VDVC sammelt Unterschriften gegen Indizierung

Pünktlich zur gamescom 2010 ruft der Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler alle Gamer auf, ihre Stimmen für eine Abschaffung der Indizierung von Medien zu vereinen. Die Indizierung wird als Relikt aus den Urzeiten des Jugendmedienschutzes gesehen und gilt unter Gamern als überholt: Spätestens seit die USK-Freigaben einen bindenden Character besitzen, sind nicht für Minderjährige geeignete Titel ohnehin nicht mehr legal für diese erhältlich.

Die Petition kann auf der Webseite ich-bin-gamer.net mitgezeichnet werden. Zu den Erstunterzeichnern gehören die den Piraten nahe stehende Computerspielerorganisation Pirate Gaming sowie die Jungen Piraten. Beide waren durch ihr Engagement im Projekt „Ich bin Gamer!“ schon frühzeitig vom durch den VDVC eingereichten Petitionstext informiert und möchten den Vorstoß auf jeden Fall unterstützen.

Indizierung bedeutet, dass als jugendgefährdend angesehene Spiele komplett von der Bildfläche verschwinden. In der sogenannten „Liste A“ aufgeführte Medien dürfen nur „unter der Ladentheke“ verkauft werden, verschwinden somit aus den Regalen der Händler und meist komplett aus dem Angebot. Somit wird es für volljährige Bürger unverhältnismäßig schwierig, legal an besagte Inhalte zu gelangen. Sogar noch darüber hinaus geht die Indizierung über die „Liste B“. Titel, die in dieser Liste geführt werden, fallen nach Einschätzung der BPjM unter das deutsche Gewaltdarstellungsverbot. Medien können per Gerichtsbeschluss beschlagnahmt werden, wenn sie von diesem Verbot betroffen sind. Dadurch wird jegliche Weitergabe auch an erwachsene Menschen, Einfuhr und Vertrieb unter Strafe gestellt und sogar das Spielen verboten, sollten sich andere Personen im gleichen Raum aufhalten („Vorführung“). Da nur Medien indiziert werden können, die ohnehin nicht für Minderjährige freigegeben sind, und auch die Indizierung einer Verbreitung auf Schulhöfen und im Internet nicht entgegensteht, ist der Nutzen für den Jugendschutz höchst umstritten.

„Die Indizierung wiegt Eltern in falscher Sicherheit. Weil an Erwachsene gerichtete Inhalte an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden, legen viele Menschen ihre Hände in den Schoß. Dabei kann heutzutage durch einfache technische Mittel die Einhaltung der Altersfreigaben sichergestellt und kontrolliert werden“, erklärt Patrik Schönfeldt, Vorstandsvorsitzender des VDVC.

Mit der Begründung, dass bei einer gerichtlichen Entscheidung für eine Beschlagnahme auch die Verbreitung vor Urteilsverkündung illegal sei, hat erst kürzlich der Publisher Activision Kunden, die bereits gezahlt hatten, die Installation von „Call of Duty: Modern Warfare 2“ in der internationalen Version unmöglich gemacht: Weil sich das Spiel auf der „Liste B“ befindet, scheint es für den Publisher sogar nötig, die Aktivierung von Importspielen zu untersagen.

Die Befürchtung das eigene Spiel könne möglicherweise indiziert werden, hat mittlerweile zu grotesken Auswüchsen geführt. So passen Entwickler die deutschschprachigen Versionen ihrer Programme zum Teil stark an, um auf dem deutschen Markt vertreten sein zu können. Dass sich viele Gamer bei einer zum Beispiel durch grünes Blut beschädigten Atmosphäre nicht ernst genommen fühlen, bedarf wohl keiner weiteren Erklärung. Durch den Druck der Indizierung können viele Geschichten in Deutschland nicht erzählt werden.

„Die Maßnahme der Indizierung, deren Bestehen für das Funktionieren des Jugendschutzes in keinster Weise notwendig ist, bedeutet eine nicht hinnehmbare Gängelung und Bevormundung mündiger Erwachsener“, unterstreicht David Hinrichs, Pressesprecher des VDVC, die Position der Gamer.

Interessierte Messebesucher, Computerspieler und natürlich Eltern lädt der VDVC herzlich ein, auf der gamescom über Themen wie Jugendschutz und Videospiele zu diskutieren. Der Verbraucherverband ist zu Gast bei der Electronic Sports League in der ESL Intel Alienware Gaming Arena in Halle 9.

14 Gedanken zu “VDVC sammelt Unterschriften gegen Indizierung

  1. …„Call of Duty: Modern Warfare 2“ in der internationalen Version unmöglich gemacht: Weil sich das Spiel auf der „Liste B“ befindet…
    Also ist die internationale Version „beschlagnahmt“!
    Somit also würde Activision etwas machen, was so oder so unnütz ist, da die int.Version hier ja nicht mehr gekauft/verkauft werden darf.

