Interview mit Petra Sitte

Viele Gamer erhalten auf Anfragen, wie die Parteien zu gewaltdarstellenden Videospielen stehen, leider regelmäßig Standardantworten, die auf aktuelle Entwicklungen nicht eingehen. Zum Teil wird noch von der geplanten Verschärfung der Indizierung gesprochen, obwohl diese längst beschlossen und umgesetzt ist. Auch in den Wahlprogrammen findet sich über ein „Killerspielverbot“ keine eindeutige Aussage. Wir haben nun die medienpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen um Stellungnahmen gebeten:

stigma:

Ich danke Ihnen, dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch genommen haben. Könnten Sie sich unseren Besuchern kurz vorstellen?

Petra Sitte:

Mein Name ist Petra Sitte. Ich komme aus Halle, bin seit 2005 Mitglied des Bundestags und dort stellvertretende Vorsitzende und Forschungs- und Technologiepolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE.

stigma:

Als Reaktion auf Winnenden haben viele namhafte Unternehmen auch praktische Konsequenzen gezogen. Während die Deutsche Bahn Werbung für bestimmte Videospiele eingestellt hat haben Kaufhäuser und Supermärkte Spiele „ab 18“ als Zeichen für soziale und gesellschaftspolitische Verantwortung aus den Regalen genommen oder komplett aus dem Sortiment gestrichen. Beim sozialen Netzwerk mysuccess muss sich sogar jedes neue Mitglied einem Verhaltenskodex unterwerfen, der den vollkommenen Verzicht von Killerspielen beinhaltet. Diese und ähnliche Maßnahmen wurden von der Politik ausdrücklich begrüßt. Nach den Worten von Jürgen Kucharczyk (SPD-Bundestagsfraktion) sollten andere Kaufhäuser und Videotheken diesem Beispiel folgen. Auch Bayerns Medienminister Siegfried Schneider gratuliert Kaufhof zum mutigen Schritt als Beitrag zu einem wirksamen Kinder- und Jugendschutz und zur gemeinsamen Ächtung von Gewalt in Computerspielen.
Was ist die offizielle Meinung Ihrer Partei zu diesen Bespielen von gelebter Unternehmensverantwortung in Bezug auf gewaltdarstellende Videospiele?

Petra Sitte:

Wir betrachten Computer- und Online-Rollenspiele als massenmediale Erscheinungen einer Spiel- und Kommunikationskultur im Digitalzeitalter. Eine Verbotspolitik im Umgang mit gewalthaltigen Computerspielen sowie die Diffamierung der Entwicklerbranche und der Nutzerinnen und Nutzer sogenannter „Killerspiele“ lehnt DIE LINKE ab. Diese Position hat der Parteivorstand im Juli letzten Jahres mit dem Beschluss „Herausforderungen der digitalen Welt begegnen – Grundlagen für eine digitale Medienordnung schaffen“ einstimmig angenommen.
Verbote helfen nicht und Zensur ist grundfalsch. Wenn jetzt zudem einige meinen, eine gesellschaftliche Ächtung solcher Spiele sei notwendig, so hat das ungefähr den Wert, als wolle man Kinderarmut mit der Parole begegnen: „Spielt nicht mit den Schmuddelkindern.“ Mir ist der kulturpessimistische Impetus dieser Spielekritiker nicht geheuer. Die Stimmen, die Computerspiele als Kommunikationsmedien und auch als gesellschaftliche Gegenmodelle betrachten, hören sie nicht. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit erforderlich.

stigma:

Nach Winnenden konnten in diversen Städten eSport-Turniere und LAN-Parties nicht stattfinden. Dies ist maßgeblich auf den Druck von CDU, SPD und Grünen in den jeweiligen Städten zurückzuführen. Allgemein will man derartige Spielen in öffentlichen Gebäuden nicht dulden, da solche Veranstaltungen Gaming „hoffähig“ machen könnten. Vereinzelt gab es jedoch Kritik an der Art, wie man diese Veranstaltungen unterbunden hat. So forderte der Oberbürgermeister von Karlsruhe rechtliche Grundlagen für ein Verbot solcher Veranstaltungen zu schaffen, da man die Gamer nicht willkürlich in die Illegalität drängen könne.
Wünschen Sie sich die Schaffung einer rechtlichen Grundlage für ein Verbot solcher Veranstaltungen? Wie stehen Sie allgemein zum Vorgehen gegen den eSport, den selbst der Journalist Rainer Fromm für „ok und zukunftsträchtig“ hält?

