Pressestimmen zum “Deutschen Computerspielpreis”

Als “Bestes Deutsches Computerspiel” und “Bestes Internationales Computerspiel” ist “Anno 1404” nach dem Regelwerk “in Deutschland entwickelt bzw. hergestellt” und “im Ausland hergestellt“:  

– “Armutszeugnis für den Spielestandort Deutschland“, 4Players.
– “Deutschland feiert Kinderspiele“, SPON.
– “Jury blamiert“, Golem.
– “Muss die Branche dafür dankbar sein?”, Der Westen.
– “Utopische Ideal eines sauberen Bildschirms“, heise.
– “Elende Feigenblatt-Entscheidung der Jury“, gamersglobal.
– “Erneut massiv an Glaubwürdigkeit verloren“, GameStar.
– “Etikettenschwindel“, stern.
Focus, kriegt nichts mit.

54 Gedanken zu “Pressestimmen zum “Deutschen Computerspielpreis”

  1. “- Focus, kriegt nichts mit.”

    lol nice :D
    Allerdings auch traurig.. is doch wiedermal nur der “gamerteil” der presse der was mitkriegt…

  2. heise hat auch was:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Gewaltfreie-Lernspiele-mit-Deutschem-Computerspielpreis-gekuert-990714.html
    “Computerspielpreis jedoch von seinem Anspruch, Computer- und Videospiele in ihrer Gesamtheit “als Kuturgut adeln” zu wollen. Die Kontroversen um die Nominierungen für Uncharted 2 in diesem oder GTA IV im vergangenen Jahr verdeutlichen, welch krampfhaftes Verhältnis deutsche Politiker und Pädagogen noch immer zu elektronischen Spielen haben, die sie keinesfalls als legitimes Unterhaltungsmedium für Erwachsene ansehen. Sie verdammen nicht nur jede Form von gewaltsamer Auseinandersetzung und plädieren für das utopische Ideal eines sauberen Bildschirms, sondern sie billigen den Spielern nicht einmal zu, ihre Spiele völlig sinnfrei genießen zu wollen, ohne dabei immer gleich etwas lernen zu müssen. Mit diesem Ansatz poliert der Deutsche Computerspielpreis zwar das Image der Spielindustrie bei besorgten Eltern auf, geht aber an den eigentlichen Vorlieben der Spieler vorbei.”

  3. Man sollte sich schon auch fragen was ein “Lernspiel” ausmacht: ob es nicht nur um das lernen vermeintlich positiver Dinge da geht, von erwünschtem. Wenn neues etwa unerwünscht ist, wie soll das auch gelernt werden? Es ist doch so, dass hier eine heile Welt vorgegaukelt werden soll – und negatives möglichst an den Rand gedrängt. So heißt es in der Begründung für ein anderes Spiel auch. “Die Welt tritt Spielerin und Protagonistin gleichermaßen als verzerrt und bedrohlich entgegen, doch finden sich im Gegensatz zu anderen Spielen keine Waffen, um den Schrecken zu besiegen, sondern allein Flucht und Versteck sind als Mittel einsetzbar. Damit wird auch das Game Design intelligent in das Setting verwoben…”
    Und es ist völliger Unsinn zu behaupten “Anno 1404” sei “gewaltfrei” – auch in “Anno” gibt und gab es immer Militär zum Beispiel. Von den Naturkatastorphen und anderem Elend ganz zu schweigen – es versteckt dies bloß (vielleicht ganz gut)

    Durch die Verleihung in Berlin erwartete man sich gegenüber letztes Jahr schon einen Fortschritt. Letztes Jahr wurde immerhin “Drakensang” ausgezeichnet, aber dessen vermeintliche Bandenbildungen mögen wirklich noch negative Nachwirkungen gehabt haben. Man dachte da schon an einen Herrn Wowereit als einen aufgeschlosseneren Schirmherr als den Bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer. Von dem hab ich da jetzt aber gar nichts mitbekommen – fand das ganze überhaupt in Berlin statt oder nicht doch wieder in München konnte man sich aus der Ferne fragen, vernahm man den kolportierten Einfluss von KJM-Sinn aus Bayern…

  4. Nunja, auch bei anderen ist “der Skandal” eine Randnotiz oder kommt nicht vor. Focus ist da stellvertretend einer von mehreren.

