Achim Berg (Microsoft) verunglimpft Entwickler

(faz) Bereits am 1. März haben wir über einen Artikel der FAZ berichtet, in dem „Killerspiele“ neben Sicherheits- und Urheberrechtsproblemen sowie Kinderpornographie als eine der Defizite und Schattenseiten der digitalen Revolution genannt wurden, die die IT-Branche von Anfang an begleiten und von dieser auch sehr ernst genommen werden würden. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschrieben hatten: Dieser in der FAZ veröffentlichte Texte war ein Gastbeitrag, der von niemand geringes als Achim Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, stammt.


Die fragliche Passage lautet:

„Auch wenn ihre bisherige Leistungsbilanz durchaus den Zusatz „zivilisatorisch“ verdient, so hat uns die digitale Revolution offensichtlich nicht ins Paradies geführt. Sicherheits- und Urheberrechtsprobleme, Killerspiele und Kinderpornographie – die Kritik an solchen Defiziten und Schattenseiten begleitet die IT-Branche von Anfang an und wird von ihr auch sehr ernst genommen. Aktuell konzentriert sich die Kritik auf zwei Problemkreise.“

Die Frage, inwiefern Kulturgütern ihr „zivilisatorischer“ Wert abgesprochen werden kann, weil sie Gewaltdarstellungen enthalten bzw. Gewalt thematisieren, soll an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden. Aber wie ernst kann man eine Äußerung von Microsoft nehmen, dass man Schattenseiten der IT-Branche wie „Killerspiele“ von Anfang an sehr ernst genommen habe?

Man muss Microsoft zugestehen, dass in Deutschland nur solche Spiele für die xbox (360) veröffentlicht werden, die eine Altersfreigabe von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) erhalten haben. International erscheinen die Spiele natürlich unabhängig von einer Freigabe in Deutschland und können somit importiert werden. Aber heutzutage wird ja gerade ein Verbot von „Killerspielen“ gefordert, die nach der aktuellen Rechtslage noch eine Freigabe erhalten.

Als Starttitel für die xbox sollte seinerzeit der Ego-Shooter Halo dienen. Microsoft hatte das Entwicklerstudie Bungie extra aufgekauft, um das Spiel (vorerst) exklusiv als Zugpferd zum Release der hauseigenen Konsole zu veröffentlichen. Dem 2001 erschienen Halo folgten 2004 und 2007 ein zweiter und ein dritter Teil, mit beachtlichen Erfolg. In der englischen Wikipedia kann man über Microsofts Halo-Reihe lesen:

„The trilogy of video games have been praised as being among the best first-person shooters on a video game console, and are considered the Microsoft Xbox’s „killer app„.

Diese Aussage ist auch nicht übertrieben, so wurden allein durch Halo 3 mehrere Verkaufsrekorde gebrochen. Die Einnahmen der ersten 24 Stunden (170 Mio $) konnten nur durch GTA IV und Modern Warfare 2 (Jeweils 310 Mio $) übertroffen werden. Wie darf man also die Aussage Bergs, wonach die IT-Branche Schattenseiten und Defizite wie Killerspiele von Anfang an sehr ernst genommen habe, vor dem Hintergrund verstehen, dass Microsoft den dritterfolgreichsten Shooter entwickelt und vetrieben hat?

Und vielleicht erinnert sich auch manch einer noch daran, dass Microsoftgründer Bill Gates persönlich mit und in dem in Deutschland indizierten Ego-Shooter Doom für Windows 95 geworben hat?

Uns ist es leider nicht gelungen eine Stellungnahme von Microsoft Deutschland bzw. Achim Berg zu erhalten.

35 Gedanken zu “Achim Berg (Microsoft) verunglimpft Entwickler

  1. Ich habs mal geändert. Aber wenn der Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland etwas unter dieser Bezeichnung schreibt, kann man das wohl doch auch als Aussage von Microsoft verstehen.