Petra Sitte:

Es gibt keine Belege dafür, dass Spiele Gewalt in der realen Welt fördern. Dafür muss erst sehr vieles zusammen kommen. Persönlich sind mir Ballerspiele eher fremd. Doch ich halte es für falsch, kulturellen Veränderungsprozessen mit Kulturkritik und Verboten entgegen zu treten. Wir müssen den Herausforderungen des digitalen Zeitalters kulturell begegnen; sie verstehen, uns mit ihnen auseinandersetzen und sie nicht einfach auszugrenzen versuchen. LAN-Parties und eSports zu verbieten, zeugt davon, dass man sich dieser Auseinandersetzung nicht stellen will. Das lehne ich ab.

stigma:

Nach der Karlsruher Gemeinderatsfraktion der Grünen sei es das eigentliche Problem, dass jeder sich diese Spiele heute zu Hause auf den Computer laden könne, ganz ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mit bekommt. Unser Bundespräsident Horst Köhler sieht dies ähnlich und mahnt die Bürger manche Spiele nicht zu nutzen, auch wenn diese nicht verboten sind. Wissenschaftler wie Politiker fordern darüber hinaus eine gesellschaftlicher Ächtung. Während es nach dem Medienpsychologen Rudolf Weiß nur geächtet werden sollte, wenn jemand mit solchen Spielen Geld verdient, verlangt sein Kollege Helmut Lukesch eine gesellschaftliche Ächtung bis zur jugendlichen Freundin, die ihren Freund vor die Wahl stellen sollte, sich mit ihr anstatt mit bluttriefenden Computerspielen zu beschäftigen. Regine Pfeiffer attestiert mittlerweile, dass man manche der Vorgänge bereits unter der Überschrift Diskriminierung unterbringen könne.
Inwieweit stehen Sie hinter derartigen Forderungen?

Petra Sitte:

Computerspiele sind heute ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. In Deutschland liegen die Umsätze im Bereich Games bereits jetzt über jenen der Filmbranche. Fakt ist auch, dass die kommerziell erfolgreichsten Spiele Shooterspiele sind – davon nicht wenige in Deutschland produziert oder hier für den heimischen Markt lokalisiert. Den Forderungen nach gesellschaftlicher Ächtung dürften daher noch so einige Wirtschafts- und Standortpolitiker widersprechen. Aber noch einmal grundsätzlich: Ächtung ist kein Ersatz für Auseinandersetzung. Und diese scheint mir bei den von Ihnen benannten „Experten“ aus Wissenschaft und Politik doch manchmal sehr einlinig.

stigma:

Es wird oft versucht Videospiele in schlechte und gute zu unterteilen. Wie schwer das ist zeigt das Rollenspiel „Drakensang“, das Anfang des Jahres als pädagogisch wertvoll prämiert wurde. Mittlerweile werden aber mit „World of Warcraft“ auch Rollenspiele als „Killerspiel“ gebrandmarkt.
Versuchen auch Sie Videospiele nach kulturellem und pädagogischem Wert zu unterteilen und die missliebigen durch eine Förderung der gesellschaftlich erwünschten zu verdrängen, wie es das „Team Grün“ ausgedrückt hat?

Petra Sitte:

Es gibt sicherlich Unterschiede in der Qualität und in den Genres von Computerspielen. Das trifft ähnlich auf Filme zu, wo die Darstellung von auch extremer Gewalt sehr unterschiedlich bewertet wird. Was eine Unterscheidung zwischen „gut“ und „schlecht“ bringen sollte, ist mir nicht ersichtlich. Qualitativ und kulturell gehaltvolle Spiele zu fördern hingegen, halte ich durchaus für sinnvoll. Dazu gilt es Kriterien der beteiligten Professionen herauszuarbeiten. Die Geschichte des Films und der Filmförderung zeigt übrigens, dass es nicht gelingen wird, „Mißliebiges“ durch „Erwünschtes“ zu verdrängen. Da scheint mir bei den Grünen sehr viel Wunschdenken.

