Lesehinweis

(GameStar) In der aktuellen GameStar, die ab dem 26.05.2010 im Handel erhältlich sein wird, findet sich auf den Seiten 100 – 102 ein Artikel über den „Deutschen Computerspielpreis“. Unter dem Titel „Die große Heuchelei“ wird kaum ein gutes Haar an der Auszeichnung gelassen, allein die kritischen Presseberichte – die das Fehlen von Erwachsenentitel kritisierten – seien ein Lichtblick. Bei der Suche nach dem Schuldigen ist man jedoch etwas unentschlossen: Während man zunächst die Jury kritisiert, bei der Spiele mit Gewaltdarstellungen keine Chance hätten, wird später eingestanden, dass bereits nach den Vorgaben der Politik Gewalt tabu sei.

31 Gedanken zu “Lesehinweis

  1. Das Problem der Gamesmagazine ist Angst!
    Selten haben die sich mal richtig zu einer Sache geäußert, meistens, wenn sie mal was zu einer Sache gesagt haben, war das mehr hinter vorgehaltener Hand.
    Ich weiss nicht wovor die Angst haben, aber scheinbar lässt diese Angst endlich langsam nach und sie trauen sich wieder ihre Meinung zu sagen.
    Heute muss man sagen: Sextabu war damals, heute gibt es ein Gewalttabu.

  2. @Booomboy
    Bedenke wieviele Magazine in den 90er wegen des Jugendschutzes verschwanden, zbsp. mußten dutzende Hefte aus den Kiosken verschwinden nachdem M*r*el K*m*at 2 indiziert und beschlagnahmt wurde, von vielen Heften gab es danach keine neue Ausgabe und das kam in den 90ern mehrfach vor zudem sind und werden die immer von oberster Stelle aus den verlagen klein gehalten, man braucht das Saubermanimage und man will und kann sich nicht mit den Jugendschützern anlegen. Die Sache hat ja dazu geführt das einige Games erst keine Wertung erhielten, dann keine Tests und heute teils nicht einmal eine Info erhalten das es sie irgendwo gibt. Die ganze Sache hat ja auch dafür gesorgt das man keine harten Bilder mehr sieht geschweige den Vidos mit harten szenen auf den Cover-CD’s, vergleiche mal alte mit den neuen Beiträgen der Magazine dann siehst du es, ich habe mir letztens die alten Testvideos der GameStar zu Unreal, Unreal T**rnament, Qu**e 3 und co. angesehen bzw. deren Tests gelesen und muß sagen das das in der Form heute nicht mehr möglich wäre.

  3. naja in den 90ern hatte ich noch nichts mit games zu tun gehabt, aber an dem was du sagst kann man gut sehen wie viel macht diese jugendschutzterroristen mittlerweile haben.

  4. Wie dem auch sei: ich unterbreche meinen persönlichen Boykott der Zeitschrift seit der MW2-Sache so erstmal und werde mir das Magazin am Mittwoch holen. Mal sehen was da genau drinsteht ;-) „Gewalttabu“ hier hört sich ja schonmal ganz gut an – jetzt müssten sie aus meiner Sicht nur noch an ihren eigenen „Gewaltgrenzen“ samt Unterstellungen etwaigen Vorurteilen arbeiten, diese zumindest hinterfragen.
    Dabei glaube ich aber nicht, dass die Magazine über die Verlage zu irgendwas angehalten werden. Das war oder ist glaube ich nur bei Springer mit der Computerbild so der Fall gewesen – was man auch an einer entsprechenden, deutschtümelnden Ausdrucksweise sehen konnte. Ich sag nur: „Spielverbesserungsprogramme“ statt Patches

    Soll heißen: wenn der Matschijewsky als Adventure-Experte die Gewalt in einem AVP nicht einordnen oder leiden kann, so ist das wohl das gleiche Problem wie von jener CSU-Politikerin welche „Killerspiele“ halt auch nicht mag, dafür aber „Monkey Island“ doch kennt und schätzt.
    Da ist halt nichts zu machen fürchte ich: beziehungsweise so wie Vic so schön sagt die Idiosynkrasie im Weg

