Zocken im Bundestag

(heise) Laut heise wollen „Drei junge Medienpolitiker der schwarz-gelben Koalition“ nach „positiven Erfahrungen mit einem vergleichbaren Schnuppertag im Bayerischen Landtag“ den Abgeordneten Videospiele näher bringen. Bei diesen handelt es sich um Jimmy Schulz, Manuel Höferlin und Dorothee Bär. Während Google zu den zwei Liberalen bei einer oberflächlichen Suche tatsächlich nichts unerfreuliches zu Tage fördert, braucht man bei der Unionspolitikerin die Suchmaschine gar nicht erst zu bemühen.

Auch wenn sie im allgemeinen Videospielen gegenüber aufgeschlossen sein mag und als „spielebegeistert“ dargestellt wird, ist sie bei gewaltdarstellenden Videospielen doch recht reserviert. So warnte sie nach Winnenden nur davor die „ganze Branche“ zu verunglimpfen, da schließlich nur fünf Prozent – wohl die Ego-Shooter – „schwarze Schafe“ seien. Verbote lehnt sie auch nicht ab:

Um eben den freien, mündigen Bürger zu achten, bin ich gegen ein Pauschalverbot von gewalthaltigen Computerspielen. Allerdings hört die Freiheit des Einzelnen für mich da auf, wo Darstellungen gegen die Menschenwürde verstoßen.“

Anfangs unterstützte sie sogar offen eine Verbotsausweitung, „weil Killerspiele kein Spielzeug wie ein Puzzle oder ein Kartenspiel sind„, um hier später zurückzurudern. Welchen Wert sie Videospielen tatsächlich beimisst kann man an ihrem Engagement beim „Deutschen Computerspielpreis“ ablesen. Die GameStar schrieb damals:

„Dabei werteten die Veranstalter des Deutschen Computerspielpreises es schon als Erfolg, dass die Fachjury mit Dragon Age und Uncharted 2 dieses Mal überhaupt gewalthaltige Spiele nominiert hatte – das sei ein klares Zeichen für eine Stimmungsänderung in der Politik. Insider können darüber nur lachen. Die CSU-Politikerin Dorothee Bär erschien beispielsweise weder zur Hauptjurysitzung noch zu den beiden angesetzten Beratungsterminen der Fachjury für das beste internationale Spiel. Stattdessen ließ sie ihr Urteil über Uncharted 2 und Dragon Age per E-Mail nachreichen: „In keinem Fall zur Auszeichnung geeignet!“ Eine Begründung fehlte.“

Des Weiteren sind die von heise erwähnten positiven Erfahrungen mit dem Bayrischen Landtag näher betrachtet recht durchwachsen: Die taz berichtete in einem Artikel („Dabei konnte die CSU einen Abend so tun, als habe sie kein Problem mit dieser Jugendkultur.“), dass namhafte Politiker – wie auch Joachim Herrmann – an der Veranstaltung gar nicht erst teilnahmen. Insgesamt waren nach gamezone auch nur 30 der 187 Abgeordneten anwesend, die sich „allerdings noch weniger wirklich mit den verschiedenen Spielen beschäftigt und auseinander gesetzt“ haben. Zu den Positivbeispielen gehörte noch eine Abgeordnete der Grünen, die sich an der Wii für Sportspiele begeistern konnte.

Es bleibt abzuwarten, ob die Veranstaltung von den Bundespolitikern positiver aufgenommen wird.

Zum Artikel

24 Gedanken zu “Zocken im Bundestag

  1. im kommentar von malte spitz, der im artikel dazu verlinkt ist, wird eigentlich alles gesagt, was es dazu zu sagen gibt. nur eine bemerkung find ich komisch. er erwähnt, dass „der Aufbau einer Stiftung zur Stärkung der Wahrnehmung von Computerspielen“ von nöten wäre. ist damit nicht so was gemeint wie der VDVC, oder was meint er damit?

  2. 99% der Eingeladenen Abgeordneten werden nicht erscheinen, der Rest wird 5 Minuten Spielen um anschliesend 2 Stunden mit der Presse über ihre aufschlußreichen und intensiven Spielerfahrungen zu sprechen und sie werden dabei wohl auch erzählen wie stark negativ sie beeinflußt worden sind beim spielen oder beim zugucken und wieder einmal mehr nach Verboten brüllen.

