Bastion der Inkompetenz

Die Politik hat sich mittlerweile auf Ballerspiele eingeschossen, was konkret gemeint ist bleibt aber oft unklar. Der einzige Anknüpfungspunkt ist CounterStrike, da zumindest hier auf ein real existierendes Spiel Bezug genommen wird.

Ein Polizist verkündete bereits früh, dass man Videospiele auf dem Computer des Täters gefunden habe:

Auch die typischen Spiele, die in das Raster eines Amokläufers passen, wie CounterStrike.” (Quelle)

In der offizielle Pressekonferenz wurde folgendes gesagt:

Es wurde festgestellt, dass er sich auch mit Gewaltspielen beschäftigt hat, wie es viele Jugendliche in diesem Alter tun.”

Halten wir also kurz fest: Die für einen Amokläufer typischen Videospiele sind solche, die viele Jugendliche in dem Alter des Täters spielen. Und CounterStrike ist eines davon. Und wie exzessiv nutzte er es?

In den letzten Wochen saß Tim oft stundenlang am Computer. Er schaute Horror-, Gewaltfilme und Pornobilder, tötete im Computer-Killerspiel “Counterstrike” per Mausklick.” (Quelle)

Ein Mitschüler sagten:

Der hat nicht mehr am Computer gespielt als ich.” (Quelle)

Nunja. Nach seinem Steam-Account (Entdeckt von “Gamer gegen Gewalt“) – scheint zumindest seiner zu sein –  hat er in den letzten Wochen nur 0,1 Stunden mit CouterStrike: ConditionZero verbracht. Andere Steam-Spiele hat er überhaupt nicht genutzt:

tk2

Nach SPON hatte er aber am Abend vor der Tat ca. 2 Stunden FarCry 2 gespielt.

Also das zweite Zwischenergebnisse: Der Täter hat für Jugendliche seines Alters übliche Videospiele in einer üblichen Art und Weise genutzt.
Was sagt nun die Politik anlässlich des Amoklaufs zu Videospielen?

Ich bin kein Gegner von Computerspielen. Aber es gibt brutalste Killerspiele, die völlig inakzeptabel sind und verboten gehören […]. “

Ein Gamermagazin war so freundlich und hatte eine naheliegende Frage gestellt:

PC Games: ”Welche?

Förster (CSU):Na… die üblichen Verdächtigen… Counter-Strike […].”

Der Grund:

“Dass der 17-Jährige auf der Flucht noch weiter um sich geschossen hat, ist ein Verhalten, das Jugendliche auch in Spielen wie Counter Strike oder Crysis lernen können.”

CounterStrike, in der neusten Variante ab 16 freigegeben, dass “viele Jugendliche” im Alter des Täters spielen, ist eines der brutalsten Videospiele? Nachfrage beim Herrmann:

PC Games: […] Einen Indizierungsantrag für das häufig genannte Actionspiel “Counter-Strike” hat die Bonner Bundesbehörde vor sechs Jahren abgelehnt […]. Wie begründen Sie die Verbotsforderung für dieses Produkt?”

Herrmann (CSU): Ich habe kein Verbot von “Counter-Strike” gefordert […].”

Ja wie jetzt. Der Amokläufer hat, wie viele Jugendliche, mäßig gewalttätige Spiele wie CounterStrike gespielt. Zeitnah zum Amoklauf fordert man nun eine Ausweitung des Verbotes auf Spiele, die der Amokläufer gar nicht genutzt hat. Warum? Und welche Spiele sollten denn verboten werden?

Schünemann: “Bei den “Killerspielen” geht es darum, dass die Spieler selbst zum Töten animiert werden. Sie müssen auf einen Knopf drücken. Dadurch wird etwa ein Arm mit einer Kettensäge abgetrennt. Diese Handlung wird zudem positiv bewertet, wenn man sein Opfer zuvor quält. Fürs Arm-Abtrennen gibt es 100 Punkte, fürs Kopf-Abtrennen 1000 Punkte. Das ist pervers und gehört sofort verboten.”

Bosbach: “Es gibt Spiele, keine Sorge den Namen will ich gar nicht nennen, da fliehen Menschen vor Foltermaschinen, rufen halbnackt um Hilfe und jetzt ist es Aufgabe des Spielers zu töten, aber nicht die Angreifer, sondern die ihn um Hilfe anflehen. Je mehr Hilfesuchende er tötet, desto höher steigt er im Level, desto erfolgreicher ist er in Anführungszeichen.”

Ich glaube ich weiß, warum keine Namen geannt werden, solche Spiele gibt es nicht. Zumindest habe weder ich noch ein anderer Spieler jemals von einem solchen Spiel gehört. Und wenn es solche Spiele doch geben würde wären sie sicherlich bereits aufgrund der bestehenden Gesetzeslage verboten.

