Interessante Bachelorarbeit

(via Nerdcore, hampuslarsson) Simon Fallert, Student der Kulturwissenschaften, hat sich in seiner Bachelorarbeit mit dem öffentlichen Diskurs um „Killerspiele“ auseinandergesetzt. Besonders interessant ist der Abschnitt über Panorama, in dem er noch einmal detailliert die Fragwürdigkeit mancher Inhalte herausstellt. Die auch über Amazon erhältliche Arbeit kann im Blog des Autors betrachtet werden:

Zur Arbeit

17 Gedanken zu “Interessante Bachelorarbeit

  1. Bissl off Topic aber meiner Meinung nach erzählenswert:
    Vor einiger Zeit (Ich denke, dass das jährlich stattfindet.) gab es im Leipziger Bahnhof eine Ausstellung zum „World Press Foto Award“ (glaub ich). Auf jeden Fall wurden dort Bilder ausgestellt,
    die vom Redaktionellen her wohl ganz toll waren. Naja ich war kurz nach dem ich mir die Bilder angeschaut habe (und sich das flaue Gefühl im Magen gelegt hatte) echt kurz davor zur Bahnhofsverwaltung zu rennen und die mal zu fragen was das soll. Ich meine die Bilder waren echt übel! Das fing an mit nem Pinguin der von einem Waal den Kopf abgebissen bekommt und hörte auf mit Hinrichtungsszenen! Wo ist da der Jugendschutz frag ich! Ist das alles halb so wild weil es ja real ist und nicht fiktional oder noch schlimmer: virtuell? Mich kotzt diese Doppelmoral an! Ich verstehe ja das Nachrichten nicht zensiert werden dürfen und beführworte das auch aber muss man desswegen an Snuff grenzende szenen öffentlich für jedermann (auch für 6 jährige Kinder!) ausstellen?

    Hab davon abgesehen letztens die Freigabe von Schindlers Liste gesehen und war leicht erschrocken. Ja, ich weiß, der Film muss so heftig sein damit er zeigen kann wie grausam die Nazi herrschaft war. Aber mal ganz ehrlich: Welcher andere Film mit diesem Level an Grausamkeit würde eine Freigabe ab 12 bekommen?

    grüße JP

  2. GnarfGnarf ich halte es für einen Fehler Menschen vorzuenthalten wie die Welt ist, ob sie das nun wollen oder nicht ist eine andere Frage.
    .
    MfG
    Seth

  3. Pixelroom kenn ich, ist wirklich zu empfehlen

    und die Batchelorarbeit hab ich auch mal in den Favoriten gespeichert, werd ich in den nächsten Tagen mal lesen :)

  4. Die Arbeit ist ganz hervorragend, allerdings nicht neutral. Es handelt sich um einen fundierten, wissenschaftlichen Gegenpol zu der üblichen Darstellung. Ich würde jedem empfehlen, den gesamten Artikel zu lesen. Dennoch hier eine ganz ganz kurze Zusammenfassung der für mich wichtigen Punkte.

    – wissenschaftliche Studien:
    Folgende zusammenhänge konnten tatsächlich nachgewiesen werden:
    1. es besteht eine korrelation zwischen gewaltätigem verhalten und dem genuss gewalttäriger medien, der allerdings deutlich schwächer ist als andere faktoren, zB gewalt im elternhaus. über den kausalen zusammenhang (bzw ob es überhaupt einen gibt) konnten bis jetzt keine daten gewonnen werden.
    2. unmittelbar nach dem genuss, vor allem gewalthaltiger spiele, befinden sich die probanden in einem besonderen zustand, in dem sie sich bei bestimmten expreimenten anders verhalten als die kontrollgruppe.
    Zu welchem ergebniss die studien dann kommen hängt dann lediglich von der interpretation ab: korrelation bei 1. die folge eines kausalen zusammenhangs (JA/NEIN) und erregter zusantand nach dem spielen bei 2. akkumuliert sich bei wiederholtem spielen und bleibt langfristig bestehen (JA/NEIN).
    Die Politik und gesellschaft verlangt aber gerade antworten auf eben diese ja/nein fragen (die auch in nächster zeit nicht beantwortet werden können)!
    Meine beobachtung: unseriöse wissenschaftler, die ungerechtfertigte antworten auf diese fragen geben, werden besonders gern in den medien zitiert.

