Einfluss von Spielen: Leicht, aber messbar

(pro) Mittlerweile wurde auch in der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft über die neuste Studie von Anderson zu dauerhaften Auswirkungen von Videospielen berichtet. Nach dem christlichen Medienmagazin pro jedoch mit einem andere Tenor als es der Großteil der restlichen Medien getan hat, die plakativ titelten: „Gewaltspiele machen nachweislich aggressiver„. Spektrum bezeichnete die Ergebnisse dagegen als „unbefriedigend„. So wird bereits die festgestellte Wirkung eher zurückhaltend beschrieben:

„Wenn man alle anderen Einflüsse, die die Neigung zur Gewalt beeinflussen, herausrechnet, dann ist nach dem Zusammenlegen von Daten sehr unterschiedlicher Experimente messbar, dass unter sehr verschiedenen experimentellen Bedingungen analysierte Probanden bei sehr verschiedenen Aggressionstests mit einer leicht, aber messbar erhöhten Aggressivität vorgehen.“

Allein die Betonung, dass die festgestellten Effekte „messbar“ seien, sollte nachdenklich stimmen. Der Nachweis von unbedeuteren Effekten dürfte kaum möglich sein. Während sich Anderson bereits an anderer Stelle zur Stärke der Wirkung geäußert hat:

These are not huge effects — not on the order of joining a gang vs. not joining a gang. But these effects are also not trivial in size.

Führt pro nun einen weiteren Vergleich an:

„Anderson schreibe etwa, dass die Verfügbarkeit von Schusswaffen die Gewaltäußerungen in einer Gesellschaft viel wesentlicher beeinflusst als die Verfügbarkeit von Videospielen.“

13 Gedanken zu “Einfluss von Spielen: Leicht, aber messbar

  1. Im Vergleich zu vielen anderen (ARD, ZDF) haben diese christlichen „Randmagazine“ schon öfter halbwegs solide Berichte gehabt (meine Oma und Tante haben verschiedene Abos). Erst von ein paar Monaten gab es ein ähnliches Titeltheme über Gewalt bei Jugendlichen. Der ganze Artikel war ungefähr 2-3 Seiten lang und nur ein kleiner Abschnitt beschäftige sich mit Videospielen und der sagte zumindest das die Meinungen weit auseinander gehen. Es wurde keine wirkliche Stellung bezogen, was mich trotzdem tierisch aufgeregt hat war das Cover. Das zeigte einen Playstation Controller der in der Mitte in eine Pistole überging. Heute bin ich mir nicht wirklich sicher ob das Cover nur ein Aufreger sein sollte oder nicht.

  2. ihr werdet positiv überrascht, weil ihr solch einen schmarn wie bei evanglisch.de oder wie auch immer dieses reli-news-portal hieß erwartetet. man denkt immer: oh religiöse ecke, da kann nur konserativer, ja teils mittelalterlicher müll bei herumkommen. Und immer wenn dann hin und wieder mal was vernünftiges publiziert wird, dann denkt ihr „oh, gar nicht so schlimm, wie ich dachte“.
    Besser ist es dadurch noch lange nicht.

  3. was mich aber doch mehr und mehr überrascht ist der gegenwind der mehr und mehr nach außen dringt.
    mit gegenwind meine ich die andere seite die diese „angeblichen superstudien“ hinterfragen und in frage stellen.
    es scheint mir, dass sich die medien, auch wenn es bisher nur unbedeutende und kleine blätter sind, es scheint mir das die sich langsam trauen all diesen ganzen mist der sonst über games verbreitet wird in frage gestellt wird.
    früher waren das meist nur onlinedinger wie heise.de, das wars dann aber auch schon.
    jetzt gibt es auch langsam printmedien die sich anderer meinung trauen.

  4. Also da muss ich doch mal zwischendurch eine Lanze für die Printmedien (an)brechen:
    Ich habe auch schon in älteren Artikeln immer mal wieder Kritik an der vorherrschenden Meinung über Computerspiele gelesen. Leider ging sie (und geht sie noch) unter den vielen schlechten Artikeln unter.

    Gruß
    Aginor

  5. Aginor: „Deswegen gibt es die hervorragende Zitatdatenbank, die TRB gebaut hat :-)“
    Genau
    *happy*

    „mit einer leicht, aber messbar erhöhten Aggressivität vorgehen“
    Kurzfristig oder Langfristig?
    Wenn Kurzfristig kann man ja immer wieder schnell erklären wenn man von ein Rudel Ki Fuzzies weggeputzt wird ist man nunmal einwenig aggro…

    Wenn Langfristig, dann sind wir am A*** und unsere Gegner werden das „wenig“ als das Ultimative Zünglein an der Waage und den Letzten Tropfen im Wasserfass darstellen.

    Happy Coding.

  6. „Wenn Langfristig, dann sind wir am A*** und unsere Gegner werden das “wenig” als das Ultimative Zünglein an der Waage und den Letzten Tropfen im Wasserfass darstellen.“
    … nö. Was da gemessen wird, haben wir ja inzwischen in epischer Breite plattgewalzt.

  7. Und Christian Pfeiffer meint in der Frankfurter Rundschau, dass man durch Gewaltspiele irgendwann auch Lust auf reale Gewalt hat und dann halt solche Gruppierungen wie die „Hell’s Angels“ entstehen.

  8. Da hat Herr Pfeiffer wohl zuviel „The Lost and Damned“ gespielt.
    @maSu
    Ich les mir eigentlich recht oft Artikel von diesen Zeitungen durch, die sind nicht so erzkonservativ wie man vlt. meint. Klar direkt auf „unserer“ Seite stehen die auch nicht aber wenigstens ist die Berichterstattung halbwegs fair. Außerdem ist das bei weitem nicht der erste Artikel dieser Art vor einigen Jahren haben die mal einen Pfarrer interviewt der Shooter zum Aggressionsabbau befürwortet. Was ich damit meine ist das wir oder zumindest einige viel zu oft auch Leute in eine Schublade stecken. Ich denke nicht das uns das weiterhilft, wenn man sagt Kirche schlecht, Union schlecht, USK schlecht,… .

  9. Das Problem bei derartigen Tests ist doch das man nur sofort nach dem Spielen irgendwelche dümmlichen sachen wie Ballon zerplatzen machen muss.
    Das sich ein Mensch der gerade unter Anspannung gestanden hat meist dezent anders verhält als einer der gerde keine Anstrengungen hatte, dazu brauch es mMn noch nicht mal ne Studie, da reicht es schon sich selbst zu beobachten.

    Man könnte im Grunde die Videospiele auch gegen beliebige andere Beschäftigungen austauschen welche einem konzentration und Anstrengung abverlangen und würde einen ähnlichen unter Umständen sogar stärkeren Effekt „messen“ können.

  10. Habe ich schon erwähnt das alle Ergebnisse solche Studien „realitätsinkompatibel“ sind?
    Ach ja, ich glaube mehrere dutzend Male.

    Wo sind die schlimmen Missstände, die Videospiele verursacht haben?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.