"Man muß eine Lüge nur oft genug wiederholen…

…und sie wird zur Wahrheit.“ Günther Beckstein scheint immer noch seinen Teil zur Stigmatisierung von Videospielen beitragen zu wollen. In den Nürnberger Nachrichten wird er wie folgt zitiert:

„Das Spiel Counter-Strike wurde von der US-Army entwickelt, um die Gewaltschwelle bei den Soldaten herabzusetzen. Derartige Spiele gehören nicht nur zensiert, sondern verboten!“

„Counter-Strike“ wurde nicht von der US-Army entwickelt, sondern entstand als die Studenten Minh Le und Jess Cliffe das von dem Entwickler Valve entwickelte „Half-Life“ modifizierten. Weder „Half-Life“  noch „CounterStrike“ haben was mit dem Militär zu tun.

Anders ist es bei dem Ego-Shooter „America’s Army“, der tatsächlich vom US-Militär entwickelt wurde. Jedoch nicht zum Training von Soldaten sondern als Mittel um junge Rekruten für das Militär zu werben. Die Gewaltschwelle soll durch das Spiel aber nicht gesenkt werden, es soll lediglich – wie auch vom US-Militär unterstützte Hollywood-Filme – Begeisterung für das Militär wecken. Abseits von „CounterStrike“ und „America’s Army“ werden aber tatsächlich Videospiele von der US-Army genutzt. An die Bedürfnisse des Militärs angepasste Versionen von „Battlezone“, „Operation Flashpoint“ und „Doom“ sollen die Orientierung in unbekannten Terrain und das koordinierte Vorgehen in Gruppen trainieren. Die Hemmschwelle der Soldaten soll aber auch hier nicht gesenkt werden. Anderslautende Aussagen von Dagobert Lindlau sind wahrscheinlich auf ein Missverständnis zurückzuführen. Als Quelle für die bei Maybrit Illner aufgestellte Behauptung, dass das US-Militär mit Videospielen die Tötungshemmung von Soldaten senken würde, führte er ein Buch des Militärpsychologen Dave Grossman an. Dieser schreibt tatsächlich von „Simulatoren“, die die Gewaltschwelle bei Soldaten herabsetzen würde. Diese Praxis habe bereits im Vietnamkrieg erste Erfolge gezeigt. Bereits an dieser Stelle sollte man sich Gedanken machen. Kann es sich bei diesen „Simulatoren“ tatsächlich um Videospiele handeln? Das US-Militär zog sich 1973 aus Vietnam zurück, der erste Ego-Shooter, „Maze War“, wurde aber erst 1974 veröffentlicht – kann also bei dem Training der Soldaten keine Rolle gespielt haben. Auch soll das US-Militär ermals 1980 mit dem „The Bradler Trainer“ ein virtuelles Trainingprogramm in Auftrag gegeben haben. Videospiele können mit den „Simulatoren“ also nicht gemeint sein, tatsächlich haben ganz andere Maßnahmen die Tötungshemmung der Soldaten senken können. Eine war es bei realen Schießübungen runde Zielscheiben durch solche mit einer menschlichen Silhouette zu ersetzen, die bei Treffern umkippen.

Also zusammenfassed: Die Aussage von Beckstein ist, soweit ich das beurteilen kann, in jeglicher Hinsicht falsch. Weder wurde „CounterStrike“ von der US-Army entwickelt noch wird es zum Trainieren von Soldaten geschweigedenn zur Senkung der Tötungshemmung genutzt. Auch gibt es nicht weitere „derartige“ Spiele, die die Gewaltschwelle von Soldaten herabsetzen sollen.