stigma:

Wie Sie sicherlich wissen sind gewaltverherrlichende Videospiele bereits verboten, gewaltbeherrschte faktisch auch. Fordern sie dennoch, wie z.B. die Innenminister auf ihrer Frühjahrskonferenz oder Bayern und Niedersachsen im Bundesrat, eine weitere Verschärfung der gesetzlichen Regelungen? So hat bereits der SPD-Innenexperte Wiefelspütz angekündigt, dass ein Verbot von Killerspielen unabhängig von den Wahlen sicher komme und Thomas Strobl verlangt Internetsperren auch in Bezug auf „Killerspiele“ zu diskutieren.

Petra Sitte:

Nicht ein vermeintlich unzureichender Jugendmedienschutz und der Konsum von gewalthaltigen Computerspielen sind ursächlich für Gewalt und Amok an Schulen, sondern ein komplexes Bedingungsgefüge bestehend aus sozialen, psychologischen und familiären Komponenten. Zu nennen sind soziale Isolation, Leistungsdruck, Schulversagen, psychosoziale Kränkung sowie die Mechanismen von kompensierender Gewalt und – last not least – der Zugang zu realen Waffen. Diese Punkte bleiben in den aufgeregten Debatten um sogenannte „Killerspiele“ leider allzu oft unerwähnt. Und was Internetsperren betrifft: Wir lehnen sie ab. In der digitalen Welt ist die Freiheit des Netzes zu verteidigen.

stigma:

Die Indizierung soll eigentlich ein Mittel des Jugendschutzes sein, trifft aber auch erwachsene Gamer. Wegen des mit der Indizierung einhergehenden Verbotes von Werbung und öffentlichem Verkauf werden von einer Indizierung bedrohte Videospiele in Deutschland nicht veröffentlicht. Bei vielen Inhalten, die ausschließlich über das Internet angeboten werden, besteht für deutsche Gamer kein legaler Weg um an indizierte Inhalte zu gelangen. Selbst der Kriminologe Christian Pfeiffer spricht sich statt einer Ausweitung des strafrechtlichen Verbotes für eine Ausweitung der Indizierung aus, da diese mit der Zerstörung von Marktchancen einen spürbaren Handlungsdruck bei den Herstellern erzeugen würde rechtlich aber viel einfacher als eine Verbotsausweitung durchzusetzen sei. Wie sehen Sie es, dass die Indizierung – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – faktisch wie ein Verbot wirkt?

Petra Sitte:

Herr Pfeiffer steht ja in einem beständigen Kampf gegen die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Wenn es nach ihm geht, ist das System der Alterskennzeichnungen zu lasch, sind die Begutachtungsverfahren sowie die Spieletester die falschen und muss die Indizierungsschwelle herabgesetzt werden. Aber was wäre damit – nur um ein Beispiel zu nennen – gegen „America’s Army“, einem von der US-Army produzierten „Killerspiel“, das im Netz zum kostenlosen Download bereitsteht, gewonnen? Das spricht er nicht aus. Andere aber fordern bereits jetzt die Ausweitung der Überwachung des Netzes mittels verdachtunabhängiger Kontrollen und Inhaltssperren. Dieser Weg ist falsch und führt in den Zensurstaat.
Mal abgesehen davon, dass ich die Alterskennzeichnungen der USK für korrekt erarbeitet halte, stellt sich aber die Frage, ob diese auch beim Tausch auf den Schulhöfen und beim Spielen in den Kinderzimmern eingehalten werden. Hierzu bedarf es Medienkompetenz bei den Kindern und Jugendlichen. Die Fähigkeit, Realität und Fiktion zu unterscheiden, ist Voraussetzung für eine moderne Mediensozialisation. Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern und Erziehungsberechtigte sind gefordert, sich in elektronischen Medien selbstbestimmt zu orientieren und den Umgang mit Gefahren und schädlichen Inhalten zu erlernen.
Für DIE LINKE gehört die Vermittlung von Medienkompetenz in die Ausbildungsinhalte von Erzieherinnen, Lehrerinnen und Sozialpädagogen. Wir treten dafür ein, die Förderung und Schulung von Medienkompetenz in den Bundesländern institutionell verpflichtend zu verankern. Dazu müssen die Spar? und Privatisierungspolitik im Bildungswesen aufgegeben und in einem erheblichen Maße zusätzliche öffentliche Gelder bereitgestellt werden.