  5. Zitat Focus:
    “„Der Deutsche Computerspielpreis soll kein Umsatzverstärker für Spiele aller Art sein, sondern sich auf qualitativ hochwertige sowie kulturell und pädagogisch wertvolle Spiele konzentrieren“, sagte Neumann. Man wolle die Hersteller zu entsprechenden neuen Produkten anregen.”
    Ich muss mich gerade ganz stark zusammen reißen -.-

  6. @Breikopf: darüber bin ich auch gestolpert. es hat mich doch recht stark an die Akademie Malerei, bzw. den akademischen Historismus des 19.jhd.

    @Presse: Ich finde es erfreulich, dass sich zunehmend differenziert über dieses Thema geäußert wird, auch außerhalb der Gamerpresse. ich habe bis jetzt, auch unabhängig der obigen links generell eher negative Äußerungen über die Qualität und Authentizität des Preises erfahren. Dieser Wandel ist mir auch schon beim “Amokläufer” von Ansbach aufgefallen. hier wird nun über Mobbing und Medienpressens bei vorhergegangenen taten als Ursache und Auslöser der tat benannt und mit keinem wort brutale Killerspiele. Es hinterlässt bei mir zwar einen faden Beigeschmack, dass nun die selben Medieninstitute, die noch vor wenigen Monaten, jede Sekunde der tat, jede Emotion von Freunden und Hinterbliebenen und jedes Gerücht bis zum letzten ausgeweidet haben nun davon sprechen wi schlimm es doch ist, dass sich die Presse auf solche taten stürzt, aber dennoch ist es doch ein Fortschritt.

    @Jury: mir ist dazu vorhin irgendwie der Vergleich gekommen, als würde Alice schwarzer in der Jury eines einer Playmaid Nominierung sitzen. wobei ich weder Schwarzer noch Hübsche, sich räkelnde frauen nicht leiden kann, vor erstere habe ich sehr viel Respekt und finde ihre erfolge sehr beachtlich, und letztere, naja^^. jedoch treffen hier zwei welten aufeinader, die in gewisser weise gegeneinader gerichtet sind. der Bock zum Gärtner wie man so schön sagt.

  7. Normalerweise stehe ich 4Players sehr, sehr kritisch gegenüber (weil 4P zwanghaft aus der Masse der “Gaming-Mags” hervorstechen möchte – auch, wenn es dazu keinen Grund gibt. Man muss immer rebellieren: finden alle anderen ein bestimmtes Spiel gut, muss etwas gefunden werden, was daran kritisiert werden kann, sonst wäre man ja nichts “Besonderes” mehr – deswegen kann und konnte ich dieses Magazin niemals ernst nehmen. – das aber nur am Rande), ihr Kommentar trifft meine Gedanken zum deutschen Spielepreis jedoch am besten…

  8. @Hejoba
    Auf der anderen Seite ist die Spieleindustrie mit ihren traditionellen Produkten halt der Bock, welcher mit diesem Preis nicht zum Gärtner gemacht werden soll

  9. Also für mich ist das ganz klar. Die Fachjury muss beim nächsten DCP einfach boykottieren und nicht mehr mitmachen. Anders werden die wohl nicht reagieren. Wenn sie weiter machen bei dieser Lachpille kommen unsere Politker mit Sauberkaitsvorstellungsneurose nur ungeschoren davon.

  10. Gerade Bei RTL2: Lob für Anno…
    C. Schmitz -> Lobt den Preis… (so ein Verräter)
    Bernd Neumann -> Kulturrellwertvolle Spiele auszeichenen… (Sauberkeitsvorstellungen ohne Ende!)