  2. Wundert mich nicht. Achim Bergs Chef Boris Schneider-Johne ist ja einer der schärfsten Kritiker in der Industrie was gewalthaltige Videospiele betrifft. Schneider-Johne hat damals auch eingeführt das ungeprüfte Spiele nicht mehr offiziel für die XBox in Deutschland vertrieben werden dürfen. Erstes Opfer war damals ein Evil Dead Spiel. Leider hat Sony dann einige Monate später nachgezogen *kotz*

  3. Ich bin sprachlos, dass ein so hochrangiger Vertreter der Branche von der „Schattenseite ‚Killerspiele'“ spricht. Kann den Mann bitte mal jemand nen kräftigen Tritt in den Hintern geben.
    Dass der Schneider-Johne kein Interesse hat, irgendwas für Fans von Erwachsenenspielen zu tun, hab ich schon erlebt, aber, dass jetzt noch einer in der Chefetage davon anfängt…

  4. Vielleicht besser so:
    „Achim Berg (Microsoft) verunglimpft „Killerspiele““
    .
    Ich denke, MS sollte schon in der Überschrift stehen – schon alleine weil negative bzw. widerspüchliche Nachrichten nicht im Sinne von MS sind und daher ein Anreiz zum Einlenken sein können. Ich meine, da sagt im Prinzip der Vorsitzende der Geschäftsführung (!) von Microsoft Deutschland direkt aus, dass er keine Ahnung hat, was seine Firma eigentlich macht! (Man müsste jetzt mal gegenfragen, was er davon hält, dass sein Arbeitgeber etwas mit KiPo vergleichbares produziert und verkauft… Ich wäre auf die Antwort gespannt!)
    .
    In diesem Fall sind Konsequenzen wegen der negativen Publicity zwar eher unwahrscheinlich, aber schaden kann’s wohl nicht, oder? ;)

  5. wer hat noch nicht wer will noch mal?
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  6. 5-, 15- und 25jährige sitzen heute Stunden, Tage und Nächte vor Computern und Spielekonsolen. In „Spielen“ wie …, „Halo 3“,… üben sie systematisches und exzessives Töten mit Waffen vom Maschinengewehr bis zur Kettensäge.
    Quelle: „Kölner Aufruf“
    Microsoft sollte sich echt Gedanken machen welche langfristige Strategie es fahren will.
    Jugendschutzmaßnahmen in Vista, Windows 7 und der X-Box halten die Kritiker sogenannter „Killerspiele“ nicht davon ab auch gegen Microsoft zu hetzen.
    Diesen Kritikern auch noch Schützenhilfe durch solche Artikel zu geben ist IMHO für Microsoft langfristig schädlich, denn den Gegnern des Killerspiels geht es nicht um Jugendschutz, sondern um einen Kulturkampf.

  7. @Herr Ingenieur
    Ich bezweifle dass Herr Schneider-Johne das „eingeführt“ hat – da wird sein Einfluss doch maßlos überschätzt nehme ich an, m. E. Nach ist er da doch nur eine relativ kleine Nummer, also ich würde da schon eher auch Herrn Berg vermuten, obwohl: gewisse grundlegende Vorgaben wird sicher hoffentlich doch die Geschäftsleitung in Redmond machen

    Habs im Forum schonmal gepostet, aber was mir vor einiger Zeit besoders negativ aufgefallen ist bei Microsoft Germany war die Vorstellung einer Xbox-Moderatorin davon in den USA: es ist ja so, dass sich MS Um verschiedene lokale XBL-Features kommt, so gibt es auch ein Xbox LIVE Österreich, jedenfalls wurde da eine gewisse Julia Fischer bei Major Nelson (Larry Hrb) in Amerika gefeatured, wobei der nachhaltige Eindruck bei mir entstand, dass die jugendfreien Lips und Forza (3) als die einzigen populären Spiele in Deutschland vermittelt werden sollten…

  8. Wenigstens sind die Spiele mal wieder etwas aus dem Medienfokus gerückt. Jetzt ist erstmal die Kirche dran (Pädophile Priester? Mon Dieu – was für eine Neuigkeit…) und wenn das keine profitablen Ängste mehr schürt, sehen wir weiter. Spätestens beim nächsten Amoklauf kriegen wir kranken Killerspiel-Soziopathen dann wieder etwas Aufmerksamkeit.

