"The Battle for Germany"

(Prediction Gaming) Unter dem etwas reißerischen Titel „Die Schlacht um Deutschland“ hat der Community Manager von Turtle Entertainment David „Affentod“ Hiltscher der internationalen Spielergemeinde die aktuelle Lage in Deutschland geschildert. Neben für mit dem deutschen Jugendschutz vertraute Personen uninteressante Passagen über die Rolle von USK und BPjM gibt es endlich auch Hintergrundinformationen zur den eSport-Turnierverboten. So sah man bei Stuttgart mit der Vorstellung von einer Klage ab, dass die Untersagung eine einmalige Sache bleiben würde:

„Angesichts der politisch angespannten Atomsphäre entschieden wir, den Zugang zum Veranstaltungsort nicht über eine einstweilige Verfügung einzuklagen. Wir waren zufrieden mit dem bundesweiten, medialen Echo, das die Stadt für das Verbot eines eSports Events scharf kritisierte, während eine Waffenausstellung zu etwa der selben Zeit stattfand. […] Wir gingen davon aus, dass diese extremen Maßnahmen nur eine einmalige Konsequenz aus der örtlichen und zeitlichen Nähe zum Amoklauf waren.“

Hier hatte sich Turtle Entertainment offenbar verkalkuliert. Es folgten die Verbote von Nürnberg und Karlsruhe. Während man in Nürnberg die Niederlage akzeptierte versuchte man die Sache in Karlsruhe wasserfest zu machen:

„Nachdem wir noch nie zuvor in Karlsruhe waren, wollten wir sichergehen, dass ein Szenario wie in Stuttgart sich nicht wiederholt. Bevor wir den Vertrag unterzeichneten, trafen wir den Verwalter des Veranstaltungsorts und kontaktierten den Bürgermeister der Stadt. Wir zeigten ihnen Counter Strike und erklärten, was genau wir bei solchen Veranstaltungen machen. Wir einigten uns darauf, eine Eltern-LAN dort abzuhalten. Alle waren sich einig und so unterschrieben wir den Vertrag, weshalb wir also glaubten, uns nun endlich wieder auf den eSport konzentrieren zu können. Und das obwohl die Veranstaltung in Karlsruhe nur zwei Tage vor besagten Wahlen stattfinden würde.“

Jedoch hatte man die Rechnung ohne die Presse und dem Wahlkampf gemacht sowie die Langzeitfolgen der vorherigen Verbote unterschätzt:

„Unglücklicherweise griff ein konservatives Lokalblatt die Story auf. Es berichtete über das abstoßende Event, das in Stuttgart rechtens verboten sei und nun nach Karlsuhe käme. Also brach der Sturm einmal mehr über uns herein. Wie aus dem Nichts, wetterten einige Mitglieder des Stadtrats mit großer Unterstützung der besagten Tageszeitung gegen das Event. Selbst Mitglieder seiner eigenen Partei wandten sich gegen den Bürgermeister. Es entwickelte sich mehr und mehr zur ausweglosen Situation.“

Was zum bekannten Ende, dem dritten Verbot, führte:

„Alles lief auf eine Sitzung des Stadtrates hinaus. An oberster Stelle der Tagesordnung stand die Revision der Bürgermeisterentscheidung zu unserem Event. Alles was die eSport-Gegner benötigten, war eine einfache Mehrheit. Es war fast schon sicher, dass sie diese auch erreichen würden. An diesem Punkt zogen wir dann den Stecker. Wir hatten bereits zwei schlechte Schlagzeilen und selbst die neutrale Presse ließ den Eindruck erwecken, dass die Politiker schon wüssten, was sie tun, wenn sie unsere Veranstaltungen verhindern. In welchem Licht lässt uns das erscheinen?

In einer wirtschaftlich angespannten Situation sind Schlagzeilen wie diese Gift. Also gestanden wir die Schlacht als verloren ein und zogen uns aus Karlsruhe zurück und würden vermutlich auch nie wieder zurückkehren, wenn selbst die Unterstützung des Bürgermeisters und des Verwalters des Veranstaltungsortes uns nicht helfen konnten.“

Das Ergebnis war nicht nur die erste Gamer-Demo in Deutschland sondern mit 3,54 % auch das 7. beste Ergebnis der Piratenpartei in einem Wahlkreis.