    Keine Echte Kritik am Preis… noch einer ala Fokus…

    Happy Coding.

  11. @Modgamers
    Das war heute auch mein gedanke zu dem thema… nicht nur die fachjury sondern auch die industrie verbände sollten sich zurückziehen. Dann schauen wir mal wie lange diese veranstalltung sich hält wenn die ganzen nicht-gamer plötzlich unter sich sind. Vielleicht hätte das ja dann den positiven effekt das diese leute sich dann auch wirklich mit dem thema befassen würden anstatt von der fachjury vorschläge geben zu lassen die dann nurnoch nach moral vorstellungen aussortiert werden.

    Aber der momentane zustand ist nurnoch lächerlich, habe schon als dieser preis angekündigt wurde gesagt das es so kommen wird. Wii shovelware und edugames, das ist alles was man da zu sehen bekommt. Die sollten das entweder in den “jugendspiele preis” umbenennen oder einfach komplett lassen, ist nämlich auch nicht förderlich für meinen geisteszustand was da abgeht. Das macht mich teils richtig wütend obwohl ich normal ein absolut ruhiger mensch bin…

  12. Gibts keine Meldungen aus den Telemedien darüber?
    Also als reiner Fernsehzuschauer wüsste ich jetzt nichtmal, dass es diesen Preis gibt.

  13. Guter Artikel beim Stern. ‘So wird im kommenden Jahr wahrscheinlich das hervorragende “Heavy Rain” leer ausgehen müssen, schließlich ist auch dort der Griff zur Waffe fest eingeplant.’ Man wird sehen – es bleibt also spannend

  14. wenn bei der jury auch ein KjM-Chef als Jurychef sitzt wundert es mich nicht, dass die Entscheidung durch politische Kompromitierung, Voreingenommenheit und Mediumverachtung zustande kommt.
    Aber so lange die drei Verbände BIU,GAME und der andere diese Machenschafften billigen, wird sich das auch nicht ändern.
    Mein Tipp an die Industrie (egal ob National oder International): steigt bei dem Preis aus!
    Es sollte zumindest jetzt klar ersichtlich sein, dass dieser ach so tolle Preis doch nur ein neues Machtinstrument der verrückten Jugendschutzindustrie ist, um das dieses Medium weiter an der kurzen Leine halten zu können.
    Wäre ich da gewesen, hätte ich ganz laut “BOOOOO! Verräter!” gerufen!

  15. Wie schonmal erwähnt, beim Focus ist das nicht verwunderlich.
    Die Aufstellung der Magazine ist kein Geheimnis.
    Stern – eher jünger und an der aktuellen gesellschaftlichen realität orientiert.
    Spiegel – mal Pro, mal Kontra, immer bemüht investigativ “neutral” zu bleiben.
    Focus – typische Unions Klientel, gerne Wertkonservative “durchleuchtungen” und passenden(harhar) Ausführungen.
    Also, alles beim alten. ^^

  16. Publisher in Deutschland und Entwickler in Deutschland….
    Was bitte hat das dann noch mit “international” zu tun?
    Naja, wenn die Industrie endlich mal unter Beweis stellen würde das sie Eier in der Hose hat, würde sie sich sofort vom Preis und somit auch von den Industrieunterdrückern los sagen und einen eigenen wirklichen fairen Preis ins Leben rufen, wo kein Bayer oder Jugendschützer den Vorsitz in einer Jury hat oder sonst in irgendeiner hohen Position sitzt.
    Und wenn diese Leute ein Problem damit haben, kann die Industrie diesen Preis auch in Dänemarkt, Holland oder Österreich (um nur mal ein paar zu nennen) verleihen und dann gucken diese Leute dumm aus der Wäsche, wenn dieser neue Preis viel mehr an Aufmerksamkeit und Begeisterung gewinnt als diese dümmliche Industrieunterdrückung aus Bayern.

  17. Der GamersGlobal Artikel ist richtig gut, die Kolummne von Paul Kautz (4Players) ist hingegen zu 90% identisch mit einem zuvor veröffentlichen Userblog auf Consolewars. Diebstahl von geistigen Eigentum nenn ich sowas.

