Supreme Court prüft schärferen Jugendschutz

(heise) Kalifornien war – wie auch andere US-Bundesstaaten – mit dem Versuch gescheitert die Weitergabe von Videospielen, die abscheuliche oder grausame Gewalt beinhalten, an Kinder und Jugendliche zu verbieten. Es geht also nicht um ein “Killerspielverbot”, sondern um die Einführung einer verbindlichen Altersfreigabe für Videospiele. Dieser Vorstoß wurde durch Gerichte gestoppt, die die schwammige Definitionen kritisierten und sich von der Gefährdung durch Videospiele nicht überzeugt zeigten. Nun wird sich der Supreme Court mit den Urteilen befassen und entscheiden, ob der Verschärfung des Jugendschutzes zu Recht ein Riegel vorgeschoben wurde.

13 Gedanken zu “Supreme Court prüft schärferen Jugendschutz

  1. Das hat mit dem allgemein hohen Stellenwert der Meinungsfreiheit in den USA zu tun. Um diese einzuschränken sind ein paar strenge Regeln einzuhalten (strict scrutiny). Eine davon ist, dass Gesetze eng auf ihr eigentliches Vorhaben zugeschnitten sind (“narrowly tailored”. Auch bekannt als “overbreadth doctrine”). Damit sollen eben gerade Gummiparagraphen und Totalverbote verhindert werden. Deutschland hat da ein komplett anderes Rechts- und Freiheitsverständnis.

    Dass überhaupt mal bewiesen werden muss, dass Computerspiele schädlich sind, liegt daran, dass der Staat “compelling interest” am einer Einschränkung nachweisen muss.

    Kalifornien hofft lediglich Spiele, bzw. Gewalt analog zu Pornographie einzustufen, so dass die Gerichte keine “strict scrutiny” anwenden müssen. Das widerspricht aber der bisherigen Spruchpraxis. Auch der des Supreme Courts, wie ein jüngstes Urteil zeigt:
    http://www.scotusblog.com/2010/04/first-amendment-left-intact/

  2. @Stefan
    Ja sehr richtig.

    Bislang wurden lediglich sexuelle Inhalte für zumindest so obszön gehalten
    Und das wäre jetzt eben eine Chance, dass sich das (auch in den USA) ändert: in Deutschland ist hier, dazu, vieles einfach nur irrelevant. Steht gar nicht zur Debatte – stand nie und wird wohl (aus meiner Sicht leider) auch nie zur Diskussion stehen :-(

  3. @T_R_B
    weil wir hier nicht in Amerika sind, ganz einfach. Dort kann man auch gegen eine Krankenversicherung oder gegen den Umweltschutz klagen.

    abgesehen davon sieht man wieder, dass unser Jugendschutz keinesfalls verstärkt werden muss, vielmehr müssen ausländische Systeme verbessert, oder verbindliche innereuropäische Systeme geschaffen werden, um einheitlich bewerten zu können. Man denke nur mal an die Australischen Ratings, die nur bis 15+ gehen o.O

  4. @Mystical13,
    na bloß kein einheitliches System für Europa!
    PEGI okay, aber mehr auch nicht!
    Denn dort oben in der EU sitzen die gleichen alten Männer und Frauen die von nichts eine Ahnung haben, aber sich wichtig tun und wundern was sie sind.
    Und genau das begünstigt dann, dass unsere deutschen Politiker mit ihren Vorurteilen und ach so tollen Ideen wie “zensieren wir doch mal die Spiele” dort bei den EU-Trotteln Gehör und Glauben finden was dann dazu führt, dass wir hier überall nur noch diesen zensierten und total überteuerten Dreck bekommen.
    Ein Zombiespiel ohne Blood&Gore ist wie ein Bier ohne Wasser, eine Zigarette ohne Tabak, Autofahren ohne Lenkrad und wie einkaufengehen ohne Geld: alles geht nicht!

  5. Man kann ja von den USA halten was man will, aber was Medienzensur angeht sind sie teilweise weitaus freiheitlicher als hier. (Wie gesagt, teilweise, wehe es kommen Schimpfworte oder Sex vor).

    Die Tradition der “Schund und Schmutzgesetze” ist dort halt nicht so ausgeprägt wie hier.
    Dafür hat die religiöse Macht dort aber andere wesentliche Nachteile, was die USA weiterhin nicht wirklich zu einem Vorbild für Europa macht.

    Und nein, der Rest der Welt soll sich nicht auch noch mit Scheinproblemen wie dem “Jugendmedienschutz” rumschlagen. Es reicht wenn wir schon so eine Fantasiedebatte führen (siehe Herrn Berg, der Kerl hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.), da sollen sich dochn icht die anderen auch so mit quälen.

    Uns als Nation stände mal weniger Kulturpessimismus und technikfeindlichkeit (wie seltsam, wo wir doch im Maschinenbau so weltklasse sind) gut zu gesicht.

  6. Was die meisten Leute hier auch nicht wirklich kapieren, ist dass die Zensur von Sex und Schimpfworten hauptsächlich das Network-Fernsehen betrifft. Filme sind auch betroffen, aber davor gibt es später Unrated-Versionen auf DVD und ähnliches.

    Network-TV hat eine historische Sonderstellung, da der Zugang im Gegensatz zu anderen Medien nicht reguliert werden kann. Daher sehen die Gerichte eine Einschränkung hier für gerechtfertigt. Allerdings müssen eben Alternativen existieren und die gibt es in der Form von Kabelfernsehen und PayTV. Beide haben in den letzten 20 Jahren einen beachtenswerten Siegeszug durchgemacht und bieten heute das beste fiktionale Programm im US-Fernsehen. Wenn man Filme ungeschnitten sehen will, kann man einfach einen von zig Sendern abonnieren. Wenn dass nicht der Fall wäre, hätte man die FCC-Regulierung schon als verfassungswidrig beurteilt.

    Aber im PayTV ist im Prinzip alles möglich. Das einzige was ich noch nicht gesehen habe sind Geschlechtsteile beim Sex, aber ansonsten werden die auch gezeigt. Der aktuelle Extremfall ist da “Spartacus: Blood and Sand” bei Starz. Oder nehmt Serien wie “Deadwood”, wo im Schnitt alle 30 Sekunden das F-Wort fällt. Auch freies Kabelfernsehen geht teilweise weiter als die Networks (z.B. “Rescue Me”, “The Shield” oder “Southland”).

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