    Kurzum: die glauben das auch wirklich was sie schreiben denk ich. Und wenn dann möglicherweise irgendwo im Hinterstübchen noch die Vorstellung kulturlos-„barbarischer“, niederträchtiger, pubertierender und geldgieriger Amerikaner ohne Skrupel lauert, welche patriotische Metzelorgien oder „Waffenpornos“ herstellen, dann ist sowieso alles aus und geschehen: wird die Idiosynkrasie sozusagen zu einer kollektiven Angelegenheit, zum berühmten „wir halten das und das für so und so schlecht“, weil „wir“ auch zu wissen vorgeben, gesicherte Erkenntnisse darüber zu haben wo der Geschmack zu Hause ist und wo nicht

    In letzter Zeit ist etwa der GEE-Chefredakteur Heiko Gogolin schon regelmässiger Gast im Nintendo-Kanal: der vermag es offenbar in kürzester Zeit zu beliebigen, relativ sauberen, Spielewelten etwas zu erfinden was unheimlich eloquent klingt und dabei doch nicht das geringste über das betreffende Spiel aussagt. Hauptsache es klingt schön und sprachlich versiert, sowie man kann sich dabei anscheinend wunderbar gut vorkommen. Das hätte so Stil und das was Leute wie ich schreiben wäre demnach wohl auch nur wirr, grammatikalisch falsch oder gleich antiintellektuell
    So werden Urteile über andere, Fremde, gebildet, aber eben auch nicht nur bei den Games-Magazinen, sondern das sehe ich auch in anderen deutschsprachigen Publikationen. Der Admin von hier erwähnte doch zuletzt irgendein Interview, bei dem es die Hälfte davon nur darum ging wie jemand ihren oder seinen Cafe umrührt… Das wäre ein Beispiel für so was das ich meine und ich glaub, dass wird in Deutschland irgendwo unterrichtet. Englischsprachigen Journalismus sehe ich da anders, mit einem anderen Zugang.

  5. Pingback: Neue Kommentare « Jürgen Mayer

  6. @Jürgen Mayerpyri:
    Nett der Kommentar auf Amazon ^^ Auch schön wenn man mal die Kundenrezension miteinander vergleicht. Da hat nur einer eine doch miese Kundenrezension geschrieben und die dann ganze 4 Zeilen lang andere die kritisch mit dem Buch umgehen haben da doch ein anderes Niveau. Bin am überlegen ob ich mir das Buch mal kaufe…

    Happy Coding.

  7. In schöner Erinnerung habe ich auch noch die Umschreibungen für indizierte Spiele weil man der Meinung war, dass schon die bloße Erwähnung als Werbung ausgelegt werden kann. Da gab es dann so Dinge wie „Beben 3“ und „****2“ (Doom2). Lächerlich und trotzdem wusste jeder was gemeint war.

  8. und kurz bevor der Vorhang geschlossen wird, jeder alles gesagt hat, kommt die Gamestar noch und sagt:
    „Ja das wollte ich auch sagen!“

  9. Mir ist echt unbegreiflich, wie man sich – als Deutscher – deutsche Zeitschriften zum Thema Computerspiele kaufen kann. ZUm einen steht nur die Hälfe drin (Jugendschutz sei Dank!), zum anderen liest man, geht es in einem Spiel mal etwas „härter“ zu, Lächerlichkeiten wie das:

    „Wenn ich bis zu den Knöcheln durch Blut wate und kreischende Monster in ihre Einzelteile zerlege, dann bewege ich mich auf einem schmalen Grat: Will Dead Space einen Klientel bedienen, der Lust an Tod und Leid empfindet? Oder ist die Gewalt nur ein zeitgenössisches Stilmittel, um zu schockieren, aufzuwühlen, Ekel zu erzeugen, ähnlich wie in Horrorfilmen der Sorte Alien oder Event Horizon? Filme werden brutaler, die Spiele werden es auch – ein Prozess, der nicht aufzuhalten ist, auch wenn er mir nicht immer gefällt. Der Wunsch nach immer Radikalerem, nach Grenzüberschreitung, er ist so alt wie Kultur an sich. Ich habe Dead Space zwar genossen, hoffe aber, dass Eltern und Ladenverkäufer den roten USK-Sticker auf der Hülle sehr ernst nehmen: Das Spiel gehört nicht in Kinderhände! Denn es gibt auch Grenzen, die Dead Space für meinen Geschmack überschreitet: Leblose, in Kanistern schwimmende Föten, blutverschmierte Frauen, die die zerfetzten Körper ihrer Lieben beweinen – das sind Szenen und Bilder, die Dead Space nicht nötig hätte, um seine fantastische Atmosphäre zu verdichten. Wer volljährig ist und solche Momente erträgt, der erlebt einen von Anfang bis Ende perfekt inszenierten, wenn auch spürbar zusammengeklauten Höllenritt, den intensivsten und schockierendsten Survival-Horror seit Resident Evil 4 (dt.).“

