Bundeswehr dementiert

(GameStar) Vom Kölner Aufruf über den Kriminologen Christian Pfeiffer bis hin zur aktuellen Berichterstattung über Winnenden hört man immer wieder eine Behauptung: Das Militär nutzt Videospiele um bei Soldaten Tötungshemmungen abzubauen. Bei GameStar findet sich das Dementi:

Wer glaubt, dass die computergestützte Ausbildung dazu dienen soll, dass der Soldat abstumpft, ist falsch informiert.”

7 Gedanken zu “Bundeswehr dementiert

  1. Schöner Link, danke.

    “Da stellt sich nur die Frage, was zuerst da war: das Huhn oder das Ei? Bildet das Militär Soldaten am Computer aus, weil Ego-Shooter heutzutage angeblich so realistisch sind, oder nutzen Spieler militärische Taktiken, weil die funktionieren?”
    Ich denke, dass dieses Zitat sehr wichtig ist und deshalb gerne in der Debatte von den Spielekillern übergangen wird.

    In allen Bereichen, in denen Teams schnell auf Situationen reagieren müssen, sind Ordnung, Disziplin und präzise Kommunikation gefragt. Dass es sich hierbei um militärisch verwertbare Fähigkeiten handelt, tut der Notwendigkeit zB im Fußball oder bei CounterStrike keinen Abbruch.

    Zwar mag ein “Kölner Aufruf” hierin die “Militarisierung der Jugend” sehen, doch meine ich, es besteht ein bedeutender Unterschied darin, ob man diese Fähigkeiten trainiert um Spaß zu haben und Spiele zu gewinnen oder um in einer lebensbedrohlichen Situation das Überleben der realen Kameraden nicht zu gefährden.
    Ich bezweifle, dass ein noch so erprobter eSportler den selben kühlen Kopf auf einem realen Schlachtfeld bewahren kann, den er in einem virtuellen ClanWar zur Schau stellen mag.

  2. Na ja, ich würde nicht so weit gehen und behaupten, dass die “Bundeswehr” da dementiert habe. Es wäre schön mal eine offizielle Stellungnahme von denen auch zu hören, ja, immerhin geht es hier auch um antiamerikanische Ressentiments aus meiner Sicht und wird ein Bündnispartner verunglimpft – wenn etwa Christian Pfeiffer oder sonstwer von den UnterzeichnerInnen des Kölner Aufrufs das medienwirksam (mal) einwerfen würde. Gehört hab ich sowas aber noch nicht so – mal ganz abgesehen von den ganzen (vermeintlich) friedensbewegten Leuten hat doch bloß die rechtsextreme NPD Hier Aversionen im Programm. So traurig das ganze angesichts der Debatte auch sein mag

    Grundsätzlich sehe ich da ein Vakuum – über den Kölner Aufruf, in dem es mit einiger Begründung mit um Verschwörungstheorien geht, wird ja so nicht berichtet. Dabei möchte ich mich mit meiner Sicht aus Österreich aber auch nicht ausschließen, dass ich da etwas völlig mißverstehe

  3. Wer bei der Bundeswehr war, der weiss dass Spiele wie CS und Konsorten dort nicht zum Einsatz kommen. Das ist völliger Unsinn.

    Es gibt ein für die Bundeswehr angepasstes “Operation Flashpoint”, das (in etwas abgewandelter Form) zum Taktiktrainung von Unteroffizieren und Offizieren eingesetzt wird. Zum Abbau der Tötungshemmung ist es denkbar ungeeignet. In aller Regel beteiligt sich der auszubildene Uffz oder Offz nicht mal am Kampf sondern spielt praktisch ein Strategiespiel.
    Außerdem gibt es noch einen Simulator zum trainieren des “echten Schießen” (wie auch die Polizei sogenannte “Schießkinos” benutzt), nur dass dieser im Gegensatz zur Polizei ohne Munition auskommt. Man liegt oder steht vor der Videoleinwand und schießt auf Figuren mit ausgesprochen mieser Graphik. Hier wird der Umgang mit Waffen trainiert, auch unter Druck in Gefechtssituationen gegen bewegliche Ziele (was auf dem Schießstand nur sehr schwer geht, gefährlich ist, und einen Haufen teurer Munition kostet)
    Das System heisst AGSHP: http://de.wikipedia.org/wiki/AGSHP

    Aber die Bundeswehr “spielt” auch “reale Killerspiele”, verwandt mit dem Laserdrome ist das AGDUS-System. Sehr realitätsnah. Aber auch nicht dazu gedacht die Tötungshemmung abzubauen, und auch nicht die Bohne dafür geeignet.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ausbildungsger%C3%A4t_Duellsimulator

    Gruß
    Aginor

  4. Ach mist, zu shcnell geschrieben, ich muss etwas zurückrudern. Ich hatte gedacht die Bundeswehr setzt VBS2 (auf Basis von Operation Flashpoint) ein, hab aber jetzt keinen Beleg im Netz finden können. Ich hab das halt gehört als ich bei der Bundeswehr war, aber da kann natürlich sein dass der betreffende Uffz nicht von der BW geredet hat sondern von einer anderen Armee mit der er im Auslandseinsatz war.
    Hier ein Link: http://en.wikipedia.org/wiki/VBS2

    Gruß
    Aginor

  5. Ich hab meinen Wehrdienst abgeleistet und bin im Zuge der AGA (Allgemeine Grundausbildung) auch mit diesem Schießsimulator in Berührung gekommen.

    Naja, stellt euch einfach ne Kombination aus Moorhuhn und ner Schießbude vor, das kommt dem ganzen schon recht nahe.
    Zudem wurde hauptsächlich auf einer virtuellen Schießanlage trainiert, die “Moorhuhn-Variante” war deutlich weniger im Einsatz.

    Des weiteren giebt es z.B. ein Trainingsprogramm (ich glaub das hieß SiLa = Simulierter Landeinsatz) welches für angehende Offiziere benutzt wird.
    Im grunde genommen ne Art C&C bloß grafisch simpler (topologische Karte, NATO Zeichen für Einheiten) und realitätsnäher was die Einheiten angeht.

    Einmal hat unser Oberst uns den Auftrag erteilt Material über Computerspiele mit militärischem Hintergrund zusammenzutragen, unter dem Gesichtspunkt der Verwendbarkeit zur Ausbildung.
    Schon nach kurzer Vorstellung unser Ergebnisse war klar das es keine von vornherein für militärische Ausbildung geeigneten Spiele gibt und man in eine Eigenentwicklung investieren muß.

  6. @kraid: ganz meine meinung

    Habe zwar selbst Zivi gemacht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Taktik-shooter für eine professionelle militärische Ausbildung dienen kann. Letztendlich sind es ja Spiele, und damit simplifiziert und um einen großen Teil der Realität entschlackt.
    Selbst ein schon recht realistischer Shooter wie OpFlash ist vereinfacht, was das Verhalten der Truppen (v.a. psychische Aspekte), die Auswirkungen des Terrains/Wetters oder auch die korrekte Physik der Fahrzeuge angeht.
    Das mag alles irgendwann vielleicht technisch möglich sein, nur wird es dann wahrscheinlich unendlich schwer ;-)

  7. Schön, dass dann doch jemand etwas sagt!
    Leider werden die Leute, die es noch nicht wissen, die GameStar wahrscheinlich garnicht lesen.

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