  9. @kaimar2
    zur Zeit würd ich mir wünschen, dass gegen die Verbrechen in Schulen und kirchlichen Einrichtungen mal wirklich vorgegangen wird (ohne Rücksicht auf Verjährung, weil das ist kein Kavaliersdelikt) – und zwar mit den Eifer, wie gegen vermeintliche KiPo-Seiten… im Prinzip ist das nämlich das gleiche, nur das man bei den aktuellen aufgedeckten Fällen die Täter kennt… bei den KiPo Seiten lassen sich die, die dahinter stecken ja nicht so leicht feststellen – sagt man zumindest.

  10. @D-Jay,
    snip
    Man muss doch nur mal das Strafmaß vor Augen halten: klaust du 10.000€ kommst du gleich für 10 Jahre ohne Bewährung in den Knast, missbrauchst du allerdings 1 – 2 Kinder kommst du vielleicht für 3 Jahre mit Bewährung und der Anordnung Psychodoktoren snip zu besuchen davon.

  11. Johne und Berg MÜSSEN zurücktreten denn die sind untragbar für Microsoft aus meiner Sicht, mehr kann und will ich nicht zu diesen Leuten sagen.

  12. Passt zu den Aussagen von Boris Schneider-Johne:

    „Spannend, wie viele Leute den Spielspaß von einer “ungekürzten Version” abhängig machen. Mir macht das Angst, wenn Leute vehement gegen das Wegfallen eines grafischen Effekts protestieren. Das, wofür GTA auch außerhalb der Spielewelt (wer erinnert sind an den hervorragenden Tagesthemen-Beitrag?) gelobt wurde, hat sich durch den fehlerhaften Update nicht einen Tick geändert.
    Ich greife nochmal auf eine andere Analogie zurück: Es gibt in Deutschland eine Reihe von Leuten, die gerne ungekürzt Hitlers “Mein Kampf” und Nachdrucke alter Nazi-Zeitungen auf dem Markt sehen würden. Darf man aber nicht machen. Ist das auch das gleiche von dir kritisierte “Prinzip” oder dreht der Austausch von “Blutlache in GTA” gegen “Nazi-Parolen in Zeitung” deine Meinung schlagartig um?“

    “Man muß in Dead Rising / Saints Row / beliebiges anderes Spiel ja gar nicht die ganz brutalen Sachen, die du beschrieben hast, machen“. Wenn dem so wäre, macht mich das dann besonders wütend. Diese Programmierer bauen also extra menschenverachtende Sachen, die gar nicht notwendig sind, als Garnitur ein? Dafür hab ich kein Verständnis, denn das ist Brutalität um der Brutalität willen und nicht notwendiges Element, welches die Erzählung der Story vorantreibt.

    “Dead Rising ist doch lustig und nicht brutal“. Vielleicht ist genau dieses das Problem? Wesen auf brutale Weise töten macht Spaß? Ich habe volles Verständnis dafür, wenn die Jugendschutz-Behörden in Deutschland das hier nicht zulassen wollen.

    “In der Tagesschau werden viel brutalere Sachen gezeigt“. Die ist nicht interaktiv mit der Aufforderung an den Zuschauer, diese Greueltat per Controller jetzt auch zu versuchen. Ich hab auch noch nie 16-jährige in der S-Bahn sagen hören “Eh, hasse gestern krasse Tagesschau gesehen, ham se im Irak mit ner geilen Carbomb wieder sechs Homies durch die Luft gepustet.”

    “Die Software nicht zu bringen oder zu beschneiden fördert ja nur die Nachfrage der Kids nach den Uncut Versionen“. Was ist denn das für ein doofes Argument? Weil meine verschlossene Haustür dem Einbrecher sagt, hier gäbe es was zu holen, laß ich die Tür immer sperrangelweit offen? Das insbesondere im PC-Bereich die ultrabrutalen Sachen dann unter der Hand kopiert werden, mag ja sein, aber das ist dann gleich doppelter Gesetzesbruch. Die Antwort darauf muß dann ja wohl noch härterer Kopierschutz sein.

