Lückenfüller?

(Nürnberger Nachrichten) Am 22. April wird der Prozess gegen Georg R. beginnen, dessen Amoklauf von der Polizei gestoppt werden konnte. In einem Ausblick auf den bevorstehenden Prozess wird unter der Überschrift „Bilderwelt von Killerfilmen“ auch die Rolle von Medien angesprochen. So würde erst die Flucht in Nebenrealitäten die Täter zur Tat befähigen. Entgegen der einleitenden Worte, die eine Beschäftigung des Täters mit „Killerfilmen und Computerspielen“ vermuten lassen, wird klargestellt, dass beim Täter „weder Gewaltvideos noch Killerspiele entdeckt“ wurden. Für diese Ausführungen meint man aber dennoch eine Rechtfertigung gefunden zu haben:

„Die Bilderwelten von Killerfilmen und Computerspielen hält er für verheerend. Seine These: Während Otto Normalverbraucher lediglich von einem Lottogewinn fantasiert, verirrt sich der psychisch defekte Gewalttäter irgendwann in der Nebenrealität und steigert sich in die Rolle des Rächers hinein, bis er zu einer Tat fähig ist, die ihm vorher keiner zugetraut hätte. Die Polizei hat im Jugendzimmer von Georg R. weder Gewaltvideos noch Killerspiele entdeckt. Doch in seinem Computer fand sich ein 80 Seiten langer Monolog an eine fiktive Frau, er skizzierte Details der Tat und verwendete das Wort »Amok».“

26 Gedanken zu “Lückenfüller?

  1. hä?? was hat das eine jetzt mit dem anderen zu tun? das entlastet medien doch eher weil sich die gewalt und rachefantasien oder wie auch immer man das nennen mag, lediglich im kopf des mutmaßlichen täters abspielen. um die auszudrücken bietet sich ein leeres blatt papier zum schreiben oder zeichnen eher als eine vorgegebene virtuelle welt in der man ja zum größten teil eher helden spielt und keine rächer. auf ‚papier‘ kann er sich viel intensiver in fantasien reinsteigern.
    oder bezieht sich das argument darauf dass man den text ja auf einem computer fand? teufelszeug! also entweder die aussage ist einfach nur sinnlos oder ich habs komplett nicht verstanden.
    war ja zu befürchten dass man trotzdem nach irgendwelchen ausreden sucht aber in dem zusammenhang find ichs schon fast amüsant.

  2. Also erstmal toll das alle Computerspiele in einem Topf landen.
    Dann der selten dämliche Vergleich mit Lotto, den ich nicht verstehe. Meinetwegen könnte man ja mit Glücksspielen eine Parallele ziehen, auch wenn der Vergleich doch sehr stark hinkt.
    Außerdem, ich weiß nicht wieso, aber „psychisch defekt“ klingt für mich sehr viel beleidigender als krank.

  3. Jetzt müsste man nur noch wissen was eine „Nebenrealität“ ist, wo die Nebenhöhlen sitzen weiß ich – die sind neben der Nase.
    Aber der „Killerfilm“ brauchte wohl eine zweite Wort-Neuschöpfung.
    Dass wofür sich „der psychisch defekte Gewalttäter“ überhaupt „rächen“ wollen möchte wäre vielleicht auch noch ganz interessant zu wissen – oder ist es schon so weit, dass „Rache“ ein dermaßen entrücktes Negativum so geworden ist, das gar keiner Erklärung mehr bedarf? Ähnlich wie Gewalt selbst?

    Die Frage ist doch wem oder was an einem „Defekt“ da die Schuld gegeben wird und solche Artikel zeigen für mich jedesmal, dass die Schuld weder beim Täter, noch in dessen Umfeld, upbringing, zunächst gesucht wird, sondern immer bei dritten/m (hier den „verheerenden“ Bilderwelten aus Medien). Die Textwelt der Zeitung kann es ja nicht gewesen sein, das wäre ja Selbstkritik wie restliches zur Gesellschaft und deren Bildung, Normvorstellungen, ebenfalls…

  4. @Aribeth
    „Defekt“ kann auch ein Auto sein, und die Verwendung des Wortes deutet darauf hin, dass hier jemand nicht funktioniert hat. Eine sonstige Rede von Dysfunktionalität in diese Richtung meint ja eher eine schwache Ökonomie, ein schlechtes Ensemble, Zusammenspiel, zum Beispiel in Familien.

