Superwahljahr

Von Politikern wird gerne vergessen, dass Videospiele nicht nur von Jugendlichen genutzt werden. Im Gegenteil, das Durchschnittsalter der „Freizeit-“ (44), „Gelegenheits-“ (30) und „Intensivspieler“ (20) liegt jenseits der 18. Wir Spieler sollten deswegen auch nicht vergessen, dass wir wahlberechtigt sind und unsere Entscheidung am Wahltag auch von der Einstellung der Parteien zu Videospielen abhängig machen könnten. Über www.bundestag.de besteht die Möglichkeit seinen Abgeordneten zu kontaktieren (Liste) und nach dessen Meinung zu fragen. Anstatt das Formular zu benutzen würde ich jedoch empfehlen sich die Mail-Adresse auf der meist verlinkten Webseite des Abgeordneten herauszusuchen. Ich werde mal beispielhaft vorangehen.

Sehr geehrter Herr Abgeordneter,

Ihnen wird sicherlich nicht entgangen sein, dass nach Amokläufen wie in Erfurt, Emsdetten und jetzt Winnenden regelmäßig gewalthaltige Videospiele mit der Tat in Verbindung gebracht werden. In der breiten Öffentlichkeit fordern Intellektuelle, Künstler, Wissenschaftler, Politiker und Journalisten ein Verbot sogenannter „Killerspiele“, um solche Taten in der Zukunft zu verhindern. Auch Initiativen wie der „Kölner Aufruf“ und das „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ haben ein Verbot derartiger Spiele zum Ziel.

Wie stehen Sie dazu, dass:

1. eine Verbindung zwischen Amokläufen und der Nutzung von gewalthaltigen Videospielen hergestellt wird,

So gab beispielsweise Heini Schmitt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Hessen, an, „dass in allen Fällen, in denen es zu Amokläufen kam, die Täter einen ausgeprägten Hang zu sogenannten Killerspielen hatten“. Auch die Kriminologin Britta Bannenberg sagte in der Sendung „ANNE WILL“, dass ihr kein Fall bekannt sei, in dem der Täter eines „School Shootings“ nicht mit Spielen wie „CounterStrike“ in Kontakt gekommen sei. Selbst Politiker wie der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann behaupten, dass, wo die überwiegende Anzahl der Amokläufer solche Spiele betrieben habe, ein Zusammenhang bestehen müsse.

– obwohl solch eine nicht besteht?

Zunächst hat nicht jeder Amokläufer ein Interesse an gewalthaltigen Videospielen gezeigt. So soll 2007 Cho Seung-hui, der in Blacksburg ein Blutbad anrichtete, derartige Spiele nicht genutzt haben. Da nach der Studie „Implications for the prevention of school attacks in the United States” des amerikanischen Geheimdienstes lediglich 12 % der jugendlichen männlichen Amokläufer gewalthaltige Videospiele genutzt haben, stellt er nicht die Ausnahme sondern die Regel dar. Auch in Deutschland haben mit 57 % der Täter nur knapp mehr als die Hälfte große Teile ihrer Freizeit mit derartigen Spielen verbracht. Für verlässliche Aussagen ist die Anzahl der auswertbaren Taten zum Glück zu gering. Angesichts des Umstandes, dass bereits 75 % der Jungen an deutschen Schulen derartige Spiele spielen, wäre es aber auch hierzulande denkbar, dass Amokläufer gewalthaltige Videospiele in einem geringeren Ausmaß als ihre Altersgenossen nutzen.

2. eine Nutzung von gewalthaltigen Videospielen durch das Militär zur Desensibilisierung der Soldaten behauptet wird,

So werden gewalthaltige Videospiele nach dem ehemaligen bayrischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein „vom US-Militär genutzt, um Hemmschwellen von Soldaten herabzusetzen“. Auch der renommierte Kriminologe und ehemalige niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer führt an, dass die US-Army handelsübliche Videospiele „gezielt als Desensibilisierungsprogramm“ nutzen würde. Ähnliches liest man auch in der Presse, so schreibt Malte Lehming im Tagesspiegel: „Es ist kein Zufall, dass Killerspiele ursprünglich in Militärkreisen entwickelt wurden, um Soldaten emotionsloser, sprich: effektiver, zu machen.“.

– obwohl dies nicht der Wahrheit entspricht?

Weder der erste Ego-Shooter „Maze War“ (1973) noch das erste vom amerikanischen Militär genutzte Videospiel „Battlezone“ (1980) wurden von oder für das Militär entwickelt. Auch wurde weder „Battlezone“ noch das oft erwähnte „Marine Doom“ zur Desensibilisierung von Soldaten eingesetzt. So schreibt Hartmut Gieselmann in „Der virtuelle Krieg“ über Letzteres: „Jedoch diente diese Version nicht […] für Zielübungen und zur Desensibilisierung der Rekruten, sondern zur Einübung von Gruppentaktiken und zum Vertrautwerden mit unbekanntem Gelände, das im Spiel nachgebaut wurde.“. Auch ein Ausbilder der Bundeswehr weist diese Aussagen zurück „Wer glaubt, dass die computergestützte Ausbildung dazu dienen soll, dass der Soldat abstumpft, ist falsch informiert“.