    “‘So wird im kommenden Jahr wahrscheinlich das hervorragende “Heavy Rain” leer ausgehen müssen, schließlich ist auch dort der Griff zur Waffe fest eingeplant.’”

    Natürlich wird Heavy Rain nicht ausgezeichnet, dort gibt es Sex und an einer Stelle legt man 10 Gegner in einer Minute um (die Szene in der Villa).

  18. Aus dem Jörg Langer Artikel:
    “Solche Spiele dürfen beim deutschen Computerspielpreis nicht prämiert werden? Das zeugt von einer gewaltigen Verachtung dem Medium Computerspiele gegenüber. Dieses Medium darf anscheinend nicht das zeigen, was das Medium Film zeigt, oder auch nur das Fernsehen. Es darf sich nicht an Erwachsene richten, es darf keine Kunst sein”
    *
    Es darf keine Kunst sein. Weil es entartete Kunst ist.
    *
    Und da sagt einer, der Nationalsozialismus wäre in Deutschland überwunden (O-Ton Politiker). Ist er aber nicht. Der Nationalsozialismus hat auch weiterhin seine Nischen in der BRD, wo ihm mit Staatssegen gefrönt werden darf.

  19. Schon im vergangenen Jahr verstand ich die “Jugendspiel”-Auszeichnung nicht. Damals für “Drakensang” glaub ich – von “Edna bricht aus” gar nicht zu reden, und heuer “The Whispered World”: alles ganz tolle Titel, aber wieso sollen das “Jugendspiele” sein, das merkt Langer schon ganz richtig an. Auch das was er über eine Menschenverachtung in MW2 sagt hört sich für mich bereits wesentlich besser an als vieles seiner Kollegen.

    Und weil auch Langer anscheinend gern auf die Filmwelt verweist…
    :
    Angeregt durch Neumanns Rede hab ich mir gerade nochmal die Lola-Preisträger vergangener Jahre angesehen und so den Eindruck gewonnen, dass es sich dabei doch eher um eine repräsentative Auswahl deutschen Filmschaffens handelt. Sofern ich etwas nicht wieder übersehen habe gibt es dort gar keine ausländische Kategorie und wenn mit ausländischer Ware nicht so gut zurecht gekommen wird sollte man sich von dieser Kategorie wohl auch bei den Spielen verabschieden, wenn es laut Neumann so sein soll wie beim “Deutschen Filmpreis”… Die deutsche Industrie könnte ja immerhin versuchen Titel wie “Risen” (stärker) zu lancieren, nächstes Jahr (hoffentlich) “Gothic 4” von Jowood – den Titel vom österreichischen Publisher könnten sie als Draufgabe vielleicht noch als ausländisch verkaufen, obwohl es auch in Deutschland entwickelt wird :-)
    Der “Deutsche Filmpreis” ist jedenfalls keineswegs so international wie die ebensolchen “Filmfestspiele von Berlin” und vielleicht bräuchte es eben da noch eigene “Spielfestspiele” sozusagen. Die Aufgeschlossenheit einer BAFTA-Veranstaltung wird man mit den beschriebenen Vorstellungen eines Typen wie Ring so nie hinbekommen

  20. Jo, da Video ist von 2009. Aber dennoch interessant:

    Benrd Neumann:

    “Man wird nie solche negativen Nischen – und das müssen solche bleiben – völlig ausmerzen können. Und deswegen ist es wichtig, nicht nur über das Schlechte zu reden, sondern das Gute anzubieten. Und heute haben wir das getan.”

    @Kaktus

    Man kann mit dem Vokabular auch zurückhaltender umgehen, wobei das schon schwer fällt, wenn der Kulturstaatsminister es bedauert, dass es nicht gelingen wird manche Kulturgüter “auszumerzen”.