38 Gedanken zu “"Man muß eine Lüge nur oft genug wiederholen…

  1. der günter^^
    Die gleiche Diskussion habe ich manchmal mit meinen Vater, der meint auch, das in vietnam Spiele eingesetzt worden wären.
    Ich habs versucht damit zu erklären, das die Technik damals noch keine 3d-grafik zugelassen hätte. Er glaubts aber trotzdem, manche wollen einfach einen „Feind“ haben.
    .
    Gruß
    DerMarc42
    .
    PS: Mein Vater gehört zu den Leuten, die Pfeiffer und co ungefiltert alles glauben und Internetsperren haben will. Jedes mal, wenn ein neuer Beitrag, Artikel, usw. erscheint, zeigt er ihn mir und glaubt mich diesmal argumentativ besiegt zu haben, aber so lange er mir nicht verbietet zu spielen…

  2. Oh mann. Warum darf man Leute für solche aussagen nicht wegen übler Nachrede verklagen. Es is einfach ne Frechheit wie die Wahrheit mit Füssen getreten und jeder Depp es glaubt. Da hilft nur eins… Piraten ahoy!!!

    Eben kam im Spiegel TV n Bericht über den Amoklauf. Da meinte Jauch zu einen Opfer, (die mit dem „Bündnis Winninden“, die u.a. „Killerspiele“ verbieten wollen)ob die anderen Klassenkameraden denn immer noch solche Spiele spielen würden oder ob sie, jetzt kommts, geheilt wären und das nicht mehr spielen. Natrülich hat die kleine ihren Text schön gelernt und gemeint das seit dem keiner mehr solche Spiele spielen würde.

  3. Habs auch gesehn… Aha jetzt muss man von „Killerspielen“ schon geheilt werden. Bin mal gespannt wann die ersten abgeholt werden.
    Interessant ist auch das erst Jauch auf das Thema zu sprechen kam. Der Vater eines Opfers sprach da mehr von großkalibrigen Schusswaffen.

  4. ja is echt der hammer… wette bald versuchen gewisse ärtze ne impfung gegen killerspiele zu entwickeln. das ist auch akuter als die schweinegrippe ;)

  5. Beckstein = Ahnungsloser politischer Blindgänger.
    Wie kann man nur ohne sich zu schämen so einen offensichtlichen Bullshit absondern. Aber gut für uns.Sowas ist leicht widerlegbar und macht die deutsche Konservative noch lächerlicher als sie es eigentlich noch ist.

  6. Pingback: “Man muß eine Lüge nur oft genug wiederholen… | Computerspielberatung

  7. Die killerspiele-impfung… na blos nicht die pharmaindustie hören lassen sonst ist der deutsche staat mal eben noch ein paar millionen € steuergelder los für einen sinn und nutzlosen impfstoff :D

  8. Also wenn ich mich an meine Bundeswehrzeit erinnere, wurde da im Büro meistens Solitaire oder Minesweeper gespielt … vielleicht wär mal ein Verbot in der Richtung zu überlegen. Denn wo kämen wir denn hin, wenn das Minenräumen schon per Simulator geübt wird?

    Ansonsten sollte dem Beckstein vielleicht mal jemand verklickern, dass auch chronisches Lügen heilbar ist – etwa mit einem langen, langen Kuraufenthalt nach der Wiesn :).

  9. “Das Spiel Counter-Strike wurde von der US-Army entwickelt, um die Gewaltschwelle bei den Soldaten herabzusetzen. Derartige Spiele gehören nicht nur zensiert, sondern verboten!”

    Das gleiche hat er schon nach Emsdetten im Jahre 2006 gesagt also neu ist diese Aussage nicht er hat sie nur wieder aus der Schublade geholt.

  10. Pingback: Tweets die X erwähnen Stigma Videospiele » Blog Archive » “Man muß eine Lüge nur oft genug wiederholen… -- Topsy.com