  3. Schade, dass man das ganze nicht etwas attraktiver gestaltet, indem z.B. das ganze als eine Art Turnier organisiert und die verschiedenen Parteien gegeneinander antreten lässt.
    Wenn dann noch die Medien das ganz live übertragen, dann werden einige Politiker sich diese Chance auf einen guten Eindruck bei den jungen Wählern nicht entgehen lassen und im besten Fall während des Spielens Vorurteile abbauen.

  4. @ Yoshi

    Dass kannste vergessen, bei sowas würden erst recht keine Politiker mitmachen. Da könnte man ja Spaß haben, wenn die CDU der SPD bei CS eins reinwürgt. Oder die Grünen bei Fifa die FDP schlagen.

  5. Das ist ja Ziel, dass sie Spaß dran haben und es dann nicht mehr ganz so verwerflich finden.
    Man könnte aber auch Spiele zeigen, die wenig Einarbeitunsgzeit benötigen, wie z.B. Kinect Sports, Kinectimals, Tekken oder Super Mario, damit auch Leute die noch nicht mal ihre E-Mails selber ausdrucken Spaß an der Veranstaltung haben.
    Aber das ist natürlich Wunschdenken.

  6. Das ist leider auch Wunschdenken, wer die letzten 30 Jahre in den Medien und vor allen der Politik beim Thema verfolgt hat weiß das es schon schwer genug wird da jemanden hinzulocken, noch schwerer wird es die Faszination des Spielens rüberzubringen oder die Leute dort zum selber spielen zu animieren und noch schwerer wird es sie davon zu überzeugen das Spiele nichts böses sind selbst wenn sie Gewaltdarstellungen beinhalten.

  7. Moment!
    Über welche Frau Bär reden wir nun eigentlich?
    Reden wir über eine Angelika oder Dorothe Bär?

    Ich schätze es werden nicht all zu viele Abgeordnete kommen, aus folgenden Gründen:
    1.Leute wie Herrmann werden die meisten dazu auffordern, natürlich intern und im geheimen, dort nicht zu erscheinen, da es nicht dem Parteiinteresse dienlich sei.
    2.werde einige sich dort nicht blicken lassen, damit sie im falle eines falles nach einem erneuten Amoklauf nicht ins Visier der eigenen Partei und den Medien geraten, sollte wieder die Hexenjagd angefeuert werden.
    3.und die die hingehen, werden mit großer wahrscheinlichkeit mit einem enormen vorurteilsverseuchten denken hingehen, sich das eine oder andere spiel 1 – 2 min angucken und dann die standardphrasen von sich geben.

    der pressesprecher der csu hatte schon einmal ein solches event angekündigt und ausgeführt und es kam von den eingeladenen leuten auch kaum jemand.
    vorallem nicht die jenigen die am wenigsten ahnung davon haben aber in den medien am lautesten brüllten.

  8. Wundert es das Joachim Herrmann nicht an der Veranstaltung im Bayrischen Landtag teilgenommen hat ?
    Wer regelmäßig in Pressemitteilungen Erwachsene Spieler in die Nähe von Pädophilen rückt, aber zu den Misbrauchsskandalen der Katholischen Kirche in Bayer schweigt,

    wer nichts dabei findet mit seinen Namen und seiner Funktion als Bayrischer Innenminister die Verschwörungstheorie der Ökosozialisten des Kölner Aufrufs zu adeln und damit seine Meinung zum Ausdruck bringt bei dem Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan und auf den Balkan handelt es sich um völkerrechts- und grundgesetzwidrige Krieg und somit unseren Soldaten in den Rücken fällt,

    so ein Mensch sollte auch für Konservative nicht mehr wählbar sein.
    Wer weis, in welchen politischen Bereichen die CSU-Fraktion die Joachim Herrmann repräsentiert – abseits des antiamerikanischen Kampfes gegen Killerspiele, Negermusik und Schundhefte – eine Zusammenarbeit zwischen CSU und den linksradikalen Gruppen die den Kölner Aufruf verfasst haben denkbar ist.