    (Zitat von Felix Schütz, PC Games, Review zu „Dead Space“)

    Natürlich habe ich früher (in den Neunzigern) auch deutsche Magazine gelesen, allerdings nur, weil ich damals noch kein Internet hatte, mich also, wenn ich Informationen zu meinem Hobby wollte, auf die Printmedien verlassen musste. Ein unglaublicher Masochist muss sein, wer für die von Selbstzensur und „Pazifismus-Gehirnwäsche“ (damit meine ich ihre „kaum fließt etwas Blut = OMFG!!!11“-Haltung) gebeutelte dt. Presse auch noch Geld ausgibt, statt sich an unzensierten Previews / Reviews im globalen Internet gütlich zu tun…

  10. Ich kenne die PCGames noch aus Zeiten als die beigelegten Spiele auf Disketten kamen und dann CD-ROMs eingeführt wurden. Damals war die Qualität der Artikel generell einfach besser. Nicht nur der Inhalt aber auch irgendwie der Schreibstil an such. Aber irgendwann Ende der 90er sank die Qualität dann aus irgendeinem Grund und ich habe das Interesse verloren. Alternative Quellen wie das Internet spielten da sicher auch eine Rolle, aber sind nicht der einzige Grund für mich.

  11. Das letzte Wort aus dem Games-Zitat gewinnt so schon an Doppeldeutigkeit: nur der „intensivste“ irgendwas seit Resi 4 DT.!? Na ;-) Weil die internationale Version, hier sprich auch die österreichische, ist ja so böse, das kann man schon nicht mehr gut finden…
    Wie dem auch sei… Ja, man stelle sich vor jemand geht in ein Museum, sieht ein Bild an der Wand hängen und fängt nach Musterung dessen zu mausern an: lamentieren, also das hätte dieses und jenes NICHT NÖTIG, um dieses und jenes zu schaffen (atmosphärisch). Nein, „also anstatt Sonnenblumen hätte dieser Holländer da besser Rosen herzeigen sollen“ – die Sonnenblumen „sind mir viel zu plakativ“. Nein, „das MUSS nicht sein“, usw.
    Nein, Föten in Kanister sind zuviel des schlechten, und zuwenig des „guten Geschmacks“ – junge Hunde in Kanistern gingen noch, usf.

    Ich glaub das Problem dabei ist weniger in einer „deuschen Natur“ oder solchen gewaltfreien Kulturvorstellungen zu suchen, sondern in den Erwartungen welche man an Unterhaltungsprodukte stellt beziehungsweise bindet.
    Das sind ja auch Produkttests so, und weniger Rezensionen – sollen oft doch auch keine Rezensionen sein
    Ein Unterhaltungsprodukt soll so anscheinend nicht irritieren, Tabus brechen, aufrütteln, nachdenklich machen auch nicht. Sowas macht da in der Vorstellung anscheinend auch nicht nachdenklich, sondern empört bloß
    Zeigt jemand so was her gilt der schon als nicht normal, irrgendwie verrückt, oder fängt an als unreif und geschmacksverirrt zu gelten

    Das betrifft aber eben (leider) nicht nur die Games, sondern auch so eingebildet-feuilletonistische Magazine wie die GEE. Ganz etwas ähnliches war da über „Dantes Inferno“ heuer zu lesen, weshalb ich auch begonnen habe die Zeitschrift zu boykottieren

  12. Preisleistung war für mich der grund weshalb ich ende 2002 mir keine gamesmagazine mehr geholt habe.
    auch wenn ich nur von 1998 bis ende 2002 die dinger gekauft habe, aber irgendwann wurde auf den cd´s nur noch der letzte dreck drauf gepackt und es wurde immer weniger über dinge berichtet die mich interessiert hätten.