    “Jugendschutz schön und gut, aber Erwachsene sollen selbst entscheiden können, was sie spielen“. Das ist natürlich eine Gratwanderung ohne Gleichen, aber man sollte sich im Klaren sein, das eine totale Freigabe aller Veröffentlichungen interessante Nebeneffekte hätte: Neonazis dürfen dann auch beliebig sagen, was sie wollen, radikale Islamisten dürften frei zum Morden aufrufen, und so weiter. In keinem Medium gibt es die absolut “freie Rede”. Das im deutschen Wertesystem aufgrund der Vergangenheit in diesem Jahrhundert das Thema “Gewalt” ein sensibles ist, sollte man bitte akzeptieren. Nochmal ein Vergleich mit der Porno-Branche: Bei uns in Deutschland ist eine Menge Erotik in frei zugänglichen Medien erlaubt, Erwachsene haben sehr einfachen Zugriff auf “harte Pornos” – aber bei bestimmten Sexualpraktiken ist Schluß, die finden auch bei Beate Uhse nicht statt. In USA ist die freie Erotik wesentlich eingeschränkter. In Holland kommen Erwachsene umgekehrt auch an Sachen ran, die in Deutschland verboten sind. In Deutschland ist Postversand von harter Pornographie nicht möglich, die Österreiche schicken auch härteres Material problemlos per Post. Das sind nun mal die Regeln, im jeweiligen gesellschaftlichen Prozess aufgestellt. Erwachsene können in Deutschland nicht frei entscheiden, welche Pornos sie sehen, mit welcher Geschwindigkeit sie durch eine Tempo 30 Zone fahren und wieviel Geld sie dem Staat von ihrem Gehalt abgegeben wollen. Warum sollten Computerspiele ein regelfreier Raum sein? In Österreich ist dafür Tempo 130 auf der Autobahn, ohne Ausnahme.

    “Jeder, auch Kids, kennt doch den Unterschied zwischen einem Computerspiel und der realen Welt. Zombies gibt es nicht in echt“. Ach, die alte Nummer. Darum geht es auch nicht. Es geht mir, und da lese man mal meinen Blogeintrag genau, um die Tatsache, daß in den Spielen die Spieler für bestimmte Aktionen “belohnt” werden, die über eine bloße Gewaltdarstellung hinaus gehen. Und das (und nicht die reine Darstellung einer Blutlache) ist für mich deutlich zuviel. Es geht nicht um Zombies, es geht um “Stoß einen Unschuldigen vor die Zombies und mach ein Foto davon, das gibt Extra Punkte”. Und diese Verhaltensmuster, die kann es leider übertragen auch in der echten Welt geben: Hab Spaß an vollkommen unnötiger Gewalt. Sowas darf nicht vermittelt werden. Punkt.

    “So ein Spiel ist ein künstlerisches Gesamtwerk“. Nein, es ist ein kommerzielles Produkt, darauf ausgelegt, möglichst viel zu verkaufen. Viele Spiele stoßen bewußt und absichtlich an Grenzen des Geschmacks und der ethischen Systeme, um damit Kasse zu machen und nicht, weil dahinter ein Künstler sitzt, der der Gesellschaft eine “Aussage” machen will. Wieviele Leute, die hier mit dem Begriff “Kunst” hantieren, können jeweils zehn berühmte Maler, Bildhauer, Aktionskünstler und Komponisten des 20. Jahrhunderts nennen?

    Das stammt von seinem Blog:
    http://www.dreisechzig.net/

  13. Der Schneider-Johne ist in gewisser Weise ein direktes Sprachrohr zwischen Microsoft und Kunden und dafür ist mir der Typ zu zurückhaltend. Wenn sich etwas ändern soll ich Deutschland dann müssen Leute wie er ihren Teil beitragen. Er will aber wohl einfach nicht.