  9. „Allerdings hört die Freiheit des Einzelnen für mich da auf, wo Darstellungen gegen die Menschenwürde verstoßen.”

    Ich habe noch nie verstanden wie fiktionale Darstellung irgendeiner Art gegen die Menschenwürde verstoßen können. Das ist zwar idealistisch gesehen ein schönes Ideal, aber praktisch oft inhaltslos und nichtssagend. Was nirgendwo sonst so klar wird, wie in diesem Fall. Für mich ist das nichts als eine Pervertierung dieses Rechtsgutes, um andere Werte – die eigentlich für eine freiheitliche Gesellschaft sowieso zig mal wichtiger sein sollten – auszuhebeln. Und auch wenn es ansonsten nicht viel vom Grundgesetz halte, da es im Bereich der Freiheitsrechte zu viele eklatante Schwächen hat, bezweifle ich doch irgendwie, dass das damals die Absicht war.

  10. Es ist genau das, was du beschreibst – deutsche Floskelspeierei, um sich zu einem Thema zu äußern, ohne wirklich etwas zu sagen. Hauptsache so tun, als würde man sich in irgendeiner Form drum kümmern, auch wenn man keine Ahnung davon hat und es gar nicht tut.

  11. Darstellungen welche die Menschenwürde verletzen gibt es.
    Allerdings ist IMHO nicht die Darstellung entwürdigend, sondern die Veröffentlichung dieser Darstellung.
    Beispiele:
    Polizeiaufnahmen die ein schwerverletztes Opfer eines Unfalls oder eines Gewaltverbrechens zeigen.
    Die öffentliche Darstellung dieser Fotographie entwürdigt das Opfer, eine Veröffentlichung sollte nur mit der Erlaubnis des Opfers statt finden.

    Anderes Beispiel: Ein privat Aufgenommenes Video das zwei Menschen beim Sex zeigt.
    Auch hier ist die Veröffentlichung eine Entwürdigung der abgebildeten Menschen, solange sie einer Veröffentlichung nicht zustimmen.

    In allen Fallen geht es aber um Reale Personen.
    Fiktive Personen sind nicht in der Lage gegen eine Darstellung Einwände vorzubringen…
    Und Menschen die der Meinung sind stellvertretend für die Würde von fiktiven Personen tätig zu werden sind mir suspekt.
    Angenommen jemand würde fordern die Todesszene von Winnetou aus dem Film zu zensieren weil die Darstellung sterbender gegen die Menschenwürde verstößt… würde das von den meisten Menschen nicht als Spinnerei gewertet werden ?

  12. Jau andersorts werden turniere und LAN’s abgesagt mit einer stimmung als ob gamer vom wütendend mob mit fackeln und heugabeln gleich ausm kaff gejagdt werden aber hauptsache LAN party im bundestag damit der jungen wählerschaft gezeigt werden kann wie sehr man sie doch versteht…

    Können wir bitte noch ein bischen mehr heucheln? Mein würgereflext ist noch nicht stark genug…

    Wobei die vorstellung doch recht witzig wäre so ein partei turnier in CS zu machen wenn dann die CSU sich übelst freut gerade die SPD „kalt gemacht“ zu haben. Das ist doch etwas das ihnen zeigen könnte das es nicht nur um gewalt geht wodurch sie die faszination vielleicht ein bischen verstehen. Allerdings ist es wohl doch mehr als unwahrscheinlich das sowas passieren könnte…

  13. Vergesst das bei Politikern Verständnis zu erwarten. Wenn du einen Neandertaler vor einen Laptop setzt dann prügelt er mit der Keule drauf. Er kann nicht anders denn der Neandertaler entschuldigt seine Primitivität vermutlich auch mit Konservatismus.