  13. „naja endlich macht die GS mal was…
    Ich hab immer den Eindruck, dass Gamestar mit ihre Artikel etwas hintendran ist. Zumindest haben sie auch eine Reaktion gezeigt.“

    „und kurz bevor der Vorhang geschlossen wird, jeder alles gesagt hat, kommt die Gamestar noch und sagt:
    “Ja das wollte ich auch sagen!”

    http://tinyurl.com/254m6mb

  14. „Das letzte Wort aus dem Games-Zitat gewinnt so schon an Doppeldeutigkeit: nur der “intensivste” irgendwas seit Resi 4 DT.!? Na Weil die internationale Version, hier sprich auch die österreichische, ist ja so böse, das kann man schon nicht mehr gut finden…“

    So absurd das auch klingt, wenn die internationale Version eines Spiels indiziert ist, müssen die deutschen Magazine jedes Mal wenn sie den Titel erwähnen „(dt.)“ hinter den Spielenamen schreiben.

  15. Wegen dem „Dead Space“-Review:

    Ich habe kein Problem damit, wenn ein Redakteur gesteht, dass er harte Gewalt in Computerspielen nicht mag oder sie überflüssig findet. Diese Meinung sei ihm vergönnt. Nur: dann soll er ein solches Spiel nicht testen, sondern es an einen Kollegen abgeben, der nicht schon im Vorfeld ein Problem mit der Gewaltdarstellung hat. Ich habe auch eine Zeit lang Reviews für kleine Online-Magazine verfasst (leider ehrenamtlich – wenigstens waren die Spiele gratis ^^) und niemals Rollenspiele getestet, weil ich typische Klischee-RPGs mit endlos tiefen und komplexen Statistik-Menüs, rundenbasierten Kämpfen und einer Fantasy-Welt mit Feen, Orks und dem ganzen Mist so öde und abstoßend finde, dass ich, während des Testens, meine Augenlieder mit Zahnstochern offen halten müsste. Ich würde solche Spiele, weil sie mich nicht motivieren, also automatisch negativer bewerten, als sie es vielleicht verdient hätten – weil mir dieser Umstand bewusst ist, teste ich sie nicht, ganz einfach.

    Ich habe schon oft erlebt, dass deutsche Kritiker die Gewaltdarstellung als Minuspunkt in ihren Reviews angeführt und das betroffene Spiel deshalb schlechter bewertet haben. Das ist armselig. Zwar können Reviews niemals objektiv sein – das liegt bereits im Sinn der Sache – aber welchen Wert haben Reviews von Menschen, die gegenüber eines wesentlichen Bestandteils der Spielthematik entsprechend vorbelastet sind, für Leute, die wegen ein bisschen Pixelblut keinen Weinkrampf bekommen und sich tatsächlich für den Titel interessieren?

    Wer „Dead Space“ kennt, sieht, welch Pathos hinter dem Artikel in der PC Games steckt. An absolut KEINER Stelle watet man „bis zu den Knöcheln durch Blut“, „leblose, in Kanistern schwimmende Föten“ gibt es in EINEM EINZIGEN RAUM im Spiel und „blutverschmierte Frauen, die die zerfetzten Körper ihrer Lieben beweinen“ existieren nur in einer ca. 20-sekündigen Szene, in deren Verlauf Isaac das Telekinese-Modul erhält. Nichts von alledem ist wesentlich, trotzdem baut der Redakteur sein gesamtes Urteil auf diesen und anderen Bildern auf, die für ihn „jenseits des guten Geschmacks“ sind. Natürlich geht es in „Dead Space“ für deutsche Augen ungewohnt heftig zur Sache. Ich bezeichne dessen erfolgreiche Kennzeichnung durch die USK bis heute als das „Wunder von Deutschland“. Und doch…

  16. Sieht für mich eher aus als ob man da die chance nutzt mal nen seitenhieb an die konkurrenz beizubringen. Die fachjury bestand doch teils aus redakteuren von anderen game magezinen (PCGames zB glaube ich)? Und war es nicht die fachjury die unter anderem Uncharted2 und Dragon Age vorgeschlagen hat?