  14. @Gecko
    Diese Zitate kannte ich noch gar nicht – bloß die Irgendwie-Begrüßung des Verbots von „Dead Rising“ nebst einiger anderer (Un-)Schätze. Vielen Dank!
    @GreenNinja
    Ja stimmt – so seh ich das auch. Die Posten scheinen mir zudem nicht mit anderen Leuten besetzbar zu sein in D… Die kulturellen Vorstellungen im doppelten Sinn normiert – da gibt es einfach kein anderes Personal. Leider :-(

    Ich könnte es mit meinem Gewissen ja schon nicht vereinbahren mich mit so jemandem auch nur ungezwungen zu unterhalten – im Wissen um solche Zitate

  15. „Bei uns in Deutschland ist eine Menge Erotik in frei zugänglichen Medien erlaubt, Erwachsene haben sehr einfachen Zugriff auf “harte Pornos” – aber bei bestimmten Sexualpraktiken ist Schluß, die finden auch bei Beate Uhse nicht statt. In USA ist die freie Erotik wesentlich eingeschränkter.“

    Vorsicht mit diesen Vergleichen. Das stimmt so nämlich überhaupt nicht. Ja, es existiert natürlich ein Unterschied in der Einstellung zu Sex zwischen den USA und Europa. Aber wo diesen am ausgeprägtesten findest ist frei empfangerbares Fernsehen (d.h. kein PayTV. Dort ist alles möglich) und im Kino. Diese zwei Medien haben aber gerade wegen ihrer freien Empfangbarkeit (vor allem das TV) eine Sonderstellung. Sie sind nicht die Regel.

    Es gibt da eine ganze Reihe von Gerichtsurteilen, die zum Teil Jahrzehnte zurückgehen. Sie alle basieren darauf, dass in den USA die Meinungsfreiheit einen sehr hohen Stellenwert hat, sehr weit ausgelegt wird und nur schwierig eingeschränkt werden kann. So ist Pornographie z.B. nicht zwangsläufig obszön im juristischen Sinn und genießt unter Umständen den Schutz durch das „first amendement“.

    Beispiele von Dingen die in den USA verfassungswidrig sind, aber in Deutschland wie selbstverständlich hingenommen werden:
    1.) In den USA gibt es generell keine verbindlichen Alters-Abfragen bei Internet Seiten. Bei Porno-Seiten reicht eine Kreditkarte, während hier Dinge wie PostIdent vorgeschrieben sind. Das ist der Grund weshalb die Branche hier größtenteils ins Ausland abgewandert ist.
    2.) Auch dort gab es ein Gesetz, dass u.a. Anschein-Pornographie bestraft hat und dabei z.B. auch Zeichnungen und Computergraphiken von nackten Minderjährigen und ähnliches. Gerade letzteres wurde in „Ashcroft vs ACLU“ für verfassungswidrig erklärt, da dabei niemand zu schaden kommt. Auszug aus dem Urteil:
    „Child pornography is not necessarily without value (Anm: damit ist „artistic merit“ und „literary value“ im juristischen Sinn gemeint), but it is illegal because of the harm that making and distributing it necessarily inflicts upon children. Ferber expressly allowed virtual child pornography as an alternative that could preserve whatever literary value child pornography might arguably have while at the same time mitigating the harm caused by making it. The CPPA would eliminate this distinction and punish people for engaging in what had heretofore been a legal alternative. The Government countered that without the CPPA, child molesters might use virtual child pornography to seduce children. But „there are many things innocent in themselves, however, such as cartoons, video games, and candy, that might be used for immoral purposes, yet we would not expect those to be prohibited because they can be misused.“ The First Amendment draws a distinction between words and deeds, and does not tolerate banning of mere words simply because those words could lead to bad deeds. Although the CPPA’s objective was to prohibit illegal conduct, it went well beyond that goal by restricting speech available to law-abiding adults. And if the goal was to eliminate the market for all child pornography, the Court ruled that the government could not accomplish that goal by eliminating lawful speech in the process. The burden should not, however, fall on the speaker to prove that his speech is lawful, instead of on the government to prove that it is not. Furthermore, such an affirmative defense is „incomplete on its own terms“ because it „allows persons to be convicted in some instances where they can prove children were not exploited in the production.“