stigma:

In Umfragen wird regelmäßig festgestellt, dass die Bevölkerung Videospiele für Amokläufe verantwortlich macht. Eine Studie des amerikanischen Secret Service kam dagegen zum Ergebnis, dass in den USA grade einmal 12 % der jugendlichen männlichen Amokläufer an Schulen an gewalthaltigen Videospielen interessiert waren. Der Großteil der Täter, wie z.B. der Amokläufer von Blacksburg, hatten mit Videospielen nicht zu tun. Wie erklären Sie sich diese öffentliche Meinung? Wie bewerten Sie dabei die Rolle von Presse und Politik?

Petra Sitte:

Diese Studie kenne ich nicht. Tatsächlich aber ist der in der Verbotsdebatte oft behauptete wissenschaftliche Nachweis eines Zusammenhangs von virtuellem Spiel und realer Gewalt ein Mythos. Von der seriösen wissenschaftlichen Forschung übrigens wird dieser Befund auch nicht geteilt. Sie spricht bei exzessivem Konsum von gewalthaltigen Spielen von der Möglichkeit zu einer Verstärkung von Prädispositionen. Damit sind Jugendliche mit ohnehin gesteigerter Gewaltbereitschaft gemeint. Ein Grund mehr also, den präventiven Jugendschutz über Medienkompetenz zu stärken und die Jugendsozialarbeit auch an den Schulen auszubauen.

stigma:

Wie erklären Sie sich, dass bei Unzulänglichkeiten des Jugendschutzes in Bezug auf Videospielen immer Totalverbote verlangt werden, wohingegen es bei Alkohol und Tabak bei moderateren Forderungen bleibt? Insbesondere wo doch der Jugendschutz auch praktisch bei Videospielen noch am besten funktioniert. So kam man nach Testkäufen in drei deutschen Großstädten zum Ergebnis, dass 40 % der Händler Jugendlichen hochprozentigen Alkohol verkaufen. Bei Videospielen „ab 18“ drücken mit 20 % nur halb so viele Händler ein Auge zu.

Petra Sitte:

Das hat sehr viel von einem Kulturkampf. Hier ist Aufklärung nötig, um Missverständnisse auszuräumen. Beide Seiten in dieser Auseinandersetzung müssen nachdenken und sich bewegen.

stigma:

Vielen Dank für das Gespräch. Wollen Sie in einem Schlusswort uns Gamern noch etwas mit auf den Weg geben?

Petra Sitte:

So spannend Videospiele auch sein mögen. Für mich selbst ist das „erste Leben“ immer noch viel überraschender…

35 Gedanken zu “Interview mit Petra Sitte

  1. Also abgesehen davon, dass diese Partei für mich unwählbar ist fällt mir eigentlich nur das Wort “Ballerspiele” negativ auf. Ansonsten kritisiert sie richtig die grüne Scharz- und Weißmalerei bei Computerspielen und führt die wahren Gründe für Gewalt auf. Pfeifers Kampf gegen die USK hat sie auch erwähnt.

    Man mus leider feststellen, dass diese Partei bislang die beste Position zum Thema hat.

  2. Naja was die Frau hier sagt ist schön und gut, aber der Linken vertrau ich beim Thema Zensur noch viel weniger als der CDU die haben ja schließlich 40 Jahre lang bewiesen wie gut sie zensieren können, bis auf die Tatsache das die damals noch SED hießen.