    Oder gilt die kritik eher der „oberjury“ bestehend aus politikern und „wissenschaftlern“?
    Waren irgendwelche gamestar redakteure bei der fachjury?

  17. @Yoshi128
    Das ist mir sehr wohl bewusst, zumindest diese Ansicht vieler Rechtsabteilungen scheinbar. Eine Zeitschrift wie die GEE scheint sich, inklusive SPIEGEL-Kooperation, aber ja genauso wenig daran zu halten zu haben wie manch ein Telepolis-Artikel
    Also glaube ich ist da und dort vielleicht doch etwas zuviel Vorsicht gegeben, traut man sich als schnödes Computerspiele-Magazin nicht darüber, weil man sich womöglich selbst für minderwertig hält gegenüber einem SPIEGEL vielleicht, und ich denke Vicarocha, ein juristisch wesentlich beschlagenerer Mensch als ich, hat hier glaub ich indirekt auch schonmal durchklingen lassen, dass diese ganzen „(dt.)s“ vielleicht doch etwas übertrieben sind.
    @LiquidSnakE
    Genau. Sehr richtig! Wobei ich allerdings noch denke, dass man auch etwas gegen Spiele durchaus sagen/schreiben kann, wenn sie einem grundsätzlich nicht gefallen. Mit Werturteilen halt: ich kann bald mal etwas für schlecht oder abscheulich halten, aber das ist damit ja nicht gesagt worden (nur), sondern es wurden doch gleich auch Unterstellungen gebracht. Gegen diese und jene Leute, welche dieses und jenes haben wollten, weil sie so niederträchtig sind angeblich
    Dagegen verwehre ich mich eigentlich nur
    Weil das, gerade mit diesen beschriebenen bildlichen Ausführungen, geht schon wieder in die Richtung wie sie aus den kritisierten Fernsehsendungen zum Beispiel stammen

  18. Nachtrag @Artikel selbst
    Zunächst @Densor
    Für die Gamestar war Heiko Klinge in der Jury. Im vorigen Jahr wars aber der Autor des Artikels selbst glaub ich sogar auch, Christian Schmidt. Also ich denke nicht, dass man das sagen kann

    Ich hab den Artikel jetzt (auch) und da findet sich schon noch ein interessantes Detail wie das abgelaufen ist. Ich zitiere mal: „Die Hauptjury, die in der Games Academy über die Sieger entscheidet, wird geleitet von Wolf-Dieter Ring, einem bayerischen Medienpolitiker und Jugendschützer. Man hat nicht den Eindruck, dass Ring das Medium, über dessen Wert er richten soll, sonderlich schätzt. Bei den Jurydebatten bleibt er passiv. Umso überraschter ist die Runde, als er zu Dragon Age plötzlich einen Zettel hervorzieht: Man habe ihm zugetragen, im Spiel müsse man eine Frau und ihren Sohn ermorden. Ob man so etwas wirklich auszeichnen wolle? Ein Fachjournalist versucht zu erklären, dass beide genauso gut gerettet werden können, dass der Spieler mit den Konsequenzen seiner Handlung konfrontiert werde. Aber da ist Biowares Erwachsenen-Spiel bereits erledigt. Uncharted 2, eine spielbare Mischung aus Indiana-Jones- und James-Bond-Film, scheitert an seinen Schießereien. Das kindliche Professor Layton zum besten internationalen Spiel zu küren, ist der Jury zu peinlich. Sie beschließt, den Preis gar nicht zu vergeben.“ 101

    Ich denke das ganze zeigt doch auch sehr schön, dass man nicht in der Lage ist Spiele wirklich zu verteidigen gegen die Vor- und Nachurteile. Womöglich nicht das Instrumentarium dazu hat, gegen die Macht eines Rings zum Beispiel zu bestehen :-(

  19. @Pyri: Frage ^^ Wieso muss man die Spiele denn verteidigen? Es sollte nicht nötig sein etwas zu verteidigen. Aber wie sollte man denn überhaupt sowas verteidigen? Besonders wenn man mit dass muss der User entscheiden was ER macht nicht weiter kommt?

    Happy Coding.