    Man beachte die Feststellung, dass man nicht einfach etwas verbieten kann, weil jemand deshalb schlimme Dinge tun könnte. Das kann man – und hat man – genausogut auf Computerspiele anwenden. Die Beweislast wird auch angesprochen. Damit hat man in Deutschland ebenfalls große Probleme. Beweise, dass etwas schädlich ist sind hier komischwerweise für ein Verbot nicht nötig.

    Der springende Punkt ist, dass man in Deutschland alle Medien über einen Kamm schert, während man in den USA sieht, dass Kinder einfacheren Zugang zum Fernsehen haben und dies stärker reguliert. Das hat historische Gründen und treibt mitunter seltsame Blüten, die auch dort umstritten sind, aber dafür hat es der Staat bisher nicht geschafft diese Kontrolle auf sämtliche Medien auszudehnen. Gerade das Internet ist dort wesentlich freier was Pornographie betrifft. Das liegt auch daran, dass man dort eben keine Totalverbote erlassen kann, da es bei der Einschränkung der Meinungsfreiheit immer Alternativen zum Erwerb dieser Informationen geben muss.

  16. Re: „Man muss Microsoft zugestehen, dass in Deutschland nur solche Spiele für die xbox (360) veröffentlicht werden, die eine Altersfreigabe von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) erhalten haben.“


    Es ist vielleicht gut, dass sie eine konsequente, offizielle Linie haben. Aber für den Verbraucher ist das gar nicht gut. Ja, man kann die Spiele importieren. Aber die XBox ist ein geschlossenes System. In Deutschland kommst du dann i.d.R. über XBox Live nicht an Updates, Patches, Demos, Maps und Trailer heran. Und das ist extrem bedenklich.

    Auf dem PC gibt es inzwischen leider Spiele, die ähnliche Einschränkungen haben. So war „Saints Row 2“ nicht ohne weiteres in Deutschland aktivierbar. Der Hersteller meinte, sie würden sich an dt. Gesetze halten, weil es keine Freigabe gab. Dabei mussten sie das nicht tun. Es war nur vorauseilender Gehorsam, was überhaupt das größte Problem mit Medienzensur ist.

  17. @Stefan
    Bei diesen Zitaten von Schneider-Johne stimmt sowieso ausgesprochen wenig aus meiner Sicht ;-)
    Ich habe es einfach nicht wert gefunden inhaltlich darauf überhaupt einzugehen: zum Beispiel ist es auch völlig falsch, aber halt eine weit verbreitete Annahme, dass Hitlers „Mein Kampf“ in Deutschland einfach „verboten“ worden wäre – auch nur irgendwann mal…
    Zur Pornographie: das mit dem Zugang passt fürs Internet vorne und hinten nicht – anzumerken wäre grundlegend etwa auch noch ganz konkret, dass das was in Deutschland als Erzeugnisse einer Erotikindustrie unter Pornographie fällt gar nicht auf deutschen Servern über deutsche Domains offen zugänglich gemacht werden DARF. Das was da gemeint ist wird demnach ausschließlich das Ausland betreffen – schonmal in sich ein Widerspruch
    Ich fasse zusammen: Herr Schneider-Johne stellt fest, dass er in Deutschland dieses und jenes nicht kann/darf, dafür im Ausland – im Gegenzug darf er auf Deutschlands Autobahnen rasen – wer „Künstler“ ist und wer nicht bestimmt er: selbstlos und womöglich wie er selbst für moralisch überlegen haltend, so dass er irgendwie „Aussagen“ tätigt, aber eben ohne finanziellen Hintergedanken, das ist ein „Künstler“ für Herrn Schneider-Johne. Für mich ausgesprochen ERFOLGLOSE, eingebildete „Künstler“ wären das. Und so jemanden scheinen Gamer sowieso kaum zu kennen, etc., wobei seine voreingenommene Meinung über Gamer ja grundsätzlich denkbar problematisch zu sein scheint.
    Also lege ich weiterhin bloß Mindeststandards an und hoffe ich mal, dass er nicht auch noch darüber bestimmen möchte wer alles ein Mensch ist und wer nicht: dass diese vorgestellten Deutungshoheiten und Überlegenheitsdünkel Grenzen haben – das was da als „menschenverachtend“ scheinbar abgelehnt wird wurde aus meiner Sicht früher mal bloß anders genannt und war, sowie ist, genau das: menschenverachtend nämlich. Aber kennt man auch aus IDG-Redaktionen und von Herrn Luibl bestens. Die Gewalt eines so vor sich her getragenen Verständnis für Totalverbote sowieso – mit Leuten wie mir, welche es schon für eine kreative Tätigkeit als Künstler halten in einem noch dermaßen stark scheinbar verachtenden Werk wie „Dead Rising“ einen bloßen Spielstand anzulegen, scheint da sowieso kaum etwas gemein zu sein :-(