  3. -„Spielt nicht mit den Schmuddelkindern.“
    ich finde den vergleich etwas unangebracht. besser würde ich finden “spielt nicht mit den negern” oder so. Ihren vergleich halte ich füre eine dysphemie da kinderarmut ein zu bekämpfender misstand ist. als solchen sehe ich uns aber nicht.
    .
    +sie benennt medienkompetenz als die fähigkeit realität und fiktion zu differenzieren.
    dies halte ich für sehr gut, da der konsens der meisten namenhaften ist, dass medienkompetenz ist zu wissen welche filme und spiele für welches alter sind, bzw. welche man sehen darf. ergo: große hässlich kennzeichnung fördert medienkompetenz.
    das dem nicht so ist, muss ich hier hoffentlich nicht weiter erleutern.
    .
    +außerdem gefällt mir ihre bekundete abneigung gegenüber shootern. dies macht ihre äußerungen glaubhafter, man bekommt den eindruck sie würde sehr differenziert an das thema heran gehen.


    auch an dieser stelle möchte ich darum bitten eine eventuell außartenden debatte im forum zu führen. (auch wenn dem beim gestrigen interview nicht so war)

  4. “Regine Pfeiffer (Bruder des Kriminologen Christian Pfeiffers und ebenfalls Kritiker von Videospielen)… ”

    Bruder?? ich glaub da sollte schnell mal “Schwester” hin^^

  5. @Rey Alp
    das wag ich zu bezweifeln da sich die Proteste gegen Wahlbetrug richteten. Oder die DDR später (hätten die Proteste keinen Erfolg gehabt) am wirtschaflichen Kolapps zu Grunde gegangen wären. Gegen die Zensur hatten bloß einige Menschenrechtler was.

  6. Hab nur ich das Gefühl, dass man versucht sich hier schnell wieder bei den Spielern einen Stein ins Brett zu legen, damit die PIRATEN nicht zu viele Stimmen bekommen?
    Wenn der Nächste durchdreht, dann schreien die etablierten Parteien doch wieder alle mit einer Stimme nach einem Verbot.
    Ich traue denen nicht mehr über den Weg. Dazu müssten die Parteien diese Haltung erst in den Rentner-Medien (TV/Radio/Zeitung) klar und unmissverständlich äußern, und nicht nur hier.

  7. Ich hab nichts gegen die exSEDler, die haben den real-existierenden Sozialismus selber kennen gelernt.
    Was IMHO die Linke unwählbar macht, sind die ganzen linken Spinner aus dem Westen, die sich dort inzwischen eingenistet haben.
    Spätestens mit steigenden Regierungsbeteiligungen wird der Widerspruch zwischen linke Utopie und realer Politik die Linke auf die Zerreisprobe stellen.

    Auch bei diesen Interviewe fehlt wieder die Frage nach dem militärisch-medialen-industriellen Komplex.

  8. @Danny:
    Zur Verteidigung der Linken: Die hatten diese Einstellung auch schon, bevor die Debatte akut wurde, und lange vor dem Wahlkampf.

    Generell hast Du natürlich Recht: keine Partei will Stimmen an Splitterparteien verlieren, die sie zur Mehrheitsbildung gebrauchen könnte. Deswegen werden alle Parteien versuchen, möglichst viele Gesellschaftsgruppen in der Mehrheit zu Wählern der jeweiligen Partei zu machen. Das nennt sich “Positionierung in der Gesellschaft” bzw. Wahlkampf.

    Ich möchte außerdem auch einfach mal Hejobas Beispiel folgen und auf das Forum verweisen, falls jemand Diskussionsbedarf zum Thema hat.

    Gruß
    Aginor

  9. “Fakt ist auch, dass die kommerziell erfolgreichsten Spiele Shooterspiele sind – davon nicht wenige in Deutschland produziert oder hier für den heimischen Markt lokalisiert. Den Forderungen nach gesellschaftlicher Ächtung dürften daher noch so einige Wirtschafts- und Standortpolitiker widersprechen. Aber noch einmal grundsätzlich: Ächtung ist kein Ersatz für Auseinandersetzung.”

    Ahja, das möchte ich bezweifel zumindest über Jahre hinweg gesehn.

  10. Da hab ich mich auch etwas gewundert. Ich glaube dass z.B. Die Anno-Reihe, und die Sims-Spiele deutlich mehr Umsatz gemacht haben als jeder Shooter…
    Hat da jemand Zahlen?