  20. @The_Real_Black
    Indem man die Vorwürfe etwa zurückweist.
    Ich finde das auch unglücklich, so eine Rechtfertigung.
    Sowie ja, eigentlich hast Du natürlich völlig Recht: die Spiele sollten nicht verteidigt werden MÜSSEN – in der politischen Situation sind sie aber eben (solchen) Angriffen ausgesetzt, dass dies wohl nicht ausbleiben kann

    Ich würde dem Ring zum Beispiel vorwerfen, ob er sich für moralisch so überlegen hält, dass er in einer Situation wie sie in Dragon Age beschrieben wird da niemanden umbringen würde? Was diese normativen Vorstellungen eigentlich sollen oder worauf sie möglicherweise (alles) hinweisen. Dragon Age stellt vor Entscheidungen, ja, aber andere Spiele – wie eben viele Shooter – beschreiben solche Extremsituationen in denen diese Entscheidungsfreiheit eben nicht mehr besteht. Für mich ist das nur menschlich, eine Auseinandersetzung mit Krieg oder Gewalt, wobei ich die Vorstellung dass das eben nicht sein dürfe – warum auch immer – nur als unmenschlich und es im Sinne der Gedanken- und Ausdrucksfreiheit, im Unterschied zu deren Meinung, für gefährlich halte das nicht zuzulassen oder eben auszeichnen zu wollen
    Ich würde da entschieden und empört darauf bestehen, dass es etwa „ungeheuerlich“ ist was da Dragon Age vorgeworfen wird, sagen dass es darin um moralisches handeln ginge, usw.
    Dragon Age ruft zu keinem Hass auf und setzt sich mit gesellschaftlichen wichtigen Themen wie Klassenunterschieden, etc. auseinander, dann würde ich noch sagen dass es tief blicken ließe, wenn der Vorsitzende das nicht zuließe oder halt ausgezeichnet sehen wolle… Eben die Gegenfrage nach einem konkreten „warum nicht“ stellen
    Ich würde die Vorgänge dabei aber sicher auch nicht zu beschönigen versuchen, im Gegenteil: leider habe ich den Eindruck, dass sich da oft nicht anders zu helfen gewusst wird in D, als dass man dann eben noch was beschönigt. Auch zum Beispiel indem man zwischen „gewalthaltig“ und „gewaltverherrlichend“ unterscheidet – siehe meine Kritik an Gamestar-Matschijewsky

  21. Gerade das Beispiel mit „Dragon Age“ ist eines der dümmsten das man benutzen kann. Das ist eine der Entscheidungen im Spiel über die ich am meisten nachgedacht habe.

    Die Situation ist dass Connor von einem Dämonen besessen ist und es im Prinzip die Schuld seiner Mutter Isolde ist. Man hat eine ganze Reihe von Optionen mit verschiedenen Konsequenzen:
    1.) Connor selbst töten (das ist der Standard für Besessene)
    2.) Connor von seiner Mutter töten lassen
    3.) Ein Ritual durchführen, dass Connor rettet aber seiner Mutter das Leben kostet
    4.) Eine andere Gruppe um Hilfe bitten um schließlich alle zu retten

    Wenn es etwas zu kritisieren gibt, ist es dass Option 4 eine zu einfache Alternative ist. Man muss lediglich eine längere Quest-Linie abschließen bevor man das wirklich durchführen kann. Aber nichts verhindert es. Option 3 eröffnet weitere Optionen, vor allem als Magier, und ist deshalb eventuell aus reinem Opportunismus interessant. Ich habe aber letztlich diese Entscheidung getroffen, weil ich gedacht habe, dass Isolde für ihre Handlung (die zu vielen Toten geführt hat) büßen sollte. Und selbst da habe ich mich gefragt ob das wirklich gerechtfertigt ist.
    Wenn einer von beiden stirbt, wird man später von einem anderen Charakter darauf angesprochen, der damit nicht überhaupt nicht einverstanden ist. Man kann dann versuchen ihn zu überzeugen, dass es die korrekte Entscheidung war oder sehr viel Sympathie verlieren.

