Alexander Humbert (JU) über Gamespolitik

Wenn man sich dem Stand der Jungen Union auf der gamescom näherte, konnte  man schon von Weitem den Slogan „Verantwortung statt Verbote“ erkennen. Wir haben uns mit Alexander Humbert, dem Bundesgeschäftsführer der Jungen Union Deutschlands, unterhalten und interessante Einblicke in dieses und andere Themen gewinnen können.

Wie möchte die Junge Union das Verantwortungsbewusstsein stärken? Sind hierfür schon Maßnahmen geplant und soll auch der rechtliche Rahmen angepasst werden?
Bundesgeschäftsführer der JUUns ist die Stärkung der Medienkompetenz junger Menschen sehr wichtig. Wir möchten so auch das Problem umgehen, dass sich die Diskussionen immer um Verbote drehen. Wir meinen, dass die Verantwortung vor allem bei den Eltern liegt, aber auch bei den Jugendlichen selbst. Diese Verantwortung lässt sich stärken, indem zum Beispiel in der Schule ein Fach Medienerziehung eigenführt wird, bzw. die Jugendlichen und auch ihre Eltern besser für die neuen Möglichkeiten der Medien sensibilisiert. Das gilt nicht nur für Computerspiele, sondern auch für das Internet.

Wie weit darf der Jugendschutz überhaupt Erwachsene einschränken oder sollten Erwachsene möglichst unbeeinflusst bleiben von Maßnahmen, die sich eigentlich nur zum Schutz der Jugend auswirken sollen?
Aus unserer Sicht gilt das gleiche wie etwa beim Kino. Der Jugendschutz in Deutschland funktioniert. Statt Verboten brauchen wir eine konsequente Anwendung der bestehenden Gesetze. Es gibt viele jugendgefährdende Dinge, die kontrolliert werden: An der Kasse muss schlichtweg besser geprüft werden. Bei Alkohol und bei Zigaretten wird das Alter der Käufer auch abgefragt. Und Eltern sollten sich stärker dafür interessieren, was Ihre Kinder gerade spielen.

Sie wollen also auch die Händler stärker in die Verantwortung nehmen, die ja durch das Gesetz schon gebunden sind?
Aus Sicht der Jungen Union Deutschlands sind die bestehenden Gesetze zum Jugendschutz ausreichend.

Was hält die Junge Union von den Jugendschutzfunktionen, die mittlerweile alle Videospielplattformen bieten?
Wir halten alles für sinnvoll, was den Jugendschutz wirksam verbessern kann, ohne ihn zu übersteigern. Wir sind uns auch darüber im Klaren, dass es bei jeder Sperre Umgehungsmöglichkeiten gibt. Das gilt genauso für PayTv und Kinofilme, wo es auch nicht auszuschließen ist, dass Minderjährige an Erwachseneninhalte kommen. Wenn wir den Jugendschutz konsequent anwenden, dann braucht es auch keine Verbotsdebatten.

Die Altersüberprüfung unter Windows verknüpft das Benutzerkonto mit einem Alter. So kann erlaubt oder verwehrt werden, ein Spiel zu starten. Auf ähnliche Weise gibt es vermehrt persönliche Benutzerkonten für bestimmte Spiele, meist muss sich der Spieler hierfür online anmelden. Wie beurteilt die Junge Union diese Entwicklung mit Hinblick auf den Datenschutz.
Der Datenschutz wird in Deutschland sehr ernst genommen. Wie man an der Debatte um Google Street View sehen kann, reagiert die Gesellschaft sehr sensibel auf diese schwierige Frage – leider oft auf der Basis von Unwissenheit. Bei der Verknüpfung der Benutzerkonten mit persönlichen Angaben ist der Datenschutz in jedem Fall gefordert. Ähnlich wie beim Online-Banking ist dies ein sensibler Bereich.

Durch die Kontenbindung wird ein Weiterverkauf von gebrauchten Spielen unmöglich gemacht, außerdem fordern immer mehr Publisher den Spielern eine permanente Onlineverbindung ab. Wie weit darf der Kopierschutz gehen und wann muss die Politik im Sinne der Verbraucher eingreifen?

Wir haben, wie in unseren Publikationen und auch im Internet zu lesen ist, andere medienpolitische Positionen als einige Politiker in unseren Mutterparteien CDU und CSU. Aber das Urheberrecht ist ein ganz wesentlicher Schutz der Kreativwirtschaft in Deutschland. Die gamescom würde es ohne den Urheberrechtsschutz, der eng mit dem Kopierschutz zusammenhängt, wahrscheinlich nicht geben. Die Kreativen müssen mit ihren Ideen auch Geld verdienen können. Den Urheberrechtsschutz halten wir deshalb für unverzichtbar.
Wir leben in einer Marktwirtschaft und keiner wird gezwungen, solche Spiele zu kaufen und zu spielen. Letztendlich werden die Hersteller merken, ob sie durch den Kopierschutz und den Onlinezwang weniger Spiele verkaufen. Der Markt wird darauf reagieren.