    P.S.: irgendwie erinnert mich das mit den Autobahnen an die US-WaffenbesitzerInnen, welche ihr Recht auf Waffen gegen das auf obszön gedachten Ausdruck ausspielen. Mehr als seltsam bloß, dass das noch aus der deutschen Spieleindustrie kommt – und nicht aus einem Schnellfahrer-Club. Na ja, Autos als Waffen betrachtet kennt man auch aus dem Umfeld des KA – irgendwie scheint das zu gefallen…

  18. Den Achim Berg sollte man nicht so ernst nehmen. Immerhin kommt er von MS, was bedeutet, dass er traditionell zum Release verbuggt ist. In den nächsten Monaten / Jahren darf man dann auf die Bugfixes warten. ;)

  19. Auf RTL 2 war gerade ein Bericht über eine Eltern LAN in der gelobt wurde, dass nach so einer Lan Eltern Lehrkörper und Schüler besser miteinander sprechen können.

    War das vom VDVC oder so mit organisiert?

    Happy Coding.

  20. es nichts mit dem technischen fortschritt zu tun. Der oftmals angeführte Jugendschutz wäre kein problem wenn Eltern nicht den PC als Baybsitter wie schon jahrzehnte zuvor das TV sehen und einfach sogar mit Internet ins kinderzimmer stellen. Und dann im TV(!) rum jammern das Kind „online süchtig“ sei.

    Das er Urheberrecht Vergehen mit der Vergewaltigungen eines Kindes gleichsetzt ist schon grotesk genug, aber dann auch noch die „killerspiele“ diesen Kunstbegriff dessen Definition je nach Medienlaune auf alles gilt schlägt dem Fass den Boden aus.
    Das dies nicht diese „Journalisten“ aufschreien lässt daran kann man verzweifeln.

  21. Hm ich habe Boris Schneider (damals noch ohne -Johne) nach seiner Beteiligung bei irgendeinem X-Box Magazin aus den Augen verloren, aber hier taucht er wieder auf – zu meiner Bestürzung! Und so jemand war mal ein Urgestein der Computerspielepresse =(

  22. Vorsicht Gerücht: Schneider-Johne soll Ende der Achtziger Jahre eigenhändig die Darstellungen von Swastikas (Hakenkreuzen) aus dem Lucasarts-Adventure „Indiana Jones and The Last Crusade“ entfernt haben

    Ich wollte mich bei ihm mal melden und nachfragen ob das wirklich stimmt – als ich jedoch erfahren habe wie er zu Spieleverboten so tickt, hab ich den Plan verworfen :-(

  23. Wenn Schneider-Johne die Swastikas ‚eigenhändig entfernt‘ hat, dann hat er Indy 3 hierzulande dadurch vor der Indizierung bewahrt. Da ist die Rechtslage ganz eindeutig.

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