  22. @Stefan
    Na gut, aber ich denke wir hatten hier schon noch tragisch „dümmere“ Beispiele. Leider bin ich mit meinem Magier an die Stelle im Spiel noch nicht selbst vorgerückt :-) Muss erst noch drei Origin-Stories zu Ende spielen, bevor ich mit meinem Hauptcharakter wieder weitermachen will…
    Etwa die Diskussion mit Regine Pfeiffer um eine Quest mit Babies und einer Mutter in World of Warcraft, bei dieser dunklen Charakterklasse glaub ich, irgendwas mit Todes…

  23. Kleine Korrektur:
    Es gibt eine Entscheidung, die verhindert dass man Option 4 verwenden kann (die ich aber persönlich nie tun werde). Genauso wie ein paar andere Entscheidungen dazu führen können, dass man letztlich keine Wahl hat als Connor zu töten, da bestimmte Schlüsselcharaktere nicht zur Verfügung stehen. Aber da er besessen ist, ist er dann eigentlich sowieso schon so gut wie tot. Das kann man dann nicht ernsthaft als Mord bezeichnen.

  24. Weil’s so schön zu der Überschrift passt:
    Netzpolitik hat auf einen Text des Paderborner Medienprofessors Müller-Lietzkow hingewiesen, der sich mit der „Killerspiel“-Debatte, dem deutschen Jugendschutz und den Auswirkungen auf die möglichen wirtschaftlichen Konsequenzen beschäftigt. Besonders schön fand ich die Fußnote 10, in der (durchaus positiv) auf Stigma Videospiele hingewiesen wird – meinen Glückwunsch an unseren Admin, die erste (mir bekannte) Erwähnung in einem wissenschaftlichen Werk :)
    Zum Text geht’s hier lang, 56 Seiten PDF (inkl. Quellen, Deckblatt etc, 42 Textseiten), 1,56 MB: http://www.morgsys.de/Forschung_Projekte/PUR%20117.pdf

  25. Es ist gut, dass man solche seltsamen Killerspiele nicht auch noch fördert.
    Die Situation der Preisverleihung zeigt eben nur, wie sehr man gewaltarme, aufwändig produzierte Titel mit der Lupe suchen muss. Der Branche und den Konsumenten wird damit der Spiegel vorgehalten.
    Und es ist doch vollkommen egal, was irgendwelche unwichtigen, ersetzbaren, sogenannten Fachjournalisten in ihren Heften zum Preis wettern. Die wollen doch auch alle nur ins Rampenlicht irgendwelcher Jurys und zicken herum, wenn sie aussen vor bleiben.
    Und dann schreibt man eben schnell einen anbiedernden Bericht im eigenen Heft, in dem man sich zum Volkstribun und Gamerversteher aufschwingt, um sich von der Herde der Leser als der grosse Brancheninsider feiern zu lassen.
    Bitte seht es einmal ein: Ihr seid keine Szene, keine Hardcoregamer, keine Fachjournalisten.
    Es gibt auch keine Fachszene der Hardcorekaugummifresser – jeder kann sich einen in den Mund stecken und sagen: „Der schmeckt mir. Der ist zu empfehlen.“
    Eure Spiele sind Industrieprodukte, die man an euch Konsumenten verkauft. Und darin hat sich eine üble Gewalttendenz breit gemacht, der Einhalt geboten werden muss.

  26. Auch, wenn es sich bei deinem Kommentar freilich nur um Getrolle handelt und du dich vermutlich gerade grün und blau freust, weil jemand tatsächlich darauf eingeht, statt ihn einfach zu überlesen, würde mich deine Antwort auf die mehrfach gestellte Frage, warum qualitativ hochwertige Titel auf Gedeih und Verderb gewaltarm sein „müssen“, sehr interessieren. :)

  27. Kann dir nur zustimmen Nikolas, es kann wirklich nicht Sinn und Zweck sein mit den Steuergeldern der Bürger pubertäre Gewaltfantasien zu belohnen.
    Gewalt in Medien ist per se nichts negatives, aber in Spielen dient sie vor allem dazu ein möglichst junges Publikum für die Spiele zu begeistern. Deswegen überbieten sich die Hersteller ja auch was Gewalt und Gore angeht stetig selber. Das finde ich verwerflich.

  28. Schon mal die in Deutschland angebotenen Spiele angeguckt? Sich über die Zensur informiert? Den Jugendschutz? Über irgendwas? Nein? Dann urteilen sie lieber nicht werte Anna. Und was sie da sagen ist ohnehin das Geschwätz der Ahnungslosen.

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