3. gewalthaltige Videospiele für den Anstieg der Jugendgewalt verantwortlich gemacht werden,

Angesichts des Umstandes, dass „die Gewaltneigung in einer bestimmten Altersgruppe steige, […] brauche es Gegenmaßnahmen mit „spürbarer Wirkung“.“ Nach den Innenministern der Union würde ein Verbot grausamer und menschenverachtender Videospiele solch eine Wirkung entfalten. Auch der bayrische Innenminister Joachim Herrmann führt direkt an, dass „derartige Spiele eine der Ursachen für die erschreckende Jugendgewalt“ seien. Ebenfalls wird gewalthaltigen Videospielen in Pressemeldungen der CSU nachgesagt die Jugendgewalt zu fördern.

– obwohl kein Anstieg festzustellen ist?

Das Bundesministerium des Inneren (Seite 354) schreibt im 2. Periodischen Sicherheitsbericht (Langfassung, S. 354), „dass die Anstiege im Hellfeld das Ergebnis […] einer gestiegenen Anzeigebereitschaft […] sind. Weder für die Gewalt an Schulen noch für die Gewalt junger Menschen im öffentlichen Raum sind Zuwächse zu erkennen.“ An anderer Stelle „wurde festgestellt, dass im Jahr 1997 nur etwa 6,7% aller Vorfälle der Polizei gemeldet worden sind, während sich diese Zahl im Jahr 2004 bereits auf 22,5% erhöht hatte.“. Selbst das „Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen“ kam zum Ergebnis, dass der vermutete Anstieg nicht erkennbar sei und gewalthaltige Videospiele zwar ein Belastungsfaktor aber nicht entscheidend seien. In den USA geht im Übrigen die (Jugend-) Gewalt seit dem Aufkommen von Ego-Shootern kontinuierlich zurück.

4. über die Wirkung von gewalthaltigen Videospielen ein einseitiges Bild gezeichnet wird,

Das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen berichtet regelmäßig darüber, „dass mit zunehmenden Konsum von Gewaltspielen auch zunehmend aus virtueller wirkliche Gewalt wird“. Hierbei kommen beinahe ausschließlich Experten zu Wort, die als Kritiker von Videospielen bereits einschlägig bekannt sind. So würden Nutzer von Videospielen „dick, dumm, traurig und gewalttätig“ werden. Auch dem Schulpsychologen Werner Hopf wird eine Plattform geboten, der gewalthaltige Videospiele für die weltweite „Militarisierung der Gesellschaften“ verantwortlich macht. Selbst Johannes B. Kerner gibt zu Bedenken, dass „Ego-Shooter“ „als traurige Vorlage dienen, für schlimme Dinge, die in der Welt passieren.“.

– obwohl der Forschungsstand ein anderer ist?

Es wird in mehrerer Hinsicht sehr selektiv berichtet. Zum einen werden der Öffentlichkeit regelmäßig Studien von bekannten Videospielkritikern präsentiert, zum anderen werden solche, an deren Ende keine Dämonisierung von Videospielen steht, ins Lächerliche gezogen. So sagt Theo Koll in „Frontal 21“ zu Studien, die eine Verbesserung der Sehfähigkeit durch Videospiele feststellen konnten, dass „der herausgefundene Unsinn […] ebenso unübersehbar wie die Anzahl der Studien“ sei. Auch wird komplett ausgeblendet, dass nicht nur gewalthaltige Videospiele sondern auch actionreiche Rennspiele sowie Filme im Verdacht stehen die Gewaltbereitschaft zu beeinflussen. Bei Filmen ist der vermutete Effekt sogar doppelt so stark wie der bei gewalthaltigen Videospielen und auch Rennspiele machen aggressiver als gewalthaltige Videospiele. Des Weiteren wird der tatsächliche Forschungsstand nur unzutreffend wiedergegeben. So sagt die Kölner Psychologin Julia Kneer, dass zwar einige Studien „einen minimalen positiven Zusammenhang zwischen der Bereitschaft zu Gewalt und dem Spielen von Killerspielen wie Ego-Shootern“ belegen, andere jedoch „keinen oder sogar einen negativen Zusammenhangt“ zeigen.

5. die Nutzer von Videospielen als hilfsbedürftige isolierte Außenseiter dargestellt werden,

Zeilen wie diese: „Florian tauschte träges Videospielen gegen Vereinsleben: Handball und Dauerlauf ließen ihn abspecken“ (Spiegel Online), nähren gängige Klischees, denen Nutzer von Videospielen regelmäßig ausgesetzt sind. Auch der Appell des Bundespräsidenten Horst Köhler, dass man denjenigen helfen solle „die sich in medialen Scheinwelten verfangen“ haben, prägt das Bild des zurückgezogenen Videospielers. Allgemein wird Nutzern von Videospielen unterstellt in virtuellen Welten nach Anerkennung zu suchen, die ihnen in der realen Welt verwehrt bleibe.

– obwohl dies nicht zutrifft?

