ich glaube auch deswegen versucht er seine Meinungen jetzt nun etwas zur anderen Seite zu drehen. Immerhin braucht er News und Einladungen zu Interviews etc.

    Ja, wenn jedes Kind seine Tage vor’m Computer verdaddelt, damit die Eltern Ruhe haben, finde ich auch nicht in Ordnung – SOLANGE nicht öfters mit den Kindern etwas unternommen wird!
    (btw: Ich müsste auch leut Pfeiffer ein Verdorbener sein, ab 3 Jahren war ich täglich am PC, nur öfters mit meinen Eltern zusammen, und „Familien-Tage“ gab es bei mir auch öfters.

    Es geht auch beides ! Daher: – Solange man weiß wofür Eltern sind, ist alles in Ordnung!

    btw 2 : Ich durfte damals auch alles spielen was ich wollte (auch: es gab keine USK ^^) nur lehnte ich damals sogar selbst Killerspiele in 2D ab.

    Oder habe ich einfach nur Glück gehabt? Oo

    btw3: Wer hat denn dieses Bild da gemalt? (Sieht gut aus – interresiert mich nur einfach ^^)

  12. @mr.can
    Ich kann mir auch nicht richtig vorstellen, dass Broder da in den Chor einstimmen würde.
    Immerhin wurde er auch schon öfter für seine Vergangenheit bei den „St. Pauli Nachrichten“ ungerechtfertigterweise mit Sauberkeitsvorstellungen angegriffen und in die Nähe von Schmutz und „Schund“ gerückt…

  13. Wenn wir etwas nur machen dürfen, weil es einen positiven nutzen hat müssen wir wohl Kunst generell abschaffen. Mal ehrlich: welchen sinn hat ein Bild, ausser gut auszusehen? Und welchen ein Film? Sie sind hauptäschlich da um uns anzulenken.
    …omg, vorallem horrorfilme etc. müssten sofort weg, ich meine: ist grusel ein positiver Effekt? Was ist mit Filmen, die aufwühlen sollen wie „requiem for a dream“? oder dramen?
    Es ist immer traurig, wenn menschen die keinen Sinn für Kunst zu haben scheinen so konsequent dagegen sind – schlicht, weil sie sie nicht verstehen. Solche Vorurteile haben früher leben zerstört und tun es heute noch.
    menschen lernen wohl nie dazu…

  14. Meine Güte Herr Pfeiffer, Computerspiele sind KUNST. Und Kunst muss keinen Sinn und Zweck haben, weil Kunst per definitionem etwas ist, das eben NICHT funktionell ist. Man muss nicht für alles einen wissenschaftlichen Beweis finden, dass es „gut“ ist, damit es auch wirklich gut ist. Und ja, Spiele wie Counter Strike sind nichts für Spieler unter 16 Jahren. Der USK-Aufdruck ist ja nicht ohne Grund (imo viel zu) dick und fett auf der Packung zu sehen.

  15. @Raknar
    sehr gut gesagt!
    Das ist sogar ein Beweis dafür, dass Computerspiele Kunst sind.
    Außerdem sind manche Gemälde nicht weniger Brutal als z.B. CS

  16. Mit Schach oder Monopoly oder gar Mensch ärger dich nicht vergeudet man keine Zeit?

    Wieso dürfen Waffenliebhaber einen romantischen umgang mit waffen haben sie mit nach hause nemen usw aber Computerspiele werdne keine Rechte eingeräumt.

    Das Bild ist Fies … *grins*

    Happy Coding.

  17. @ The_Real_Black
    das habe ich heute auch schon geschrieben, ich würde dir gern sagen wo, aber die Katastrophenmeldungen häufen sich zu sehr, als dass ich das nochmal finden könnte…
    :-)

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