  11. Nur nicht zu sehr aufregen. Nach der Wahl wird es bei der CDU/CSU eh einen großen Personentausch geben, da sie wieder mehr Stimmen einbüßen müssen. Vielleicht reichts sogar nicht zur Koalition mit der FDP, das währe dann der Abschuss… dann sehen wir unsere ewigen Kritiker vielleicht sogar nie wieder … im politischen Leben der Partei :) . Der Beckstein hat eh nicht mehr viel zu sagen, daher wird er halt einfach als „Opferlamm“ vorgeschickt, da er ja eh nix mehr zu verlieren hat. In der Vergangenheit, als Beckstein noch gaanzz oben war (Chef von Bayern glaub ich war er – kurzzeitig), hat er sich vor allem mit Reden gegen Spiele „beliebt“ gemacht und was dann ein Jahr später passiert ist, wissen wir ja alle, da er als Parteivorsitztende (oder wie das heißt) von Huber (wenn ich mich nicht irre) abgelöst wurde, danach hat man dann nix mehr von ihm gehört. Die C´ler glauben wohl immer noch mit dieser Hetze Wähler gewinnen zu können. Früher hats vielleicht mal funktioniert, aber die Leute sind ja auch nicht von Vorgestern. Langsam müssten die meisten Wähler wissen, dass das nur ein Ablenkungsmanöver ist, um von den nicht gerade überzeugenden Wahlprogramm der eigenen Partei abzulenken! Nichts mehr ist das nämlich!!!

  12. Der SternTV Beitrag war eigentlich nicht schlecht gemacht, abgesehen von diesem einen Detail. Und bitte, wenn ich vorher nix mit Computerspielen am Hut gehabt hätte und meine Freundinnen direkt neben mir abgeknallt worden wären, würd ich mir als Teenie sicher auch nicht die Mühe machen, groß Grundlagenforschung zu betreiben, sondern auch einfach sagen, was ich denke. Und wenn sie das mit den Spielen so sieht, kann man ihr das kaum vorwerfen. Zumal sie ja ebenfalls gesagt hat, dass es auf die Person ankommt und dass Spiele allein niemanden zum Amoklauf treiben.
    Es war auch klar, dass die Frage von Jauch kommen würde, aber er ist wenigstens nicht drauf rumgeritten – die Sache war in zwei Sätzen vom Tisch. Gut fand ich auch, dass der Vater sich echt nur auf die Schußwaffen konzentriert hat und das Thema Computerspiele überhaupt nicht erwähnte.

  13. @WyrdSister
    Ich geb dir größtenteils Recht, dem Mädchen kann man keinen Vorwurf machen. Aber Jauch hat mit seinem „geheilt“ ja wohl den Vogel abgeschossen. Auch wenn das Thema nur am Rand angeschnitten wurde, eine Entschuldigung von ihm wäre angemessen, diese Frage hätte man auch anders formulieren können.

  14. Ich halte Beckstein für immens gefährlich. Nach der Verhaftung der Sauerland – Zelle forderte er, sogenannte „Topgefährder“ in „gut zu überwachenden Kommunen“ zu internieren, und sie mit Handy- und Internetverbot zu belegen. Damit meinte er Leute, die man strafrechtlich nicht belangen kann, z. B. wegen Mitgliedschaft in oder Unterstützung einer terroristischen Vereinigung (die beide sehr schwer nachzuweisen sind), aber auch nicht wegen simpler Volksverhetzung. Außerdem wünschte er sich die behördliche Registrierung zum Islam konvertierter Menschen. Link: http://www.welt.de/politik/article1160540/Beckstein_Handyverbot_fuer_Topgefaehrder.html (Bezeichnend übrigens, wie verharmlosend die „Welt“ mit dem Thema umgeht: In der Überschrift ist von Handyverbot die Rede, „Lagerhaft für Topgefährder“ wäre durchaus zutreffender gewesen.)
    .
    Beckstein fordert nichts weniger als eine Gesinnungsstrafbarkeit… das heißt, wenn wir Glück haben. Vielleicht träumt er auch feucht davon, die „Internierung“ einfach mal als exekutive Maßnahme behördlich anordnen zu können, damit er sich mit so lästigen Gerichten erst im Nachhinein rumärgern muß.
    .
    Er kann sich auch nicht mit juristischer Ahnungslosigkeit herausreden, der Mann ist Dr. jur.
    .
    Wird Zeit, daß der Verfassungsschutz die CSU ins Visier nimmt. Wenn Leute wie Beckstein gegen „Killerspiele“ poltern, bin ich direkt stolz, zu den „Killerspielern“ zu gehören.