    – wesen und wahrnemung von computerspielen
    in der arbeit wird auch auf das wesen des spiels an sich eingegangen, zB: der spieler handelt im spiel im rahmen der vorgegebenen spielregeln. die abgrenzung von realer welt und regulierter spielwelt ist keine zufällige eigenschaft, sondern eines der wichtigesten merkmale. Die gewalt ist die folge der vorgegebenen regeln und spielziele, nicht das produkt unmoralischer entscheidungen und gelüste.
    im unterschied zum film unterscheidet sich die wahrnemung eines spieles grundsetzlich zwischen spieler und beobachter (vor allem wenn dieser nicht mit den regeln vertraut ist).

    – einfluss der interaktivität
    oft wird von spiele kritikern behauptet, die interaktivität bzw das eigene steuern der gewalt ausführenden spielfiguren führe zu einer stärkeren identifizierung. der autor vertritt die genteilige these: gerade dardurch, dass man die spielfigur steuert, sie also stehenbelibt wenn man sie nciht aktivbewegt, taugt sie nicht zur identifikation. Es wird auch die these aufgeführt, dass die übetragung von im spiel erfahrener gewalt auf die realität nicht möglich ist.
    Zitat:Die Kontexte einer wettbewerbsartigen, nicht schädigenden Gewalt im Computerspiel und einer
    zweckgebundenen, schädigenden ‘realen’ Gewalt weisen nicht genug strukturelle Ähnlichkeiten auf, als
    dass Schemata unverändert von der virtuellen auf die ‘reale’ Situation transferiert werden könnten. […] Die
    strukturellen Sinn-Unterschiede zwischen virtueller und ‘realer’ Gewalt sind wahrscheinlich sogar so groß,
    dass entsprechende Handlungsschemata nicht nur stark angepasst, sondern meist vollständig verworfen
    werden müssen. (Ladas 2002: 132, zitiert nach Kunczik/Zipfel 2004: 220)

  5. Ich glaube ich studier‘ das falsche Fach, anderwo als in Geschichte kriegt man den Bezug zu Spielen viel besser rein. Hoffentlich fällt mir für meine Masterarbeit in etwas über einem Jahr noch was ein.

  6. Zitat aus der Bachelorarbeit:

    „Die jugendgefährdende Wirkung des Computerspieles ist … darin zu sehen, daß der
    Programmablauf den Spieler ausschließlich zu einem reflexartig ausgeführten, instinktiven
    „Abschießen“ und zum „Zerstückeln“ der gegnerischen Figuren auffordert. Hier werden
    Verhaltensweisen trainiert, die die körperliche Integrität und Unversehrtheit des Gegenübers
    negieren. Das birgt die Gefahr in sich, daß der Respekt vor dem Leben und der körperlichen
    Unversehrtheit anderer herabsinkt. Hemmschwellen, die jeder Tötungs- und
    Verletzungshandlung entgegenstehen, werden auf diese Weise abgebaut.“


    Ich bin mit dieser Aussage irgendwie nicht einverstanden. Diese, reflexartigen und instinktiven, Aktionen gehen doch eher in die Richtung Geschicklichkeit, allerhöchstens (kommt auf die Stabilität der Psyche an) entgegen der Moral. Hier wird zwar geschrieben, dass die Gefahr besteht den Respekt vor dem Leben anderer zu verringern, aber dem weiteren Satzbau kann man entnehmen, dass diese Spiele tatsächlich die natürlichen Hemmschwellen abbauen. Ich beziehe mich da auf „werden auf diese Weise abgebaut“.