Eine erforderliche Onlineanbindung stellt vor allem ehrenamtlich arbeitende Organisatoren von Netzwerkveranstaltungen vor schier unlösbare Aufgaben. Teilweise müssen hunderte Gamer mit Internet versorgt werden. Einige Spiele sind daher für den eSport nur noch eingeschränkt geeignet. Welche Ansätze bietet die Junge Union, um ehrenamtliches Engagement im eSport zu fördern.
Viele JU-Mitglieder sind Computerspielfans und gehen gerne auf LAN-Partys. Und natürlich ist es ein großes Problem, dass vielerorts die Kapazitäten nicht ausreichen. Zur Lösung des Problems kann ich mir neben dem flächendeckenden Ausbau der Netze gut vorstellen, dass es in ein paar Jahren noch mehr eingetragene eSport-Vereine gibt, die sich organisieren und durch Mitgliedsbeiträge finanzieren.

14 Gedanken zu “Alexander Humbert (JU) über Gamespolitik

  1. Das Engagement im Umfeld der gamescom in allen Ehren, aber manche Antworten erscheinen mir doch arg platt. Die letzten beiden Antworten schiffen sich beispielsweise elegant an der Fragestellung vorbei, ohne sie wirklich zu beantworten. Wie soll Ausbau der Netze bzw. zusätzliches Vereins-Engagement bitte schön gegen technische Restriktionen seitens der Publisher helfen? Das ergibt keinerlei Sinn.

    Beim Thema Datenschutz einfach zu sagen, dies sei ein sensibler Bereich, hat etwa den gleichen Stellenwert wie die Aussage “bei schönem Wetter ist der Himmel blau”.
    Ich vermisse da das Bewusstsein der Problematik in Bezug auf Konsumentenüberwachung über Online-Bindung. Steam ist da noch die offensichtlichste Softwareplattform; Gesellen wie EA machen das vielmehr ohne Opt-In und meistens ohne Wissen der Konsumenten.

    Liebe JU – wenn ihr euch wirklich von dem medienpolitischen Unfug eurer Mutterpartei abheben wollt, dann glänzt bitte mit dem Faktor, der dafür notwendig ist: Medienkompetenz. Bei derartigen Wischi-Waschi-Antworten kann ich die leider nicht herauslesen…

  2. “Weiterverkauf von gebrauchten Spielen”
    ungleich
    “Urheberrechtsschutz, der eng mit dem Kopierschutz zusammenhängt”

    @Patrik: Ich muss SebK zustimmen, dass die JU hier “Wischi-Waschi-Antworten” von sich gibt. Leider sieht es so aus als wäre das Interview verschwendete Zeit gewesen. Anderer seits wissen wir jetzt sicher, dass wir von der Union egal ob als oder jung keine Hilfe in sachen OnlineGameÜberwachung gibt, da sie sowas anscheinend nicht angreifen wollen. Tya die Lobby ist schon bei den Jungen durch und durch gedrungen dass wird sich auch nicht ändern.

    Ich würde mich auf Interviews der anderen “Jungen” Parteien freuen mal sehen wen man wählen kann und bei wem man nur verarscht wird sobald sie an der Macht sind.

    Happy Coding.

  3. hieß der typ nicht in wirklichkeit angela merkel und hatte nur die haare schön?
    also so wie die antworten sind, klingen die total nach angela merkel.
    viel bla bla bla ohne inhalt und konkrete ziele.
    zudem fehlt mir die frage, ob es noch jugendschutzdienlich ist, titel für erwachsene ins hinterstübchen (indizierung&beschlagnahmung) zu drängen?
    aber auch, ob es nicht möglich wäre, spiele ohne zensuren auf den deutschen markt zu bringen, indem man ein besseres alterverivizierungssystem entwickelt?

  4. Ich muss den anderen Komentaren zustimmen. Das ganze Interiew ist ein bisschen nichtsagend. blablabla.
    Politik gerede anstatt auf das eigentliche Thema einzugehen.
    gerade beim Jugendschutz mit Benutzerkonten. wer kontrolliert denn die angegeben Daten? wer hat da zugang?
    und : “Aus Sicht der Jungen Union Deutschlands sind die bestehenden Gesetze zum Jugendschutz ausreichend.”
    das ist ein sehr “netter” Satz. aber halt nur Werbung für die Junge Union… keine Ahnung ..