  21. @Rey

    Ich würde diesen Herrn gerne fragen was seiner Meinung nach falsch an Egoshootern ist und wo er das Problem sieht wenn Erwachsene Spiele bekommen die ausschließlich für Erwachsene gedacht sind

  22. Na dann, sollen wir ein Forentreffen veranstalten um Modgamers beim Umzug zu helfen? ;)
    Aber im ernst, das war ja zu erwarten. Wenigstens gibts ein ehrliches Medienecho (ausser beim Focus)

  23. Ich kann ja hier schonmal ankündigen, dass der VDVC die Tage auch einen Kommentar zum Deutschen Computerspielpreis veröffentlichen wird (zusätzlich zu einem Beitrag zur “Kinderspiel-Debatte”, welche das Problem allgemein anspricht)

  24. Auch mal bitte an die eigene Nase fassen!

    Ja, der Deutsche Computerspielpreis ist eine Farce. Das war er aber schon letztes Jahr und es war abzusehen, dass diese Veranstaltung auch 2010 nicht ehrlicher oder näher am deutschen Spieler und Entwickler sein würde. Aber sie sind ja trotzdem alle schön hingegangen, unsere Fachmagazin-Chefredakteure und Medienvertreter und Verbandsfuzzis und Publisher und Entwickler. Oh, und während und nach der Verleihung seh ich sie plötzlich alle aufploppen auf Facebook mit sarkastischen Sprüchlein, plötzlich durchzieht die deutsche Fach- und Publikumsmedienlandschaft, ja sogar die Springerpresse, ein Aufschrei der Empörung über so viel Verlogenheit und Heuchelei der Politik.

    Nur, die Heuchler sitzen woanders. Oder zumindest auch woanders. Wer beteiligt sich denn an dem Deutschen Computerspielpreis neben der Politik, und steuert keinen unerheblichen Anteil des Preisgelds bei? Die Publisher- und Entwicklerverbände BIU und GAME sowie der Bundesverband digitale Wirtschaft. Wer sitzt denn in der Fachjury? Eine lange Liste geschätzter Kollegen, jede Menge Journalisten, die sich mit dem Thema seit Jahren und Jahrzehnten beschäftigen. Und diese geballte Macht der Spieleindustrie, der Branchenangehörigen und spielefreundlichen Medien und Wissenschaftler kann sich nicht gegen ein paar Betonköpfe aus der Politik durchsetzen? Falls die Antwort „Nein“ lautet, muss man rechtzeitig Konsequenzen ziehen und sich aus dem ganzen Prozess lange vor der von Herrn Wowereit geadelten Gala zurückziehen – nun, nach vollzogener Veranstaltung, liegt das Armutszeugnis eindeutig auf Seiten der Branche. Sich jetzt nach Verleihung dieses Preises zu empören und so zu tun, als wäre man nicht Teil dieses ganzen Schmierentheaters gewesen, ist – so leid mir das tut – erbärmlich.

  25. @Phoenix
    .
    “Wenn du dich mit dem Teufel einlässt, veränderst du nicht den Teufel! Der Teufel verändert dich!”
    .
    ^^

  26. @Phoenix

    Hätte sich die Industrie schon im Voraus verzogen, gäbe es keine derartige Medienresonanz und die Politiker hätten einen guten Grund zu behaupten, dass sie sich doch so sehr engagiert hätten, Computerspiele in die Kultur zu “führen”, aber die Industrie dies verhindert.

    Jetzt ist aber der Präzedenzfall abgewickelt und nach der Lächerlichkeit der Entscheidung bezüglich Anno kann sich niemand auf Seiten der Politik mehr herausreden.
    Gerade jetzt ist selbst den Mainstreammedien, die sonst alle halbgaren Meldungen schlucken, bewusst, dass die Willkür der deutschen moralischer Kreuzritter aus der Politik zu dieser Farce geführt hat und auch sonst nur rückständige Behinderungen für die Industrie und Kultur bedeuten.