    Wieso ich damit nicht einverstanden bin erklär ich mal vorweg so: Ich spielte HalfLife Deathmatch (das alte) gegen Roboter (deutsche zensierte Version) und einen Tag später gegen menschenähnliche Bots (us version). Meine Geschicklichkeit blieb unverändert, das instinktive Geschehen auch. Das einzige, was sich veränderte war meine Einstellung, gegen „hirnlose“ spielen zu müssen. ich wusste, dass die us-version zensiert war, hatte aber die Tatsache der Zensur zuvor als Strafe empfunden, in der ich gegen „nicht intelligent wirkende Spieler“ spielen musste. Wieso ich mich heute noch gut daran erinnern konnte ist der Grund, dass ich mich mächtig auf die unzensierte version freute. Zu mal Multiplayergames für mich weniger was mit Erfinden von Fantasiebilder zu tun haben, sondern eher mit dem Ausleben der Fantasie, ist mir wichtig, dass ich (in diesem Sportsgeist beim Spielen) gleichbehandelt werde

    zum Pixelfloor: Ich hab mir die Reportage grade nur bis zur Hälfte angeschaut, muss aber auch dazu sagen, dass diese für mich einen großen Stellenwert hat. Es wird erklärt, dass wir spielen, wie früher gespielt wurde (wo ich finde, dass ein Teil des Generationenkonflikts beschrieben wird), was Leute stört und „wer wie was aufnimmt“.

  7. @GnafGnaf

    Warscheinlich dachten die sie Stufen die Altersfreigabe bewusst ab, damit möglichst viele den Film gleich sehen können.

    Ich muss aber dazu sagen, dass ich die Freigabe ebenfalls unpassend finde. Aber aus anderem Grund. Uns wurde der Film glaube in der 8. oder 9. Klasse gezeigt (bin heute 20) und ich fand den Film schlicht und ergreifend einfach nur langweilig und öde. Warum? Weil mir das geschichtliche Hintergrundwissen fehlte um zu begreifen,was Schindler getan hatte. Nach erneuten Ansehen muss ich sagen, dass es ein guter Film ist.

    Ontopic:

    Bin noch im lesen, aber die Arbeit gefällt mir sehr gut

  8. „Zeitschriften oder Besprechungen in Zeitungen, die darüber hinaus das Medium ästhetisch oder kulturhistorisch besprechen, so wie dies für Bücher, Filme oder Musik gilt, sind nicht vorhanden, es existiert kein Kulturdiskurs des Feuilletons über Computerspiele.“

    Man sollte dem Herrn vielleicht mal ein Edge oder GEE in die Hand drücken…

  9. danke für das lob und die kritik!

    mr. can: das war vielleicht zu kategorisch formuliert, ich meinte aber eigentlich explizit einen mainstream-feuilleton-diskurs. die gee bespricht spiele nicht ausschließlich unter kaufempfehl-gesichtspunkten, das ist richtig. aber ein breites bewußtsein dafür, das spiele wie filme und andere medien eben auch künstlerischer ausdruck sind und sich damit explizit auf die kunstgeschichte (und andere einflussgebiete) beziehen, dieses bewußtsein fehlt meiner meinung nach noch. und deswegen findet man in tageszeitungen auch filmbesprechungen, aber keine ästhetischen abhandlungen zu spielen.

  10. @simon
    *huch* hätte ich gewusst, dass du das hier liest hätte ich es wohl nicht so hart formuliert. Mir war eh klar was gemeint war.

    Hab die Arbeit vorhin ein bisschen überflogen und muss sagen mir gefällt sie soweit wirklich gut.

  11. Hallo simon. Es freut mich, dass du hier vorbeischaust und Lob sowie Kritik aufnimmst (wobei ich hoffe dass die jeweiligen auch nachvollziehbar sind). Ich denke auch, dass man sich grade hier sicher gut an Kritikpunkten orientieren kann.

    und ich hab nen Denkfehler (meine Freundin drängt mich immer zum zocken) Ich meinte, dass ich wusste, dass die deutsche version – und nicht die us-version zensiert ist…
    .
    (naja gottseidank hats keiner gelesen, sonst hätte ICH Kritik kassiert :p *g*)
    zum anderen muss ich da so um die 16/17 gewesen sein (im Nachhinein fällt mir auch, dass ich hätte mein Alter angeben können, verd[zensiert])

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