Könnte sich bitte mal ein Sprecher der CSU melden, der weiß wovon er spricht?

30 Gedanken zu “Bastion der Inkompetenz

  1. Wie Schünemann und Bosbach auf solche Geschichten kommen ist klar: Viel kreativität und so tun als würde man informieren und aufrufen:
    Mein Beispiel, welches ich woanders schon genannt habe:
    “Es gibt ein Buch, in dem steht eine Geschichte, die von tollwütigen Werwolfen handelt, die jede Nacht Mädchen vergewaltigen, indem sie sie voher köpfen. Nun gibt es dort eine Person mit einem Laserschwert, der nun versucht möglichst viel Blut von Werwolfen trinken muss – also sie töten – sowie in 200 Tagen so 3000 Mädchenköpfe sammeln muss. Er muss also alle Werwolfe möglichst lange quälen und davon abhalten die Mädchen zuvor zu töten, wie er das macht wird übrigens auch in diesen Buch erwähnt.”

    Kein Inhalt und auch keine Ahnung – aber doch hört jeder zu. Gut ankommen tut soetwas immer.

    Ich glaube wohl kaum, dass denen etwas schert was sie sagen.

  2. das Spiel von Schüneman könnte es geben, in etwa so spielt sich Manhunt, aber man hört sofort, dass das Spiel nie gespielt wurde.
    keine Ahnung von garnichts

  3. @Mystical13

    Soweit ich mich erinnere hat er gefordert, dass solche Spiele verboten werden müssten. Afaik ist Manhunt aber bereits verboten. Es kann also nicht gemeint sein.

  4. das hatten wir aber schonmal, das ein Verbot für ein Spiel gefordert wird, das schon verboten ist.
    Es wundert mich aber nicht, dass das passiert, wenn sie nichtmal wissen, welche Spiele es überhauopt gibt, dass sie dann nichtmal wissen, was sie schon verboten haben

  5. Wahrscheinlich programmieren die sog. “Volksvertreter” (altdt. für unwissende Dumpfbacken?) insgeheim ein Spiel mit den genannten Eigenschaften, veröffentlichen es dann unter einem Pseudonym, schießen sich dann darauf ein und es dann verbieten es schließlich wieder, nur um dann sagen zu können: “Wir haben es geschafft!”

  6. Naja, Postal 1 und 2 sind brutale Spiele, die nicht zuletzt als Provokation gedacht waren (Running with Scissors). Diese Diskussion ist notwendig und es ist eine Schande, dass so viele von der eigentlichen Diskussion um zahlreiche Probleme in unserer Gesellschaft ablenken und mit Scheinaktionen punkten wollen. Einige Politiker stechen besonders negativ hervor. Sie geben vorschnell Urteile ab. Vielleicht auch bewusst. Genau deswegen haben wir soviele Probleme. Es wird nicht richtig hingeschaut, reale Brennpunkte werden umschifft.

  7. Zu den Aussagen der CDU/CSU-Mitglieder: Es kann doch nicht sein dass die sich irgendwas aus den Fingern saugen und das dann als Wahrheit verkaufen wollen. Was rede ich da es sind Politiker das ist ja schon fast ihr Job aber Spaß bei Seite.

    Wenn man so detailliert eine Szene beschreiben kann dann muss man das Game ja mal gesehen haben und somit auch seinen Namen nennen können. Das “…keine Sorge den Namen will ich gar nicht nennen…” war nur ein anders formuliertes “…keine Sorge der Quatsch den ich gleich verzapfe ist von vorn bis hinten gelogen…”. Mich wundert dass keiner der anderen Diskissionsteilnehmer da nachgehakt hat und nach dem Name gefragt hat.

    “Bei den “Killerspielen” geht es darum, dass die Spieler selbst zum Töten animiert werden. Sie müssen auf einen Knopf drücken. Dadurch wird etwa ein Arm mit einer Kettensäge abgetrennt. Diese Handlung wird zudem positiv bewertet, wenn man sein Opfer zuvor quält. Fürs Arm-Abtrennen gibt es 100 Punkte, fürs Kopf-Abtrennen 1000 Punkte. Das ist pervers und gehört sofort verboten.”
    Wenn es sowas geben würde würde ich es garantiert nicht zocken. Da es so ein Game aber nur in Herrn Schünemanns erschreckend lebhafter Fantasie gibt könnte ich es nichtmal wenn ich wollte.

    Diese schwarz getarnten Braunen lügen echt dass sich die Balken biegen aber keiner merkts außer denen die wirklich Ahnung von Games haben.

  8. “Mich wundert dass keiner der anderen Diskissionsteilnehmer da nachgehakt hat und nach dem Name gefragt hat.”