Zeitungsartikel und Aussagen von Politikern und Wissenschaftler erwecken oft den Eindruck, dass nur eine Entscheidung möglich wäre. Die für das Videospielen oder die für das Leben. Das Videospiele Teil des realen Lebens vieler Erwachsener und auch Jugendlicher sein können scheint undenkbar. Virtuelle Welten werden als Domäne von Außenseiten angesehen, die im realem Leben versagt haben. Anders, als es diese vorherrschende Auffassung annimmt, trifft jedoch das Gegenteil zu. Videospiele sind unlängst Teil der Jugendkultur geworden. So stellte bereits eine Harvard-Studie fest, dass „Nichtspielen heutzutage ein Zeichen von fehlender Sozialkompetenz“ sei. Auch eine Deutsche Studie kam zu überraschenden Ergebnissen: „Die spielen nicht nur Außenseiter – das geht quer durch die Altersgruppen und Bildungsschichten. Wer mehr Freunde hat, spielt sogar eher“. Abgesehen von Extremfällen spricht die Nutzung von Videospielen also dafür, dass die betreffende Person sozial integriert ist.

6. die aktuelle Gesetzeslage hinsichtlich des Umgangs mit Videospielen als unzureichend bezeichnet wird,

Nicht nur die CSU will „solche Produkte […] durch wirkungsvolle Vorschriften für Jugendliche unzugänglich“ machen, auch die SPD gibt an, dass sie „einen verbesserten Jugendschutz vor exzessiv gewalthaltigen Computerspielen […] noch in dieser Wahlperiode erreichen.“ will. Darüber hinaus fordern insbesondere Uwe Schünemann, Heribert Rech und Joachim Herrmann ein Verbot gewaltverherrlichender Videospiele: „Wir müssen uns jetzt endlich aufraffen und den Mut haben, die brutalsten Spiele zu verbieten. Das ist keine Frage der Medien- und Kunstfreiheit mehr“.

– obwohl in Deutschland bereits der weltweit strengste Jugendschutz besteht?

Es wird regelmäßig verschwiegen, dass gewaltverherrlichende Videospiele bereits aufgrund der bestehenden Gesetzeslage verboten sind. Allein 2008 wurden drei Videospiele auf der Grundlage des § 131 StGB beschlagnahmt. Darüber hinaus dürfen zwar beinahe zwei Drittel der Videospiele, die sich an Erwachsene richten, offen verkauft werden, aber beinahe der Hälfte wird dies erst nach Zensuren gestattet. Die Frage nach der Verschärfung des Jugendschutzgesetzes ist aktuell also die, welche Zensuren für einen offenen Verkauf von Videospielen an Erwachsene gefordert werden sollen. Die letzte Verschärfung liegt dabei nicht einmal ein Jahr zurück.

7. die USK für Defizite beim Jugendschutz verantwortlich gemacht wird,

Regelmäßig sieht sich die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle der Kritik von Politikern und Wissenschaftlern ausgesetzt. So beklagt Christian Pfeiffer, dass die „Tester […] mit der Industrie verheiratet“ seien. So erweckte bereits die Überprüfung “der ersten 20 Spiele […] massive Zweifel, ob das System funktioniert.“ Nach einem Vortrag von Herrn Pfeiffer gelangte auch Joachim Herrmann zu der Einschätzung, dass die „Unabhängige Selbstkontrolle (USK) der Computer-Spiele-Hersteller völlig unzureichend ist.“ Zentrales Problem sei, dass wenn solche Spiele eine Freigabe durch die USK erhalten, „die weit in den Bereich der Gewaltverherrlichung gehen, […] der staatlichen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien die Hände gebunden. Sie kann das Computerspiel nicht mehr verbieten.“

– obwohl der Vollzug das Problem ist?

Auch wenn man durch die Verwendung der überholten Bezeichnung der „Unabhängigen“ Selbstkontrolle sowie durch die Betonung der Rolle der Industrie Zweifel an der Objektivität der USK nähren will, vermögen diese Bedenken nicht zu überzeugen. So schreibt auch Christian Merkel bei der Macwelt, dass „ein Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden (OLJB), die federführend für den Jugendschutz sind, in den Gutachtergremien der USK“ mitwirkt, der „ein generelles Vetorecht bei Entscheidungen [hat] und letzten Endes die Freigabe [erteilt]. Die Gutachter der USK sind darüber hinaus unabhängig. Sie sind nicht in der Spieleindustrie beschäftigt und haben als Pädagogen, Journalisten, Sozialwissenschaftler oder Jugendschutzbeauftragte Erfahrung in der Kinder- und Jugendarbeit gesammelt. Die Bock-zum-Gärtner-Geschichte trifft also kaum zu.”. Im Übrigen ist es nach einem Gutachten des Hans-Bredow-Instituts sachgerecht, „Dass die Tester als Schnittstelle zwischen Antragsteller und Gremium viel Kontakt mit der Wirtschaft pflegen.“. Die Kritik Pfeiffers erschöpft sich in den Augen der freien Journalisten Erika Berthold und des Pädagogen Eggert Holling (beides Gutachter der USK) darin, dass er seine „eigenen Kriterien als maßgeblich für die ganze Nation ansieht“. Angesichts der Vehemenz der Kritik wird beim Spiegel gemutmaßt, dass „Deutschlands lautester Killerspiel-Kritiker Pfeiffer die Unterhaltungs-Softwareselbstkontrolle“ diskreditiert, „um an deren Gelder zu kommen“. Auch trifft die Kritik hinsichtlich eines Verbotes nicht zu. Die BPjM konnte noch nie Spiele verbieten. Es ist ihr lediglich möglich Medien zu indizieren und solche, die sie für verbotswürdig hält, auf die Liste B der jugendgefährdenden Medien zu setzen. Ein Verbot bzw. die Beschlagnahme eines Spieles kann nur durch ein Gericht angeordnet werden. Und dass unabhängig davon, ob das Spiel von der USK eine Freigabe erhalten hat oder nicht. Die Altersfreigabe steht seit 2003 lediglich der Indizierung des Spieles im Weg. Das tatsächliche Problem ist jedoch, dass Kinder- und Jugendliche, unabhängig davon welche Freigabe die USK vergibt, faktisch an diese Spiele gelangen können. Das liegt jedoch nicht an der USK sondern am Vollzugsdefizit.