    Gruß
    Aginor

  11. Gutes Interview, wenn auch nichts überraschend neues.

    @Aginor: wenn man die Konsolen und Handheld-Spiele miteinbezieht, dann werden Shooter ganz schnell marginalisiert, würde ich sagen. Shooter sind nur aufgrund der Mediendebatte in der Öffentlichkeit so präsent und in der “Szene” weil sie oft das (zu einem gegeben Zeitpunkt) technisch machbare ausreizen (Quake, HL1, HL2, Crysis…)
    Dummer Vergleich aber irgendwie passend, wie ich finde: DAs ist wie mit den Afroamerikanern in US Filmen; da in den meisten Filmen meist immer mehrere vorkommen, wird ihr Anteil an der Bevölkerung der USA oft überschätzt.

  12. “Die Indizierung soll eigentlich ein Mittel des Jugendschutzes sein, trifft aber auch erwachsene Gamer. ”

    Dieser Punkt scheinen die Politiker nicht wirklich zu begreifen. Partei übergreifend. Ich glaube sie verstehen die Argumentation in diesem Punkt nicht mal grundsätzlich. Siehe GreenNinjas Kampf mit Ursel.

  13. Ich find die Antworten ganz ok und ich würde unter den großen Parteien – soweit man die Linke dazu zählen kann – eher die wählen, als die anderen.

    Hab mir gestern durch Zufall HARTaberFAIR angesehen, was wieder mal so CDU gesteuert war, dass ich fast hätte schreien müssen. Da waren alle “großen Parteien” zugegen – jeweils eine Person. Neben dem Moderator war die CDU, gefolgt von der FDP (sind ja schon in Koalition mit der CDU – so schiens im Interview), den Grünen, den Linken (durften fast nichts sagen – wurden immer vertröstet – nach dem Motto vielleicht später…) und die SPD (Buh-mann – wegen deren Wahlversprechen).
    Der Gregor hat sich in der Sendung öfters – meiner Meinung nach zu Recht – bei den Moderator beschwert, weil er nichts sagen durfte, während die CDU immer reden durfte, gefolgt von der FDP, der SPD und den Grünen. Auf die Frage, warum man ihn (den Gisi) überhaupt eingeladen hat hieß es dann vom Moderator, dass er einen hohen Unterhaltunswert habe – da musste ich echt schlucken… hab mich eh gewundert, wie der Vertreter der Linspartei da noch so ruhig bleiben konnte … man sahs im aber an, dass er sauer war … währe ich aber auch gewesen, wenn man mich da so vorführt. Scheint aber wohl das Motto dieser Sendung zu sein!! Hab die Sendung schon ein paar mal verfolgt – nicht nur zu “Killerspiel” Hetzzeiten.

    Des ist jetzt nur ein Beispiel der Ignoranz der öffentlichen Meinungsmache gegenüber den Linken – meiner Meinung nach sind die in einer ähnlichen Situation wie die Piraten – die werden ja von der Presse auch nicht gerade mit Lobeshymnen überhäuft – eher im Gegenteil.

  14. “Mir ist der kulturpessimistische Impetus dieser Spielekritiker nicht geheuer.” Mir auch nicht – sehr charmant! Meine Stimme…
    “.. Persönlich sind mir Ballerspiele eher fremd.” Allein die Feststellung dieser Fremdheit ist aus meiner Sicht schon viel Wert. Respekt

  15. Die Antworten gefallen mir jedenfalls schonmal besser als die von dem Vorherigen Interview.
    @hopfen: immer noch besser als das K-Wort.
    Das hier immer wieder mit der SED-Keule gewedelt wird wenns um Die Linke geht, find ich auch nicht korrekt.
    Wisst ihr wieviele ehemalige SED-ler und Leute denen es damals nicht rot genug sein konnte, mittlerweile in anderen Parteien wie der CDU untergekommen sind?

  16. @Aginor
    Laut Sunflowers wurden von Anno 1602 420.000 Exemplare allein in den ersten drei Monaten nach Release in Deutschland verkauft, in den ersten vier Wochen waren es 50.000 ‘ANNO’s die über die Ladentheke gingen, in Deutschland hat sich Anno 1602 (mit Gold, Pyramide und Königsedition) bis heute 5,3 Mio mal verkauft und das nur in Deutschland.

