CSU-Netzrat: Dorothee Bär im Interview

(telepolis) Die CSU hat einen „Netzrat“ ins Leben gerufen, um „offensiver im Internet und mit Internet-Themen um Anhänger und Wähler [zu] werben„. Peter Mühlbauer wollte im Gespräch mit Dorothee Bär die Beweggründe ihrer Partei nachvollziehen, die sie zu dieser Entscheidung bewogen hat. Wie auch gegenüber stigma wurde anstatt die (bekannte) Ansicht der Union widerzugeben oft auf die Junge Union, die eigene Meinung oder das breite Sprektrum der Ansichten verwiesen. Mit einer gewissen Portion Boshaftigkeit sind jedoch nichtsdestotrotz eigenwillige Interpretationen möglich.

So spricht sich die Junge Union offenbar nur gegen „bestimmte Verbotsvorstellungen“ und dagegen aus die Branche „pauschal zu verunglimpfen„. Hinter eigenen Verbotsvorstellungen steht man also, wie man auch eine gezielte Verunglimpfung nicht ablehnt? Die Entscheidung anstelle von „Killerspielen“ von „gewaltverherrlichenden Videospielen“ zu sprechen ist ebenfalls unglücklich. Schließlich sind diese bereits verboten, so dass Texte der Jungen Union, in der man sich gegen ein Verbot derartiger Videospiele ausspricht, dahingehend missverstehbar, dass man sich gegen das aktuell bestehende Verbot des § 131 StGB stellt – was aber wohl kaum gemeint ist.

Die Negativformulierung für die Aussage, dass man mit dem Deutschen Computerspielpreis die „wirklich tollen Spielen“ fördern, bzw. „Anreize für qualitativ hochwertige Spiele“ schaffen wolle, findet sich in einem Papier der JU-NRW:

Die Junge Union Köln verurteilt die Konzeption, Entwicklung und den Vertrieb von Spielen, die geeignet sind, einseitige grobe Gewaltanwendung positiv zu belegen und durch Spielparameter zu belohnen.“

Der Fairness halber soll nicht unerwähnt bleiben, dass man dennoch von einem Verbot Abstand nimmt. Und wo wir gerade bei der Glaubwürdigkeit sind: Beckstein hatte sich wie folgt geäußert:

„Das Spiel Counter-Strike wurde von der US-Army entwickelt, um die Gewaltschwelle bei den Soldaten herabzusetzen. Derartige Spiele gehören nicht nur zensiert, sondern verboten!“

Kann man bei dem medialen Echo Frau Bär diese Aussage wirklich abnehmen:

Ich höre diese Aussage jetzt zum ersten Mal.“

Zum Artikel

18 Gedanken zu “CSU-Netzrat: Dorothee Bär im Interview

  1. „…in dem wir uns mit ausgewiesenen Experten über aktuelle und zukunftsweisende Themen austauschen.“
    Sprich, Pfeiffer wird häufiger zu gegen sein.

    Wieder mal viel allgemeines Gewäsch mit dem Versuch ja nichts falsches zu sagen bzw. möglichst diffus zu formulieren so das niemand einen generellen Standpunkt zum Thema erkennen kann.

  2. Ziemlich hart, das Interview. Die Sahnestückchen zu den Videospielen sind oben ja schon genannt („uns darauf geeinigt, von „gewaltverherrlichenden Computerspielen“ zu sprechen“ – bitte bloß nicht zu viel Kompetenz im juristischen Bereich bzgl. §131 StGB, sonst könnte womöglich noch eine sinnhaltige Diskussion zustandekommen!), mein Favorit ist aber der Schluss bezüglich der Netzsperren:
    .
    „Und wenn man es schaffen würde, alle an einen Tisch zu bekommen, um eine Lösung zu finden, die beiden Seiten gerecht wird, dann sind wir auf dem Weg, sachlicher miteinander zu sprechen.“
    .
    Ich stelle hier mal rein rhethorisch die Frage, wer sich denn einer sachlichen Diskussion verweigert hat und noch heute verweigert (siehe Hans-Peter Uhl, CSU). Aber gut, was will man in diesem Bereich auch von einer Person erwarten, die, noch bevor das Gesetz verabschiedet war, es auch „im Kampf gegen Islamisten“ einsetzen wollte: http://www.netzpolitik.org/2009/junge-union-schlaegt-ausweitung-der-netzzensur-vor/