8. brutalste Videospiele gesellschaftlich geächtet werden sollen,

Partei- und konfessionsübergreifend wird zur Ächtung von gewalthaltigen Videospielen aufgerufen. So bezeichnete nicht nur der Papst Videospiele, „die im Namen der Unterhaltung Gewalt verherrlichen und antisoziales Verhalten darstellen“ als Perversion sondern auch evangelische Würdenträger, wie Bischof Friedrich, rufen zur Ächtung der „die Menschenwürde in den Dreck“ ziehenden Videospiele auf, die „mit den ethischen Eckdaten des christlichen Glaubens“ nicht vereinbar seien. Auch Joachim Herrmann und Renate Künast meinen, “dass unsere Gesellschaft […] Killerspiele ächten sollte.“.

– dies aber zu einer Ächtung der Spieler führt?

Bei der Ächtung von gewaltverherrlichenden Spielen, die in Deutschland zurecht verboten sind, wird jedoch nicht halt gemacht. Aktuell werden neben diesen auch Rollenspiele wie die „Final Fantasy“-Reihe und „World of Warcraft“ als „Killerspiele“ stigmatisiert. Das von der Brutalität her vergleichbare Spiel „Drakensang“ wurde noch Anfang des Jahres mit dem staatlich geförderten „Deutschen Computerspielpreis“ ausgezeichnet. Nun muss auch dieses Spiel fürchten bald in einer Reihe mit üblen Machwerken wie „Manhunt“ genannt zu werden. In der allgemeinen Hysterie wurde selbst das Echtzeit-Strategiespiel „Warcraft 3“ sowohl von Joachim Herrmann als auch von Jürgen Walter, dem medienpolitischen Sprecher der Grünen, als „Killerspiel“ gebrandmarkt. Auch die „Deutsche Bahn“ schließt sich der allgemeinen Hexenjagd an und stellt Werbung für „CounterStrike“ ein, dass weder indiziert noch verboten ist. Und das obwohl selbst Joachim Herrmann betont, dass er „kein Verbot von “Counter-Strike” gefordert“ habe. Die von den Volksvertretern propagierte Ächtung schlägt sich nun auch in einer Diskriminierung der Videospieler nieder. Während „Galeria Kaufhof“ Medien, die eine höhere Freigabe als „ab 16“ erhalten haben, komplett aus dem Sortiment verbannt hat, wurden diese von „Media Markt“ aus den Regalen genommen. Vor dem Kauf eines Videospiels werden nun Name und Anschrift der Käufer erfasst, ohne rechtlich wohl erforderliche Einwilligung. In Stuttgart und Nürnberg wurden Veranstaltungen der „Electronic Sports League“ – quasi die Bundesliga der Videospiele – untersagt, „wegen Winnenden“. Heribert Rech klatscht Beifall und fordert auch ein Verbot der Begegnungen in Karlsruhe, schließlich werden „bei dem Computer-Treffen […] auch Killerspiele wie „Counterstrike“ und „Warcraft 3“ praktiziert.“. Erwachsenen Nutzern von Strategie-, Rollen- und Actionspielen wird damit die Ausgestaltung ihrer Freizeit erschwert oder unmöglich gemacht, wobei man zunehmend auch persönlich getroffen wird. So verwehrt beispielsweise ein Online-Portal Nutzern von „Killerspielen“ die Mitgliedschaft. Dass neben der von der Obrigkeit angeordneten Ächtung nicht nur Spiele sondern auch Menschen getroffen werden sollen, zeigen folgende Aussagen. Während es nach dem Medienpsychologen Helmut Lukesch von „der Gesellschaft geächtet werden [sollte], wenn jemand mit solchen Spielen Geld verdient“, spricht Joachim Herrmann auch den Nutzern von gewalthaltigen Videospielen jeden Anspruch auf Achtung ab. So glaube er nicht, „dass Menschen, die auf ihren Computern aktiv reihenweise Leute umbringen“ sich durch den Vergleich derartiger Spiele mit Kinderpornographie „verletzt fühlen können.“. „Killerspiele“ widersprechen also „dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft“, die Ächtung von „Killerspielspielern“ aber nicht?