  2. Nicht so ganz. In der „Liste B“ werden Trägermedien geführt, die die Bundesprüfstelle für jugendgefährdend hält und die möglicherweise ebenfalls einen strafrechtlich relevanten Inhalt im Sinne des §131 StGb (Gewaltdarstellung) haben. Die Entscheidung fällt ein Gericht. Sieht es die Relevanz nicht gegeben wird das Spiel zurück in Liste A versetzt, im Falle einer Relevanz landet das Spiel zusätzlich auf der nicht-öffentlichen Liste der beschlagnahmten Trägermedien.

    Activision nimmt den legalen Käufern derzeit also ohne Not die Möglichkeit, ein bereits gekauftes Spiel in der ungeschnittenen Version zu spielen.

    Mehr zur Indizierungspraxis ist hier nachzulesen:

    http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/Jugendmedienschutz/Indizierungsverfahren/verfahrensarten,did=32964.html

  3. Eigenartig, dass ich über diese Petition nichts auf den Websites von Gamemagazinen finde (Foren ausgeschlossen).
    Also keine Berichtserstattung meine ich.

  4. Eine Berichterstattung hat dieser lächerlich Aufruf auch nicht verdient…

    „Zitat: von Chip.de

    Indizierung ≠ Zensur
    Anders als von vielen Spielern immer wieder angeprangert, ist die BPjM keine Zensur-Behörde. Als die BPjM 1954 gegründet wurde, waren die Erinnerungen an die Medien-Zensur im Dritten Reich noch sehr frisch. Dementsprechend wurde in Übereinstimmung mit Artikel 5 des Grundgesetzes („Eine Zensur findet nicht statt.“) eine Regelung getroffen, die den Jugendschutz ohne Einschränkung der medialen Freiheit gewährleisten soll.

    Im Gegensatz zur Zensur wurde die Indizierung eingeführt. Während erstere vor Veröffentlichung stattfindet, kann ein Indizierungs-Verfahren immer erst nach Veröffentlichung des Mediums begonnen werden. Zudem bedeutet eine Indizierung kein Verbot. Indizierte Computerspiele beispielsweise sind „unter der Ladentheke“ auch weiterhin für Personen über 18 Jahren erhältlich. Sie dürfen allerdings nicht mehr beworben werden und nur eingeschränkt über den Versandhandel vertrieben werden.“

    Die Indizierung ist quasi eine ab 18 Freigabe mit Werbeverbot….
    Hat also nix mit Zensur zu tun. Die Spielehersteller zensieren sich selber aus Angst vor einem Werbeverbot bzw wollen halt oft noch ein ab 12 oder ab 16 erreichen.

    Und im Gegensatz zu dem was früher indiziert wurde (z.B. Western-Comics, die Ärzte) und heut nicht (Sido, die große anzahl Gewaltpornos) kann man sich als liberale Person kaum beschweren.

    Ich persönlich finde sogar in manchen Bereichen wird zu wenig indiziert…
    z.B. Musik & Bücher, da es hier keine Alterfreigaben gibt und es einfach Texte gibt die für unter 18 bzw unter 16jährige einfach ungeeignet sind.

    Außerdem sind Computerspiele noch ein junges Medium das wie jedes junge Medium übereiffrig überwacht wird….. wenn man überlegt wie es dem Comic als junges Medium gegangen ist… dann kommen die Computerspiele noch gut weg….

    Und das verbotenes Material aufgrund der vernetzung der Welt nur ein Klick weiter liegt hat im Grunde genommen nichts mit der Praxis der Indizierung zu tun und ist auch kein Argument gegen sie (hey Alkohol bekommst du doch an jedem Kiosk auch mit 14, bzw die jugendlichen trinken so oder so Schnaps…. also können wir ja auch das Jugendschutzgesetz abschaffen).

    Außerdem welche Indizierung passt euch denn nicht das ihr dagegen eine Petition startet?

    Mir fällt kein Spiel aus den letzten Jahre ein das zu unrecht indiziert worden wäre…..

    Und euer Wiki mit den Nebeneffekten zeigt nur vorrauseilenden Gehorsam von Firmen bzw das fehlen einer standartisierten Alterverifikationssystem im Netz.