  27. Die Industrie hätte sich von Anfang an anders positionieren müssen in Deutschland, denn sie war von Anfang an in einer Verteidigungshaltung begriffen. Aus dieser Defensive wird sie auch jetzt nicht rauskommen, immerhin hat sie “Dawn of Discovery” noch selbst nachnominiert – gerade UM zu beruhigen und zu beschwichtigen, dass alles weiterhin seine Ordnung hat. Selbst wenn die Nominierung formal gegen die Statuten verstoßen sollte
    Beim Preis konkret hätte man sich nie darauf einlassen dürfen, da eine so “pädagogische” oder auch “kulturell” erwünschte Ausrichtung zu haben – dann hätte man eben nur einen Jugendpreis gehabt, aber so ist der Preis eben nicht aufgestellt. Wie er aufgestellt ist, ist im Sinne der Bewahrpädagogik welche Videospiele nicht als Erwachsenenausdruck überhaupt wahrnimmt – und sowieso einem päjorativen Unterhaltungsbegriff gegen eine Spaßgesellschaft verfolgt

    Dieser Preis IST ein Machtinstrument GEGEN populäre Spiele

    Man braucht so auch nicht ernsthaft glauben wie Michael Trier, dass es da nächstes Jahr um die Wurst gehen wird wenn “Crysis 2” und Spec Ops aus Deutschland am Programm stünden. Da hab ich vorhin auf gamestar.de herzhaft lachen müssen. Die werden dort ganz einfach nicht vorhanden sein (ein Crysis oder sonst was in die Richtung): vielfach habe ich den Eindruck kulturell völlig Unbedarfter in den Redaktionen. Und sie testen ja formal auch bloß Produkte sowie rezensieren keine Kulturgüter…
    Sie glauben über ein MW2 nach Belieben herziehen zu können wenn es vermeintliche Tabus bricht und gleichzeitig ein Crysis mit Wertungen über 90% auszustatten weil es aus Deutschland kommt und nicht zu brutal für ein USK-Kennzeichen ist, also so sehr noch angepasst, sowie eine gute Technik hat. Aber bei solchen Preisen geht es nunmal nicht darum, sondern um andere Wert(ung)e(n). Deshalb hat vor Jahren bei den BAFTAs schon eher ein Conker als ein Perfect Dark oder Goldeneye gewonnen

    Weil ein besoffenes Eichhörnchen nunmal politisch auch relevanter ist als Elvis, der graue Außerirdische, in Area 51, so wie “Das Leben des Brian” auch politisch interessanter ist als “Independence Day”. Aber man braucht sich ja auch nur die gelegentlichen Filmkritiken auf gamestar.de ansehen meiner Meinung nach um zu erkennen, dass da manches nicht kapiert wird anscheinend was ich hier zum Beispiel anzusprechen versuche. Das bleibt dort zumindest unverstanden.
    Und ich fürchte leider für immer

    Beim deutschen Filmpreis redet kein Mensch davon einen “pädagogisch” oder “kulturell” wertvollen Film nur auszeichnen zu wollen – da geht es eben um Filme und die deutsche Filmlandschaft. Basta. Ein Untergrund-Splatter oder Irgendwas-Scifi mit einem Model oder Muskelprotz in der Hauptrolle existiert dort aber auch nicht, so wie auch nicht bei den Oscars jenseits der technischen Kategorien zumindest
    Aber beim “Deutschen Computerspielpreis” geht es gar nicht um Computerspiele. So wie es Christian Pfeiffer auch nicht um Computerspiele geht, sondern um eine heile Welt sowie darin enthaltener “Jugend” – wenn schon nicht um sich als Selbstdarsteller.
    Wenn es um “Filme” geht, geht es auch nicht gleich um “Wirkungen”: und auch ein aufgeschlossener “Spielraum” in Köln ist vom Computerspiel als “Kindermedium” angewiesen. Kein Mensch forscht über die BesucherInnen von Gewalt-Musiktheater, solchen Opern… Auch die MedienpägogInnen setzen darauf. Auf das Kindermedium. Auf das vorhandene politische Interesse an Wirkungen. Auch ihre mitunter positivere Nutzungsforschung beschreibt ein Kindermedium, und wenn nicht das, dann einen bloßen Zeitvertreib. Psychologisch. Ich habe schon so manchen vermeintlich aufgeschlossenen Fragebogen aus dieser Richtung vor mir gehabt wo ich mir nur an den Kopf fassen konnte: kein Mensch fragt mich zu meiner Literaturleidenschaft etwa danach aus, ob ich Thomas Bernhard lese um Spaß zu haben, mich berieseln zu lassen, den Alltag zu vergessen oder mich “abzureagieren”. Danach nach einem Hobby
    Sorry, aber für Modelleisenbahnbau gibt es gar keine Preise vom Bund soweit ich informiert bin…