Mit freundlichen Grüßen
Matthias Dittmayer

38 Gedanken zu “Superwahljahr

  1. Mir gefällt das sehr gut!
    Ich bin zwar erst in etwa 3 1/4 Jahren volljährig, aber ich diskutiere trotzdem häufig mit Eltern und Großeltern, erste sind bei mir glücklicherweise sehr begeehrt auf Diskussionen und teilen Meinung auch teilweise, bei Zweifeln verweise ich auf diese Seite (Danke!!!)

    Mit der „ganz alten“ Generation ist es dagegen schwieriger, doch dies wurde auch bereits hinlänglich geklärt.
    Für diese -mittlerweile leider in ihrer Weltanschauuung festgefahrene- Generation ist auch agressive Musik nur noch Krach, streetskater sind Verrückte, und es zählen sowieso nur noch alte Ideale. Fernsehen wird aufgrund der hohen Modernität und des Verblödungsgrades verschmät, oder es laufen hauptsächlich dokus, oder das Musikantenstadel im BR (ja, Bayer).
    Trotzdem gelingt es mir auch hier, die gröbsten Fehlinformationen zu beseitigen und durch gut recherchierte und vor allem richtige zu ersetzen, das klappt teilweise sogar mirhilfe des Internets (Gott weis, warum).
    Eine bestimmte Grundablehnung bleibt, und die will ich auch gar nicht nehmen, es würde mir wahrscheinlich sowieso nicht gelingen.

    Vielleicht wäre es auch gut, dass man Politiker, die Gewalthaltige Videospiele verbieten wollen, im Unklaren über das durchschnittliche Alter von Spielern zu lassen, um denen, die es kennen, einen Vorteil zu bieten.
    Ja, das mag etwas fies sein, aber nachdem wir so durch die Mangel genommen wurden, dürfen wir uns das erlauben, denke ich.

  2. Super Beitrag, und, allgemein, geniales Blog mit gut recherchierten und aufbereiteten Inhalten. Habs grad erst entdeckt und bin angetan.

    ABER:
    Ich denke es würde sich auch lohnen, die Diskussion um Killerspiele und ihre Agitatoren im größeren Zusammenhang aktueller Diskussionen zu sehen. Ähnlich inkompetent wird über „Websperren“ – d.h. Internet-Zensur – diskutiert und entschieden – als Vorwand muss das emotional besetzte Thema Kinderpornographie herhalten (wogegen sich inzwischen auch die Opfer zur Wehr setzen) und jeder Kritiker dieser Vorgehensweise als (potentiell) pädophil bezichtigt wird. Wie Vergleich emit anderen Ländern zeigen, haben solche und ähnliche (technisch ineffiziente) Websperren dazu geführt, dass auf manchen Sperrlisten unter 10% der gesperrten Seiten mit Kinderpornographie zu tun haben und ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Liste aus politischen und/oder gesellschaftskritischen Seiten besteht.

    In beiden Diskussionen soll die Freiheit der Menschen unbegründet beschränkt werden, und zwar in Bereichen, für die es bereits seit langem Gesetze gibt, die aber nur schludrig oder gar nicht umgesetzt werden. In beiden Bereichen glänzen die Agitatoren mit einer geradezu unvorstellbaren Inkompetenz was technische Bedingungen, Abläufe und Möglichkeiten angeht. Und durch Diskussionen werden dennoch die rigiden und reaktionären Gesellschaftsbilder durchgesetzt – auf Kosten der Bürgerrechte; was umso kruder erscheint, wenn man bedenkt, dass es wie gesagt in beiden Bereichen schon Gesetze gibt, welche einfach nicht genutzt werden.

    Sowohl beim Verbot von „Killerpielen“ als Amoklauf-Prävention als auch bei „Websperren“ gegen Kinderpornographie werden nicht Ursachen und Täter mit Hilfe der Gesetze bekämpft, sondern Sündenböcke und Symptome – also scheint das alles völlig sinnfrei und nutzlos.

    Dennoch: Bei aller Sinnfreiheit, Inkompetenz und Oberflächlichkeit der Ansätze zeigen die Argumente, Entscheidungen und Handlungen sowohl bei der Diskussion um Killerspiele als auch bei der Diskussion um Websperren in genau eine Richtung:
    Zensur.
    Mit Hilfe emotional besetzter Themen (Amok an SChulen, Konderpornographie) werden gezielt Bürgerrechte beschnitten.

    :x:

  3. Wie immer ein klasse Beitrag.
    Hoffentlich liest das auch jemand von den Adressaten und nicht nur ein Mitarbeiter der schonmal nach seiner eigenen Überzeugung vorfiltriert was der Abgeordnete zu lesen bekommt.

  4. Ich hab mal Christoph Waitz von der FDP angeschrieben. Nach über nem Monat gabs sogar ne Antwort. Die zweite Mail, welche inhaltlich wesentlich aussagekräftiger war, blieb bis heute unbeantwortet… leider. Mich hätte der Standpunkt von Herrn Waitz zu einigen Punkten sehr interessiert!

    Aber trotzdem ne gute Aktion von dir! Wichtig ist, dass möglichst viele Leute sich zu Wort melden. Auch wenn es nicht jedem so gut gelingt wir dir!

  5. @admin,

    sehr gut formulierter brief.
    meine frage : kann ich diesen brief als vorlage verwenden bzw in einigen teilen abändern und diesen an meine abgeordneten senden?

  6. @Boomboy

    Von mir aus gerne.