16 Gedanken zu “"The Battle for Germany"

  1. jops ich finde den artikel auch sehr geil

    @boomboy

    sie werden mit ihren gamepads, maus und tastatur in deutschland einmaschieren und die deutsche regiereung stürtzen…… xD

  2. Der Text ist echt sehr gut geschrieben wie auch schon gesagt.
    Ich denke mal der Text soll einfach mal zeigen was für ein Leichtglaübiges und
    beinflusbares Land Deutschland ist!
    PS sorry für meine Rechtschreib fehler.

  3. Pingback: Tweets die Stigma Videospiele » Blog Archive » “The Battle for Germany” erwähnt -- Topsy.com

  4. Wieder ein sehr lesenswerter Text auf Stigma! :)
    .
    Der Titel hat mich grad auf die Idee für ein neues Game gebracht (nein, nicht der 999. Weltkriegsshooter). Der Spieler spielt einen Spieler, der, angewiedert vom Verhalten vieler Politiker, Experten und Medien, einen 1-Mann Feldzug startet und alles bekämpft, was Gamer diskriminiert. Sinnvoll erscheint mir ein Schleich-RPG um für ordentlich Spannung, Spieltiefe und spielerische Freiheit zu sorgen. Auch komplett gewaltfreie Lösungsansätze sind möglich und sogar erwünscht. Erste Missionen könnten etwa beim KFN, dem ZDF oder im bay. Innenministerium stattfinden, wo es Archive zu infiltrieren und Daten zu ändern gilt. Interaktionen mit Pfeiffer, Hermann u.v.a. müssen natürlich sein, weil Daten ändern nicht ausreicht. Bis zum Finale muss es dem Spieler gelingen, Schlüsselakteure von der Falschheit ihrer Denkweise zu überzeugen und als Unterstützer für eine deutschlandweite Medienkampagne zu gewinnen. Dank der vielen Möglichkeiten wird es zum Schluss eines von vielen verschiedenen Enden geben. ;)

  5. Nett wäre es auch im Stil von Mafia per USB-Stick Games über die Grenze zu schmuggeln. Das Internet ist ja schließlich zensiert. Da könnte man zum Teil auch auf Brieftauben zurückgreifen:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Brieftaube-so-schnell-wie-Breitband-Internet-755485.html

    Erinnert mich an eine Sache, die es nicht in GTA 4 geschafft hat:
    http://www.gamepolitics.com/2007/09/18/jack-thompson-says-gta-4-mission-target-is-him-threatens-to-block-release

  6. @Abaddon
    Was hier hilft, ist die Axt.

    Ich bitte darum solche sätze sein zu lassen, die Kritiker vor allen aus dem Bereich der Presse nutzen solche Aussagen gerne mal gegen die Spiele und ihre Nutzer siehe Frontal 21.

  7. @Crusader
    nicht auszudenken was ein solcher Titel für Reaktionen hervorrufen würde, wenn „beim KFN, dem ZDF oder im bay. Innenministerium“ zwar „komplett gewaltfreie Lösungsansätze“ möglich wären, aber eben nicht nur… Also besser doch nochmal überdenken :-D

  8. Gute Zusammenfassung, gute Übersetzung.
    .
    [Karlsruhe:]“Alle waren sich einig und so unterschrieben wir den Vertrag, …“ […]“Also gestanden wir die Schlacht als verloren ein und zogen uns aus Karlsruhe zurück …“
    .
    Und das ist, wo bei mir das Verständnis aussetzt. Ich hätte mir an der Stelle von den Leuten mehr Kampfgeist gewünscht, besonders nach den zwei vorangegangenen Versuchen.
    .
    – Schlechte Presse? Na und, die haben Gamer ohnehin.
    – Kostspielige Prozesse, für die letztlich der Steuerzahler aufkommt? Gerade in Zeiten der wirtschaftlichen Flaute? Prima, dann haben Bürgermeister und Stadtrat direkt noch ein paar Dinge mehr, die sie ihren Wählern erklären können.
    .
    Die Jungs sind einfach zu lieb. Was erwarten die? Das der Gegner (in dem Fall Lokalpolitiker, die sich auf Kosten der Gamer profilieren müssen) fair streitet?

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