    Und der einer nennt sich Computerspiel-Experte und merkt den Betrug nicht oder fragt dazu etwas.

    Anscheinend sind selbst diese Diskussionen nicht mehr fair. (aber hart!)

  9. @Alea (weiter oben)
    ich glabue, die Wahrheit wäre sehr wohl spektakulär, was glaubst du denn was rauskommen würde, wenn sich die gesamte Mitte bis komplett nach Rechts getäuscht haben?
    Da hätten Union und SPD mal so richtig schwarze Wahljahre!

  10. @Murray XVII
    ein ähnliches wie von Herrn Schünemann beschreibenes Spiel existiert unter dem Namen Manhunt, allerdings ist selbiges in Deutschland verboten.
    Trotzem gibt das reine Armabtrennen dort nicht einfach 100 Punkte, und das Kopfabtrennen 1000.

    In der Spielbeschreibung steht lediglich, man solle seine Opfer vor dem Tode so brutal wie möglich Quälen/Foltern, um die Stilnote zur erhöhen, die allerdings nicht in solchen Punktezahlen gemessen wird.

    Ich heiße das nicht gut und spiele es nicht. Aber wenn ein Politiker ein Verbot für ein Spiel fordert, dass schon verboten ist, finde ich das etwas seltsam.

  11. @Alea: Doch, er hat gefragt, ob Herr Bosbach dieses Spiel schon einmal gespiel habe. Antwort: “Muss ich denn ein Baum sein, um mich für den Schutz des Regenwaldes einzusetzen?”
    Es ist eine Schande, dass solche Leute sich Volksvertreter nennen dürfen. Ich als Spieler fühle mich durch diese Personen nicht vertreten, und gehören Spieler etwa nicht zum Volk?

  12. @Mystical13: Manhunt kenne ich. Ich habs sogar kurz nachdem es für PC rauskam mal bei nem Kumpel gezockt aber nach ein paar Minuten hab ich schon wieder aus gemacht. Fand die Story irgendwie zu aufgesetzt und das Game insgesamt langweilig. Da es von Rockstar Games ist und diese eigendlich vorher fast nur gute Titel (z.B. GTA und Max Payne) entwickelt haben habe ich mir echt mehr davon versprochen.

    Ich habe in den paar Minuten keine abgetrennten Körperteile gesehen und selbst wenn es in späteren Leveln möglich wäre ist es ja beschlagnahmt worden. Wie du schon sagst seltsam ein Beispiel für die Begründung der Verbotsforderung zu bringen welches bereits in Deutschland nichtmehr verkauft werden darf.

    @Raknar: Er hat nach Computerspielen im allgemeinen gefragt (daraufhin kam diese schlecht formulierte Metapher) zu Herrn Bosbachs frei erfundenen Beispiel kam soweit ich mich erinnere kein Kommentar.

  13. Witzig das ständig von Spielen geredet wird wo man fliehenden Menschen hinterrennt um sie zu qäulen und zu töten und dafür bekommt man “1000 Punkte”. Ähm….hä? Tut mir Leid aber solche Spiele gibt es nicht, weswegen es auch nicht weiter verwunderlich ist warum die Leute die dies behaupten auch keine Spiele-Titel nennen können.
    Allerdings muss ich zustimmen das solche Spiele verboten gehören, da es solche Spiele aber nicht mal gibt ist ein Verbot sinnlos. Solche behauptungen zeigen nur wie uninformiert diese Menschen sind und wie sie ihre eigene Ignoranz auf alle weiteren uninformierten übertragen, aber ANSTATT sich zu informieren bezeichnen sie fachkundige als Symphatisanten von Folter und als Kriegshetzer.

  14. @ Murray XVII
    vielleicht hast du auch nur eine Gecuttete Version
    Ich weiss natürlich nicht, ob in der Uncut Körperteile abtrennbar sind.
    Aber ich kann es mir gut vorstellen.
    Aber wenn das in deutschen Version dann garnicht mehr möglich ist, wird die Forderung nach Verbot aufgrund dieser Möglichkeit nur noch absurder.

  15. @amegas:
    Da freuen wir uns wenn es mit den Computerspielen genau so kommt.
    Oder die verbieten beides mit einen Gesetz… ;-)

    Happy Coding.