    @Nico

    Ich hatte auch darüber nachgedacht, zumindest bei „meinen“ Abgeordneten wollte ich es aber mal „persönlicher“ versuchen.

  7. So, schleswig holstein habe ich erstmal durch, hab an jeden abgeordneten eine mail an seine berliner und an seine wahlkreis emailadresse geschickt.

  8. Ich hab vor ein Jahren schonmal einen von GamePro verfassten Brief an meine CDU und SPC Abgeordneten geschickt. Der SPD Mensch erschien mir ganz umgänglich, von der CDU kam nie was.

  9. Ich habe auch nicht so das Gefühl, dass ich jemals eine Antwort erhalten werde.
    Naja, ich hab an alle Abgeordneten CDU/CSU/SPD/GRÜNE/FDP den Brief geschickt, auch an den lieben Guido Westerwelle^^
    Mehr kann ich da auch nicht machen, naja, es sei denn die Damen und Herren laden mich zu Kaffee und Kuchen ein, auf Staatskosten ^^
    Aber ich wage das mal zu bezweifeln

  10. @Ximeon:
    „Mit Hilfe emotional besetzter Themen (Amok an Schulen, Kinderpornographie) werden gezielt Bürgerrechte beschnitten.“
    Ja Zensur im großen Maßstab…
    und dagegen müssen wir vorgehen!
    Ansonsten maschiert bald ein goßer Teil der Leute im Stechschritt mal wieder um brendende Haufen umher… diesmal sind es aber keine Bücher sondern Computerspiele…
    PS seit Trojaner und Datenmassenspeicherung ist man am besten Wege in ein 5tes Reich…
    vergleiche mit dem 3ten Reich sind nicht nur erlaubt und zutreffend, sondern auch überfällig!

    „„dass Menschen, die auf ihren Computern aktiv reihenweise Leute umbringen“ sich durch den Vergleich derartiger Spiele mit Kinderpornographie „verletzt fühlen können.““
    Und was ist mit den Entwicklern?
    Coder geht nach Japan oder Amerika… Wandert aus!
    Umfrage: Wer lässt sich gerne Ächten bzw mit Kinderpornographie in verbindung bringen?

    @Nico: Abgeordnetenwatch zeigt mal wieder, dass Politiker keine Fakten brauchen noch Hirn, damit sie über ihr gesagtes nachdenken müssen. Am Zensurfilter angefangen werden die immer gleichen falschen Zahlen zietiert und auf Nachfragen abgewimmelt.
    Wenn man schon bei einen solchen Thema, welches die Gundrechte aushebelt nicht sauber Disskutieren kann wird man bei einen Thema wie Killerspiele, welches die Politiker als Kinderspielzeug ansehen, noch viel weniger Diskussionsbereitschaft erwarten können.

    Oft bekommt man den Eindruck, dass viele Antworten von jemand anderen geschrieben werden und nicht von den Politikern selbst, dies könnte zumindest den gleichen falschen Kanon erklären. Wenn es die Politiker wirklich alle selbst antworten ist es nur noch schreklicher…

    @Admin: guter Brief, aber man sollte einen Link zu Stigmata hinzusetzen und an alle Abgeordneten gleichzeitig schicken… und dies noch ganz offen mit allen Namen im Brief.
    Desweiteren als Kopie an alle Nachrichtenagenturen und Spielemagazine sowie einer Reaktionsliste nach 2 bis 3 Wochen die wieder alle bekommen, aber dann alle Antworten die sich wieder auf Unfakten beruhen zerlegt werden wie falsch sie sind, alle Politiker die nicht antworten gerügt werden und Politiker (unabhängig vom Standpunkt) die einer Diskussion zugänglich sind lobend erwähnt werden…
    PS ich denke, dass dein Name noch nicht bis in diese Kreise vorgedrungen ist, also müsste man zu solch drastischen Schritte greifen.
    An andere die das abschicken:
    Macht euch bewusst, dass ihr besonders bei CSU als Spinner abgetan werdet die blass, onine süchtig und im Keller sitzend nur ihre GEWALTSPIELE bewahren wollt…
    Persönlich denke ich mal, dass viele der Briefe einfach als Spam gelöscht werden ohne nur mal mehr als den Betreff zu lesen…

    Happy Coding

  11. IMHO ist es sinnvoller sich an Wahlständen die meist von Ortsgruppen organisiert werden zu Wort zu melden und die dortigen Leute darauf hinweisen das die entsprechende Partei für einen Aufgrund der falschen Schlüße aus Winnenden nicht wählbar ist.

    Wobei man immer zwischen sachlich und polemisch entscheiden muß.
    Als Bayer würde ich sicher fragen, ob Joachim Herrmann den Alkohol verbieten will, der als Droge ja ebenso gefährlich für den Konsumenten ist wie Killerspiele und Kinderpornos…

  12. also du meinst sich neben den stand der cdu stellen und den leuten dinge erzählen wie „wer spiele verbannt verbrennt auch bücher“ ?
    ist nun etwas krass das beispiel, aber ich glaube sich in der nähe eines standes einer partei aufzuhalten und den leuten erzählen was die partei bei dem thema XYZ „erzählt sei gelogen,irreführend und populistisch“ verstößt doch sicherlich gegen irgendein parteiengesetz.