    Hier ist es aber wohl schon so, dass ein Mensch als allein nicht-funktionierend gedacht wird, und das hängt wiederum eng mit Nützlichkeit auch zusammen aus meiner Sicht. Sowie dem was jeweilig für (nicht) „nötig“ gehalten wird
    So beschäftige ich mich gerade mit den ersten Reaktion auf den Kölner Aufruf, da wird etwa Christian Pfeiffer bei Heise (2008) zitiert, welcher auch nicht bloß alle Computerspiele schlecht reden möchte (so wie oben), weil zumindest welche dabei sein könnten, die (ebenfalls) „nützlich“ sind.
    http://www.heise.de/bin/tp/issue/r4/dl-artikel2.cgi?artikelnr=29644&mode=print
    Sorry fürn etwaigen Doppelpost

  5. also? dass der otto normalverbraucher lediglich von einem lottogewinn fantasiert ist ja auch mal scheinheiliger humbug. wenn die leute sich öfter dran erinnern würden wovon sie so träumen würden sie das sicher nicht mehr behaupten.

  6. Was sind denn dann die Leute, die in ihre Nebenrealitität fliehen, in der sie davon träumen, dass das US Militär Videospiele produzieren lässt um Millionen Kinder zu kaltblütigen Soldaten auszubiliden?

  7. Pyri, die Nebenrealität ist eine neue Dimension, entdeckt wurde sie zuerst in der Redaktion der Nürnberger Nachrichten, nun ist man bemüht, die Redakture dauerhaft in der Nebenrealität zu halten, es ist einfach besser für die Nebenholen, wegen Gewaltschnupfen und Killernebenhölenentzündungen.
    Schlägt der Beruf „Journalist“ langfristig aufs Gehirn? Kann das mal bitte untersucht werden?!

  8. @The_Real_Black
    Ja aber irgendwie scheint das dem Redakteur nicht zu kümmern.
    Da wurde doch munter trotzdem in diese Richtung drauflos geschrieben
    Und scheinbar kein Widerspruch entdeckt

  9. Nachtrag: ich habe überlesen, dass der geistig abwesende Reporter die Meinung eines noch viel geistig abwesenderen „Experten“ unreflektiert wiedergibt. Fantastisch, dann haben schonmal 2 Leute einen im Tee.

  10. oh man *batsch! Mit Kopf gegen Tür haut*
    also das klingt doch wieder vollkommen nach einer „bezahlten“ these dieser spielekiller

  11. „Die Polizei hat im Jugendzimmer von Georg R. weder Gewaltvideos noch Killerspiele entdeckt.“

    Das hat den Hobby-Psychologen sicher gewurmt.^^

  12. aber hält sie, wie man sehen kann, nicht davon ab wieder irgendwelche wirren verbindungen und konstelationen zu knüpfen.
    als nächstes hören wir „killerspiele wurden von den Borg entwickelt um die menschheit als zwangssoldaten in einen intergalaktischen krieg zwischen Klingonen und Romulanern zu schicken“!
    passt auf, so ein depp kommt sicher noch!

  13. >Doch in seinem Computer fand sich ein 80 Seiten langer Monolog an eine fiktive Frau, er skizzierte Details der Tat und verwendete das Wort »Amok»
    Cherchez la femme: Nicht Computerspiele treiben die Jugend in Gewalttaten sondern Frauen, und schlimmer noch: fiktive Frauen. Also besser mal alle Romane verbieten, in denen Frauen vorkommen, die sind ja sowas von fiktiv, da läuft man schnell mal Amok.

    Caupano

  14. Mich wundert, dass keine Games auf seinem PC gefunden wurden. In dem Alter dürfte doch fast jeder Junge zocken. Vielleicht hat aber davor aber auch nur die Festplatte formatiert :D.