  3. Wenn ich schon wieder von „qualitativ hochwertigen Spielen“ lese, wird mir schon wieder schlecht. Wer definiert denn was hoch- bzw. minderwertig ist? Ist ein Lernspiel hochwertig, weil man dadurch im besten Fall cleverer wird? Ist ein actionlastiges Spiel, welches ja zum Ziel hat zu unterhalten, minderwertig, nur weil es keinen Lerneffekt hat -in Bezug auf Fachwissen? Ist es nicht auch Fachwissen, wenn man weiß, wie man einen Shooter etc. spielt, schließlich wird es ja auch bei anderen Freizeitaktivitäten als positiv angerechnet wenn man gut darin ist – z. B. Fußball, Tennis, Golf, etc. ?

  4. D-Jay:

    Pah, du willst doch diesen Schund nicht ernstlich mit realem Sport vergleichen! SPORT IST GUT, da sind die Kinder an der frischen Luft, machen Bewegung, sind aktiv – die paar Prellungen, Knochenbrüche und mehr oder minder schweren Unfälle nimmt man dafür gerne in Kauf, oder?

  5. Endlich einmal ein Interview mit Fragen wie ich sie auch gestellt hätte – vielen Dank Peter Mühlbauer: ‚Der Innenminister ist originär nicht nur für Computerspiele zuständig… Wir haben zum Beispiel nie die Bezeichnung „Killerspiele“ verwendet, sondern uns darauf geeinigt, von „gewaltverherrlichenden Computerspielen“ zu sprechen. Was aber natürlich nicht heißt, dass Jugendschutz nicht wichtig ist!‘
    Da hätte halt noch nachgehakt werden müssen, aber war wohl keine Zeit – das stimmt ja nämlich von vorne bis hinten nicht. Wegen dem schon vorhandenen Gewaltdarstellungsverbot im Strafrecht und wegen der Fragwürdigkeit solcher Verbote für eine Allgemeinheit als „Jugendschutz“. Vom dafür eigentlich zuständigen Index war da ja gar keine Rede…

  6. Frau Bär und ihre Ansichten sind bereits bekannt. Die Frau hat vor einiger Zeit mal Anfragen im Chat beantwortet. Ich meine zusammen mit dem Philipp Mißfelder (CDU). Frau Bär outete sich schon damals zum § 131 STGB, dass (auch )ein Verbot für Erwachsene für erforderlich sei, da diese Medien „sozialschädlich“ wären. Jeder kennt den christlichen Werte -/Normkonsens, den sich die Leute von CDU da so zu Recht legen. Muß Jemand auch wenn er der jüngeren Generation angehört, bessere Ansichten als der Rest ?

  7. Also ich finde Fallout 3 ist ein qualitativ hochwertiges Spiel. In der PEGI-Fassung versteht sich. :)
    .
    Also mal ehrlich, was soll denn das schon wieder für ne Aussage sein? Qualität und Inhalt sind 2 paar Schuhe.

  8. Es ist aber schon auch das Dilemma einer Volkspartei: als solche wird sie ihrer potentiellen Klientel trotz/bei allem Populismus gegen Spiele der so im Umlauf ist, den negativen Vorstellungen davon, noch einen gewissen Rest an eigenem Geschmack zugestehen müssen, sollte die Politik nicht undemokratisch erscheinen…
    Soll heißen: die Partei gibt eine Norm vor, an der Macht noch entsprechende Gesetze – viel mehr wird sie so (als Volkspartei) nicht tun können. Etwaig diskriminierende Folgen auch davon mal offen gelassen

    Ich habe es früher öfters nicht verstanden wenn hier auf das bereits bestehende Gewaltdarstellungsverbot hingewiesen wurde bei einer Rede von „gewaltverherrlichenden“ Spielen darüber hinaus: aber es stimmt, im Grunde genommen wird dem Gesetz so widersprochen. Man stelle sich abgesehen von Fragen ob „gewaltverherrlichend“ nicht eher so etwas wie eine Einschätzung à la „schön“ und „häßlich“ bedeutet darüber hinaus vor, es würde da von „diebischen“ Spielen etwa gesprochen werden, oder einem beliebig anderen Tatbestand des Strafrechts…

  9. Weil im §131 der Begriff der „Gewaltverherrlichung“ schon genannt ist und solche Inhalte verboten sind, sagt das letztlich aus, daß man diese Inhalte ebenfalls für verbotswürdig hält. Also: Dasselbe in „grün“.