    Sicher: in England hat ein Call of Duty bei der BAFTA noch Chancen, aber auch nur weil es immer schon politisch relevante Themen angesprochen hat und dort schonmal ganz anders auch wahrgenommen wird als in einer Gamestar-Redaktion…

  28. Wisst ihr … erst jetzt, in Zeiten von Bombastgrafik wird darüber gestritten, ob man Spiele als Kunst ernt nehmen muss. Ich finde das traurig. Die neuen grafischen Möglichkeiten haben zum Beispiel die alten Adventures verdrängt, Spiele mit teilweise auch heute noch guter Grafik (wenn sie zum Beispiel gezeichnet war) und dort wurde auf sehr hohem Niveau erzählt.
    “The Dig” ist so ein Vertreter. Sollte eigentlich verfilmt werden, aber das wäre zu teuer geworden, und so schnenkte uns Lucas Arts dieses wundervolle philosophische Adventure. Grade habe ich Baphomates Fluch durchgespielt, und neben den tollen Zeichnungen bietet es eine großartige Story, die alles von Dan Brown in die Tasche steckt.
    Als die CD-Rom rauskam, wurde es modern, echte Schauspieler für Computerspiele zu verpflichten. Die bekannteren Ergebnisse heissen “Wing Commander”, “Phantasmagoria” oder “Black Dahlia”.
    Aber alles vergessen. Wenn man Spiele ständig mit Filmen vergleicht, so muss ich sagen: Bei Filmen schaut man sich auch gern mal die älteren Titel an. Ältere Spiele scheint keiner zu beachten.

  29. Noch eine Anmerkung: Wie man an Phantasmagoria sieht, gab es auch vor 15 Jahren Spiele, die sich an ein rein erwachsenes Publikum richteten.

  30. Das war aber schon zu C64 Zeiten so das es Spiele rein für ein erwachsenes Publikum gab und das ist noch länger her als der Release von Phantasmagoria. Und auch die Gewalt hat nicht wirklich zugenohmen, guckt euch mal die alten Ego-Shooter Exhumed, Po’ed, Hexen oder Blood an dann versteht ihr das auch das einzige was sich im Vergleich zu Damals geändert hat ist die Technik, die Games sehen besser aus das war es aber schon.

  31. I went to the Computerspielpreis website, and I found something interesting. Last year, Helmut Lukesch, longtime opponent of “killerspiele” and chairman of Mediengewalt e.V, was member of the jury. This year, he’s not. I’m curious to know why.

    I’m also curious to know what he thinks of the 2009 winner, “Drakensang”, considering that this game (that I love despite its limitations) shares many similarities with World of Warcraft, which is considered by some people as a “killerspiel”.

  32. @Shane_Fenton
    Maybe Lukesch is not a member of the jury anymore BECAUSE last year “Drakensang” won ;-)
    I also wonder how the winners are actually discussed or voted and so forth
    If there is really some kind of veto which prevented, let’s say, Uncharted 2 to win, or if there was really no majority for that or any other “violent” title

  33. @Pyri
    As you can read here in differed Articles, there is a “academic jury” which could propose the nominees, and a mainjury which choose one of these nominees as the winner. If the main jury refuse to choose a (violent) game, there will be no winner.

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