  17. @kraid
    Das SED-Image wurde maßgeblich von den Medien und anderen Parteien aufgebaut es stimmt zwar das es dort ehemalige SED-Leute gibt aber die gibt es auch bei anderen Parteien und nicht nur bei den Linken und Chaoten bieten auch die anderen Parteien nicht nur die Linke, ich will die Linke nicht schön reden aber vieles ist bekannte Panikmache das müßten wir *Killerspieler* doch eigentlich wissen. Wählen werde ich aber die Linke nicht sondern die Piraten.

  18. Es geht (mir) hierbei weniger darum ob SED Mitglieder in der Partei sind, schließlich hatte auch die SED fähige Leute. Das Problem ist das das es die direkte Nachfolge der SED ist. Schließlich sind in deren Namen etliche Verbrechen verübt worden (politische Morde, Bespitzelung, die Mauer,…). Die Erhaltung der Macht war also ähnlich!!! wie im Dritten Reich. Stasi -> Gestapo, das selbe mit Gefängnissen (keine KZs), Entnahme der Judend aus Familien (HJ, FDJ). Ganz klar das Naziregime war wesentlich schlimmer aber Verbrechen ist nun mal Verbrechen. Und wenn ich mir dann solche Leute ala Gysi angucke und die von dem ganzen nichts gewusst haben will obwohl er schon damals ein hohes Tier war.

  19. Ich muss leider Wissenslücken bei der DDR eingestehen. Aber hat nicht z.B. auch die “Ost-CDU”, wie alle anderen Blockparteien auch, das System “getragen”? Und nach der Wiedervereinigung wurde die “Ost-CDU” in die “West-CDU” eingegliedert. Wenn du also der Linke nach dem Zusammenschluss von PDS/SED und WASG vorwirfst einen Unrechtsstaat getragen zu haben, müsstest du auch der CDU diesen Vorwurf machen.

  20. Da hast du schon recht, das war aber eher um zu “zeigen” das sie demokratisch sein sollen. Dann will ich deine Wissenslücken mal ein wenig füllen. Die Parteien wurden vertraglich zum “Block der antifaschistischen demokratischen Parteien” zusammengeschlossen (unter anderen auch CDU und der Ostverschnitt der FDP). Aber damit ergab sich das Problem das keine einzige Entscheidung gegen die KPD beschlossen werden konnte damit hatten die Sowjets die Demokratie ausgehebelt. Später wurden KPD und SPD zur SED zwangsfusioniert. Also ja die Ost-CDU hat es mitgetragen, aber praktisch konnten die nur Entscheidungen mit abnicken. Der Zusammenschluss von SED und PDS ist auch falsch. Die SED nannte sich 1990 in PDS um, also kein Zusammenschluss.

  21. Ich weiß, dass die nichts selbst entscheiden durften. Trotzdem haben die mitgemacht. Und ich wollte mit meinem Geschreibsel ausdrücken, dass die SED, nachdem sie sich in PDS umbenannte, zusammen mit der WASG zur Linken zusammengeschlossen hat. Also doch Zusammenschluss^^.

  22. Nach dem Prinzip kann man dann aber auch ein paar andere Parteien aussortieren.
    Die CDU ist ja Christlich und die sind bekanntermaßen die schlimmsten Verbrecher und Massenmörder.
    Die Grünen waren früher ein haufen Öko Terroristen.
    Linke/PDS ist ja Praktisch Das Selbe …wie SED.
    Über die NPD brauch ich wohl an dieser Stelle nichts erwähnen, die haben nur ein paar Buchstaben aus dem Parteinamen rausgekürzt, die Parolen sind immernoch die gleichen.
    Ach und: Wer hat uns verraten – Sozialdemokraten… ;)

    Was ich damit sagen will? Man sollte sich mit dem hier und jetzt beschäftigen anstatt immer nur mit der Vergangenheit zu argumentieren.
    (mit Ausnahme der NPD, die waren sind und bleiben braune Scheiße mMn.)

  23. Ja gut wer lesen kann ist klar im Vorteil (auf mich bezogen). Ich hatte das falsch verstanden. Beim Überfliegen hatte ich das aufgefasst das sich erst PDS und SED zusammengeschlossen hätten.
    “Trotzdem haben die mitgemacht”
    Da könntest du genau so gut Der Linken, der FDP und den Grünen vorwerfen warum sie bespielsweise die Internetsperren nicht verhindert haben. Du musst auch immer bedenken das sobald du deine Stimme erhoben hast zumindest bespitzelt wenn nicht sogar verhaftet wurdest.
    Zitat Wikipedia “Deren Mitglieder (die der anderen Parteien) waren auf das Programm der SED verpflichtet und in die Exekutive eingebunden.”
    Also egal wie du es drehst und wendest praktisch alles!!! ging von der SED aus.