  5. Leider nur ganz wenige konkrete Antworten und dafür zuviel Allgemeines. Schade eine vergeben Chance für die JU. Typisch Politik, viel Gerede und nichts handfestes!

  6. Wir haben immer nach Positionen der JU gefragt, da ist relativ klar, dass nur dort konkrete Antworten kommen können, wo schon Konzepte ausgearbeitet wurden. Der Vorschlag, Medienerziehung in der Schule als Fach einzuführen, ist ja um Beispiel sehr konkret.

    Die Probleme in Bezug auf den Datenschutz beispielsweise sind zumindest für politische Bezüge sehr frisch. Hier könnte sich in nächster Zeit noch einiges tun, worauf ich auch hoffe.

    @ The_Real_Black: Wir haben ja unser Redaktionsteam gerade erst aufgestockt. Es werden definitiv noch mehr Interviews kommen.
    @ Booomboy: Du suchst die zweite Frage.

  7. @Patrick:
    in der Antwort auf die zweite Frage steht aber nichts außer bla bla bla “alles funktioniert” bla bla bla.
    da steht nichts halbes und nichts ganzes.

  8. @Booomboy: Les mal bei Green:
    http://greenninja87.blogspot.com/2010/08/gamescom-2010-bpjm-usk-und-der.html
    Wie es so es “jugendschutzdienlich ist, titel für erwachsene ins hinterstübchen (indizierung&beschlagnahmung) zu drängen”. ^^

    @Patrik: Ich freu mich schon oder mir graust es, aber dass entscheide ich dann von Fall zu Fall was die Leute von sich geben, ansonsten auch der Tipp mal bei Green vorbei zu schauen denn er stellt die richtigen Fragen. Leider bekommt er unfreiwillig komische Antworten.

    Happy Coding.

  9. da hat man sich wohl leicht abspeisen lassen lol.
    “wenn man keine antworten hat, einfach alles auf den chef schieben”
    war aber auch nicht anders zu erwarten.

  10. Es geht uns ja nicht darum, Leute bloß zu stellen. Die Fragen sind ganz bewusst so gestellt, dass der Befragte sich selbständig äußern kann, aber freilich nicht muss. Ihr solltet bedenken, dass auch nicht gegebene Antworten Rückschlüsse erlauben. Wenn man das bedenkt, sieht man sehr klar, dass in einigen Punkten schlicht noch keine Position vorhanden ist. Ob man das nun negativ wertet oder begrüßt, dass zumindest keine populistischen Schnellschüsse versucht werden, bleibt natürlich dem Leser überlassen.

  11. Für mich sieht es nach dem typischen Unionsdenken aus “bloß nichts konkretes sagen, damit die Wählerstimmen nicht schrumpfen”.
    Zumindest von der JU sollte man doch eine bessere Politik erwarten können als von alten Hasen.
    Das sie evtl. noch keine Position/Meinung dazu haben zeigt auch weiter, dass nicht nur die alten Hasen keine Ahnung von dem Thema haben, sondern offenbar auch die JU sich dem Thema kaum gewidmet haben, um eben halt eine Position/Meinung zu bilden.
    Aber wie ich immer sage: “was will man auch anderes von einem Unionspolitiker erwarten?!”

  12. Pingback: Stigma Videospiele » Blog Archive » Junge Union: Urheberrechtsschutz ist unverzichtbar

  13. Toller Kopierschutz. Der dient einzig und alleine dazu den Gebrauchtmarkt trocken zu legen und Kunden zu kontrollieren und einige Industrievertreter geben das offen zu, mittlerweile ist es sogar so das die bestimmen was auf den Rechner sein darf und was nicht, eine Brennsoftware zur Datensicherung (Datensicherung von zbsp. Arbeitsunterlagen NICHT Raubkopien) etwa blockiert oft die Spiele und vielfach ist man dazu gezwungen Cracks zu nutzen für Originalspiele die NEU gekauft wurden da diese sonst gar nicht laufen würden. Flächendeckendes Internet gibt es immer noch nicht geschweige denn schnelles das man zum spielen benötigt und viele spiele sind schon nach wenigen Monaten nicht mehr verfügbar (Meist 6 Monate) und da ist ein Gebrauchtkauf die einzig legae Möglichkeit es zu erhalten nur nutzt es nichts wenn man es nicht ohne nicht legale Mittel nutzen kann wegen den rigerosen Kopierschutz. Wenn die Industrie nicht aufpasst werden die Kunden sie trocken legen und wenn die Politik nicht endlich mal für die Bürger einsteht und ihre Rechte stärkt wird sie künftig nicht mehr viel Vertaruen genießen können.

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