  10. @Ray Alp: Ich werde danach mal suchen. Aber was bringt Euch das ? Es werden nur Sachen bestätigt, die man schon erahnen oder vermuten konnte. Kein Balsam für die kochende und gebeutelte Gamerseele. Ich würde mich schon freuen, wenn die Politik sich endlich mal wieder auf die Arbeit besinnen würde und dieser Kreislauf von Presse, Öffentlickeit, Erwartungshaltung an Politik, Outing der Betroffenheitspoltik/ern durchbrochen würde. Ich finde das lächerlich. Der Deutsche Jugendschutz ist antiquiert und dümpelt auf dem digitalen Abstellgleis vor sich hin. Meine Mannung schon seit langer Zeit.

  11. @Mathias

    Ich habe nur das gefunden:

    Christoph Pries (SPD):
    @MrPumpgunGuy47 nein, es gibt spiele, videos oder andere medien, die der öffentlichkeit – auch der über 18 – nicht zugänglich sein sollten, weil sie menschenverachtend sind

    Dorothee Bär (CDU-CSU):
    @ Limpertus: um eben den freien, mündigen Bürger zu achten, bin ich gegen ein Pauschalverbot von Gewalt haltigen Computerspielen. Allerdings hört die Freiheit des Einzelnen für mich da auf, wo Darstellungen gegen die Menschenwürde verstoßen.

    Nichts von wegen sozialschädlich.

  12. @Rey Alp:

    Bei dem Satz ich mich wohl geirrt haben. Ich weiß noch, dass ich mich damals ziemlich schwarz geärgert habe. Das Zitat Nummer 2 klingt auch nicht gerade toll. Parteilinie schwankt dann von mir aus zwischen Herrn Schünemann (hart) oder Frau Bär (light). Man kann sich darüber streiten, ob dass so toll ist. Wo kommen solche Leute her, die teilweise noch verdammt jung sind ? Haben die jemals am Pc gespielt oder kennen sich damit aus ? Ich vermute nein, die sind von der Partei aus Altersgründen in diese Ausschüsse verwiesen worden. Dabei sind es vom Alter her Leute, von denen man annehmen könnte, sie hätten in Ihrer Jugend wenigstens ein kleines Teilchen Videospielgeschichte selber miterlebt.

    Besonders beachtenswert in dem Log finde ich noch die Aussage, dass man „verbote Spiele“ im Inland nicht benutzen darf. Schon schlimm genug, dass die Presse die Indizierungen der BPjM verschweigt oder mit Verboten verwechselt. Aber wenn ein Politiker sowas von sich gibt, klingt das dezent nach „Ich habe keine Ahnung“.

    Weiterhin noch ne gute informative Arbeit. Ich lese ab und zu gern wieder rein.

  13. @Mathias

    Afaik hat sie in einem Interview mal gesagt, dass sie spielen würde – jedoch harmloses Zeugs. Das kann ich leider nicht verlinken, da es die Gamerseite, die es mit ihr geführt hat, nicht mehr gibt und ich es leider nicht gesichert habe.

  14. Kann das zumindest bestätigen: sie soll persönliche Games-Erfahrungen haben, also welche privater Natur, und mindestens mal gern Adventures gespielt

  15. also wenn die csu mehr anhänger für ihre partei sucht, sollten die „alten csu“ leute endlich aufhören alles zu verteufeln was nicht „bayrisch genug“ ist.
    denn würde z.B. counterstrike aus bayern kommen, würde nicht einer counterstrike als „killerspiel“ und als „amoktrainingssimulation“ bezeichnen.
    aber man sieht da wieder, da diese leute nur arogant und egoistisch sind und lediglich versuchen wollen ihre standhaftigkeit in der politik wieder stärker zu machen.
    gelernt haben die nichts und solche leute brauchen wir nicht in der politik!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.