  24. Linke Grüne und FDP haben sich ja gegen die Internetsperren gestellt. Die Blockparteien mussten dagegen, wie von dir ja angeführt, der Parteilinie folgen. Das ist also nicht wirklich zu vergleichen. Aber dadurch, dass die Blockparteien trotzdem weiterhin ihre Rolle gespielt haben, haben Sie den Anschein eines Mehrparteiensystems aufrecht gehalten und es somit gestützt. Ich würde aber vorschlagen diese Diskussion zu beenden. Du hast sicherlich Recht, dass die SED “die Partei” war. Aber auch die Blockparteien waren, soweit ich das in der Schule mitbekommen habe, ein Rädchen im Getriebe der DDR.

  25. “LAN-Parties und eSports zu verbieten, zeugt davon, dass man sich dieser Auseinandersetzung nicht stellen will. Das lehne ich ab.”

    Sehe ich auch so!

    “Aber noch einmal grundsätzlich: Ächtung ist kein Ersatz für Auseinandersetzung. Und diese scheint mir bei den von Ihnen benannten „Experten“ aus Wissenschaft und Politik doch manchmal sehr einlinig.”

    Riiiiiiiiiiichtisch!

    “Nicht ein vermeintlich unzureichender Jugendmedienschutz und der Konsum von gewalthaltigen Computerspielen sind ursächlich für Gewalt und Amok an Schulen, sondern ein komplexes Bedingungsgefüge bestehend aus sozialen, psychologischen und familiären Komponenten. Zu nennen sind soziale Isolation, Leistungsdruck, Schulversagen, psychosoziale Kränkung sowie die Mechanismen von kompensierender Gewalt und – last not least – der Zugang zu realen Waffen. Diese Punkte bleiben in den aufgeregten Debatten um sogenannte „Killerspiele“ leider allzu oft unerwähnt. Und was Internetsperren betrifft: Wir lehnen sie ab. In der digitalen Welt ist die Freiheit des Netzes zu verteidigen.”

    Hoho haben wir hier etwa eine kleine Piratin?^^
    Ansonsten sind nennt sie Ursachen die wir schon seid Erfurt im Auge haben.

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  27. Um abzuschließen, ja die waren Mitplieder des Systems, ja damit haben sie das System (besser das Land), ja damit haben sie auch mehr oder weniger den Anschein gewahrt, aber wenn dir subtil Verfolgung, Haft und so weiter angedroht wird ist es äußerst schwer noch wirklich Widerstand zu leisten. Zitat Wiki- Artikel über OST CDU “Aus den Reihen der Union bildeten sich Ende der 40er Jahre eine Vielzahl lokaler illegaler Widerstandsgruppen. Alleine oder in Zusammenarbeit mit dem Ostbüro der CDU wurde versucht, dem Macht- und Meinungsmonopol der Kommunisten entgegenzuwirken. Der Preis dieser Aktivitäten war die Verhaftung vieler Demokraten. Beispielhaft stellt Günther Buchstab 2.283 Opfer dieser Verfolgungen in Kurzbiographien dar.”
    Außerdem denk ich das die anderen Parteien eher noch einen Gegenpol gebildet hatten, so das die SED nicht komplett zum Kommunismus gehen konnte.

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  31. zum Interview: da bin ich froh das ich die gewählt habe (die piraten sind in meinem Wahlkreis leider nicht vetreten q__q aber meine zweitstimme haben sie natürlich bekommen ^^)
    das ist außer den Piraten noch die einzige partei mit ein bißchen Grips.Und zu den Leuten die nun von SED und so angefangen haben, bedenkt mal dass das schon einige jahre her ist, über ein jahrzent. Die passen sich ja auch der aktuellen Politik an. Ich denke nicht das wenn sich ne Mherheit bekommen würden, sich gleich ihre öffentliche Meinung ändern und anfangen überall zu bespitzeln.

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