Bemerkenswerter Disclaimer

(pyri) Um Missverständnissen vorzubeugen: Es ist nicht neu, dass bei der Entwicklung von manchen Videospielen auch militärische Institutionen beteiligt sind. Wenn man für Zwischensequenzen historisches Filmmaterial benötigt wendet man sich an den „Discovery Channel“, wenn man Informationen für das Hintergrundszenario eines Kriegsspiels braucht eben an das Militär. So überrascht es nicht, dass bei „Medal of Honor – Allied Assault“ als militärischer Berater ein Angehöriger des „United States Marine Corps“ herhalten musste. Das wird auch nicht verheimlicht, sondern ist in dem jeden Spiel beiliegenden Handbuch unter „Mitwirkende“ aufgelistet. Bei „Call of Duty“ bedankt man sich sogar bei den „Army Rangers“.

Das ist auch, anders als es Rainer Fromm angesichts seiner Entdeckung der Danksagung der Macher von „Conflict: Desert Storm II – Back to Baghdad“ an das „US Navy Department“ wohl vermitteln möchte, weder bei Videospielen noch bei Filmen unüblich. Bei Letzteren nimmt das Militär schon seit mehr als 50 Jahren Einfluss. Wegen der Möglichkeit enorme Kosten zu sparen werden Drehbücher so umgeschrieben, dass sie für das Militär vorteilhaft sind um. So bekamen die sowjetischen Überläufer bei „Jagd auf roter Oktober“ noch „bessere“ Motive verpasst und Erschießungsbefehle mussten aus Filmen wie „Windtalkers“ gestrichen werden (Interessanter Artikel). Ohne die Unterstützung kann das Projekt scheitern oder wesentlich erschwert werden. So brauchte man bei „Platoon„, dem die Unterstützung verwehrt wurde, allein 10 Jahre um das notwendige Material für den Film zusammenzubekommen.

Dieser Umstand, dass militärische Einrichtungen bei Kooperationen wohl ab und an auch die Möglichkeit wahrnehmen die Entwicklung von Unterhaltunsgmedien zu beinflussen, sollte aber nicht mit dem Mythos verwechseln, wonach „Killerspiele“ vom US-Militär erfunden wurden um die Tötungshemmung von Soldaten zu senken. Auf eine verblüffende Entwicklung hat uns dagegen pyri aufmerksam gemacht. In dem Teaser von „Ghost Recon Future Soldier“ wird offenbar damit geworben, dass das US-Militär das Spiel weder fördert noch unterstützt:

„The US Military does not promote or endorse this product.“

Auch wenn es solcher Disclaimer schon öfters gegeben haben soll, habe ich sie zumindest bisher nicht bemerkt. Es ist sicherlich begrüßenswert, dass man durch sie Gewissheit darüber erlangt, wer eine Einflussmöglichkeit auf die Inhalte hatte. Aber ist dies für die Zielgruppe wirklich relevant? Darüber hinaus wird ein Spiel ohne eine solche Beteiligung sicherlich auch nicht frei von Ideologien sein. Mit Abstrichen bei der Authenzität wird man bei fehlender Unterstützung nicht zwingend rechnen müssen. So wurden die Macher von „Pearl Harbor“ durch ihre Kooperation mit dem US-Militär auch nicht davor bewahrt, dass sie die Piloten 1941 in Maschinen fliegen lassen, die erst ab 1942 ausgeliefert wurden.

10 Gedanken zu “Bemerkenswerter Disclaimer

  1. @Doktor Trask: Du hättest ja sagen sollen…
    Barbies Pfederhof hat keinen solche Disclaimer, daher ist es vom Militär!
    Der Ponnyhof Simulator … auch vom Militär…
    Wendys Pferdearbenteuer … auch vom Militär …

    Wer sich nicht vom Militär lossagt muss doch mit ihnen im Militärischen-Medialen-Killerkomplex zusammen arbeiten oder?

    Happy Coding.

  2. Ich glaub der Satz soll nur unterstreichen, dass das Spiel futuristische Waffen verwenden wird und kein schnöder 08/15 Militärshooter ist.
    Man zeigt die Zukunft des Militärs und braucht dafür nicht dessen Genehmigung. Das ist der Tenor.

  3. @Peter
    Ach ist das so? Solche Sätze finden sich oftmals auch in WW2, Vietnam etc. Spielen und da gibt es in der Regel keine Sci-Fi-Waffen. Diesen satz konnte man sogar in C64 Spielen finden.

  4. @Peter
    Ich finde den hergestellten Zusammenhang auch ziemlich aus der Luft gegriffen. Viel wahrscheinlicher erscheint es mir in der Tat wenn man so sich bei Pazifisten oder eben Medienpädagogen lieb Kind machen oder Vorurteile ausräumen will. Würde man das Produkt als futuristische Waffensimulation anpreisen, sähe der Disclaimer sicher anders aus.

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