  13. @ Booomboy: „wer spiele verbannt verbrennt auch bücher“
    gut aber man müsste einen Juden finden der gerne Spiel…
    dieser könnte/dürfte noch eine Spur härter sein:
    „Wer Spieler ächtet, verfolgt auch Juden!…“
    nichts gegen Religion, aber ich kenne keinen Juden zumindest keinen der es mal erwähnt hätte… Mir gefällt Mel Brooks der kann sich auch in solch einer Art hinstellen ohne, dass man ihn belangen könnte…

    „gelogen,irreführend und populistisch“
    Freie Meinung darf man doch offen sagen! Besonders wenn es die Wahrheit ist!

    Happy Coding

  14. „Freie Meinung darf man doch offen sagen! Besonders wenn es die Wahrheit ist!“

    Schon richtig, aber gibs da nicht irgendwelche speziellen Parteigesetze die irgendwie sowas in der Art bestraft?
    Wenn ich mich vor, oder ein paar Meter entfernt, eine Fleischerei/Schlachterei hinstelle und Dinge äußere wie „Tierquäler, Massenmörder etc.“ wäre das glaub ich auch strafbar.

    Da fände ich so kleine Infoflyer besser die entweder auf der Straße oder „von Haus zu Haus“ verteilt werden.

  15. naja es ist die frage wie sie an so einen stand auftreten, wenn gegen spiele gemeckert wird, dann ist so eine aktion kein problem… aber wenn sie offen damit umgehen sollte man so eine aktion vermeiden… *g* aber wann kommt sowas vor?

    kurz gesagt: je lauter sie offen gegen spiele vorgehen um stimmen zu fangen desto lauter kann man ihnen entgegen rufen!
    .
    Happy Coding.

  16. @Real_Black:
    Ja sollte man meinen…nur gibt es viele die mitmachen würden,aber nur wenige die sich wirklich trauen…, aber wie sagt man so schön:“Gemeinsam sind wir stark!!!“

  17. @easi,
    hast recht was „gemeinsam sind wir stark“ angeht
    @trb,
    kommt drauf an wie man es macht, da liegst du auch richtig

  18. @Boomboy: Ich habe schon militante Vegetarier gesehen, die vor einer Fleischerei demonstriert haben, auch mit solchen Parolen. Von daher, nein, es wäre sicher kein Problem, so etwas zu machen. Allerdings disqualifiziert man sich als Diskussionspartner mit solchen Nazi-Vergleichen sofort – auch wenn sie gerechtfertigt sind.

  19. habe im newsticker von n-tv gelesen, dass die spd eine alkohol-prävention machen will, weil das koma-saufen unter jugendlichen immer drastischere ausmaße annimmt.
    und nun die überraschung : die union stellt sich hier quer

  20. Und wenn man behauptet das Killerspiele genauso gefährlich wie Kinderpornos sind disqualifiziert man sich als Diskussionpartner nicht ?

    Es bietet sich an mit den Mitteln der Kommunikationsguerilla zu arbeiten:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunikationsguerilla

    Ansatzpunkte:
    Beispielsweise die Verknüpfung konservativer Spielekiller aus CDU & SPD mit der radikalen Linken:
    Die Behauptung das Killerspiele Tötungssimulationen sind die von der US-Army entwickelt wurden wird von CDU und SPD verwendet.
    Sie findet sich aber auch bei radikalpazifistischen Gruppen die sie mit dem Vorwurf des völkerrechts- und grundgesetzwidrigen Angriffskriegs in Afghanistan verknüpfen.

    Methode:
    1.) Syphatie herstellen, d.h. die Zustimmung des Ziels hervorrufen:
    „Herr Abgeordneter XYZ, in ihren Interview vom … haben sie erklärt das Killerspiele von der US-Army als Tötungssimulation entwickelt wurden…“

    2.) Killerspiele mit einem Thema verknüpfen das bei den potentiellen Wählern des Ziels als heilig gilt:
    „das Killerspiele vom Militär entwickelt wurden um die Völkerrechtswidrigen Angriffskriege in Afghanistan vorzubereiten wird auch vom Kölner Aufruf bestätigt.“

    3.) Das Ziel in eine Situation bringen, in der es zwischen die heiligen Kuh seiner Partei gegen das Killerspielargument verteidigen muß:
    „sind sie für eine Beendigung des Völkerrechtswidrigen Angriffskrieges in Afghanistan ?“
    -> Weitere Themen: Alkohlverbot, Verbot von Schundromanen, Negermusik, Private Schußwaffen…

    Gerade bei der CDU/CSU seh ich große Chance den Patriotismus auszunutzen um sie aufs Glatteis zu führen (hey, dafür ist er da).
    Man könnte z.B. Killerspiele mit der Soldaten sind Mörder-Retorik kombinieren.
    „Wollen sie damit Ausdrücken das Killerspiele dafür da sind das deutsche Soldaten leichter zu potentiellen Mördern werden ?“

    Weitere Ansatzpunkte sehe ich in den Vorwürfen die im Kölner Aufruf gemacht wurden.
    Ein medialer-industrieller-militärischer Komplex ist in Deutschland ohne Bundeswehr nicht möglich – steckt also die Bundeswehr hinter den Tötungssimulationen ?