  14. Gute Frage. Man sollte sich auch fragen wann da zuletzt wegen realer Gewalt etwas als gegen die Menschenwürde verstoßende Darstellungen vorgebracht wurde: ich wüsste kein Beispiel. Es ging immer um Fiktionales, fiktive Geschichten
    Wann wurde das Gewaltdarstellungsverbot überhaupt mal gegen reale Gewalt angewendet?
    Vielleicht bei so was wie der Tiergewalt in einem Cannibal Holocaust noch, ja gut…

    Und vielleicht höchstens bei den vielfältigen Hinrichtungs- und Foltervideos, Bilder, aus Asien – diese wurden im Westen jedoch so gut wie überall nicht gezeigt. Dafür musste man auch im Internet schon das sichtbare Netz wohl verlassen und sich irgendwo hin, in einen islamistischen Untergrund, oder entsprechende Netzwerke in den betreffenden Ländern, zum Beispiel begeben. Oder diese Ekelseiten welche es gibt, ich würde da freiwillig naturgemäß niemals hingehen, wo reale Gewalt und Exkremente ausgestellt werden, aber diese sind ja auch ein Derivat von Leben: sehe da überall eine tiefgehende Furcht vor solchem unliebsamen, anderem Sein. Fremdem Ausdruck. Und da muss man eben auch nicht hingehen: möchte mit Koprophilie auch nichts zu tun haben, aber wer bin ich dass ich darüber bestimme was anderen Menschen so zu gefallen hat?
    Denke da zum Beispiel auch an den kotierenden Polizisten in einem hier in Österreich dereinst verbotenen deutschen Film, Herbert Achternbuschs „Das Gespenst“
    Grundlage menschlichen Zusammenlebens sollte immer Konsens bilden: ich habe noch ein tiefes Verständnis für eine Gesetzgebung gegen einvernehmlichen Kannibalismus, aber bei Selbstverstümmelungen wird es schon wieder schwierig aus meiner Sicht. Das war ja auch ein Sujet im Wiener Aktionismus beispielsweise

    Ich denke das zeigt auch, dass es eine internationale Ethik im Journalismus gibt solche Nachrichtengewalt eben auch nicht zu bringen – weil diese eben keine Symbolik (mehr) ist sondern rales Leid darstellt
    Warum aber der (Schund-)Kampf gegen bloße Symbole. Welcher (bürgerliche) Verdrängungsmechanismus tritt da auf…

  15. “Um eben den freien, mündigen Bürger zu achten, bin ich gegen ein Pauschalverbot von gewalthaltigen Computerspielen. Allerdings hört die Freiheit des Einzelnen für mich da auf, wo Darstellungen gegen die Menschenwürde verstoßen.”

    Wahahaha, fail… mal wieder. Über Spiele reden Leute von solchen Vereinen von Menschenwürde, die es selber mit Menschenwürde in direkter Form (echte Menschen) nicht so genau nehmen. Abschaumkaste.

  16. oh man, offenbar hat ZDF wieder den Vogel abgeschossen
    Quelle:Gamestar
    Link: http://www.gamestar.de/news/messe/gamescom-2010/2317317/heute_beitrag.html
    aber was will man auch von einem sender halten, der einen stasiähnlichen verein der sich GEZ nennt geschaffen hat, der nicht nur tote Katzen und alte Schildkröten zur Zahlung auffordert, sondern bei echten Menschen sogar noch Überweisungen mit schickt, die alles vom kunden beinhaltet.
    kontonummer,blz, name und sitz der bank des kunden sind schon voreingetragen.
    der kunde muss nur noch eine summe eintragen, eine von dreien, die diese stasi vorgibt um die zahlung zu starten.

  17. *lol* Das war auch selber ein fail bei mir, denn diese Nachricht ist schon älter. *gg*

    Booomboy: Danke. Tja, wenn das richtige Berichterstattung sein soll…-.-

  18. lasst sie CS spielen, Verbotsbefürworter als Terroristen und Verbotsgegner als Antiterroreinheit :D

    schwerz bei seite, finds ne gute sache, allerdings darf man nie vergessen, wenn tatsächlich „Shooter“ gezeigt werden, dann kann das von Verbotsbefürworter und „Spielekillern“ durchaus auch genutzt werden um zum Beispiel auf die gewalthaltigen Inhalte zu verweisen. (sie sehen sie dann ja endlich mal „Live“)
    Ansonsten bin ich der Meinung, abwarten was passiert.

  19. auch in der heutigen ausgabe des schleswig-holsteinischen couriers ist diese aktion mit einem artikel gewürdigt worden.
    der artikel ist gut und neutral, nur die überschrift ist totaler bockmist „Ballern im Bundestag“.
    Und das, wo doch nur ein einziger Shooter gezeigt werden soll.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.