  5. @Paul,
    indizierung ist Zensur!
    Man merkt, dass du davon nicht wirklich viel Ahnung hast.
    „Hat also nix mit Zensur zu tun. Die Spielehersteller zensieren sich selber aus Angst vor einem Werbeverbot bzw wollen halt oft noch ein ab 12 oder ab 16 erreichen.“
    Und das tun sie, damit sie ÜBERHAUPT hier in D ein Spiel noch verkaufen können!
    Das machen sie nicht aus eigener Hand freiwillig, sondern aus Angst, dass sie gar keine Freigaben erhalten und somit kaum einer hier ihre Spiele kauft.
    Wie willst du z.B. ein Spiel kaufen, von dem du nichts weiss bzw. das du nirgendswo kaufen kannst?
    Die BPjM ist eine Steinzeitbehörde die abgeschafft gehört.
    Wir haben verbindliche Altersfreigaben für deren Verstoß es extrem hohe Geldbußen (bis über 50.000€) und sogar Gefängnis geben kann.
    Kennst du den Film Ingloreos Basterds von Tarantino?
    Der Film ist ab 16, würdest du aber genau diesen Film als Spiel produzieren, kann es gut sein, dass dieses Steinzeitmonster BPjM es „beschlagnahmen“ lässt (also totales Verbot für alle, auch Erwachsene).
    Und genau deswegen sind wir gegen diese Praxis.
    Es hat nichts mehr mit Jugendschutz zu tun, sondern (meine persönliche Meinung) ist eine Gängelung des Mediums Videospiele.
    Und wer nach noch mehr „Zensur“ schreit, den hat es wohl selbst noch nicht persönlich getroffen.
    Daher ist es immer leicht nach „noch mehr“ zu schreien bis es einen selbst trifft.
    Wie die Leute wohl reagieren würden, wenn die Regierung entscheiden würde Fussball zu verbieten, weil dort überall für Alkohol Werbung gemacht wird und sich dort erwachsene Männer auf den Zuschauertribünen prügeln?
    Dann ist das Geheule groß und keiner will was von „Jugendschutzmaßnahmen“ hören.

  6. Natürlich ist die Indizierungspraxis in Deutschland keine klassische Zensur, doch muss man diese Vorzensur von der Nachzensur unterscheiden:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Nachzensur

    Die Nebeneffekte stellen – wie der Name schon sagt – keine zwingenden Folgen der Indizierung dar. Auf diese wird im Artikel über unsere Position zum Thema Indizierung eingegangen. Die Indizierung bewirkt zum Beispiel, dass Menschen, die sich nicht mit jugendgefährdenden Inhalten auseinandersetzen, von deren Existenz quasi gar nicht erfahren. Diese Tatsache kann Eltern illusionieren.

  7. Es liegt aber auch keine Vorzensur vor, den in Deutschland muss kein Medium der BPJM vorgelegt werden.
    Das passiert nur auf Antrag oder wenn man es selbst vorlegt.
    Es muss nur der USK vorgelegt werden, die nicht zensiert und auch keine änderungsvorschläge macht.
    In dem Moment wo es ein ab 18 Siegel hat kann es auch nicht mehr indiziert werden.

    Wie gesagt die Zensur findet bei den Herstellern statt, was natürlich sehr ärgerlich ist, sich aber schon am ändern ist, siehe Dead Space….
    Wo der Publisher so mutig war eine, völlig berechtigte, Ab 18 freigabe durchzuboxen…

    Außerdem stört mich die einseitige betrachtung des Themas… man muss sich nur überlegen was eine Flut von rechtsradikalen & pornografischen Material auf einmal frei verfügbar wäre wenn die Praxis der Indizierung aufgegeben werden würde…

    Und ich gehe mal davon aus das sie das nicht wollen, oder?

    Daher ist eine abschaffung der Indizierung auch völliger Hunbug und wir nicht passieren egal wieviele unüberlegte Petitionen gestartet werden…
    …oder haben sie vieleicht eine Idee für eine Alternative….

    Ich persönlich finde auch das ab 18 Spiele „Uncut“ seien sollen da ich als Erwachsener selbst in der Lage bin zu Entscheiden was ich sehen oder spielen will und was nicht. Und das ist der Punkt wo Industrie & Gamer-Verbände wie sie sich stark machen müssen.

  8. @Paul: Wie wäre es denn, wenn man die Indizierungsmöglichkeit nur für Medien (zB Videospiele, Filme) abschaffen würde, für die ein „verbindliches“ Freigabesystem besteht?

  9. Das wäre eine sinvolle Pedition die ich auch unterstützen würde…^^

    Aber leider ist das anliegen der Pedition die komplette Abschaffung der Indizierung, was ich persönlich nicht unterstützen will…

    Aber das wär doch mal ein Thema für das man sich als Verein einsetzen kann…. wenn es zuende überlegt und ausformuliert ist….

  10. Wobei natürlich noch der strafrechtlich relevante Teil…. die Beschlagnahmung….aussen vor bleiben würde…. und ein Anti-Türken Test oder Manhunt trotzdem keine Chance in Deutschland hätten….

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