  16. @Mystical13
    Das ist eine aus meiner Sicht völlig falsche Interpretation von “Manhunt”, da der Spieler von einem Dritten dazu gezwungen wird um die Möglichkeit zu bekommen dem Albtraum eines urbanen Labyrinthes voll feindseliger, gewalttätiger Gangs zu entkommen – man kann sich diesem Einfluss bis zu einem gewissen Grad auch entziehen, oder es jedenfalls versuchen: mit mehr oder weniger großem Erfolg. Hinzu kommt noch, dass im Beschlagnahmungsbeschluss ein “Umschalten” die Ästhetik einer Überwachungskamera bei den brutalsten Szenen anders als etwa die Teleobjektive am Ende des letzten Films von Pasolini dem Spiel noch mit zum Vorwurf gemacht wurden “gewaltverherrlichend” zu sein, anstatt als Distanzierung vom Geschehen begriffen.
    Es gibt viele Spiele – etwa “Fallout 3” – in welchem Körperteile abtrennbar sind. Auch bei dem in Deutschland erschienen “Dead Space” ist das bis zu einem gewissen Grad der Fall, aber hier ging es doch um den Vorwurf einer Belohnung für derlei Gräuel mit Arcade-mäßigen Punktevergaben?

    So wie ich das sehe wurden da einfach besonders schreckliche Bilder auf welchen Grundlagen auch immer transportiert, jedenfalls mit einer klaren politischen Absicht die Form (weiter) zu diffamieren und, wie das Beispiel mit dem Regenwald zeigte, diskreditieren.
    Ich finde das einfach nur widerlich dermaßen aufzutreten – davon zeugt auch die Geheimniskrämerei um bestimmte Szenen aus “Counterstrike”, oder das Theater welches vor der noch dazu völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Szene des Musikvideos, veranstaltet wurde in der Sendung.

  17. @Pyri
    wie gesagt, ich habe das Spiel selbst nie gespielt, und muss mich deshalb auf Berichte von Freunden stützen, die das Spiel ebenfalls sehr schnell wieder verkauft haben.

    Die Möglichkeit in Fallout 3 unb Dead Space Körperteile abzutrennen, ist nur in den Uncut-Versionen vorhanden.
    Ich glaube sogar, bei Dead Space wurde überhaupt die Möglichkeit, auf Leichen zu treten, rausgenommen.

  18. Ich konnte leider den bei HaF gezeigten Ausschnitt im Netz nicht sehen aber in einem Forum habe ich gelesen dass es genau die Stelle an der er nur schildert wie er durch die Schule läuft und auf die Schüler schießt. Somit scheint es natürlich als wenn Kaas es glorifizieren will aber er will eigendlich auf die Gründe dieser Taten aufmerksam machen.

    Das zeigt mal wieder was mir schon bei einigen meiner Lieblingspunkrocksongs aufgefallen ist: Wenn man nur eine bestimmte Stelle abspielt wird genau die gegenteilige Nachricht vermittelt die eigendlich im ganzen geplant ist.

  19. @Mystical13
    Zumindest die deutsche Version von “Dead Space” ist völlig unzensiert. Da weiß ich so sonst nur nicht, wies in Japan konkret jetzt aussieht. Und solche Möglichkeiten wie Du sie beschrieben hast nehmen verantwortungsvolle Designer schon von sich aus heraus – etwa was den Umgang mit Darstellungen von Kindern in “Fallout 3” Auch betrifft.

  20. Fun fact: Jede der 3 Schulschießereien, Erfurt, Emsdetten und Winnenden hat sich in einem CDU-Regierten Bundesland abgespielt. Na wenn da mal kein Zusammenhang besteht…

  21. @Mystical13
    Noch nie gehört das. Das liegt vielleicht an den unterschiedlichen Zeitpunkten der Veröffentichung in Österreich und Deutschland. Electronic Arts musste ja ein paar Wochen warten für Deutschland, weil das (dritte und letztlich positive) Prüfergebnis der USK Zum international angepeilten Termin noch nicht vorlag. Vielleicht meinen Sie aber auch bloß eine englische Sprachfassung – Electronic Arts weigerte sich jedenfalls auch nur etwas daran zu zensieren, jedenfalls für den deutschen Markt wie ich schrieb. In Japan soll es auch Probleme gegeben haben, aber da ist die Informationslage im Westen wie leider nach wie vor sehr oft meinem Vernehmen nach, nicht besonders gut.

  22. ich kann leider keinen screenshot hochladen, sonst hätte ich dir das gezeigt.
    andererseits gibts auf youtube ein Video, wo einer die deutsche Version vorstellt, und da kann man auch auf Leichen treten.
    wie auch immer.

  23. @Mystical13
    Interessant find ich das auf alle Fälle. Als Außenstehender weiß man ja nie ob nicht doch etwas zensiert wurde. Ich vertraue da halt den Aussagen von Electronic Arts, ansonsten Schnitterichte.com

  24. oh ich wusste gar nicht, dass es solche spiele gibt, hier in deutschland!?
    außerdem gibt es kaum spiele in denen man Punkte für langsames (und brutales) töten bekommt!!!

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