  21. @The_Real_Black und irgendwie onTopic:
    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860
    Petition gegen die geplanten Netzsperren auf der im Topic erwähnten Homepage des Bundestages.
    Ob sich etwas Vergleichbares auch für „Killerspiele“ erstellen lässt, also eine Petition die zu sachlicher Auseinandersetzung anstelle von blindem Aktionismus und Sündenbocksuche aufruft?

    @Topictext:
    einsame Spitze, sollte man jedem Politiker, den man sich überlegt zu wählen, vorlegen und um eine Antwort bitten. Die Idee mit abgeordnetenwatch.de finde ich auch sehr verlockend, da die Antwort so eben öffentlich einsehbar ist.

  22. @ admin
    ein ordentlicher Beitrag. Sauber formuliert, sehr sachlich und zudem noch leicht zugänglich. Auch die Argumente sind geschickt eingearbeitet.
    Und wo wir gerade davon reden. Ich habe heute etwas gelesen, was mich ein kleinen wenig verwundert und zugleich etwas besorgt gemacht hat:
    Manchmal scheinen selbst die Computerspiel-Kritiker nicht mehr so ganz zu wissen, was sie gerade reden. Ich meine, klar das ist für uns nichts Neues, aber diese Nachricht ist sogar für Spitzers Verhältnisse etwas merkwürdig. Manfred Spitzer hat sich nämlich ungewohnt positiv über Videospiele geäußert. So behauptet er, dass Videospiele doch tatsächlich die Fähigkeit fordern, die eigene Aufmerksamkeit ,,überall hin zu verteilen und mehrere Dinge gleichzeitig zu tun.´´ Diese Eigenschaft nennt man übrigens auch ,,Multi-Tasking´´. Klingt doch ganz nett, oder ?
    NICHT, so voreilig !! Spitzer sieht nämlich im ,,erspielten´´ Multi-Tasking eine weitere Gefahr, Konzentrationsstörungen zu erleiden, man könne sich damit Aufmerksamkeitdefizite ,,antrainieren´´, wenn man selber noch keine hätte.
    Was soll uns das jetzt sagen: das alle Computerspieler multi-task-fähig sind und Multi-Tasker sich nicht konzentrieren können ?
    Spitzers Logik könnte wie folgt zusammengefasst werden:
    Wenn Computerspiele irgendeinen Nutzen haben, ist dieser Nutzen eigentlich ein Schaden.
    Seine Theorie hat für alle Kritiker den überaus vortrefflichen Vorteil, dass sie damit jedes Argument der Befürworter von Videospielen in ein Gegenargument umbauen können.
    Hoffentlich entlarvt man diese Argumentationskonstrukte als einsturzgefährdete und abrisswürdige hässliche Polemikbaracken von janusköpfigen Architekten, deren Fundament aus Panik und Unwissenheit besteht und die Wände gehalten werden durch Scheinheiligkeit.

  23. @Alrik: Natürlich disqualifizieren solche Aussagen ebenfalls. Ich würde mich auch nicht auf ein Gespräch mit Herrn Herrmann einlassen, solange er auf solchen Aussagen beharrt. Aber wenn man solche Aussagen kritisiert, sollte man sich nicht auf dasselbe Niveau herablassen.

    @hecter specter: Da muss ich Pyri zustimmen. Wirklich großartig formuliert ;)

  24. hmmm…. ich finde den brief eigendlich sehr, sehr gut, aber.

    wenn ich nun ein kleiner cduler bin (gott behüte) und total geil auf wählerstimmen;
    und mir schreibt jemand etwas, das killerspielen positiv gegenübersteht und mich fragt ob ich solche spieler ächten will;
    sage ich denn dann nicht schon um der liebe frieden (und der wählerstimmen) willen, dass ich nix gegen soches spiele hab?
    war ja nur eine mail. ob ich den einen nun bescheiße oder nicht ist mir dann doch eig recht egal.

  25. Naja, aber wenn der Politiker dir schreibt, er hätte nichts gegen Killerspiele, und in der Öffentlichkeit einen auf „Killerspiele sind das personifizierte Böse!“ (stark dramatisiert^^) macht, dann würdest du dir auch verarscht vorkommen, und der Partei erst recht den Rücken zukehren, oder nicht?

  26. @Raknar: nur dass man nicht jeder politiker den hermann macht und vllt erst nach der wahl vorm saturn die äxte verteilt zum spiele schreddern

  27. @ hejoba
    Sehr interessant. Ich habe diesen Wahl-O-Mat ausprobiert und das Ergebniss hat mich sehr überrascht. Ich finde es ersetzt zwar nicht die umfangreiche Recherche auf den Websites der einzelnen Parteien, aber wenn man so wie ich ein unerwartetes Ergebnis bekommt, macht es einen neugierig, mehr über die Wahlprogramme zu erfahren. Bei mir ist es zumindest so. Außerdem gibt es einem eine Orientierungshilfe. Ich hab mir ja schon vorher die Webseiten der Parteien angeschaut. Da mal vernünftig und klar ersichtlich das Wahlprogramm oder die politischen Standpunkte zu finden, ist nicht bei allen Seiten leicht.

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