  15. /lol@sebiroth,
    /bow@pyri,
    deine Ausführungen über die Furcht vor der Nonkonformität, die anscheinend hinter solchen Artikeln und Reden steht, lese ich mit großer Begeisterung! Wenn man mal genauer hinschaut erkennt man, zumindest mit welch unterschwelliger Verachtung für freie Entfaltung den Menschen gegenüber sich geäußert wird, da kommt mir regelmäßig die Galle hoch.
    Aber nicht das jetzt jemand denkt, ich zähle einen Amoklauf zur freien Entfaltung. -.-
    Geht eher um die grundlegende Einstellung diverser Kritiker.

  16. Pingback: Tweets die Stigma Videospiele » Blog Archive » Lückenfüller? erwähnt -- Topsy.com

  17. Wieder mal typisch, zwar hat man keine Verbindung der Tat mit Videospielen oder Filmen herstellen können, aber das hält nicht davon ab deren Gefährlichkeit erneut im Text zu lancieren.
    Da man schon die Verbindung zu Winnenden herstellt, hätte sich mal eine kritische Auseinandersetzung mit der Berichterstattung über derartige Ereignisse angeboten, aber damit müsste man ja die eigene Zunft anprangern.

  18. Was hat das eine denn mit dem anderen zu tun? Das ist völlig grundlos, dass die da von Spielen und Nebenrealität und sonstwas anfangen. SO langsam glaub ich, die führen einfach nur nen Zermürbungskrieg gegen uns.

  19. @Ninja,
    das hat aber lange gedauert bis du da drauf gekommen bist^^
    die führen einen krieg an zwei fronten:
    1.Zermürbung gegen Produzenten und Konsumenten
    Die hegen die Hoffnung, wenn die Produzenten aus Deutschland verschwinden (und bei uns gibt es kaum Produzenten) und die Leute mit Angst, Hass und Propagandaparolen gegen Videospiele aufhetzen, würden eben jene automatisch verschwinden.
    2.bezahlter Industriekrieg
    Filme sind okay, Alkohol ist okay, Tabak ist okay, ballern mit echten Waffen ist okay (schützenvereine).
    Da fragt man sich doch, wieso alle drei Sparten okay sind und Videospiele nicht, obwohl bei allen 5 sich kaum einer um die Einhaltung der Altersfreigaben schert.
    Was mich selbst zu dem Verdacht kommen lässt, ob die Spielekiller nicht für die anderen Arbeiten.
    Wie gesagt, nur ein Verdacht der sich auf die Grundhaltung der Spielekiller stützt, die sich schützend vor den anderen 4 Sparten hinstellt, aber auf Videospielen mit Granaten wirft.

  20. Was sagen die Duckmauser denn jetzt?
    Keine Filme und kein Spiel gefunden, trotzdem wird gebasht. Was nun? Man kann ja schlecht was unterlassen,was man nicht tut.

    Anyway, da wollten die Redakteure wohl unbedingt die Verbindung zu den Medien haben. Und diejenigen, die den Artikel nicht lesen, sondern nur die Überschrift überfliegen, haben den Eindruck, das hier mal wieder irgendwelche Medieninhalte schuld sin. Na Danke, tendenziöser Boulevardjournalismus par excellence. Wer braucht diese Knallchargen eigentlich noch? Ausdenken kann ich mir die Geschichten auch selber, da brauche ich die Journallie nicht für.

  21. @SwA
    Wenn ein Opfer, hier Medien wie Spiele, der Schuldige, bereits gefunden wurde ist dieses (Opfer) konkret gar nicht mehr nötig um darauf einzuschlagen. Das kann ruhig auch in dessen tatsächlicher Abwesenheit dann passieren

    Eine fast schon historische Weisheit – leider :-(

  22. Ihr vergesst das die fränkische region um nürnberg rum heimat von vielen kölner aufrufunterschreibern ist. Und bei den parteiverstrickungen in so ziemlich allen bereichen (vorallem auch der presse) würde es mich nicht wundern wenn der chefredakteur der nürnberger nachrichten per-du mit dem einen oder anderen kölner aufrufunterzeichner ist.

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