  15. @Phaidros:
    Du wirst lachen, aber es gibt echt Leute, die gegen Minesweeper sind, weil da der Tod durch Landminen verharmlost wird…
    .
    Zum Beckstein:
    …. ne, ich glaube ich habe da im Forum schon genug gesagt…
    .
    Gruß
    Aginor

  16. HaHaH Mazewar. Hab gerade einen Screenshot gefunden:
    http://www.old-computers.com/museum/software/mazewar_ss2.jpg
    Sorry, aber wenn man mit solcher Technik die Tötungshemmschwelle senken kann, dann Gute Nacht liebe Welt. Bestenfalls kann man damit Hand-Auge Koordination oder Taktik trainieren. Aber irgendwie bezweifle ich, dass die Rechner damals schnell genug waren, um eine Performance zu erzeugen, die irgendwas mit der realen Welt zu tun hat.

  17. Roland, danke für den Link. Im Endeffekt labert Beckstein da nur von Ghettos für Juden… äh natürlich Moslems… äh sorry nochmal Schreibfehler, ich meine natürlich Topgefährder.

  18. Es ist war das Videospiele Gewalt verursachen ( Ironie ) man siehe nur die Spiele die man auf Hitlers PC fand oder auf Georg Busch Jr seine PC die beiden haben sogar Kriege begonnen auf Grund dieser Spiele.

  19. @Aginor
    Du wirst lachen, aber es gibt echt Leute, die gegen Minesweeper sind, weil da der Tod durch Landminen verharmlost wird…

    Stimmt, vor einigen Jahren hatten Menschenrechtler/Friedensaktivisten gegen MS genau aus diesem Grund Klage eingereicht (Kein Witz und ich denke es mir auch nicht aus, das ist wirklich passiert) sind aber mit dieser Klage vor Gericht gescheitert.

  20. da fragt man sich wie man vor der Entwicklung von Computerspielen bei Soldaten die Gewaltschwelle abbaute.

    Lustig ist das Beckstein im Gründe hier behauptet „Soldaten sind Mörder“ .xD

  21. @Roland09
    Danke für den Hinweis!
    @Doktor Trask und Minesweeper
    allerdings, da gibt es vielleicht gar noch krassere Beispiele: zum Beispiel das belanglose „Kriegsschafe“ bei ICQ als Menschen, ähh Schafe verachtendes „Kriegsspiel“…
    @amegas
    ich habe mir bei der Games vorhin bis zur Hälfte den Podcast zu Wolfenstein angetan, ohne auch nur ein Wort über die jüngsten Schritte von Activision-Blizzard darin zu hören, nicht mal irgendetwas zum Spiel bis zur Hälfte außer Selbstbeweihräucherungen und aus meiner Sicht bloß schlechte Schwerze. Da würde ich keineswegs zuviel erwarten
    Zwischen „Spielekiller“-Shirts drucken lassen, möglicherweise noch mit finanziellem Hintergedanken, und echtem politischen Engagement liegt wohl noch einiges;

    @Beckstein: die Implikationen zum Islam bei der WELT haben mich jetzt fast noch mehr erschrocken als der Artikel in den Nürnberger Nachrichten – die Headline zu dieser News ist dabei schon richtig gewählt…

  22. Der Kerl sollte sich mal die Bundeswehr angucken. Die meisten meiner Ausbilder zocken „Killerspiele“ und wir haben sogar nen geiles Gerät das nennt sich AGSHP. Das ist ne Art Schießkino, was von unseren Ausbildern auch liebevoll als Counterstrike für Erwachsene bezeichnet wird. Man liegt davor und schießt mit preoarierten G36 Gewehren oder auch anderen Waffen der Bundeswehr auf virtuelle Gegner. Auf der einen Seite bezahlt der Staat für solche Killerspiele um Rekruten auszubilden und auf der anderen will er solche Spiele verbieten. erkennt jemand den widerspruch?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.